mini|400px|Der Marktplatz Alsfeld () ist eine Stadt im mittelhessischen Vogelsbergkreis.

Alsfeld erhielt bereits vor 800 Jahren Stadtrecht. Durch seine zentrale Lage an einer Handelsstraße war Alsfeld vom Mittelalter bis in die Frühe Neuzeit ein bedeutender Handelsplatz. Der durch die Verheerungen des Dreißigjährigen Krieges und die Verlagerung der Handelsrouten verursachte wirtschaftliche Bedeutungsverlust trug zur weitgehenden Erhaltung des Stadtbildes mit seinen über 400 Baudenkmälern bei und machte Alsfeld letztlich zu einem Ziel des Kulturtourismus.

Geografie Lage mini|hochkant|Wehr mit Trittsteinbrücke über die Schwalm Alsfeld liegt im Nordteil des Vogelsbergkreises am Südwestrand des Knüllgebirges, am Westhang des Alsfelder Beckens. Die Stadt befindet sich westlich der Mündung der Eifa in den Oberlauf der Schwalm. Eingebettet ist der staatlich anerkannte Erholungsort in die Landschaft des Vogelsbergs.

Die Stadt ist Teil der Metropolregion Rhein-Main. Größere Städte in der Nähe sind Bad Hersfeld, etwa 39 km im Osten, Fulda, ungefähr 44 km im Südosten, Gießen, zirka 52 km im Westen und Marburg, etwa 43 km im Nordwesten gelegen. Frankfurt am Main liegt rund 100 km südlich.

Nachbargemeinden Alsfeld grenzt im Norden an die Gemeinden Willingshausen, Schrecksbach und Ottrau (alle Schwalm-Eder-Kreis), im Osten an die Gemeinde Breitenbach (Landkreis Hersfeld-Rotenburg) und Grebenau (Vogelsbergkreis), im Süden an die Gemeinden Schwalmtal und die Stadt Romrod sowie im Westen an die Stadt Kirtorf und die Gemeinde Antrifttal, alle ebenfalls zum Vogelsbergkreis gehörend.

Stadtgliederung Neben der Kernstadt (10.681 Einwohner) gibt es die Stadtteile Altenburg (1453), Angenrod (608), Berfa (703), Billertshausen (258), Eifa (837), Elbenrod (451), Eudorf (551), Fischbach (95), Hattendorf (612), Heidelbach (385), Leusel (816), Liederbach (555), Lingelbach (712), Münch-Leusel (78), Reibertenrod (375) und Schwabenrod (378).Ortsteile mit Einwohnerzahlen auf Alsfeld.de

Etymologie des Namens mini|hochkant=2|Alsfeld – Auszug aus der Topographia Hassiae von Matthäus Merian 1655 Zur Herkunft des Stadtnamens gibt es einige anekdotenhafte Erwählungen. So soll um das Jahr 1200 der Landgraf von Hessen/Thüringen einen Ausritt über den Vogelsberg gemacht haben. Auf dem Homberg (einem Hügel nahe Alsfeld) angekommen, blies dort ein starker Wind. So sagte dieser: „Als fällt mir der Hut vom Kopp.“ („Als“: oberhessisch für „immerfort“.) Aus „als fällt“ wurde dann Alsfeld. Der Ortsname bedeutet aber: „Siedlung auf dem Felde des Athal“.Lutz Reichardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach in Hessen. Namenbuch. Dissertation. Göppingen 1973. S. 25–27, hier: S. 26. Er lässt sich auf den althochdeutschen Personennamen „Adalo“ zurückführen.Dieter Berger: Geographische Namen in Deutschland. (= Duden Taschenbücher. Band 25.) 2. Auflage. Mannheim 1999, S. 38. 1076 wird der Ort Adelesfelt im Kopiar Codex Eberhardi genannt: „... Gerhardus comes et uxor Hacecha tradiderunt sancto Bonifacio hubas X in Fogeteshagen et in Wanesbach et Adelesfelt …“Meyer zu Ermgassen: CE p. 75v, ebenso Ernst Friedrich Johann Dronke: Codex dipolomaticus Fuldensis. Kassel 1850. Nr. 765, S. 372. Die Schenker an das Kloster Fulda waren ein Graf Gerhard und seine Ehefrau Hacecha, die zehn Hufen in den genannten Orten übertrugen.Eugen Rieß, Dieter Wolf: „Vom Leben in einem kleinen Dorf. Die Ortsgeschichte von Wohnbach. Band 1: Alte Zeiten.“ Herausgegeben vom Arbeitskreis Dorferneuerung Wohnbach und der Gemeinde Wölfersheim. 2022. Band 1. Eugen Rieß: Kloster Lorsch. S. 32-S. 61. S. 59. Allerdings ist die Zuschreibung zu Alsfeld umstritten.

Im Jahre 1222 wird ein „… Sifridus scabinus de Adelsfelt …“ (Sifrid Schöffe aus Alsfeld) genannt.Archiv für Hessische Geschichte und Alterthumskunde. Supplement 1 (1846), S. 176.,Alesvelt (1232), Als Schöffen in Marburg werden die Ortsadligen „… Osperto et Ludowico de Ailesuelt, scabinis in Martburc …“ 1233 in einer Urkunde erwähnt.Arthur Wyss: Urkundenbuch der Deutschordens-Ballei Hessen. Band 1–3. Leipzig 1879–1899. Band I, Nr. 37, S. 37.

„… Cunrado de Agilsvelt …“ erscheint urkundlich 1249.Heinrich Reimer (Archivar): Urkundenbuch zur Geschichte der Herren von Hanau. Band 1 – 4. Leipzig 1891 – 1897. Band I, Nr. 257, S. 190. Ein Jahr später wird „… Henrici ciuis de Alsfelt …“ erwähnt.Ludwig Baur: Hessische Urkunden aus dem Großherzoglich Hessischen Haus- und Staatsarchive. Band 1–5. Band 1. Darmstadt 1860–1873. Nr. 1284, S. 865. Eine Urkunde im Hessischen Staatsarchiv Marburg nennt „… Cunradus de Allysfelt ...“ 1302.StAM, A II, Kloster Haina. Im darauffolgenden Jahr wird Besitz in Alsfeld, „… curiam in Elsfeldia …“ angegeben.Ludwig Baur: Hessische Urkunden. Band I. Nr. 437, S. 310.

Urkundlich erwähnt sind 1319 die „… scabinos in Alsfeltd …“ und die „… consules et universi cives de Alsfeldia …“.Artur Wyss Urkundenbuch Deutsch-Orden Hessen. Band II.Nr. 346, S. 261. Zum nahen Ordenshof in Seibelsdorf bestanden enge Beziehungen.Ursula Braasch-Schwersmann: Das Deutschordenshaus Marburg. Wirtschaft und Verwaltung einer spätmittelalterlichen Grundherrschaft. = Untersuchungen und Materialien zur Verfassungs- und Landesgeschichte 11. Herausgegeben vom Hessischen Landesamt für geschichtliche Landeskunde. Dissertation. Marburg 1989. S. 297, 318.

Das Grundwort „feld“ im Ortsnamen beruht auf dem mhd. velt, was „waldfreies, relativ ebenes, für den Ackerbau geeignetes Gelände“ bedeutet.Friedrich Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 20. Auflage Berlin 1967. bearbeitet von Walther Mitzka. S. 191.

Seit 1975 trägt die Stadt den Titel „Europäische Modellstadt“, dieser wurde im europäischen Denkmalschutzjahr verliehen.

Geschichte

Die vermutlich älteste schriftliche Erwähnung von Alsfeld erfolgte unter dem Namen Adelesfelt im Jahr 1069.Tilman Struve, Gerhard Lubich, Dirk Jäckel (Bearb.): Regesta Imperii, Teil 3: Salisches Haus: 1024–1125, Abt. 3: Die Regesten des Kaiserreiches unter Heinrich IV.: 1056–1106, 2. Lieferung: 1065–1075. Böhlau, Wien 2010, ISBN 978-3-412-20531-7, S. 72 f., Urkunde Nr. 512. Im Codex Eberhardi, verfasst um 1160, findet sich der Eintrag:„… in Fogetdeshagen et in Wanesbach et in Adelesfelt …“Ernst Friedrich Johann Dronke: Codex dipolomaticus Fuldensis. Kassel 1850. Nr. 765, S. 372. Das Historische Ortslexikon für Hessen hingegen gibt an, dass die erste Erwähnung (unter dem Namen Adelsfelt), bei der gewiss sei, dass Alsfeld gemeint ist, im Jahr 1222 erfolgt sei. In diesem Jahr wird ein „… Sifridus scabinus de Adelsfelt ...“ (Sifrid, Schöffe, in Alsfeld) in einer Urkunde erwähnt wird.Archiv für Hessische Geschichte und Alterthumskunde, Supplement 1, (1846), S. 176. Elf Jahre später werden die Marburger Schöffen „… Osperto et Ludewico de Ailesuelt …“ genannt.Arthur Wyss: Urkundenbuch der Deutschordens-Ballei Hessen. Band 1–3. Leipzig 1879–1899. Band 1, Nr. 37, S. 37.

Entstehung spätestens im 9./10. Jahrhundert, Aufstieg zur Stadt (Anfang 13. Jahrhundert) Ausgrabungen in der Walpurgiskirche ergaben, dass sich an dieser Stelle schon im 9. bzw. 10. Jahrhundert eine romanische Kirche befunden hatte. Somit entstand der Ort vermutlich in der Zeit der Karolinger.

Zwischen 1180 und 1190 bauten die Landgrafen von Thüringen hier an der historischen Handelsstraße der Kurzen Hessen eine Burg. Diese Lage begünstigte die Entwicklung von Alsfeld, so dass Alsfeld ab 1222 als Stadt bezeugt ist. Seit 1247 gehörte Alsfeld zur Landgrafschaft Hessen. Im Jahre 1254 trat die Stadt dem Rheinischen Städtebund bei.

Im 13. Jahrhundert erlebte Alsfeld seine erste Blüte. Die Stadt ernannte einen Bürgermeister. Mit wachsendem Wohlstand in der zweiten Hälfte setzte eine rege Bautätigkeit ein; u. a. entstanden in dieser Zeit die Walpurgiskirche, ein Kloster, eine Lateinschule und zahlreiche Burgmannenhäuser, eine Synagoge ist für das Jahr 1359 belegt.Herbert Jäckel (Hrsg.): Kleine illustrierte Geschichte der Stadt Alsfeld. Geschichts- und Museumsverein Alsfeld, Alsfeld 1997, ISBN 3-927284-14-9, S. 16 ff. 1350 wurde die Liederbach durch die Stadt geleitet. Mit dem Bau des Schlosses 1395 wurde Alsfeld Residenzstadt.

Reformation, Übergang an Hessen-Marburg (1567), Niedergang durch den Dreißigjährigen Krieg mini|Renaissance-Haustür am Neurathhaus (fotografiert 1874 oder 1884 von Ludwig Bickell) Die Blütezeit setzte sich in die Neuzeit fort: Am Marktplatz errichtete die Stadt 1511 das Rathaus, 1538 das Weinhaus und 1564 das Hochzeitshaus. Die Stadt gehörte zu den 30 bis 35 größten des Heiligen Römischen Reichs. Um dringend benötigten Platz für mehr Wohnhäuser zu schaffen, wurde 1553 der Stadtgraben verfüllt. Händler, Kaufleute, Handwerker, Intellektuelle und Geistliche lebten in Alsfeld und förderten ein eher weltoffenes und humanistisches Klima.

Früh schloss sich Alsfeld der Reformation an. Auf der Hin- und Rückreise nach Worms hatte Martin Luther hier Quartier genommen. Der Augustinermönch Tilemann Schnabel, ein Freund Luthers, nahm 1522 seine Tätigkeit im Sinne der neuen Lehre in Alsfeld auf. Doch dies zog zunächst noch keinen Beschluss des Stadtrates nach sich, sich der Reformation anzuschließen. Alsfeld war demzufolge nicht die erste hessische Stadt, die lutherisch wurde, wie es in älteren Darstellungen heißt (und daran anschließend gelegentlich noch immer kolportiert wird).So etwa bei Richard Froning (Hrsg.): Das Drama des Mittelalters. (= Deutsche National-Literatur. Band 14.) Deutsche Verlags-Gesellschaft, Stuttgart 1891, Band 2, S. 552. Mit einer Predigt von der Stadtmauer herab zog sich Tilemann Schnabel die Ungnade des Landgrafen zu, musste die Stadt verlassen und konnte nach dem Votum der Bürgerschaft 1525 wieder zurückkehren.Georg Wilhelm Sante (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten Deutschlands. Band 4: Hessen (= Kröners Taschenausgabe. Band 274). 3., überarbeitete Auflage. Kröner, Stuttgart 1976, ISBN 3-520-27403-5, S. 3. Mit dem darauf folgenden Übergang der Stadt zur Reformation endete auch die Tradition des Alsfelder Passionsspiels, das auf dem Marktplatz aufgeführt wurde.Alwin Michael Rueffer: Die Alsfelder Passion 1517. (Übertragung des mitteldeutschen Textes von Rudolf Hagelstange) Langewiesche, Königstein im Taunus 1978, ISBN 3-7845-6015-6, S. 3.

Ab 1567 gehörte Alsfeld zu Hessen-Marburg und ab 1604 zur Landgrafschaft Hessen-Darmstadt. Nicht zuletzt auch wegen der Lage an Handelsstraßen war die Stadt bis 1628 auf 428 Bürger angewachsen, was ca. 2.000 Einwohnern entsprach.

Der Dreißigjährige Krieg richtete große Schäden an. Die Stadt wurde von verschiedenen Heeren heimgesucht, darunter 1622 von Christian von Braunschweig-Wolfenbüttel und 1640 von Johan Banér. Im Hessenkrieg von 1645 bis 1648 lag Alsfeld an der Grenze der beiden Konfliktparteien Hessen-Darmstadt und Hessen-Kassel. Die Stadt wurde immer wieder gezwungen, die Heere zu versorgen, wurde aber auch geplündert.

Nach 20 Jahren Krieg hatte Alsfeld fast die Hälfte seiner Einwohner verloren und seine Bedeutung als Handelsstadt eingebüßt. Statt Handwerk und Produktion (etwa von Tuch) dominierte fortan die Landwirtschaft. In Alsfeld lebende Juden betätigten sich im Viehhandel und im Getreidegeschäft.

19. Jahrhundert: abseits der Industrialisierung Im Großherzogtum Hessen bestand von 1821 bis 1832 der Landratsbezirk Alsfeld. Von 1832 bis 1972 (mit einer kurzen Unterbrechung nach der Märzrevolution, siehe Regierungsbezirk Alsfeld) war Alsfeld Sitz des gleichnamigen Landkreises.

Der Niedergang nach dem Dreißigjährigen Krieg setzte sich bis ins 19. Jahrhundert fort. 1817 kam es gar zu einer Hungersnot und Auswanderungswelle nach Amerika. Gleichzeitig bildeten sich im Nachwirken der Französischen Revolution revolutionäre Tendenzen, so dass Alsfeld ein wichtiger Ort der Deutsche Revolution 1848/1849 wurde. Deren Scheitern führte zu einer zweiten Auswanderungswelle. 1861 eröffnete die heutige Albert-Schweitzer-Schule als erstes Gymnasium der Region.