Die Grazer Burg liegt im Osten der Altstadt von Graz, nahe dem Grazer Dom, und wurde ab 1438 durch Herzog Friedrich V., den späteren römisch-deutschen Kaiser Friedrich III., gebaut. Aufgrund des geringen Verteidigungswertes war die Burg über einen verdeckten Gang mit der Festung am Schloßberg verbunden. Ab 1564 war Graz die Hauptstadt Innerösterreichs und die Burg wurde Sitz der innerösterreichischen Erzherzöge. Aufgrund dieser Stellung wurde sie umgebaut und vergrößert. Nachdem Erzherzog Ferdinand II. im Jahr 1619 zum Kaiser gekrönt wurde und nach Wien zog, verlor die Burg ihre Funktion als Sitz des Landesfürsten und wurde vernachlässigt.
In den folgenden Jahrhunderten kam es mehrmals zu Renovierungsarbeiten, die aber nur Teile der Bausubstanz umfassten. Im Jahr 1822 galt ein Teil der Burg als baufällig und zwischen 1853 und 1854 wurde ein Teil der Gebäude abgebrochen. Anfang des 20. Jahrhunderts kam es wieder zu baulichen Erweiterungen und seit 1922 ist die Grazer Burg Sitz des steirischen Landeshauptmannes.
Im Zweiten Weltkrieg wurde die Bausubstanz teilweise schwer beschädigt und ab 1947 wieder aufgebaut. Zwischen 1950 und 1952 wurden Neubauten errichtet, welche als Neue Burg bekannt sind. Heute befinden sich in ihr neben dem Büro des Landeshauptmannes auch noch einige Abteilungen des Amts der Steiermärkischen Landesregierung.
Die Burg ist nur teilweise für die Öffentlichkeit zugänglich. So können nur die Burghöfe und die Doppelwendeltreppe frei besucht werden.
Lage mini|hochkant=1.5|Übersichtskarte über die Grazer Burg und die umliegenden Gebäude Die Grazer Burg steht in der Hofgasse 13–15 im 1. Grazer Stadtbezirk Innere Stadt auf einer südöstlich vom Schloßberg abzweigenden Terrasse. Sie bildet zusammen mit dem ihr gegenüber stehenden Grazer Dom, dem Mausoleum Ferdinands II. und dem ehemaligen Jesuitenkollegium ein Gebäudeensemble, welches auch als Stadtkrone von Graz bekannt ist. Die Stadtkrone bildet den östlichen Abschluss der Altstadt. Die Burg liegt an der ehemaligen Stadtmauer und an diese schließen im Osten der heutige Burggarten und der Stadtpark an.
Geschichte mini|Die Grazer Burg im Jahr 1700 auf einem Stich von A. Trost Die heutige Burg wurde an der Stelle eines spätmittelalterlichen, landesfürstlichen Meierhofes errichtet. Dieser findet erstmals 1349 als Schreiberhof Erwähnung und dürfte ursprünglich zum Besitz der Burg am Schloßberg gehört haben. Herzog Wilhelm vergrößerte in den Jahren 1399 und 1400 den Grundbesitz des Schreiberhofes durch mehrere Zukäufe. Wilhelms Neffe Erzherzog Friedrich V. erwarb ab 1433 weitere Grundstücke. Im Jahr 1438 begann er mit dem Bau einer Stadtburg, die 1453 fertiggestellt wurde. Unter ihm wurden vor allem der sogenannte „Friedrichsbau“ sowie die 1446/1447 erbaute Doppelchorkapelle errichtet. Im zweiten Viertel des 15. Jahrhunderts wurde auch der „Friedrichsbau“ über einen zweigeschoßigen Verbindungsgang mit dem Grazer Dom verbunden. Des Weiteren wurde aufgrund des geringen Verteidigungswertes der Burg ein gedeckter Verbindungsgang zur Festung am Schloßberg angelegt um den Landesfürsten bei einem Angriff eine schnelle Flucht zu ermöglichen. Erzherzog Maximilian I. ließ zwischen 1494 und 1500 den „Friedrichsbau“ um einen Verbindungstrakt zu den anderen Burgteilen sowie mit einem Treppenturm mit Doppelwendeltreppe erweitern.
Ferdinand I. brachte im Jahr 1545 den Baumeister Domenico dell’Allio nach Graz, der vor allem mit der Neubefestigung der Stadt beschäftigt war, aber bis 1554 auch ein Renaissanceportal, sowie eine Prunktreppe in der Burg errichtete. Im Jahr 1564 wurde Graz durch eine Erbteilung der Habsburger die Hauptstadt der innerösterreichischen Länder, und die zuvor nicht durchgehend bewohnte Grazer Burg blieb bis in das Jahr 1619 Sitz der Erzherzöge Innerösterreichs. Aufgrund dessen wurde die Burg dementsprechend vergrößert.
Um Platz für seinen Hofstaat zu schaffen, veranlasste Erzherzog Karl II. 1570/1571 im Osten, zwischen der Kammerkapelle und dem Burgtor, den Bau eines neuen Palasgebäudes über der mittelalterlichen Stadtmauer. Dieses „Karlsbau“ genannte Bauwerk wurde von Marco Antonio Tadei nach Plänen von Pietro Ferrabosco errichtet. Um 1584 wurde im nördlichen Burgteil, entlang der Stadtmauer von Marco Antonio Tadei der sogenannte „Registraturtrakt“ errichtet. Karl II. legte auch großen Wert auf den Ausbau der Gartenanlagen und ließ exotische Pflanzen importieren sowie einen Tiergarten mit Löwen, Tigern und Bären anlegen. Durch eine vom Rosenberg herführende Holzröhrenleitung wurde 1571 die Trinkwasserversorgung der Burg sichergestellt und Sebastian Carlone mit dem Bau von drei Brunnen beauftragt. Eine Hofkapelle wurde 1571/1572 im Auftrag von der Frau Karls II., Maria Anna von Bayern errichtet, 1596/1597 von Sebastian Carlone mit Stuckarbeiten versehen und von Egyd de Rye mit Fresken ausgestattet. Im Jahr 1584 wurde der zweigeschoßige Verbindungsgang zum Dom aufgestockt. Um 1600 ließ Erzherzog Ferdinand II. an den „Friedrichsbau“ im Südwesten einen Trakt anfügen, der so genannte „Ferdinandsbau“. In ihm befand sich das Schatzgewölbe der Burg, eine Kunstkammer sowie eine Bibliothek.
Als im Jahr 1619 der Erzherzog Ferdinand II. Kaiser wurde und nach Wien zog, verlor die Burg ihre Funktion als Sitz der Landesfürsten und diente nur mehr als kaiserliche Absteige. Anlässlich der Hochzeit von Leopold I. im Jahr 1673 und der Erbhuldigungsfeier von Karl VI. im Jahr 1728 erfolgten größere Renovierungsarbeiten an der Bausubstanz. Maria Theresia veranlasste während ihrer Regierungszeit die Überführung aller Kunstwerke, Bücher und Aktenbestände der Burg nach Wien. 1783 ernannte Kaiser Joseph II. die Burg zum Sitz der Gubernialverwaltung und machte sie damit zu einer Beamtenburg. Sie war dadurch nicht einmal mehr für kurzzeitige Aufenthalte der kaiserlichen Familie attraktiv. Erst 1822/1823 wurden der „Karlsbau“ und die Hofkapelle für einen Besuch Kaisers Franz I. auf Anweisung des kaiserlichen Gouverneurs Ludwig Graf Taaffe renoviert und mit Möbeln aus der Werkstätte Josef Danhausers eingerichtet, während die übrigen Gebäudeteile teilweise baufällig waren.
1853/1854 kam es zu einem Teilabbruch des „Friedrichsbaus“, des „Ferdinandsbaus“, der Hofkapelle, der Prunktreppe und des Übergangs zum Grazer Dom. Insgesamt wurde damals fast die Hälfte der Bausubstanz zerstört. Bruchstücke der Fresken aus der Hofkapelle wurden im Jahr 1853 in die Kapellen von Schloss Frauheim und Schloss Groß-Söding verbracht. Das von Giulio Licinio im Jahr 1571 gestaltete Altarblatt befindet sich heute zusammen mit einigen datierten Devisen- und Wappensteinen im Universalmuseum Joanneum. Am Anfang des 20. Jahrhunderts wurden Erweiterungsbauten um den dritten Burghof herum durchgeführt. Seit 1922 ist die Grazer Burg der Amtssitz des steirischen Landeshauptmannes. Der „Maximilian-“ und der Rest des „Friedrichtrakts“ wurden 1944 von Bomben beschädigt. Die Schäden wurden ab 1947/48 beseitigt und von 1950 bis 1952 wurde an der Stelle des 1853/54 abgebrochenen Teiles des „Friedrichsbaus“ ein von Harald Bleich gestalteter Neubau errichtet.
Von 2003 bis 2008 investierte das Land Steiermark mehr als sechs Millionen Euro in die Restaurierung der Grazer Burg und des Landhauses. Seit dem Jahr 2008 gibt es Pläne für eine Renovierung des „Friedrichssaals“ im „Friedrichsbau“ und für die Wiederherstellung der Kammerkapelle, bei der die Zwischendecke entfernt werden soll. Auch soll die Kammerkapelle wieder ihre ursprüngliche Funktion übernehmen. Bei Umbauarbeiten wurden im Sommer 2010 die sterblichen Überreste von neun bis zehn Männern aus dem Mittelalter gefunden. Diese wurden im Rahmen einer zweiwöchigen archäologischen Grabung geborgen. Bei einer Fassadensanierung eines im 16. Jahrhundert in den Karlsbau integrierten Traktes wurde im Sommer 2013 eine bemalte Wandnische aus der Zeit der Spätgotik freigelegt und mit einer Schutzverglasung versehen.
Beschreibung Architektur-Überblick Bei der Burg handelt es sich um einen ausgedehnten, zwei- bis viergeschoßiger Baukomplex, der um drei Höfe herum errichtet wurde. Sie war ursprünglich in die mittelalterliche Stadtbefestigung einbezogen und das heutige Burgtor ist ein Rest der ehemaligen, im Jahr 1554 von Domenico dell’Allio errichteten Hofabschlussmauer. Früher führten ein Gang zum Grazer Dom sowie ein weiterer, verdeckter Gang zur Burg am Grazer Schloßberg. Das Tor wurde als Renaissanceportal entworfen, verlor aber im Jahr 1676 seinen Renaissanceschmuck und ist inzwischen mit einer rechteckigen Rustikarahmung versehen. Der Torflügel mit eisernen Beschlägen stammt noch aus der Zeit des Torbaues.
Friedrichsbau Im Jahr 1945 wurde der Friedrichsbau schwer beschädigt und von 1950 bis 1952 wurden die in den Jahren 1853/54 abgebrochenen Gebäudeteile durch einen Neubau überbaut. Es sind noch Reste des ursprünglichen Baues erhalten geblieben. An der östlichen Außenmauer befinden sich mehrere datierte Steintafeln, welche auf eine Errichtung im Jahr 1447 unter Kaiser Friedrich III. schließen lassen.
Im nordöstlichen Teil der Grazer Burg befindet sich der unregelmäßige, langgestreckte und dreigeschoßige Friedrichsbau, der den ältesten Teil der Burg darstellt und dessen längliche Form den früheren Verlauf der Stadtmauer markiert. Die Außenmauern haben eine glatte Fassade. In seinem östlichen Teil befindet sich eine vorspringende Kapelle. Im nordöstlichen Teil des Friedrichsbaues steht ein hoher spätgotischer Torbau mit breitem Schwibbogen und einem Rechteckerker mit Doppelarkadenfenster, von welchem aus früher eine Brücke über den Stadtgraben führte. An der östlichen Seite befindet sich ein abgefastes Rundbogentor. An der westlichen Front befinden sich im Erdgeschoß drei vermauerte Spitzbogenarkaden auf Polygonpfeilern.
An der Seite zum zweiten Burghof hin befindet sich ebenerdig eine früher offene, zweischiffige gotische Halle, die sogenannte Friedrichshalle, mit sternförmigen Zellengewölbe, welches von einem polygonalen Mittelpfeiler gestützt wird. Dieser Pfeiler wurde aus statischen Gründen teilweise mit einem Betonkranz ummantelt.
Im ersten Obergeschoß befindet sich die so genannte Kammerkapelle die laut einer Datierung im Jahr 1447 erbaut wurde. Diese war früher zweistöckig und wurde im 19. Jahrhundert durch eine Zwischendecke unterteilt. Heute ist der obere Teil ein kleiner vierjochiger Raum mit Doppelchornischen. Er wird von einem auf schmalen Wanddiensten ruhenden Netzrippengewölbe mit spitzbogigen Gurt- und Schildbögen überspannt. Der Doppelchor lässt auf zweifaches Patrozinium schließen, für welches die heilige Maria und der heilige Georg angenommen werden. Die zweiteiligen Maßwerk-Spitzbogenfenster sind heute teilweise vermauert. Zwei Scheiben-Schlusssteine tragen die Devise Kaiser Friedrichs III. und datieren auf das Jahr 1447. An der Chorzungenmauer befindet sich ein polygonaler Wanddienst, der eine Konsole mit dem Relief eines Adlers trägt. Das Schlüsselblatt an der Eingangstür hat die Form eines mit einer Lanze bewaffneten Wächters und stammt aus dem 17. Jahrhundert. Der obere Teil der Kapelle dient heute als Besprechungszimmer, während der untere Teil zu einem Lagerraum umfunktioniert wurde.
Burgtor mini|Blick von Osten auf das Burgtor
Im südlichen Teil der Burg befindet sich das erstmals 1346 urkundlich erwähnte und in der Mitte des 15. Jahrhunderts neuerbaute Burgtor. Die ursprüngliche Bekrönung im Stile der Spätrenaissance die jener des Landhauses ähnelte wurde im Jahr 1676 entfernt. Es hat eine von einem Tonnengewölbe überspannte Durchfahrt mit abgefasten Spitzbogentoren. An der östlichen Fassade befinden sich verglaste, zweigeschoßige Säulenarkaden über Pfeilerarkaden aus den Jahren 1566/67. Die Arkaden wurden im Jahr 1952 erneuert. Der nördliche Durchgang wurde im Jahr 1873 und der südliche laut einer Inschrift im Jahre 1934 errichtet.
Maximilianbau mini|Der Treppenturm, in dem sich die Doppelwendeltreppe befindet