hochkant=1.25|miniatur|Gebirgspanorama von Davos, Schauplatz des Romans Der Zauberberg ist ein 1924 erschienener Roman des deutschen Schriftstellers Thomas Mann. Das Werk ist seitdem in vielen hohen Auflagen und zahlreichen Übersetzungen erschienen. Angeregt wurde es durch die Verhältnisse in einem Davoser Sanatorium, das Mann 1912 beim Besuch seiner lungenkranken Ehefrau kennengelernt hatte. Im Roman trifft der junge angehende Ingenieur Hans Castorp während seines Aufenthalts in der Zeit vor 1914 in der abgeschlossenen Welt eines Sanatoriums im Hochgebirge auf weltentrückte Figuren, die ihn mit Politik, Philosophie, aber auch Liebe, Krankheit und Tod konfrontieren. Verzaubert durch die Liebe zu einer ihm dort begegnenden, eine frühe und prägende Schülerzuneigung widerspiegelnden Frau bleibt er dort wesentlich länger als ursprünglich geplant.

Inhalt Ankunft Hans Castorp, einziges Kind einer Hamburger Kaufmannsfamilie, wächst nach dem Tod seiner Eltern zunächst bei seinem Großvater Hans Lorenz Castorp, dann bei seinem Onkel Tienappel auf. Anschließend studiert er Schiffbautechnik. Im Alter von 23 Jahren, vor dem geplanten Eintritt als Ingenieur-Volontär bei einer Schiffswerft, reist er im SommerDas Ende des Romans verrät, dass es die ersten Augusttage des Jahres 1907 sind, in denen Hans Castorp in Davos ankommt. in die Schweizer Alpen, um dort im Internationalen Sanatorium Berghof nahe Davos seinen Vetter Joachim Ziemßen zu besuchen.

Ursprünglich beabsichtigt er, nur drei Wochen zu bleiben. Die Atmosphäre des von Hofrat Behrens und dem an einer popularisierten Form von Psychoanalyse interessierten Dr. Krokowski geleiteten Sanatoriums übt jedoch eine eigenartige Faszination auf Castorp aus. Beim Mittagessen trifft er auf vor Atemnot röchelnde oder Blut hustende Patienten und beim anschließenden Spaziergang auch auf die aufgrund ihres Pneumothorax aus der Lunge pfeifende Hermine Kleefeld. Er gewinnt den Eindruck, dass Krankheit den Menschen vergeistige und veredele, während Personen von robuster Gesundheit zu einer gewissen Einfalt neigten. Abstoßend findet er demgemäß die Kombination „krank und dumm“, wie er sie bei der „mörderlich ungebildeten“, fortwährend zu Stilblüten neigenden Karoline Stöhr antrifft.

Am ersten Morgen im »Berghof« hatte er vom Balkon aus eine sehr traurig wirkende schwarzgekleidete ältere Dame im Garten gesehen. Joachim erzählt ihm beim Frühstück danach, diese Frau werde Tous les deux genannt, ein Ausdruck, den sie benutze, wenn sie von ihren zwei tödlich erkrankten Söhnen spreche. Diese Tragik scheint Hans zu faszinieren; er äußert, er sei zuversichtlich, bei einer Begegnung mit ihr angemessen und taktvoll reagieren zu können.

Ebenfalls noch vor dem Frühstück hört er Stöhnen und Kichern aus dem Zimmer des russischen Paars neben seinem und ist peinlich berührt, Empörung überfällt ihn. Er betont beim anschließenden Frühstück, dass er nicht mit dem russischen Ehepaar bekanntgemacht werden wolle. Joachim beruhigt ihn, das Paar sitze an einem anderen, dem „schlechten Russentisch“.

Der Mentor Bald lernt Castorp den Literaten Lodovico Settembrini kennen, einen Humanisten, Freimaurer und „individualistisch gesinnten Demokraten“, der ihm allmählich zum Freund wird. In zahllosen Belehrungen über philosophische und politische Fragen aller Art betätigt sich der Italiener als pädagogischer Förderer Castorps. Diesen erinnert die Mischung aus südländischer Erscheinung und abgetragener Kleidung an einen „Drehorgelspieler“. Der Humanist, dessen Leitstern die „Sonne der Aufklärung“ ist, bejaht, ehrt, liebt den Körper, „die Schönheit, die Freiheit, die Heiterkeit, den Genuss“. Er sieht sich als Vorkämpfer der „Interessen des Lebens“ gegen „sentimentale Weltflucht“ und jedwede Romantisiererei. Konsequenterweise erscheint ihm selbst die Musik „politisch verdächtig“, da sie nur das Gefühl, nicht aber die Vernunft entflamme und so dazu neige, den Geist einzulullen. Obwohl selbst „ein Liebhaber der Musik“, hat er sie „im Verdachte des Quietismus“ und hält sie daher für äußerst gefährlich. Zwei Prinzipien lägen im ewigen Kampf um die Welt, „die Macht und das Recht, die Tyrannei und die Freiheit, der Aberglaube und das Wissen“, das Beharren und der Fortschritt, Asien und Europa. Gemäß seiner Familientradition engagiert sich Settembrini im Sinne „der Aufklärung, der vernunftgemäßen Vervollkommnung“. Analyse tauge zwar „als Werkzeug der Aufklärung und der Zivilisation“, insofern sie „dumme Überzeugungen erschüttert, natürliche Vorurteile auflöst und die Autorität unterwühlt“, indem sie „befreit, verfeinert, vermenschlicht und Knechte reif macht zur Freiheit“ - schädlich, „eine unappetitliche Sache“ sei sie indes, „insofern sie die Tat verhindert, das Leben an den Wurzeln schädigt“. Eindringlich warnt Settembrini daher seinen Schützling davor, sich von dem morbiden Reiz der Anstalt beeindrucken zu lassen, und drängt ihn mehrfach zur Abreise.

Madame Chauchat Gleich zu Beginn seines Aufenthaltes begegnet Castorp der attraktiven 28-jährigen Russin Madame Clawdia Chauchat, der „kirgisenäugigen“ Gattin eines höheren Beamten aus Daghestan. Obwohl verheiratet, trägt sie keinen Ehering, da ein solcher für sie „etwas Abweisendes und Ernüchterndes“ an sich hat und „ein Symbol der Hörigkeit“ ist. Am Mittagstisch fällt sie regelmäßig durch ihr Zuspätkommen, lautes Türenschlagen, das Drehen von Brotkügelchen und ähnliche Unarten auf.

Von Anfang an bringt Castorp der Russin ein neugieriges Interesse entgegen, das er sich zunächst selbst nicht erklären kann. Erst später erkennt er, dass ihn die junge Dame unbewusst an einen frühen „Jugendschwarm“, seinen Mitschüler Přibislav Hippe (s. u.), erinnert. Ausführlich lässt er sich über sie von seiner Tischgenossin Frl. Engelhart informieren. Angesichts ihres zweifelhaften Gesundheitszustands („schlaff, fiebrig und innerlich wurmstichig“) sieht er in dem „stillen Verhältnisse“ aber lediglich „ein Ferienabenteuer, das vor dem Tribunal der Vernunft [nicht bestehen] kann“. Sehr bald wird aus affektierter Anteilnahme eine morbide Verliebtheit, ja Hörigkeit. Castorps Begehren wird durch die Eifersucht auf Hofrat Behrens angeheizt, dem Frau Chauchat „beinahe täglich“ Modell für seine Ölgemälde sitzt.

Settembrini warnt ihn eindringlich davor, ihren Reizen zu erliegen. Er sieht in ihr die Verkörperung des von ihm verachteten Kontinents Asien, der Heimat fortschrittsfeindlicher „Parther und Skythen“ sei. Die im Sanatorium herrschende Sinnenlust erscheint ihm vor dem Hintergrund dekadenter Trägheit geradezu frevelhaft. Am Beispiel von Madame Chauchat sieht er seine These bewahrheitet, wonach Krankheit nicht nur eine Folge, sondern eine Form der Liederlichkeit sei.

Während eines Karnevalsfestes bittet Castorp, bereits leicht angetrunken, Frau Chauchat bei einem Zeichenspiel um einen Bleistift. Sie überreicht ihm „ein kleines silbernes Crayon“, dünn und zerbrechlich und daher „zu ernsthafter Tätigkeit nicht zu gebrauchen“ – eine Parallele und ein Kontrast zu dem Stift, den sich Castorp einst in seiner Jugend von seinem homoerotisch verehrten (wendisch-slawischen) Mitschüler Přibislav Hippe ausgeliehen hat: dem „versilberten Crayon mit einem Ring, den man aufwärts schieben musste, damit der rot gefärbte Stift aus der Metallhülse wachse“. Nachdem Frau Chauchat ihre unmittelbar bevorstehende Rückreise nach Daghestan angekündigt hat, gesteht ihr Castorp in einer fast ausschließlich in französischer Sprache gehaltenen Szene seine Liebe. Eine sich anschließende Liebesnacht wird vom Erzähler nur angedeutet: Einerseits mahnt Clawdia am Ende der Begegnung, Castorp solle nicht vergessen, ihr ihren Bleistift zurückzugeben, und lädt ihn damit indirekt zu einem Besuch in ihrem Zimmer ein; andererseits besitzt Hans Castorp als „Pfand“ nach dieser Nacht das „Innenportrait“ (also das Röntgenbild) Clawdia Chauchats, das diese nach eigener Auskunft bis dahin in ihrem Zimmer aufbewahrt hat; als er es später einmal betrachtet, sieht er das „Rippenwerk“, umgeben von „dem Fleische, von dem Hans Castorp in der Faschingswoche vernunftwidrigerweise gekostet hatte“.

Eingewöhnung Nicht zuletzt mit Blick auf die äußere Routine des geregelten Sanatoriumlebens mit seinen festen Aufsteh-, Essens-, Untersuchungs- und Ruhezeiten nimmt Castorp die Zeit subjektiv anders wahr; sie wirkt auf ihn wie eine „ausdehnungslose Gegenwart“. Zunächst hält er sich für völlig gesund, eine Einschätzung, die die Klinikleitung nicht teilt. Auf Hofrat Behrens’ Rat bleibt er vorerst auf dem Berghof, nimmt zunehmend an therapeutischen Maßnahmen wie den Liegekuren teil. Castorp – der sich von Beginn seines Aufenthaltes an fiebrig fühlt – beginnt, an einer Erkältung zu leiden. Die resolute Oberin Adriatica von Mylendonk verkauft ihm ein Fieberthermometer, damit er, wie die anderen Berghofbewohner, mehrmals täglich seine Temperatur messen kann. Schließlich wird im Rahmen einer Untersuchung durch den Hofrat in Castorps Lunge eine „feuchte Stelle“ gefunden, was später bei einer Röntgenuntersuchung bestätigt wird. So wird Hans Castorp ein regulärer Patient des Sanatoriums. Die Tagesordnung der Patienten beginnt, „in seinen Augen das Gepräge einer heilig-selbstverständlichen Unverbrüchlichkeit“ anzunehmen, sodass ihm das Leben unten im Flachland „fast sonderbar und verkehrt erschien.“

Er besucht die psychoanalytische Vortragsreihe Dr. Krokowskis, deren zentrale These davon ausgeht, dass Krankheitssymptome „verkappte Liebesbetätigung und alle Krankheit verwandelte Liebe“ sei. Schließlich treibt Castorp diverse autodidaktische Studien etwa auf medizinischem und psychologischem Gebiet.

Noch ein Mentor Settembrini, unheilbar krank, verlässt den Berghof, um ins nahe gelegene „Davos-Dorf“ zu ziehen. Er bezieht Quartier im Haus eines „Gewürzkrämers“, in dem auch sein intellektueller Widerpart wohnt, der asketische Jesuitenschüler Naphta, ein zum Katholizismus konvertierter galizischer Jude mit bewegter Vergangenheit. Naphta ist ein brillanter, rhetorisch begabter und sophistischer Logik verpflichteter Intellektueller, von dessen Einflüssen Settembrini seinen jungen Freund Castorp vergeblich fernzuhalten versucht. In sowohl christlicher als auch kommunistischer Tradition strebt Naphta nach der Wiederherstellung des „anfänglichen paradiesisch justizlosen und gottesunmittelbaren Zustands“ der „Staat- und Gewaltlosigkeit“, wo es „weder Herrschaft noch Dienst gab, nicht Gesetz noch Strafe, kein Unrecht, keine fleischliche Verbindung, keine Klassenunterschiede, keine Arbeit, kein Eigentum, sondern Gleichheit, Brüderlichkeit, sittliche Vollkommenheit.“ Nach Abschaffung „der Greuel des modernen Händler- und Spekulantentums“ und „der Satansherrschaft des Geldes, des Geschäfts“ sei ein totalitärer, auf Terror gestützter Gottesstaat zu errichten; das Prinzip der Freiheit sei ein überlebter Anachronismus. Zwischen Settembrini und Naphta kommt es in der Folge immer wieder zu heftigen Disputen über philosophische und politische Fragen, bei denen sich der Zuhörer Castorp beeindruckt davon zeigt, wie Naphta seinem bisherigen Lehrmeister Paroli bietet.

Ziemßens Tod Im Gegensatz zu Hans Castorp drängt sein soldatischer Vetter Joachim Ziemßen darauf, den Berghof zu verlassen, um wieder aktiv zu leben und seinen Militärdienst wahrzunehmen. Gegen den ärztlichen Rat verlässt er den Berghof, muss jedoch nach kurzem Dienst einsehen, dass sich sein Leiden verschlimmert, und ins Sanatorium zurückkehren. Nach seinem Tod wird sein Geist im Rahmen einer der von Dr. Krokowski geleiteten spiritistischen Sitzungen aus dem Totenreich heraufbeschworen.

Der Schneetraum