mini|Ferdy Kübler im Kreise seiner Familie (1961) mini|Ferdy Kübler bei der Tour de France 1947, vor André Mahé mini|Ferdy Kübler (links); Vorbereitung zur Tour de Suisse 1952 mini|Ferdy Kübler als Skilehrer (1970)

Ferdinand Kübler (* 24. Juli 1919 im Weiler Radhof bei Marthalen; † 29. Dezember 2016 in ZürichAndré Häfliger: In: Schweizer Illustrierte. 30. Dezember 2016/20. Januar 2019.), üblicherweise «Ferdy» oder «Ferdi» genannt, war ein Schweizer Radrennfahrer und der erste Schweizer Tour-de-France-Sieger. Er zählte mit seinem charakteristisch kampfbetonten Fahrstil zu den erfolgreichsten Radrennfahrern der Schweiz.

Radsportkarriere Küblers Vater war Schuhmacher und Velomechaniker. Mit einem kargen Lohn von rund 140 Franken monatlich konnte er seine fünf Kinder nur schlecht ernähren. Kübler gab an, in der entbehrungsreichen Kindheit seine starke Willenskraft entwickelt zu haben. Da er in Adliswil aufgewachsen war und zudem über eine ausgeprägte Nase verfügte, erwarb er sich den Namen «Der Adler von Adliswil».

Kübler begann seine Laufbahn als Berufsrennfahrer 1940 (nachdem er 1938 mit dem Radsport begonnen hatte) und gewann 1942 mit der Tour de Suisse sein erstes bedeutendes Rennen. Mit zunehmendem Alter konnte er sich derart steigern, dass er zur damaligen Weltelite zählte. Küblers grösster Erfolg war der Gesamtsieg bei der Tour de France 1950, als er 31 Jahre alt war.

1951 wurde er Strassenweltmeister. Er gewann vier Mal in Folge (1948–1951) die Schweizer Strassen-Radmeisterschaften. Sein grösster Schweizer Konkurrent zu dieser Zeit war Hugo Koblet.Sepp Renggli: Vom Fou pédalant zur Sportikone. In: Neue Zürcher Zeitung. 30. Dezember 2016 (Nachruf).

Kübler ist neben Hugo Koblet der einzige Schweizer, der die Tour de France gewann. Bis 2009, als Fabian Cancellara ihn überholte, war er auch der Schweizer, der das Maillot Jaune des Führenden am häufigsten – auf zwölf Etappen – trug. Kübler war vierfacher Sieger des Giro del Ticino. 1948 und 1949 gewann er das Einzelzeitfahren Grand Prix de Suisse.

Ferdy Kübler, auch «Ferdy National» genannt, beendete 1957 seine Radsportkarriere. Danach war er im Sportmarketing tätig, so als Repräsentant des Teams Tebag. 1983 wurde er zum populärsten Schweizer Sportler der letzten 50 Jahre gewählt.

Bei der Tour de France 1955 soll Kübler gedopt gewesen sein. Er fuhr Zickzack beim Aufstieg zum Mont Ventoux und schrie nach dem Ende des Rennens herum. Die Kommissäre fanden bei Zimmerkontrollen Dopingmittel und Spritzen.. In: Süddeutsche Zeitung. 10. Dezember 2008. In späteren Interviews bestritt Kübler, jemals gedopt zu haben.Die würden sogar Rattengift nehmen. In: Bild. 5. Juli 2008. Kübler erhielt zu seinen Glanzzeiten lukrative Angebote für Sechstagerennen. Beim Rennen in Hannover 1951 fühlte er sich mit seinem Partner Harry Saager auf Drängen von anderen Mannschaften so behindert, dass ein Sieg unmöglich wurde. Kübler führte das auf Rennabsprachen zurück und wollte danach keine Sechstagerennen in Deutschland mehr fahren.

Kübler war verheiratet und lebte zuletzt in Birmensdorf bei Zürich. Er starb am 29. Dezember 2016 im Alter von 97 Jahren in einem Zürcher Spital. Seit dem Tod von Gino Bartali im Mai 2000 bis zum Zeitpunkt seines Todes war er der älteste noch lebende Tour-de-France-Sieger.

Auszeichnungen und Ehrungen 1983 wurde Ferdy Kübler zum Schweizer Sportler des Jahrhunderts sowie zum Populärsten Sportler der letzten 50 Jahre gewählt. 2003 wurde er mit dem Credit Suisse-Ehrenpreis ausgezeichnet. 2010 erhielt er den lifetimeAward des Schweizer Fernsehens für sein Lebenswerk.. In: SF. 9. Januar 2010. Seit 2007 gibt es in Adliswil einen Ferdy-Kübler-Weg,Ein Weg für Ferdy Kübler. In: 20 Minuten. 10. Juli 2007. und der Sitz des Radsport-Weltverbands UCI steht in Aigle an der Allee Ferdi Kübler. Dort wurde Kübler 2002 auch in die Hall of Fame des Weltverbands aufgenommen. In seinem Geburtsort Marthalen wurde 2014 in seinem Beisein eine Kübler-Eiche gepflanzt, an seinem Elternhaus ist eine Ehrentafel angebracht.

Auf dem Monte Ceneri im Tessin steht ein Denkmal für Hugo Koblet und Ferdy Kübler, ebenso wie eine Radfahrer-Kapelle mit Memorabilien der beiden.

Erfolge (Auswahl) 1940 20px Schweizer Meister – Einerverfolgung 1941 20px Schweizer Meister – Einerverfolgung 1942 Gesamtwertung und eine Etappe Tour de Suisse 20px Schweizer Meister – Bergrennen 1943 Meisterschaft von Zürich Nordwestschweizer Rundfahrt 20px Schweizer Meister – Einerverfolgung 1945 20px Schweizer Meister – Querfeldeinrennen 1947 zwei Etappen Tour de France eine Etappe Tour de Suisse 1948 Gesamtwertung und vier Etappen Tour de Suisse Gesamtwertung und zwei Etappen Tour de Romandie 20px Schweizer Meister – Strassenrennen Grand Prix de Suisse 1949 eine Etappe Tour de France Nordwestschweizer Rundfahrt Vier-Kantone-Rundfahrt 20px Schweizer Meister – Strassenrennen Grand Prix de Suisse 1950 Gesamtwertung und drei Etappen Tour de France eine Etappe Tour de Romandie Gran Premio di Lugano Challenge Desgrange-Colombo 20px Schweizer Meister – Strassenrennen1951 Weltmeister – Strassenrennen Gesamtwertung und zwei Etappen Tour de Suisse La Flèche Wallonne Lüttich–Bastogne–Lüttich Gesamtwertung und vier Etappen Tour de Romandie Prix Dupré-Lapize (mit Armin von Büren) 20px Schweizer Meister – Strassenrennen Rom–Neapel–Rom 1952 eine Etappe Tour de Suisse La Flèche Wallonne Lüttich–Bastogne–Lüttich Tour du Lac Léman Challenge Desgrange-Colombo 1953 eine Etappe Tour de Romandie eine Etappe Luxemburg-Rundfahrt Bordeaux–Paris 1954 zwei Etappen und Punktewertung Tour de France Giro del Ticino Challenge Desgrange-Colombo 20px Schweizer Meister – Strassenrennen 1955 eine Etappe Tour de Suisse 1956 Mailand–Turin

Grand-Tour-Platzierungen

Literatur Martin Born, Hanspeter Born: Ferdy Kübler. «Ferdy National». AS-Verlag, Zürich 2006, ISBN 3-909111-25-4. Walter Bosshardt, Henry Eggenberger: Rennfahrer-Schicksale. Verlag Kurmann, Zürich, 1950. Ferdy Kübler. In: Susanna Schwager: Das volle Leben: Männer über achtzig erzählen. Wörterseh Verlag, Gockhausen b. Zürich 2008, ISBN 978-3-03763-001-3, S. 61–81. Ferdy Kübler erzählt. Edition erlebt & erinnert, Zürich 2011, ISBN 978-3-9523321-7-7 (1 CD, Laufzeit 52 Min.).

Willy Kutschbach: Kübler, Koblet – die Tour de Suisse. Verlag Willy Kutschbach, Berlin 1955. Serge Lang: Es waren einmal die beiden K. Koblet und Kübler. Biorama Sportpublikationen, Basel 1991. Arnold Kübler: Velodyssee. Ein sportliches Epos. Diogenes Verlag, Zürich 1955. Benjamin Steffen: Ferdy Kübler, die lebende Legende. In: Neue Zürcher Zeitung. 16. Juli 2013 (zu seinem 94. Geburtstag).

Weblinks

Rinaldo Giamboni intervista Ferdi Kübler. In: lanotraStoria.ch (RSI). 27. Mai 1963

Einzelnachweise

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