mini|hochkant=1.3|Bonner Münster von Norden (2013) mini|hochkant=1.3|Luftaufnahme (2016) mini|Ansicht aus Südost mini|Infotafel an der Münsterbasilika

Das Bonner Münster, auch Münsterbasilika genannt, ist die katholische Hauptkirche in Bonn und ein Wahrzeichen der Stadt. Es wurde im 11. Jahrhundert als romanische Stiftskirche St. Cassius und Florentius des Cassius-Stifts erbaut. Nach der Säkularisation des Stiftes zu Beginn des 19. Jahrhunderts und dem Abriss der benachbarten Pfarrkirche St. Martin im Jahr 1812 kam das Münster in den Besitz der Pfarre St. Martin. Seit 1956 trägt das Münster den Titel Basilica minor. Das Bonner Münster wurde von 2017 bis 2023 generalsaniert.

Vorgeschichte Altäre für römische Götter wie Mercurius Gebrinius und die Matronae Aufaniae, die im Bereich des Münsters gefunden wurden, deuten darauf hin, dass an dem Ort, an dem später die Kirche errichtet wurde, in der Römerzeit eine Kultstätte bestand. Gräber, Grabmale und eine Cella memoriae, eine antike römische Toten-Gedenkstätte, weisen auf die Existenz einer „kleinen Nekropole“ hin, die seit dem 2. Jahrhundert hier bestand. Die Cella memoriae war ein Fachwerkbau und hatte im Innenraum steinerne Bänke und zwei Tische. Hier wurde der Toten bei einer kultischen Mahlzeit gedacht.

Um die Mitte des 6. Jahrhunderts wurde am Platz der schon im 4. Jahrhundert wieder abgebrochenen Toten-Gedenkstätte ein Saal erbaut, ein 13,70 Meter langes und 8,80 Meter breites Gebäude, dessen Längsachse sich von Südwest nach Nordost erstreckte. Bereits während der Bauzeit oder kurz danach erfolgte in dem neuen Rechtecksaal die erste Bestattung in einem Plattengrab. Kurze Zeit später entstand der erste Estrich. Die Lage des ältesten Grabes wurde darin durch ein Kreuz aus Buntmarmorplättchen kenntlich gemacht. Die hier bestatteten Merowinger rechneten sich also dem christlichen Glauben zu. Die ersten Gräber in dem Gebäude zeichnen sich „durch ihre aufwändige Gestaltung, die reichen und zum Teil importierten Beigaben und natürlich ihre Lage aus“. Weitere Bestattungen in dem Gebäude und im Außenbereich fanden in der Folgezeit statt.

Spätestens am Ende des 7. Jahrhunderts siedelten sich Kleriker in der Nähe der Architektur an und vermutlich „lebten hier Abt Gislo und ein Diakon, die in der ältesten Schriftquelle zu den Bauten am Ort des Münsters aus der Zeit um 691/92 genannt werden.“ Das Aussehen des Saalbaus wurde durch An- und Umbauten immer wieder verändert, unter anderem mehrere Grabräume und andere Bauteile. Am Ende des 8. Jahrhunderts folgten weitere Um- und Ausbauarbeiten. Vor dem Gebäude wurde ein Mörtelestrich ausgebracht, der wahrscheinlich Teil des 787/88 genannten Atriums war. Mit diesen Arbeiten endet die Baugeschichte dieser Architektur.

mini|Grundriss des Münsters

Das Gebäude diente wohl schon im Mittelalter als Grabstätte der als Märtyrer verehrten Cassius und Florentius. Mit der Gründung des Cassius-Stiftes in karolingischer Zeit am Ende des 8. Jahrhunderts entstand an diesem Ort die Stiftskirche St. Cassius und Florentius. Die in der folgenden Bildergalerie gezeigten antiken Weihaltäre wurden bei den anfangs genannten Ausgrabungen im Münster gefunden.

Architektur Die alte Stiftskirche wurde um das Jahr 1050 abgerissen und wich einem geosteten Neubau im romanischen Stil.Allgemein angenommen ist ein Baubeginn um 1050/60 oder 1060/70. Kubach/Verbeek (1976) setzen das Datum noch vor 1056, das heißt in die Amtszeit des Erzbischofs Herrmann (1036–56). Heckner 2024, S. 141. Dieser Neubau, eine dreischiffige Kreuzbasilika, war eine der ersten Kirchengroßanlagen im Rheinland.

Die Querarme des Baus, die von einer fast quadratischen Vierung ausgingen, überragten nur wenig die Seitenschiffe. Die Basilika hatte eine doppelte Choranlage: einen Langchor über einer dreischiffigen Krypta im Osten, unter der sich eine Gruft befand, und einen Westchor ebenfalls mit Krypta. Vom Bauwerk des 11. Jahrhunderts sind außer der Gruft noch Teile der Ostkrypta und des Hochchores sowie der Westbau erhalten. Die Außenwände der Krypta sind aus Basaltlava, eine Nachrüstung des 19. Jahrhunderts,Heckner 2024, S. 150. die Wandflächen der übrigen Gebäudeteile aus mehreren Tuffsteinsorten unterschiedlichen Ursprungs. Gegliedert sind die Wände mit Blendbögen, deren Lisenen bis zum Sockel (den Wänden der Krypta) reichen, die mit Tuffsteinen alternierend eingesetzten römischen Ziegeln dekorativ gesetzt sind.Heckner 2024, S. 150 f. Solch eine Ziegelplatte, die mit einem Legionsstempel versehen ist (neben dem Abdruck einer Hundepfote), ist über Kopfhöhe als Spolie in die Westwand des Südostturms eingebaut worden.Heckner 2024, S. 151.

In der Gruft befinden sich drei Steinsarkophage und eine weitere ziegelummauerte Bestattung, in denen die Reliquien der Bonner Märtyrer Cassius, Florentius und Gefährten gelegen haben sollen. 1166 ließ Probst Gerhard von Are die Reliquien in kostbare Schreine legen, die ihren Platz am Hochaltar fanden.

Gerhard von Are ließ ab 1140 den Ostchor um ein quadratisches weiteres Joch und die Apsis verlängern, dazu die Flankentürme dieses Chores errichten. Die Apsis, von innen ein Halbrund mit ungegliederter Halbkuppel, hat außen, ebenfalls halbrund, eine reich gegliederte Fassade mit sieben nahe beieinander stehenden Fenstern, darüber eine Zwerggalerie und darunter flache runde Blendbögen. Dieser Erweiterungsbau konnte 1153 eingeweiht werden. Der Bautätigkeit Gerhard von Ares ist auch der Kreuzgang an der Südseite der Kirche zu verdanken. Er gilt trotz des Verlustes seiner Nordseite als „der am vollständigsten erhaltene romanische Kreuzgang nördlich der Alpen“.Kreuzgang, Baubeschreibung auf der Website des Bonner Münsters. Abgerufen am 14. März 2026.

Ohne überlieferten Baubeginn wurden danach Schritt für Schritt alle Teile der Kirche außer den Wänden des Hochchores, dem Ostjoch und -apsis ersetzt oder erneuert, zunächst in staufisch geprägter Romanik, dann in romanisch-gotischem Übergangsstil: zunächst wurde das Querhaus ersetzt, das an beiden Enden in Konchen endet, (im Unterschied zu ihren Kölner Vorbildern und o. g. Bonner Ostapsis) mit polygonalen 5/12-Schlüssen und Rippengewölben. Über der Vierung wurde ein zunächst eingeschossiger achteckiger Turm errichtet. Als Nächstes wurden bis etwa 1210 die beiden alten Joche des Ostchors erhöht und durch spitzbogige Gewölbe mit Wulstrippen im Stil der Frühgotik gedeckt, außerdem die Chorflankentürme um je zwei noch ganz romanische Geschosse erhöht.

Die nächste Bauphase war der Neuaufbau des Langhauses mit Verbreiterung der Seitenschiffe, Aufgabe der Westkrypta und Umgestaltung der Westapsis. Die genaue Datierung der Neuaufführung des Langhauses ist unter Kunsthistorikern umstritten und variiert zwischen den Jahren 1220 bis 1240; auf letztgenanntes Jahr deutet die einzige plausible Quelle aus der Chronik des Klosters Floreffe hin, die eine Zerstörung des alten Langhauses durch Brand im Jahr 1239 beschreibt. Das Langhaus zeigt beispielhaft die Vermengung romanischer und gotischer Formen im rheinischen Übergangsstil: Die Seitenschiffe haben Rippengewölbe und spitzbogige Gurtbögen, aber ihre Arkaden und Schildbögen sind noch rundbogig. Rundbogig sind auch die Arkaden der Emporen, aber die Kreuzrippengewölbe des Mittelschiffs sind durchgängig spitzbogig.

Um 1240 entstanden das gotische Portal zum Münsterplatz sowie die oberen Geschosse und das Pyramidendach des Vierungsturms.

In den Jahren 1583–1589 und 1689 wurde das Münster jeweils erheblich beschädigt, jedoch immer wieder vereinfacht wieder aufgebaut. 1883–1889, 1934 und nach Bombenschäden im Zweiten Weltkrieg wurde es restauriert. Die Planung des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm Toni Kleefisch.

Ausstattung Innen Grundsätzliches Enthält das Kirchengebäude romanische und gotische, so überwiegen bei der Ausstattung barocke Stilelemente. Sehenswert im Innern sind zwei Altäre aus Marmor (17. und 18. Jahrhundert), die Bronzestatue der Heiligen Helena, das Sakramenthäuschen, der Kreuzgang und die Krypta. Sieben Chorfenster wurden von Alexander Linnemann aus Frankfurt geschaffen.

Altäre Zu den erwähnenswerten Altären gehören folgende: Stadtpatronenaltar, Krippenaltar, Johannes-Altar (auch Taufe-Jesu-Altar oder Sakramentaltar; an der Ostseite des Querhauses), Kreuzes- und Johannes-Nepomuk-Altar (an den Vierungspfeilern zum Chor; 1734/35), Marienaltar, Dreikönigsaltar, Maria-Magdalena-Altar.

Der Magdalena-Altar im Westjoch des südlichen Seitenschiffes wurde 1599 von dem Kanoniker und Scholaster Leonard Mestorff dem Älteren gestiftet. Das Altargemälde zeigt eine Grablegung Christi. Es wurde im 19. Jahrhundert Hans von AachenJohann Jakob Merlo, Gemälde von Johann von Achen in der Münsterkirche zu Bonn, in Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein, Heft 26/27, 1874, S. 430–431. oder aber der Schule von Hubert Goltzius zugeschrieben.Richard Pick, Gemälde von Johann von Achen in der Münsterkirche zu Bonn, in Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein, Heft 26/27, 1874, S. 434.

Krypta und Gruft mini|Ostkrypta Der westliche Teil der Krypta mit seinen quadratischen Kreuzgratgewölben stammt aus der Mitte des 11. Jahrhunderts. Der östliche Teil wurde von Gerhard von Are angebaut.

Der in der Krypta zu besichtigende Schrein wurde 1971 von Hein Gernot geschaffen. Die historischen Schreine wurden 1587 durch Martin Schenk von Nideggen und seine Söldner geraubt und vermutlich eingeschmolzen. Die Soldateska raubte nahezu den gesamten Kirchenschatz und zerstörte die Fenster und Teile der Inneneinrichtung des Münsters.

Eine Falltür aus Bronze verschließt den Zugang zur Gruft. Sie ist nur während der Oktav des Stadtpatronenfestes (10. Oktober) zugänglich. In der Gruft bedecken vier Marmorplatten Gräber, in denen die legendären christlichen Märtyrer Cassius und Florentius gelegen haben sollen, denen im 12. Jahrhundert Malusius als dritter Märtyrer zugesellt wurde. Die schwarzen Marmorplatten wurden 1701 von einem Kanoniker gestiftet.

Grabstätte mini|hochkant=0.7|Grabplatte des Erzbischofs Engelbert II.

Vier Erzbischöfe wurden im Bonner Münster beigesetzt: Engelbert II. von Falkenburg: 56. Erzbischof von Köln von 1261 bis 1274 Siegfried von Westerburg: 57. Erzbischof von Köln von 1275 bis 1297 Heinrich II. von Virneburg: 59. Erzbischof von Köln von 1304 bis 1332 Ruprecht von der Pfalz: 66. Erzbischof von Köln von 1463 bis 1480

Bis heute sind nur noch das Hochgrab Ruprechts von der Pfalz im östlichen Seitenschiff und die Grabplatte Engelberts von Falkenburg an einer Wand im Westchor erhalten.

Heinrich II. von Virneburg wurde in der Barbarakapelle der Münsterkirche neben seiner Schwester, der Äbtissin Ponzetta von Dietkirchen, beigesetzt. Sein Grab ist nicht mehr erhalten. Auch das Grab Siegfrieds von Westerburg ist nicht mehr nachweisbar.

Im Kreuzgang befindet sich eine Gruft mit den Gräbern ehemaliger Münsterpfarrer. Sie beherbergt auch das Grab des Kölner Weihbischofs Walter Jansen, der auf eigenen Wunsch als früherer Stadtdechant und Pfarrer am Bonner Münster dort bestattet werden wollte.

Außen Martin-Reliefs mini|Vier Martin-Reliefs von 1961, Gemäuer aus römischen Spolien