mini|alt=Eine quadratische Silbermünze, die auf der Spitze steht. In der Mitte befindet ist ein Kreis eingeprägt, darin steht „BREDA“. In allen Ecken sind verschiedene Zeichen eingedrückt, unten die römischen Ziffern XX|Diese Silberklippe zu 20 Stuiver wurde 1577 anlässlich der Belagerung von Breda ausgegeben Klippen sind eckige Münzen oder Medaillen. Klippen wurden aus verschiedenen Metallen hergestellt und waren häufig Belagerungs- und Notmünzen. Seit dem 17. Jahrhundert wurden häufig Gedenkmünzen aus Silber oder Gold als Klippen geprägt; heute spielen sie eine große Rolle auf dem Markt für Sammlermünzen.Albert R. Frey: A dictionary of numismatic names, their official and popular designations. The American Numismatic Society, New York (NY) 1917, Lemma „Klippe“, Online PDF; 20,7 MB, gesamte Ausgabe, abgerufen am 22. August 2013.Friedrich v. Schrötter et al. (Hrsg.): Wörterbuch der Münzkunde. 2. unveränderte Auflage. de Gruyter, Berlin 1970, Reprint 2012, ISBN 978-3-11-001227-9 (Nachdruck der Originalausgabe von 1930), Lemma „Klippen“.

Etymologie In Skandinavien werden die dort erstmals um 1460 unter König Christian I. von Dänemark, Norwegen und Schweden gefertigten quadratischen Münzen als Klipping bezeichnet. Das Wort bezieht sich auf das damals übliche Verfahren zur Herstellung der Münzen und ist vom schwedischen klippa („schneiden“, „scheren“, „abknipsen“) abgeleitet. Der Begriff wurde später in der Numismatik international gebräuchlich, so heißen Klippen auch im Englischen klippe.

Geschichte Eckige Münzen (viereckig, dreieckig, mehreckig oder unregelmäßig geformt) sind in großer Vielfalt bereits aus der Antike bekannt. Sie wurden unabhängig voneinander in mehreren Kulturen gefertigt; teilweise als alleinige Form für einen langen Zeitraum, in anderen Fällen zusammen auch mit runden Münzen. Die Herstellung unter schwierigen Bedingungen wie zum Beispiel Zeitdruck und fehlendes Werkzeug oder Personal, führte dazu, dass Notmünzen und Belagerungsmünzen im von kriegerischen Auseinandersetzungen erschütterten Europa des 16. und 17. Jahrhunderts häufig als Klippen gefertigt wurden. Aus diesen beiden Jahrhunderten sind besonders viele Klippen überliefert. Bemerkenswert ist, dass die Münzen trotz der widrigen Umstände, wie einer gegenwärtigen Bedrohung durch feindliche Truppen, fast immer aus den damals in der Münzprägung üblichen Edelmetallen hergestellt wurden. Notfalls wurde zu diesem Zweck höfisches Silbergeschirr oder Kirchensilber zerschnitten – wie 1610 bei der Belagerung von Jülich oder 1583 für die Bonner Belagerungsmünzen von 1583. Es gibt allerdings frühe Beispiele für die Anfertigung von Belagerungsmünzen aus unedlen Metallen wie Zinn oder Blei, und im 20. Jahrhundert wurde für Notmünzen häufig Eisen oder Zink verwendet.Luck, Johann Jacob: Sylloge numismatum elegantiorum : quae diuersi impp., reges, principes, comites, respublicae diuersas ob causas ab anno 1500 ad annum usq[ue] 1600 cudi fecerunt. Reppianis, Argentinae (= Straßburg) 1620.J. P. C. Rüder: Versuch einer Beschreibung der seit einigen Jahrhunderten geprägten Nothmünzen. Johann Christian Hendel, Halle 1791.Friedrich v. Schrötter et al. (Hrsg.): Wörterbuch der Münzkunde. 2. unveränderte Auflage. de Gruyter, Berlin 1970, Reprint 2012, ISBN 978-3-11-001227-9 (Nachdruck der Originalausgabe von 1930), Lemma „Belagerungsmünzen“.

mini|links|alt=Ein Kupferstich aus einem alten Buch, oben und unten unleserliche Schrift. Das Bild zeigt eine alte Münzwerkstatt und einen Mann vor einem Amboss. Mit seiner linken Hand hält er einen Prägestempel auf den Amboss, mit der rechten Hand hat er einen Hammer hoch über den Kopf gehoben|Arbeit in einer Münzwerkstatt vor der Einführung von MaschinenChristoph Weigel: Abbildung der gemein-nützlichen Haupt-Stände von denen Regenten und ihren so in Friedens- als Kriegs-Zeiten zugeordneten Bedienten an, biß auf alle Künstler und Handwercker / Nach jedes Ambts- und Beruffs-Verrichtungen, meist nach dem Leben gezeichnet und in Kupfer gebracht, auch nach dero Ursprung, Nutzbar- und Denckwürdigkeiten, kurtz, doch gründlich beschrieben, und ganz neu an den Tag geleget. Regensburg 1698, Blatt „Der Müntzer“, Online DFG-Viewer, abgerufen am 20. August 2013. Die Technik der Münzenprägung lässt sich durch die Untersuchung der archäologischen Fundstücke auf die Materialzusammensetzung und auf Spuren der Bearbeitung für antike Münzen gut rekonstruieren. Der römische Historiker und Schriftsteller Gaius Plinius Secundus hat in den Büchern 33 und 34 seiner Naturalis historia um 77 n. Chr. Einzelheiten zur Metallverarbeitung in der Antike hinterlassen. Andere antike Autoren äußerten sich über Münzgewichte und die Art der zu verwendenden Edelmetalle. Zur Herstellung von Münzen selbst gibt es erst seit dem Mittelalter wieder schriftliche Überlieferungen in nennenswertem Umfang.Percy Gardner: The types of Greek coins. An archaeological Essay. Cambridge University Press, Cambridge 1883, Online PDF; 14.180 kB, abgerufen am 22. August 2013.Lenelotte Möller und Manuel Vogel: Die Naturgeschichte des Gaius Plinius Secundus. 2 Bände. Marixverlag, Wiesbaden 2007, ISBN 978-3-86539-144-5.

Noch während der frühen Neuzeit war die Münzprägung in Europa ein Handwerk. Bis zu den ersten Mechanisierungen der Arbeitsgänge wurde das Münzmetall in Stücke, die Zaine, gegossen. Diese wurden in der Münze vom Zainmeister zunächst eingeebnet und auf die für die Münzen vorgesehenen Maße und Stärke geschlagen. Anschließend schnitt der Schrotmeister die Schrötlinge mit der Benehmschere aus dem Metall, die nach dem Vorgang erneut mit Hammerschlägen geebnet werden mussten. Alternativ wurden die Schrötlinge mit einem geeigneten Werkzeug aus dem auf die richtige Stärke gebrachten Zain gestanzt. Schließlich erhielt der Setzmeister die vorbereiteten Schrötlinge und brachte die Prägung darauf auf. Das Zerschneiden der Zaine oder Platten in quadratische, rechteckige oder rautenförmige Schrötlinge ließ sich schneller bewerkstelligen und hinterließ dadurch weniger Reste zum erneuten Einschmelzen. Eine derartige Entwicklung von runden zu viereckigen Münzen, aus Gründen der Arbeitserleichterung, wird als Anstoß für die umfangreiche Prägung von Klippen in Salzburg im 16. und 17. Jahrhundert angenommen.Carl von Ernst: Die Kunst des Münzens von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart. In: Numismatische Zeitschrift. Bd. 12, 1880, S. 22–67, Online PDF; 25,1 MB, gesamter Band, abgerufen am 22. August 2013.Gustav Zeller: Des Erzstiftes Salzburg Münzrecht und Münzwesen nebst Verzeichniss der Salzburgischen und auf Salzburg Bezug habenden Münzen und Medaillen. Zweite vermehrte und verbesserte Auflage. K.K. Hofbuchhandlung Heinrich Dieter, Salzburg 1883, Online PDF; 7.415 kB, abgerufen am 23. August 2013.

Bei den in der Mitte des 16. Jahrhunderts in die Münzprägung eingeführten Walzenprägewerken konnten die Zaine als solche in die Maschine gegeben werden. Hierbei wurde mit zwei gegenläufigen Walzen das Material exakt auf die gewünschte Stärke gebrachte und zugleich mehrere Münzbilder eingedrückt (vier bis sechs große und/oder bis zu 19 kleine Bilder). Die fertigen Münzen mussten nur noch aus dem bearbeiteten Zain ausgestoßen werden. Das im 17. Jahrhundert eingeführte Taschenwerk hatte nur noch zwei Prägestempel – für die Vorder- und Rückseite der Münzen – die gleichzeitig, zwischen den hindurchgeführten Zainen in einem Arbeitsschritt, eine Reihe von Münzbildern aufprägten.

Ein Nachteil dieser Prägemaschinen bestand darin, dass die Prägestempel für kreisrunde Münzen eine ovale Form haben mussten, weil die rotierenden Walzen das Abbild verzerrt auf die Zaine aufbrachten. Ihr Vorteil, in Bezug auf die Fertigung von Klippen, bestand darin, dass, abgesehen von der Anfertigung der Prägestempel, jeder gewünschte Umriss der Münzen mit ähnlichem Aufwand produziert werden konnte. Allerdings wurden die Rohlinge beim Durchlaufen der Walzen nicht nur bezüglich der unerwünschten Verzerrung der Bildseite verformt, sondern auch gebogen. Das hatte zur Folge, dass sich die hergestellten Münzen nicht mehr einwandfrei aufstapeln ließen. Da dieser Mangel nicht durch eine Anpassung der Prägestempel abgestellt werden konnte, kam man bald von den Walzenprägemaschinen ab und führte Maschinen ein, bei denen die Münzen mit einem senkrecht auftreffenden Stempel geschlagen werden konnten. Das nächste neue Werkzeug in der Münzproduktion, das Klippwerk, war nur für kleine Münzen zu gebrauchen. Dadurch war das Problem der Verformung der Schrötlinge gelöst. Die allgemeine Einführung der Spindelwerke am Ende des 17. Jahrhunderts machte die Form und Größe der Münzen schließlich unbedeutend. Es stellte sich, in Bezug auf Alltagsmünzen, heraus, dass die Produktion von Klippen gegenüber runden Münzen nicht mehr genug Vorteile bot, um die praktischen Nachteile beim Gebrauch der Münzen aufzuwiegen.Friedrich v. Schrötter et al. (Hrsg.): Wörterbuch der Münzkunde. 2. unveränderte Auflage. de Gruyter, Berlin 1970, Reprint 2012, ISBN 978-3-11-001227-9 (Nachdruck der Originalausgabe von 1930), Lemmata „Klippwerk“, „Spindelwerk“, „Taschenwerk“, und „Walzenprägewerk“.

Doch seit dem 16. Jahrhundert kamen Klippen häufiger als Prägungen zu besonderen Anlässen in Umlauf. Nun waren es, im Gegensatz zu den ersten für den Umlauf bestimmten Klippen mit kleinen Nennwerten wie dem schwedischen Fyrk, oft Münzen aus Silber oder Gold mit hohen Wertangaben. Beispiele für solche Klippen sind die Salzburger Klippen zur Erinnerung an die Unterdrückung des Aufstandes der Salzburger Bürgerschaft gegen ihren Erzbischof von 1523. Ebenso zahlreiche Ausgaben zur Feier des Westfälischen Friedens (Freie Reichsstädte Münster und Nürnberg); auch von Jahrestagen der Reformation (Freie Reichsstadt Nürnberg) oder von Geburten, Taufen, Todestagen und Staatsbesuchen (Kurfürstentum Sachsen).Colin R. Bruce, George S. Cuhaj und Merna Dudley (Hrsg.): Standard Catalog of World Coins. Seventeenth Century. 1601–1700. 4th Edition. Krause Publications, Iola (WI), USA 2008, ISBN 978-0-89689-708-3, S. 89–108 (Kapitel „Austrian States – Salzburg“), S. 659–669 (Kapitel „German States – Nurnberg“), S. 762–794 (Kapitel „German States – Saxony“).Colin R. Bruce, Fred J. Borgmann und Elizabeth A. Burgert (Hrsg.): Standard Catalog of German Coins. 1601 to present, including colonial issues. 2nd Edition. Krause Publications, Iola (WI), USA 1998, ISBN 0-87341-644-9, S. 599–609 (Kapitel „German States – Munster“), S. 620–637 (Kapitel „German States – Nurnberg“), S. 810–864 (Kapitel „German States – Saxony“).

mini|alt=Zwei graue quadratische Münzen nebeneinander, links ist eine Sonne über zwei Steckenpferden abgebildet, darunter steht NEDERLAND. Rechts ist ein Kreis, darin steht 5 c, über dem Kreis 19 und darunter 41|Zink-Klippe zu 5 Cent aus dem Zweiten Weltkrieg, Niederlande unter deutscher Besetzung Jenseits des Münzwesens wurden im 17. und 18. Jahrhundert Klippen oft als Form für Schieß- und Schulprämien gewählt. Die entsprechenden Stücke bilden in der Numismatik die eigene Gattung der Schießklippen. Diese Medaillen könnten ihren Ursprung in den 1678 im Kurfürstentum Sachsen geprägten Silberklippen zur Eröffnung des Dresdener Schützenhauses haben. In Sachsen wurden in den folgenden Jahrzehnten noch weitere Silberklippen anlässlich von Schützenwettbewerben ausgegeben. Darüber hinaus gab es in vielen Staaten weiter Prägungen von Gold- und Silberklippen, häufig als Gedenkmünzen mit hohen Nennwerten, die durch ihre, von üblichen Münzen abweichende Gestaltung zusätzlich auffielen.

Ab dem Beginn des 18. Jahrhunderts waren in mehreren Fällen wirtschaftliche Motive für die Herstellung von Klippen maßgeblich. Der Mangel an Silber und Gold und das Bedürfnis zur Verarbeitung von in großen Mengen verfügbarem Kupfer im Königreich Schweden und dem Russischen Kaiserreich führten zur Herstellung von Kupfermünzen in beachtlichen Dimensionen, die gleichwohl gesetzliche Zahlungsmittel waren.