Es gibt nur vier Einzelbelege für diesen langen, interessanten Artikel. Auch etliche wörtliche Zitate sind ganz unbelegt.
Carl Rudolf Stahl (* 20. April 1884 in Barmen; † 14. Mai 1946Detmar Philippi: Alemannenalbum 1969 Zum 125 Stiftungsfest der Burschenschaft Alemannia zu Bonn, 1969, S. 54. im Speziallager Nr. 2 Buchenwald) war ein deutscher Jurist und Großindustrieller. Stahl war zunächst im Maschinenbau (bis 1929), dann in der kartellierten Rohstoffindustrie (Kupfer, Braunkohle, Steinkohle, Kali) tätig. Von 1930 bis 1945 war Stahl an der Führung des jeweiligen deutschen Reichs-Industrieverbands (RDI, RGI) beteiligt. Stahl engagierte sich ab 1940 bei der Ausbeutung mineralischer Rohstoffe im deutsch besetzten Europa. 1943 stellte er sich gegen eine Fortsetzung des als aussichtslos erkannten Zweiten Weltkriegs.
Ausbildung, Kriegsdienst und Industriekarriere Als Sohn von Carl Theodor Stahl und Hilda Preuß studierte er das Fach der Rechtswissenschaften in Bonn. 1902 trat er in Bonn der Burschenschaft Alemannia Bonn bei.Willy Nolte (Hrsg.): Burschenschafter-Stammrolle. Verzeichnis der Mitglieder der Deutschen Burschenschaft nach dem Stande vom Sommer-Semester 1934. Berlin 1934, S. 477. Danach nahm er ab 1911 als Assessor eine Tätigkeit bei den Stadtverwaltungen von Köln und Krefeld auf. In den Kriegsjahren von 1914 bis 1919 kam er in den Stadtrat von Herne und bekleidete dort auch den Posten eines Bürgermeisters. Als Offizier musste er am Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg teilnehmen.
Sein Onkel Wolfgang Reuter war zu dieser Zeit als Generaldirektor bei der Deutschen Maschinenbau-Aktiengesellschaft (Demag) tätig. Nach dem Krieg ging Stahl zur Demag in Duisburg und gehörte ab 1923 bis 1929 dem Vorstand an. Als der bisherige Generaldirektor der Mansfeld AG für Bergbau und Hüttenbetrieb Max Heinhold am 7. November 1929 kündigte, meldeten die Leipziger Neuesten Nachrichten schon am 11. November, dass Namen der westfälischen Montanindustrie als Nachfolger bekannt seien.
Generaldirektor bei der Mansfeld AG Ernst Schoen von Wildenegg, Vorstandsmitglied der Allgemeinen Deutschen Creditanstalt (ADCA), führte im November 1929 mit dem Industriellen Otto Wolff und Stahl in Köln die Verhandlungen über eine Berufung von Stahl zum Generaldirektor bei der Mansfeld AG mit Sitz in Eisleben. Der abgetretene Heinhold hatte eine Jahresvergütung von 50 000 Reichsmark (RM) zuzüglich einer Aufwandsentschädigung von 10 000 RM erhalten. Stahl forderte dagegen ein Jahresgehalt von 180.000 bis 220.000 RM und einen fünfjährigen Vertrag mit Fortschreibung bei nicht erfolgter Vertragskündigung. Weiterhin wollte er die Umzugskosten erstattet haben wie auch die Aufenthaltsspesen für die Dauer des getrennten Haushalts der Familie. Auch einen Personenkraftwagen mit Nutzung für private Zwecke und einen Jahresurlaub von sechs Wochen Dauer verlangte er. Die bisher bekleideten Posten als Aufsichtsrat wollte er möglichst behalten und die von Heinhold übernehmen, soweit sie die Mansfeld AG betrafen.
Schließlich bezog er in Halle in der Zeppelinstraße 37 eine neue Villa, die die Mansfeld AG ihm für 210 000 RM errichtete. Der Leipziger Oberbürgermeister Carl Friedrich Goerdeler erhob dagegen als Mitglied im Aufsichtsrat Einspruch, aber Schoen wies ihn darauf hin, dass Stahl woanders eben solch ein Angebot als eine allererste Persönlichkeit erhalten könnte. In der Handelskammer Halle wurde er am 28. August 1930 als Mitglied aufgenommen. Beim Reichsverband der Deutschen Industrie (RDI) wurde er zum Beisitzer im Kartellgericht berufen. Am 26. Januar 1930 wählte man Stahl als Mitglied in den Vorstand des RDI. Dem Deutschen Industrie-Club Düsseldorf gehörte er schon vor Mai 1932 an.
Weltwirtschaftskrise und Mansfelder Streik Die aufkommende Weltwirtschaftskrise nach 1929 führte bei der Mansfeld AG nicht nur zu fallenden Kupferpreisen, auch der Absatz begann zu sinken. So zeigten Berg und Friedensburg, dass die Preise von einer Tonne Kupfer von 1926 bis 1930 folgende Entwicklung nahmen:
1926: 1278 RM 1927: 1227 RM 1928: 1356 RM 1929: 1605 RM 1930: 1195 RM
Am 15. April 1930 reduzierte das internationale Kupferkartell die Preise für Kupfer um 22 Prozent. Stahl nahm daher schon am 19. April Verhandlungen mit den Vertretern der Gewerkschaften der Beschäftigten auf und stellte fünf Forderungen
die Löhne der Berschäftigenten sollten um 15 Prozent reduziert werden. bei Wettelrode sollten die Arbeiten im Röhrigschacht eingestellt werden, wobei die zugehörigen 110 Betriebsangehörigen entlassen werden sollten sowohl beim Paul-Schacht wie bei anderen Schächten sollten die Arbeiten eingestellt sowie die zugehörigen 800 Beschäftigten entlassen werden so wie sich die Vorräte des gewonnenen Kupfers entwickelten, so sollten Beschäftigte der Hütten entlassen werden
Nach Ankündigung dieser Maßnahmen streikten die Arbeiter vom 2. Juni bis zum 25. Juli 1930. Nach wechselvollen Auseinandersetzungen mit der Belegschaft kam es schließlich am 15. Juli 1930 zu einer schriftlichen Protokollvereinbarung mit dem Reichsarbeitsministerium, den Gewerkschaftsvertretern und den Vertretern der Mansfeld AG, dass die Tariflöhne um 9,5 Prozent gesenkt und ein Antrag an die Reichsregierung und die Staatsregierung von Preußen auf die Gewährung von Subventionen für den Kupferbergbau gestellt werden sollte. Faktisch aber entsprach diese Regelung einer Senkung um 12 Prozent bei den übertariflichen Löhnen.
Infolge der ausbleibenden Produktion sah sich die Reichsregierung und die Regierung von Preußen veranlasst, jeweils die Hälfte der Summe von 450.000 bis 500.000 RM im Monat bis zum Ende des Jahres 1930 an die Mansfeld AG zu zahlen. Stahl konnte diese Unterstützung nicht als hinreichend für das Jahr 1931 und danach zur Aufrechterhaltung der Kupferproduktion ansehen.
Einsatz um Subventionszahlungen Am 29. September 1930 informierte er Kurt Wenkel, der mit seinem Pressebüro sowohl für den Otto-Wolff-Konzern wie die Mansfeld AG die Öffentlichkeitsarbeit organisierte. Er habe inzwischen mit Werner Kehl von der Deutschen Bank Kontakt aufgenommen, der enge Beziehungen zum Reichsminister Adam Stegerwald und zum Reichskanzler Heinrich Brüning pflegte. Weiterhin wies er auf den Kontakt zum Reichstagsabgeordneten Carl Cremer der Deutschen Volkspartei hin, den die Mansfeld AG im Wahlkampf unterstützt habe. Sowohl Stahl als auch Wenkel wandten sich an den Regierungspräsidenten in Merseburg, Ernst von Harnack. Am 20. und 21. Oktober fand ein Treffen mit den Ministerialdirektoren Friedrich Ernst und Johannes Heintze (Reichswirtschaftsministerium) (RWM) in Eisleben statt. Heintze sagte Stahl zu, mit dem Staatssekretär Hans Schäffer über notwendige Subventionen zu reden, da dieser einer finanziellen Unterstützung ablehnend gegenüberstand.
Stahl wandte sich auch Anfang Oktober 1930 an den Chef des Heereswaffenamtes, Generalleutnant Alfred von Vollard-Bockelberg, wobei er auf die Bedeutung des Betriebes für die Rüstung hinwies, wie sich schon im Ersten Weltkrieg gezeigt habe. Schon am 18. Oktober 1930 erhielt Stahl die Antwort von ihm, dass der Minister sich für eine Unterstützung des Betriebes aussprechen werde, falls die Mittel bereitstehen würden. Auch ein Schreiben vom 4. Oktober an den Geheimrat Ludwig Kastl, Mitglied im Präsidium vom Reichsverband der Deutschen Industrie, fand eine positive Antwort für Subventionen der Mansfeld AG. Nach zahlreichen weiteren Aktionen hatte Stahl erreicht, dass ab dem 1. Januar 1931 für die Jahre 1931 und 1932 Zuschüsse zu den Investitionen in Höhe von 1,4 Millionen RM pro Jahr und Fracht- und Steuernachlässe bis zu 5,64 Millionen RM pro Jahr aus dem Haushalt der Reichsregierung und von Preußen gezahlt würden.
Kontakte zur NSDAP Am 1. November 1932 nahm Stahl den direkten Kontakt zu den Nationalsozialisten auf, als er den Kreisleiter der NSDAP in Mansfeld, Ludolf-Hermann von Alvensleben auf die zukünftige Entwicklung des Bergbaus der Mansfeld AG ansprach. Der empfahl Stahl, ein Gespräch mit Walther Funk zu suchen, das am 13. Januar 1933 in Köln stattfand. Zum 1. Mai 1933 trat Stahl in die NSDAP ein (Mitgliedsnummer 2.679.806).Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/42341314 Schon einen Monat später teilte Max von der Porten am 10. April 1933 in einem Schreiben mit, dass er das Amt des Vorsitzenden des Gesamtausschusses der Metallwirtschaft abgeben werde, worauf Stahl diesen Posten übernahm. Stahl wurde damit für die Führung der deutschen Metallwirtschaft in eine bedeutende Stellung gebracht. In Halle gehörte er seit Februar 1933 dem Führerkreis der Industrie- und Handelskammer an.
Dementsprechend wandte sich Richard Merton, der Vorsitzende des Aufsichtsrats der Metallgesellschaft, am 12. April 1934 in einem Schreiben an Stahl, in dem er die Hoffnung ausdrückte, dass Stahl bald der „endgültige Führer der deutschen Metallwirtschaft“ sein würde. Ein gewichtiger Schritt in diese Richtung bedeutete für ihn die Mitgliedschaft vom 23. Juni 1933 im Aufsichtsrat der staatlichen Preußischen Hütten- und Bergwerksgesellschaft AG (PHBAG).
Im Oktober 1933 hielt er eine Ansprache bei der Weihefeier der Gauführerschule auf Schloss Seeburg.
Expansion der Salzdetfurther Kaliwerke Im Jahre 1933 gehörte Stahl einem Konsortium an, das Vorzugsaktien an der Mansfeld AG hielt, wobei weitere Beteiligte die Stadt Leipzig und Otto Wolff waren. Die Vorzugsaktien wurden bald darauf in Stammaktien umgewandelt. Am 15. Februar 1935 wandte sich Dr. Karl Kimmich an Eduard Mosler, beide Mitglieder im Vorstand der Deutschen Bank, um mit Stahl wichtige Punkte bezüglich der Vereinigten Kaliwerke Salzdetfurth (VKS) zu besprechen. Die Absicht der Deutschen Bank bestand darin, eine gemeinsame Gesellschaftsführung für die Mansfeld AG mit der Salzdetfurth AG zu finden. In diese Gespräche wurde auch der Aufsichtsratsvorsitzende der VKS und spätere Leiter der Fachgruppe Kalibergbau in der Wirtschaftsgruppe Bergbau Heinrich Zirkler mit einbezogen.
Am 20. Juli 1933 brachte der Berliner Börsen-Courier in seiner Abendausgabe von der Generalversammlung der Mansfeld AG vom gleichen Tag Auszüge aus der Rede von Stahl, wobei er sich auf den NS-Machtwechsel bezog und auf „das feste Vertrauen zu der nationalen Regierung und ihrem Führer“ baute:
„Das Jahr 1933 hat eine politische und geistige Umwälzung von elementarem, kaum faßbarem Ausmaß gebracht. Niemand kann sich ihr entziehen, am wenigsten die Wirtschaft, deren vornehmste Aufgabe es ist, für alle deutschen Volksangehörigen Arbeit und Brot zu schaffen, damit der neue politische Geist leben und wirken kann…“
Damit lag Stahl genau in der damaligen Kampagne der NSDAP, ein Arbeitsbeschaffungsprogramm aufzustellen, wobei die Betriebe auch ihren Anteil erbringen sollten.
Am 15. Mai 1935 erfolgte die Ernennung von Stahl zum Geschäftsführer der Salzdetfurth-Konzern GmbH als zukünftige Dachgesellschaft der VKS. Als weiteren Schritt des Zusammenschlusses verkaufte die Stadt Leipzig und die Firma Otto Wolff ihre Aktienanteile der Mansfeld AG an die Salzdetfurth-Konzern GmbH, wobei Stahl bei dieser GmbH auch als Geschäftsführer tätig war. Bis Mai 1940 erwarb die Salzdetfurth-Konzern GmbH 98 Prozent der Aktien der Mansfeld AG. Stahl hatte sich am 23. Oktober 1935 an das RWM gewandt, ob nach diesem Zusammenschluss die Subventionen der Reichsregierung weiterhin gezahlt würden, was ihm schon am 28. Oktober schriftlich zugesichert wurde. Im Jahre 1936 wurde Stahl in den Aufsichtsrat der Deutschen Bank berufen, und in dieser Position blieb er bis 1945.
Arisierung der Petschek-Gruppe