Guangzhou, auch bekannt als Kanton (, veraltet Kwong Chow, Abk. ), ist eine Stadt im Süden der Volksrepublik China. Sie hat 16.096.724 Einwohner im geographischen Stadtgebiet (Stand: Zensus 2020) und 18.676.605 Einwohner im administrativen Stadtgebiet (Stand: Zensus 2020). Sie ist Hauptstadt der Provinz Guangdong, hat die Sonderrechte einer provinzunmittelbaren Stadt und ist ein bedeutender Industrie- und Handelsstandort. Die Region wird auch als „Fabrik der Welt“ bezeichnet.
Guangzhou ist die größte Stadt im Perlflussdelta, einer der größten zusammenhängenden Stadtlandschaften (Megalopolen) weltweit. Zum Perlfluss-Delta gehören neben Guangzhou unter anderem die Millionenstädte Hongkong, Shenzhen, Dongguan, Foshan, Jiangmen, Huizhou, Zhongshan und Zhuhai mit zusammen mehr als 60 Millionen Einwohnern.
Die Nähe zu Hongkong hat – wie im gesamten Perlflussdelta – einen fördernden Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung gehabt. In Guangzhou findet zweimal jährlich – im Frühjahr und im Herbst – die Canton Fair, Chinas größte Import- und Exportmesse, statt.
Im Oktober 2010 wurde hier der damals höchste Fernsehturm der Welt (Canton Tower, 600 m) eröffnet. 2012 ging dieser Rekord an den Tokyo Skytree.
Der Name der Stadt Die im Deutschen – und ähnlich in anderen westlichen Sprachen – verwendete Bezeichnung Kanton geht auf den Namen der Provinz Guangdong zurück. In China wird Guangzhou auch oder genannt. Das Wahrzeichen der Stadt ist eine Statue mit fünf Ziegen.
Geographie Klima Guangzhou liegt am Perlfluss. Durch die geographische Lage bedingt herrscht in Guangzhou ein subtropisch-feuchtes Monsunklima mit einer Jahresdurchschnittstemperatur von 22 °C. Der meiste Niederschlag (Jahresdurchschnitt: 1.982 mm) fällt in der Regenzeit von April bis August.
Administrative Gliederung Auf Kreisebene setzt sich die Unterprovinzstadt Guangzhou aus elf Stadtbezirken zusammen. Die Volksregierung Guangzhous hat ihren Sitz im Stadtbezirk Yuexiu. Am 28. April 2005 wurden die Stadtbezirke Dongshan und Fangcun aufgelöst und nach Yuexiu und Liwan eingegliedert. Außerdem wurde der Stadtbezirk Nansha aus Panyu ausgegliedert sowie der Stadtbezirk Luogang aus Teilen von Baiyun, Tianhe, Zengcheng und aus einem Teil von Huangpu errichtet, der eine Exklave des neuen Stadtbezirks bildet. Im Februar 2014 wurde Luogang wieder aufgelöst und seine Fläche in den Stadtbezirk Huangpu integriert. Gleichzeitig wurden die beiden kreisfreien Städte Conghua und Zengcheng in Stadtbezirke umgewandelt.
+ Administrative Gliederung Guangzhous Stadtbezirk Bezirkskode. Chinesisch Hanyu Pinyin Bevölkerung(Zensus 2020) Flächein km² Bevölkerungsdichte(Einw./km²) Baiyun 440111 Báiyún Qū 3.742.991 795,79 4.703 Conghua 440117 Cónghuà Qū 717.684 1.974,50 363 Haizhu 440105 Hǎizhū Qū 1.819.037 90,40 20.122 Huadu 440114 Huādū Qū 1.642.360 970,04 1.693 Huangpu 440112 Huángpù Qū 1.264.447 484,17 2.612 Liwan 440103 Lìwān Qū 1.238.305 59,10 20.953 Nansha 440115 Nánshā Qū 846.584 783,9 1.080 Panyu 440113 Pānyú Qū 2.658.397 529,9 5.016 Tianhe 440106 Tiānhé Qū 2.241.826 96,33 23.272 Yuexiu 440104 Yuèxiù Qū 1.038.643 33,80 30.729 Zengcheng 440118 Zēngchéng Qū 1.466.331 1.616,47 907Total 18.676.605 7.434,40 2.512
Geschichte mini|Historische Karte (um 1890)
Antike Es wird angenommen, dass das Gebiet um Guangzhou bereits im 9. Jh. v. Chr. besiedelt wurde. Während der Qin-Dynastie war die Stadt die Hauptstadt der Präfektur Nanhai ().
Andere Historiker gehen davon aus, dass sich hier im Jahr 214 vor Christus Menschen niedergelassen haben. Das älteste Siedlungsgebiet im heutigen Guangzhou lag nach dieser Theorie in Panyu (). Seitdem war das Gebiet durchgehend bewohnt. Panyu wuchs vor allem, als es im Jahre 206 vor Christus die Hauptstadt des Nanyue-Königreiches wurde. Die westliche Han-Dynastie annektierte das Königreich im Jahr 111 vor Christus. Seitdem ist Panyu eine Provinzhauptstadt. Im Jahre 226 wurde die Stadt zum Sitz des Bezirkes Guang (). Die Menschen gewöhnten sich daran, die Stadt Guangzhou statt Panyu zu nennen.
Handel mini|links|Ein holländischer Kaufmann in einer Tee-Manufaktur in Kanton (um 1828)
Lange Zeit war Guangzhou Ausgangspunkt der sogenannten „Seidenstraße auf dem Meer“ (). Über den Seeweg unterhielt die Stadt Handelsbeziehungen mit südasiatischen Ländern wie Indien und Arabien.
Von 1757 bis 1842 war Guangzhou der einzige Handelshafen, in dem Ausländern vertraglich das Recht zugesichert worden war, Handel zu treiben.
1711 errichtete die Britische Ostindien-Kompanie einen Handelsposten in Guangzhou. Der Kaiser Qianlong beschränkte das Recht von Ausländern, Niederlassungen in Guangzhou zu gründen, auf ein kleines Gebiet in Guangzhou.
Guangzhou war einer der fünf Vertragshäfen, deren Öffnung durch den Vertrag von Nanking nach dem Ersten Opiumkrieg von Großbritannien erzwungen wurde. Die anderen Häfen waren Fuzhou, Xiamen, Ningbo und Shanghai.
20. Jahrhundert mini|links|Märtyrerdenkmal mini|Whampoa-Militärakademie bzw. Huangpu Junxiao mini|Büro in Huangpu Junxiao
1918 wurde Guangzhou der offizielle Name der Stadt. Panyu wird seitdem ein Stadtbezirk im Süden Guangzhous genannt.
Sun Yat-sen bereitete in Guangzhou die Revolution gegen den Kaiser vor. Die von ihm errichtete Militärschule, die Huangpu Junxiao, auch Whampoa-Militärakademie, () genannt wird, ist bis heute erhalten und ein beliebtes Ausflugsziel.
Japanische Truppen eroberten Guangzhou im Oktober 1938 im Zuge der Canton-Operation und hielten es bis zum 16. September 1945 besetzt.
Nach dem Ende des Bürgerkriegs führten Erneuerungen zu einem höheren Lebensstandard vieler Menschen in Guangzhou. Ab dem Ende der 1970er Jahre profitierte die Stadt von den von Deng Xiaoping eingeleiteten wirtschaftlichen Reformen. Das wirtschaftliche Wachstum wurde vor allem durch die Nähe zu Hongkong und die Lage am Perlfluss stark gefördert.
Im Stadtteil Tianhe wurde mit dem 530 Meter hohen Chow Tai Fook Centre 2016 das aktuell siebenthöchste Gebäude der Welt fertig gestellt. Zusammen mit dem 438 Meter hohen gegenüberliegenden Guangzhou International Finance Center, dem nördlich gelegenen CITIC Plaza und dem südlich gelegenen 600 Meter hohen Canton Tower, dem zweithöchsten Fernsehturm der Welt, bildet es städtebaulich eine architektonische Raute.
Bevölkerung + Bevölkerungsentwicklung der Agglomeration Jahr Einwohnerzahl 1950 1.049.000 1960 1.272.000 1970 1.542.000 1980 1.870.000 1990 3.246.000 2000 7.812.000 2010 10.278.000 2017 12.316.000202018.677.000
In Guangzhou leben Migranten aus dem ganzen Land. Aufgrund des wirtschaftlichen Erfolgs der Region und der Urbanisierung Chinas ist die Stadt in einem extrem schnellen Tempo gewachsen. Laut offiziellem Zensus der chinesischen Regierung lebten 2020 in der Stadt 18,7 Millionen Menschen. Bis 2035 plant die Stadt mit einem Anstieg auf 20 bis 25 Millionen Einwohnern.
Wirtschaft und Infrastruktur mini|Dongfenglu mini|Geschäftsdistrikt der Stadt
Wirtschaftsstruktur mini|Messezentrum von Guangzhou Zwischen 1949 und 1979 war Guangzhou bei weitem die wirtschaftlich führende Stadt des Gebiets. Dies lag vor allem an der China Import and Export Fair (auch Canton Fair), die in Guangzhou im April und Oktober jeden Jahres veranstaltet wird. Dass Guangzhou als Austragungsort dieser Messe ausgesucht wurde, lag an seiner Nähe zu Hongkong und seiner traditionellen Rolle als Chinas Tor zur Welt. Zwischen 1949 und 1979 war die Canton Fair die einzige nennenswerte Verbindung der chinesischen Wirtschaft mit der Weltwirtschaft.
Ab den achtziger Jahren investierten viele ausländische Unternehmen in Guangzhou. Zunächst war ihr Ziel vor allem die Erschließung des südchinesischen Marktes. Guangzhou war im Jahr 2002 nach Shanghai und Peking die Stadt mit der größten Wirtschaft in Festlandchina. Im Vergleich zu anderen Städten des Perlflussdeltas ist die Wirtschaft Guangzhous nicht nur die größte, sondern auch die vielseitigste.
Im Jahr 2002 hatten mehr als 8700 multinationale Unternehmen Niederlassungen in Guangzhou. Bedeutende Investoren sind unter anderem japanische Autohersteller wie Honda, Nissan und Isuzu. 2004 kam auch Toyota hinzu. Ausländische Dienstleister wie zum Beispiel Carrefour, 7-Eleven und Allianz SE werden von der wohlhabenden Bevölkerung der Stadt angezogen. FedEx betreibt seit Februar 2009 sein regionales Drehkreuz am Flughafen Guangzhou-Baiyun.
Industrie Im Jahr 2002 waren die wichtigsten Industriezweige Guangzhous die Transportausrüstung (5,09 Mrd. US$), Chemie (4,21 Mrd. US$), elektronische Telekommunikationsgeräte (3,67 Mrd. US$) und elektrische Geräte und Maschinen (2,72 Mrd. US$). In der Leichtindustrie ist die Produktion von Textilien, Lederprodukten und Plastikprodukten weit entwickelt. Andere wichtige Industrien sind der Schiffbau mit der Huangpo Wenchong Shipbuilding Co., die Nahrungsmittelverarbeitung (u. a. Zuckerraffinerie), Fahrerloser Transport (WeRide), Eisen- und Stahlproduktion und Kautschukverarbeitung.
Dienstleistungen Guangzhou ist innerhalb Guangdongs das führende Zentrum von einer Reihe von Dienstleistungen. Dazu gehören Software, Logistik und Distribution. Weitere führende Dienstleistungssektoren sind Transport, Lagerung, Post und Telekommunikation, Handel, Banken, Versicherungen und Immobilien. Guangzhou ist auch ein wichtiger Austragungsort von Messen, darunter die LED CHINA. Das neue Messegelände Pazhou International Convention and Exhibition Centre hat eine Fläche von 10,5 Quadratkilometern.
In der Rangliste der wichtigsten Finanzzentren weltweit belegte Guangzhou den 28. Platz (Stand: 2018).
Verkehr mini|U-Bahn Guangzhou
Öffentlicher Personennahverkehr Busverkehr
Das wichtigste öffentliche Verkehrsmittel in Guangzhou sind Omnibusse. Eine Fahrt mit dem Bus kostet einen oder zwei Yuan (Renminbi). Der Preis hängt nicht davon ab, wie weit man fährt, sondern nur davon, ob der Bus klimatisiert ist oder nicht. Die meisten Omnibusse sind klimatisiert.
Schienennahverkehr Die Guangzhou Metro wurde am 28. Juni 1997 eröffnet. Die Linien 1 bis 9, 13 und 14 sowie die S-Bahn-ähnliche Guangfo-Linie in die Nachbarstadt Foshan sind bereits in Betrieb, sieben weitere Linien sind in Bau. Zwecks Feinerschließung des Geschäftsviertels Zhujiang Xincheng () im Osten der Stadt wurde eine unterirdische Kabinenbahn, sogenannte APM (Automated Person Mover) errichtet. Die Metro befördert täglich durchschnittlich etwa 8,931 Mio. Fahrgäste (Stand: Mai 2021) auf 236 km Streckenlänge. Mit 1,16 Milliarden Passagieren pro Jahr (Stand: Ende 2019) steht sie auf der Liste der weltweit meistfrequentierte U-Bahn-Systeme auf Platz 10. – Pressetext der Betreibergesellschaft vom 13. Januar 2011. Abgerufen am 5. Dezember 2022 (chinesisch). 2014 und 2020 wurden ergänzend zwei Straßenbahnen in den Bezirken Haizhu und Huangpu eröffnet.
Luftseilbahn Eine Gondelbahn mit Gondeln für acht Personen befördert Passagiere auf den höchsten Punkt der Stadt, welcher sich auf dem Baiyun-Berg befindet. Wörtlich bedeutet Bai weiß und Yun Wolke.
Taxiverkehr Fast überall findet man Taxis. Diese sind jedoch teurer als in anderen Städten wie zum Beispiel Peking oder Qingdao. Der Basispreis liegt bei 10 RMB (etwa 1,20 EUR) für die ersten zwei Kilometer. Deutlich billiger sind dagegen die Motorradtaxis. Motorräder sind aber seit 2007 in großen Teilen der Stadt generell verboten.Karl Fjellstrom: In: itdp.org, 2008; abgerufen am 5. Dezember 2022 (englisch).
Straßenverkehr Wichtige Straßen sind die Dongfenglu () und die Zhongshanlu (). Die Dongfenglu verläuft durch den Norden der Stadt, entlang der Sun Yat-sen-Gedenkhalle und der Provinz- und Stadtregierung und in Richtung des Flughafens. Die Zhongshanlu ist fast so lang wie die ganze Stadt von Westen nach Osten. Sie verbindet unter anderem das alte Stadtzentrum bei Gongyuanqian () mit dem neuen Stadtzentrum Tianhe ().
Überregionaler Schienenverkehr