mini|hochkant=1|Tortendiagramme der Zusammensetzung verschiedener Ernährungskonzepte:typische westliche Ernährung (entspricht der DGE-Empfehlung mit ca. 50 % Kohlenhydratanteil); Atkins-Diät in der Einführungsphase; Ketogene Diät mit 4:1-Verhältnis von Fett zu Kohlenhydraten/Proteinen; Medium-chain-Triglyceride (MCT) ketogene Diät.Prozente in den Graphen (Carbs, Proteine, Fett, MCT Fett): Normal: 50, 15, 35, 0; Atkins : 5, 35, 59, 0; Classic ketogenic: 1.6, 8.4, 90, 0; MCT ketogenic: 19, 10, 11, 60.P. R. Huttenlocher, A. J. Wilbourn, J. M. Signore: Medium-chain triglycerides as a therapy for intractable childhood epilepsy. In: Neurology. Band 21, Nr. 11, Nov 1971, S. 1097–103. PMID 5166216

Der Begriff Kohlenhydratminimierung bzw. Low-Carb (von , Abkürzung für carbohydrate ‚Kohlenhydrat‘) bezeichnet verschiedene Ernährungsformen oder Diäten, bei denen der Anteil der Kohlenhydrate an der täglichen Nahrung reduziert wird. Motivation ist häufig eine erwünschte Gewichtsreduktion, als Therapie einer Stoffwechselerkrankung oder als allgemeine Ernährungsform mit erhofften positiven prophylaktischen Gesundheitsauswirkungen.

Die täglichen Mahlzeiten bestehen hauptsächlich aus Gemüse, Milchprodukten, Fisch und Fleisch, wobei Fette und Proteine die wegfallenden Kohlenhydrate ersetzen. Die empfohlene Energiezufuhr durch Kohlenhydrate, gegenüber einer typischen westlichen Ernährung mit ca. 50 % Anteil, schwankt je nach Form der Low-Carb-Ernährung stark, von der ketogenen Diät, bei der der Anteil auf theoretisch null reduziert sein kann, bis zu Formen, die nur geringe Reduktionen empfehlen.

Wissenschaftliche Studien zeigen keinen besonderen Nutzen von Low-Carb-Diäten (im Vergleich zu hinsichtlich der Nährstoffzusammensetzung ausgeglicheneren Diäten) zur Gewichtsreduktion. Langfristig können sich außerdem eine Reihe gesundheitliche Nachteile einstellen.

Wirkung

Die Zellen des menschlichen Körpers werden bei gewöhnlicher Ernährung über Einfachzucker wie Glucose und Fructose im Blut mit Energie versorgt. Kohlenhydrate wie Getreide oder Kartoffeln bestehen aus längeren Ketten und werden vom Verdauungssystem in verwertbare Einfachzucker umgewandelt. Werden nicht ausreichend Kohlenhydrate mit der Nahrung aufgenommen, findet eine Umstellung des Stoffwechsels in Richtung Katabolismus statt. In diesem Zustand erzeugt der Organismus in der Leber aus den Fettreserven über Acetyl-CoA körpereigene Energieträger, die sog. Ketone.

Die Metabolismus­umstellung wird von einem absinkenden Insulinspiegel eingeleitet, sodass anabole Insulineffekte nicht mehr auftreten. Stattdessen wird vermehrt Glukagon ausgeschüttet, was zur Nutzung von Glykogen und Fetten führt.

Kurzfristige Wirkungen Der Energiestoffwechsel des Körpers stellt sich von dem bei typisch westlicher Ernährung vorherrschenden Kohlenhydratstoffwechsel auf den Fettstoffwechsel um.

Fette erzeugen ein intensiveres Sättigungsgefühl als (lösliche) Kohlenhydrate.

Langfristige Wirkungen Siehe Low-Carb#Langfristige Low-Carb-Ernährung

Entwicklung Das Prinzip der kohlenhydratarmen Diät stammt aus dem 19. Jahrhundert und wurde zuerst von dem Engländer William Banting (1797–1878) durch sein Buch Letter on Corpulence bekannt, das in mehrere Sprachen übersetzt wurde.A brief history of Banting. In: Gary Taubes: Good Calories, Bad Calories: Fats, Carbs, and the Controversial Science of Diet and Health. Anchor 2008, ISBN 978-1-4000-3346-1, S. IX ff. Die sehr fleischbetonte Kost war ihm zur Gewichtsabnahme von seinem Arzt verordnet worden, womit er nach eigenen Angaben innerhalb eines Jahres 23 kg abnahm. Diese Diät war Ende des 19. Jahrhunderts auch in Deutschland als Banting-Kur bekannt. Auch der Göttinger Arzt Wilhelm Ebstein empfahl schon im 19. Jahrhundert eine „Fleisch-Fett-Diät“ und den weitgehenden Verzicht auf Kohlenhydrate. Auch der französische Gastrosoph Jean Anthelme Brillat-Savarin vertrat die Ansicht, dass vor allem die Stärke in Brot und Mehl dick mache. Wolfgang Lutz, ein österreichischer Arzt (siehe Lutz-Diät), beschränkte ab dem Frühjahr 1958 seine tägliche Kohlenhydrataufnahme auf 72 Gramm (6 BE), worauf sich sein Gesundheitszustand nach eigenen Angaben verbesserte. Im Jahr 1967 veröffentlichte er sein zunächst wenig beachtetes Buch „Leben ohne Brot“. Populär wurde die Low-Carb-Ernährung dann erneut in den 1970er Jahren durch die von Robert Atkins, einem US-amerikanischen Arzt, publizierte Atkins-Diät. Atkins wertete Forschungen aus den 1950er Jahren aus und bewertete sie neu. Eine Variante der Low-Carb-Ernährung sind Diäten, die den Glykämischen Index mit einbeziehen (z. B. Logi-Methode).

Theorien und Ansätze Die Low-Carb-Vertreter gehen davon aus, dass eine Ernährung mit einem hohen Anteil an Kohlenhydraten generell negative Auswirkungen auf die Gesundheit hat und die Entstehung so genannter Zivilisationskrankheiten begünstigt sowie eher zu Übergewicht führt als eine kohlenhydratarme Ernährung. Eine der Grundideen dahinter ist das Konzept eines Menschen, der genetisch nur bedingt an die kohlenhydratlastige Ernährung mit Getreideprodukten, verfügbar mit dem Auftreten der Ackerbaukultur vor ca. 10.000 Jahren, angepasst ist. Es wird postuliert, dass der Mensch physiologisch noch besser an eine Ernährungszusammensetzung einer Jäger- und Sammlerkultur mit viel Fett und Protein und wenig kurzkettigen Kohlenhydraten angepasst ist, was auch zur Empfehlung einer sogenannten Steinzeiternährung führte.

Kohlenhydratstoffwechsel mini|hochkant=1.6|Im Bild die Schwankungen des Blutzuckers (rot) und des den Blutzucker kontrollierenden Hormons Insulin (blau) beim gesunden Menschen über den Tagesverlauf mit drei Mahlzeiten. Aufgezeigt auch ist der Einfluss einer zuckerhaltigen (gestrichelt) gegenüber einer stärkehaltigen (durchgezogene Linie) Mahlzeit.

Als einer der relevanten physiologischen Wirkmechanismen der aufgenommenen Kohlenhydrate auf den menschlichen Metabolismus wird von Low-Carb-Vertretern der Einfluss auf den Blutzucker­spiegel genannt. Wenn man Kohlenhydrate in Form bestimmter Einfachzucker (wie Glucose und Galactose) zu sich nimmt, steigt der Blutzuckerspiegel schnell und stark an. Dies geschieht, weil der Körper diese beiden Einfachzucker sofort aufnehmen kann. Als Reaktion darauf schüttet die Bauchspeicheldrüse verstärkt das Hormon Insulin aus, um den Zuckeranteil im Normbereich zu halten, da das Insulin die Aufnahme des Zuckers zur Energiegewinnung und Speicherung in die verschiedenen Körperzellen regelt.

Auch sind Kohlenhydrate kein essentieller Bestandteil der Nahrung, da der Körper sie in der Gluconeogenese unter Energieaufwand aus anderen Nahrungsbestandteilen wie Proteinen und Glycerin selbst herstellen kann. Der tägliche Glucosebedarf eines erwachsenen Menschen beträgt ungefähr 160 g, wobei davon allein 120 g das Gehirn benötigt, demgegenüber steht die Fähigkeit der Leber, täglich etwa 180 bis 200 g Glucose zu synthetisieren. Dementsprechend ist auch eine eigenständige Erkrankung des Menschen durch das Fehlen von Kohlenhydraten unbekannt.

Körpergewicht Kurz- und mittelfristig können Menschen, die sich kohlenhydratarm ernähren, mehr Gewicht verlieren als Menschen, die sich fettarm ernähren. Diese Menschen haben anfangs einen sehr geringfügig höheren Gewichtsverlust, der etwa 100 kcal/Tag entspricht, aber der Vorteil nimmt im Laufe der Zeit ab und ist letztlich unbedeutend. Die Endocrine Society stellte fest, dass „bei konstanter Kalorienzufuhr […] die Körperfettansammlung selbst durch sehr ausgeprägte Veränderungen der Fett- gegenüber der Kohlenhydratmenge in der Ernährung nicht beeinflusst zu werden scheint.“

Ein Großteil der Forschungsarbeiten, in denen fettarme mit kohlenhydratarmen Diäten verglichen wurden, war von schlechter Qualität und Studien, die über große Effekte berichteten, erhielten im Vergleich zu methodisch soliden Studien unverhältnismäßig viel Aufmerksamkeit. In einem Review aus dem Jahr 2018 heißt es, dass „qualitativ hochwertigere Meta-Analysen nur geringe oder gar keine Unterschiede bei der Gewichtsabnahme zwischen den beiden Diäten aufwiesen“. In einer systematischen Übersichtsarbeit wurde berichtet, dass acht von zehn Meta-Analysen untersuchten, ob die Ergebnisse der Gewichtsabnahme durch Publikationsfehler beeinflusst worden sein könnten; sieben von ihnen kamen zu einem positiven Ergebnis. Eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2017 kam zu dem Schluss, dass verschiedene Diäten, einschließlich kohlenhydratarmer Diäten, ähnliche Ergebnisse bei der Gewichtsabnahme erzielen, die hauptsächlich durch die Kalorienrestriktion und die Einhaltung der Diät und nicht durch die Art der Diät bestimmt werden.

Ein anderer Wirkmechanismus für Gewichtsreduktion durch Low-Carb-Diäten könnte ein stärkeres oder früheres Sättigungsgefühl sein, welches durch den größeren Eiweißanteil in der Nahrung ausgelöst wird, wie Studien andeuten. Wissenschaftler um Rachel L. Batterham konnten zeigen, dass Peptid Tyrosyl-Tyrosin (PYY) freigesetzt wird, wenn Protein vom Körper aufgenommen wird.

Formen von Low-Carb-Diäten Die Ernährungsregeln der verschiedenen Low-Carb-Vertreter sind uneinheitlich und weichen teilweise stark voneinander ab. Allgemein wird heute üblicherweise unterschieden:dietdoctor.com

ketogene Ernährung 0–20 g Kohlenhydrate pro Tag moderate Low-carb-Ernährung 20–50 g Kohlenhydrate pro Tag liberale Low-carb-Ernährung 50–100 g Kohlenhydrate pro Tag

Zu Beginn fast ganz auf Kohlenhydrate verzichtet die Atkins-Diät, während bei einigen (zum Beispiel der Logi-Methode) nur die Zufuhr von Kohlenhydraten mit hohem glykämischen Index vermieden werden soll. Die Grenze zwischen Low-Carb und ketogener Diät ist nicht eindeutig definiert; sie liegt zwischen 30 und 50 g Kohlenhydraten täglich.Christian Floto, Michael Ristow: Low-Carb – Weniger Kohlenhydrate, bessere Gesundheit? Deutschlandfunk – „Sprechstunde“ vom 6. September 2016.

Erwähnenswert ist, dass ein Großteil der wissenschaftlichen Studien zu Low-carb-Ernährung bis zu 130 g Kohlenhydrate erlauben, was nicht mehr heutigen Empfehlungen entspricht.

Begrenzung der täglichen Kohlenhydratmenge Bei dieser Variante wird die Kohlenhydratmenge begrenzt, beispielsweise auf maximal 70 bis 110 g pro Tag, wobei die genaue Menge für jeden anders sein kann (Atkins-Diät). Bei der Lutz-Diät werden sechs Broteinheiten empfohlen.

Die Zusammensetzung der Nahrung besteht bei Wolfgang Lutz, Jan Kwasniewski und A. Felix überwiegend aus tierischen Nahrungsmitteln. Der Brennstoff Kohlenhydrat wird durch den Brennstoff Fett ersetzt. Produkte mit Zucker und Stärke sollen weitgehend weggelassen werden.

Beachtung des Glykämischen Index bzw. der Glykämischen Last Bei dieser Form der Low-Carb-Ernährung wird bei den Kohlenhydraten nicht nur die Menge betrachtet, sondern auch die Geschwindigkeit, mit der sie den Blutzucker erhöhen.

Lange wurde nach der Größe des Kohlenhydrat-Moleküls sortiert: Man unterschied die Monosaccharide (Einfachzucker) und die Polysaccharide (Mehrfachzucker). Mittlerweile bewertet man Kohlenhydrate aber nach dem Glykämischen Index (GI), um zu erfahren, wie schnell ein Lebensmittel den Blutzuckerspiegel erhöht (siehe GI-Liste).

Der Grund für die Beachtung der Geschwindigkeit des Blutzuckeranstiegs ist die Tatsache, dass ein schneller Anstieg des Blutzuckerspiegels zu einer starken Insulinausschüttung führt, weswegen der Blutzuckerspiegel auch schnell wieder sinkt. Dadurch bekommt man schneller wieder Hunger, so die Theorie.

Seit Kurzem wird anstelle des Glykämischen Index vermehrt die Glykämische Last (GL) verwendet, da diese die tatsächliche Belastung des menschlichen Körpers genauer widerspiegelt (siehe dort).

Übersicht der Low-Carb-Ernährungskonzepte Die Anabole Diät hat das Ziel, trotz Fettabbaus die körpereigene Muskelmasse beizubehalten oder auszubauen. Sie orientiert sich dabei auch an den Richtlinien der Atkins-Diät. Die Atkins-Diät erlaubt am Anfang kaum Kohlenhydrate und ist sehr fett- und eiweißreich.