Otto Krebs (* 25. März 1873 in Wiesbaden; † 26. März 1941 in Heidelberg) war ein deutscher Industriemanager und Kunstsammler. Seine Sammlung impressionistischer Gemälde mit Werken von Paul Cézanne, Vincent van Gogh und Paul Gauguin wurde nach dem Zweiten Weltkrieg von der Roten Armee nach Leningrad verbracht. Heute befindet sich die Sammlung mit Ausnahme weniger Werke, die verloren gingen, in der dortigen Eremitage.Albert Kostenewitsch: Aus der Eremitage. Verschollene Meisterwerke deutscher Privatsammlungen. (hrsg. vom Ministerium für Kultur der russischen Föderation) Kindler, München 1995, S. 15.

Leben und beruflicher Werdegang Otto Krebs wurde am 25. März 1873 in Wiesbaden als Sohn des Physikers Georg Krebs und dessen Ehefrau Charlotte Luise Krebs geboren. Er absolvierte zunächst ein ingenieurwissenschaftliches Studium an der Technischen Hochschule (Berlin-)Charlottenburg und später ein Studium der Philosophie an der Universität Zürich, das er 1897 mit der Promotion abschloss. Nach seinem Studium wurde Krebs zunächst kaufmännischer Direktor des Hamburger Unternehmens Rudolf Otto Meyer und ab 1906 Geschäftsführer von dessen Tochtergesellschaft Strebelwerk GmbHStrebelwerk GmbH auf den Internetseiten von Albert Gieseler, zuletzt abgerufen am 21. Juni 2026 in Mannheim, die unter seiner Führung zum wohl bedeutendsten Hersteller von Heiz- und Dampfkesseln der damaligen Zeit aufstieg.Andrea Pophanken, Felix Billeter: Die Moderne und ihre Sammler. Französische Kunst in deutschem Privatbesitz vom Kaiserreich zur Weimarer Republik. Akademie-Verlag, Berlin 2001, ISBN 3-05-003546-3, S. 288.

Der Erfolg des Unternehmens geht auf eine Erfindung des Ingenieurs Joseph Strebel zurück, der 1893 ein Patent für einen „Glieder-Heizkessel“ (Gegenstromgliederkessel D.R.P. Nr. 76 582) erhalten hatte. Diese Konstruktion bot zwei Vorteile: Zum einen konnte der Kessel aus einzelnen Gliedern je nach gewünschter Heizleistung zusammengesetzt werden, was den Fertigungsaufwand beträchtlich reduzierte. Zum anderen war es nun leichter, Heizkessel in die dafür vorgesehenen Kellerräume zu schaffen. Das Unternehmen selbst, das unter diesem Namen noch heute existiert, gibt an, Strebel habe am 23. Dezember 1893 ein Patent für einen „Gliederkessel mit O-förmigen Elementen und Heizkanälen“ erhalten, das die Heiztechnik revolutioniert habe. Das von Strebel entwickelte Dreizugprinzip garantiere in Verbindung mit dem feuerbeständigen Spezialgusseisen GG-20 beste Wirkungsgrade bei niedrigsten Emissionen.

Otto Krebs gelang es, den Absatz der Strebelwerk GmbH beträchtlich zu erhöhen. Sein dementsprechend hohes Einkommen machte es ihm möglich, eine Kunstsammlung aufzubauen.

Krebs erkrankte später an einem bösartigen Tumor und starb 1941. Einen großen Teil seines Vermögens vermachte er der Stiftung für Krebs- und Scharlachforschung, die noch heute als ein Teil der medizinischen Fakultät der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg tätig ist.

Landgut Holzdorf – ehemalige Heimstatt der Sammlung mini|Herrenhaus des Landguts Holzdorf, Sommer 2008 Holzdorf ist ein Ortsteil im Süden von Weimar (Thüringen). Krebs soll es bei seinen Reisen zwischen Mannheim – dem Sitz der Strebelwerk GmbH – und Fabrikationsstätten des Unternehmens in Böhmen und Schlesien kennengelernt haben. Er verliebte sich in diesen Flecken, erkannte das Potenzial auch in wirtschaftlicher Hinsicht und kaufte 1917 das seit dem 13. Jahrhundert bestehende Landgut Holzdorf. Krebs ließ das Herrenhaus des Guts umfassend umbauen, um einen würdigen Rahmen für seine Kunstsammlung zu schaffen. Um 1930 zog Krebs’ Lebensgefährtin, die Pianistin Frieda Kwast-Hodapp auf das Gut Holzdorf, das bereits zuvor etwa von Adolf Busch und seinem Streichquartett als Rückzugsort genutzt worden war.

An den Wänden der Repräsentationsräume hingen in der Zeit des Nationalsozialismus ab 1935 statt der französischen Gemälde, die nach dem nationalsozialistischen Kunstverständnis „entartet“ waren, belgische Gobelins und goldverzierte Ledertapeten. Für seine Kunstschätze ließ Krebs 1926 Tresore in das Herrenhaus und in das Verwalterhaus einbauen. Seine Sammlung überstand zwar den Zweiten Weltkrieg unversehrt, wurde jedoch nach dem Sieg der Alliierten 1949 von den sowjetischen Besatzungstruppen abtransportiert.Landgut Holzdorf. Bildung, Erholung, Betreuung. (undatierte Broschüre des Fördervereins Landgut Holzdorf e.V.)

Sammlung Otto Krebs begann nach dem Kauf des Landguts, eine Vielzahl von Kunstgegenständen zu sammeln – von antiken Möbeln bis zu modernen Gemälden. Bemerkenswerterweise erwarb er nur wenige Exponate aus dem Zeitalter der Romantik, obwohl er sich für diesen Bereich begeisterte. Der Schwerpunkt seiner Sammlung liegt auf der Zeit des späten 19. und des frühen 20. Jahrhunderts. Krebs, so schreibt es Albert Kostenewitsch, „lag mit seinen Neigungen ähnlich wie der amerikanische Sammler Albert C. Barnes, aber er bewies oft besseres Urteilsvermögen und kaufte nicht in so großen Mengen“. Daher seien ausnahmslos all seine Cezannes von hervorragender Qualität. Fünf Gemälde zeigten dessen Schaffen in seiner ganzen Spannweite – Stillleben, Porträt, figürliche Komposition und Landschaft – und sie alle könnten bedenkenlos als Meisterwerke bezeichnet werden. Dasselbe, so Kostenewitsch, könne über die Werke van Goghs und Gauguins gesagt werden. All diese Erwerbungen unterschieden sich massiv voneinander, weil es das Bestreben von Otto Krebs gewesen sei, gleichzeitig nach einer repräsentativen Auswahl aus dem Gesamtwerk des Malers, wie nach Hervorheben seiner besonderen Qualitäten zu streben.

Schriften Der Wissenschaftsbegriff bei Hermann Lotze. (Dissertation, Universität Zürich, 1897) Geibel, Altenburg 1897.

Weblinks

Immersiver Audioguide: Legende Holzdorf (6 umfangreiche Audiotouren zu Geschichte und Gegenwart des Landgutes Holzdorf mit Interviews, historischen Fotos und Karten)

Literatur Hartmut Boettcher: Krebs, Otto. In: Lebenswege in Thüringen. Sammlung 5. Verlag Vopelius, Jena 2015, ISBN 978-3-939718-87-1, S. 160–165. Ulrike Oberländer: Der Kunstsammler Dr. Otto Krebs, seine Lebensgefährtin Frieda Kwast-Hodapp und das Rittergut Holzdorf. Dissertation, Friedrich-Schiller-Universität Jena, 2015. (Digitalisat bei der DNB / Digitalisat in der Digitalen Bibliothek Thüringen) Ulrike Oberländer, Bernhard Post, Daniel Rimbach: Legende Holzdorf. Zeitreise. (hrsg. von der Diakonie Landgut Holzdorf gGmbH) Weimar 2021. (mit Lageplan)

Einzelnachweise

Kategorie:Manager (Deutschland) Kategorie:Kunstsammler Kategorie:Kunstraub Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1873 Kategorie:Gestorben 1941 Kategorie:Mann