mini|SWAT-Polizisten in den USA bei einer Übung (2008) Das englische Akronym SWAT (auch S.W.A.T. geschrieben) steht für special weapons and tactics und ist eine Bezeichnung für taktische Spezialeinheiten innerhalb einer Polizeibehörde, deren Mitglieder für polizeiliche Sonderlagen ausgebildet und ausgerüstet sind. Wörtlich übersetzt bedeutet der Begriff Spezielle Waffen und Taktiken. In Deutschland werden die entsprechenden Aufgaben von den Spezialeinsatzkommandos (SEK) wahrgenommen.
In den USA nehmen neben den klassischen Strafverfolgungsbehörden wie Polizei, Grenzpolizei und Strafvollzug auch andere Organisationen wie das Energieministerium der Vereinigten Staaten und die NASA polizeiliche Aufgaben wahr und verfügen deshalb über eigene SWAT-Einheiten.
Begriffsklärung In der englischen Amtssprache wird für taktische, polizeiliche Spezialeinheiten der Oberbegriff Special Response Unit benutzt. Die meisten Behörden, vor allem die Medien, sprechen jedoch durchgängig von Special Weapons and Tactics. Damit soll in der Regel auch dort, wo die eigentliche Bezeichnung einer Einheit anders lautet, die Art der Einheit dargestellt werden. SWAT wird deshalb oft synonym mit Bezeichnungen wie Emergency Response Team (ERT), Hostage Rescue Team (HRT), Special Response Team (SRT), Special Operations and Response Team (SORT), Special Response Force (SRF), Special Operations Group (SOG), Special Tactical Assault Team Element (STATE), Tactical Response Team oder Emergency Service Unit (ESU) verwendet.
Ursprünglich nur in den USA benutzt, hält der Begriff SWAT weltweit Einzug in die Namensfindung von Spezialeinheiten, so u. a. bei einer polizeilichen Spezialeinheit in Peking (China), die sich als Beijing Special Weapons and Tactics Unit (chinesisch: 北京特警总队) bezeichnet und auf dem Ärmelabzeichen das Kürzel „SWAT“ führt.
Geschichte Vorläufer Die Emergency Service Unit, die bereits 1925 in New York City aufgestellt wurde, war die erste polizeiliche Spezialeinheit, die man als Vorläufer der heutigen modernen SWAT-Einheiten sehen kann.
Das LAPD-SWAT mini|Abzeichen des LAPD-SWAT
1965 führten die Rassenunruhen des Watts-Aufruhrs in Los Angeles, die sechs Tage andauerten, 34 Todesopfer und über tausend Verletzte forderten, sowie 4000 Verhaftungen nach sich zogen und letztlich nur mithilfe der Nationalgarde beendet werden konnten, zu einer Überprüfung der polizeilichen Einsatztaktik. Diese Erfahrungen zusammen mit dem Amoklauf von Charles Joseph Whitman und die deutliche Zunahme von Kriminalität, bei der Schusswaffen eingesetzt wurden, sowie das Anwachsen von Gang-Kriminalität, führten im Los Angeles Police Department (LAPD) zur Entwicklung des SWAT-Einsatzkonzeptes und 1967 zur Aufstellung der ersten SWAT-Einheit der USA. Viele andere US-Polizeiverwaltungen folgten diesem Beispiel und stellten ebenfalls eigene SWAT-Teams auf, noch bevor Anfang der 1970er-Jahre ein weiteres wichtiges Einsatzfeld hinzu kam – die Terrorismusbekämpfung.
Officer John Nelson hatte die Idee für das SWAT-Konzept und entwickelte es zusammen mit Inspector Darryl F. Gates weiter. Die Grundidee war die einer kleinen disziplinierten Einheit, ausgerüstet mit speziellen Waffen und unter Ausnutzung ebenfalls spezieller Taktiken, um mit ungewöhnlichen Vorfällen fertigzuwerden. Die erste Einheit bestand aus 15 Vier-Mann-Teams, die sich freiwillig gemeldet hatten und über spezielle Ausbildungen oder eine vorherige Militärlaufbahn verfügten. Sie trainierten monatlich zusammen und wurden ansonsten nur für Einsätze aktiviert. Da sie auch bei Unruhen Polizeistationen verteidigen sollten, wurden sie als Station Defense Teams bezeichnet. Ursprünglich sollte die Einheit Special Weapons Assault Team oder Special Weapons Attack Team heißen, die Polizeiführung wandte jedoch ein, dass dieser Begriff zu gewalttätig klingen würde. Bereits am 4. Dezember 1969 gab es einen mehrere Stunden andauernden Schusswechsel mit den Black Panthers, an dem 40 SWAT-Mitglieder teilnahmen, und bei dem mehrere tausend Schuss Munition abgefeuert wurden; je drei Mitglieder der Gruppe und des SWAT-Teams wurden verletzt.
Die Einheit wurde 1971 der Metropolitan Division zugeordnet. Man wollte eine jederzeit verfügbare Einheit, da es Probleme gegeben hatte, die Mitglieder des SWAT jeweils schnell genug zum Einsatzort zu beordern. Auch sollte SWAT eine Antwort auf subversive Gruppierungen und die ansteigende Kriminalitätsrate sein.
Internationaler Polizeiaustausch Im Vorfeld der Olympischen Sommerspiele 1984 sandte nicht nur das LAPD Beobachter zu Einheiten wie der GSG 9, der französischen GIGN oder dem britischen SAS, um sich neue Anregungen für den Schutz der Veranstaltung zu holen. Auch das FBI stellte 1983 eine neue Einheit auf, das Hostage Rescue Team.
Weitere Entwicklung Mittlerweile besitzen 90 Prozent der Polizeibehörden mit einem Einzugsgebiet von über 50.000 Einwohnern ein SWAT-Team. Bei den Gemeinden mit 25.000 bis 50.000 Einwohnern sind es 70 Prozent. Im Zusammenhang mit dem Krieg gegen Drogen wurden durch den Kongress ab 1993 etwa 1,2 Millionen Ausrüstungsgegenstände des Militärs an Polizeibehörden abgegeben. Darunter befanden sich neben vollautomatischen Waffen und Bomben-Robotern auch Hubschrauber, Flugzeuge und Granatwerfer.
Bei einer Studie mit 40 SWAT-Teams wurde festgestellt, dass diese bei Einsätzen in den Jahren 1990 bis 1996 insgesamt nur in 64 Fällen Schüsse abgegeben haben, die Mehrzahl davon auf Fahrzeuge und Gegenstände wie etwa Lampen. Die Zahl der Schusswaffenanwendungen ist u. a. so niedrig, weil man einen großen Wert auf Deeskalation und den Einsatz von Krisenverhandlungsteams setzt, die Personen meistens zum Aufgeben überzeugen können.
Seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 nahmen die militärische Bewaffnung der Polizei, die Einsatzzahlen von SWAT-Teams und die Berichte über exzessive Gewalt massiv zu. Alleine 2005 (das letzte Jahr, für das 2013 Zahlen vorlagen) wurde etwa von 50.000 SWAT-Einsätzen berichtet, etwa 140 am Tag.Wall Street Journal: Rise of the Warrior Cop, 7. August 2013 Dabei richteten sich die Einsätze überwiegend gegen Klein-Dealer und andere Personen, die keiner schweren Straftat verdächtigt wurden. Regelmäßig gibt es Medienberichte über den Einsatz von SWAT-Teams gegen illegales Pokerspiel, unter 21-jährige Alkoholkonsumenten oder Ausländer, die gegen formale Visa-Bestimmungen verstoßen haben.ketv: Monks Arrested In SWAT Team Action, 24. Februar 2006 Maryland ist der einzige US-Bundesstaat, für den eine landesweite Statistik über den Einsatz von SWAT-Teams vorliegt; hier machten laut Jahresbericht 2012 Hausdurchsuchungen ohne Haftbefehl oder Gefahr in Verzug knapp 90 % aller Anlässe für SWAT-Einsätze aus, rund 50 % aller Einsätze hatten mit Drogen zu tun, in zwei Drittel aller Fälle verschaffte sich die Polizei gewaltsam Zutritt, in ebenfalls zwei Drittel folgte eine Festnahme.State of Maryland: SWAT-Report 2012
Die beiden größten Fehler in den 1990ern machte das HRT des FBI. In Ruby Ridge, Idaho, erschoss ein Polizist versehentlich die Ehefrau eines Flüchtigen und in Waco, Texas, brannten die Gebäude einer Sekte nieder, als die Polizei versuchte, Tränengasgranaten einzusetzen. Bei dem Brand und durch Selbstmord starben 76 Sektenmitglieder.Testimony to the Subcommittee on National Security et al., loc cite. Congressional Record, July, 1995
Wichtige aktuelle Projekte der Spezialeinheiten zielen heute auf die Einbindung des Rettungsdienstes ab. So haben viele SWAT-Teams mittlerweile Ärzte und Rettungssanitäter eingebunden, die nicht mehr – wie früher üblich – einige Straßen weiter warten, sondern direkt vor Ort sind oder sogar mit den Teams vorgehen. Dazu haben sie in der Regel spezielle Schulungen durchlaufen.
Auftrag Allgemein Die Aufgaben einzelner Spezialeinheiten hängen nicht nur von Personalstärke und Struktur ab, sondern v. a. davon, welchen Behörden sie angeschlossen sind und welche Region sie abzudecken haben.
So sieht das SWAT des Tucson Police Department seine Aufgabe darin, der Polizeibehörde Kapazitäten zur Verfügung zu stellen, um hochriskante Situationen sicher bewältigen zu können. Hierzu gehören:
Geiselnahmen, verbarrikadierte Personen, Menschen mit Suizidabsichten, Razzien und Durchsuchungen, bei denen mit Widerstand gerechnet wird, risikoreiche Verhaftungen, Personenschutz, Scharfschützeneinsätze und andere Situationen, in denen mit bewaffnetem Widerstand gerechnet wird.
mini|Zwei SWAT-Beamte aus San Francisco
FBI Field Office in Buffalo Das SWAT des FBI Field Office in Buffalo nennt als Bundesbehörde etwas anders geartete Aufgaben:
Die Verhaftung von gefährlichen und bewaffneten Personen, auch an mehreren Orten gleichzeitig, das Anhalten und Angreifen von Fahrzeugen und Transportmittel wie Bus, Bahn und Flugzeug, das Ausheben von Verstecken und Unterkünften (z. B. durch Zugangssprengungen), Geiselbefreiung im Rahmen von Geiselnahmen und Raubüberfällen, den Schutz von Personen und Veranstaltungen, Scharfschützeneinsätze, die Verfolgung flüchtiger Täter in ländlichen Regionen und Einsätze in Verbindung mit ABC-Waffen
Hostage Rescue Team (FBI) Das Hostage Rescue Team des FBI wird in den gesamten USA eingesetzt und nennt weiter ausgedehnte Aufgabenfelder:
Maritime Operationen, Operationen in allen Klimazonen der USA und Hubschrauber-Operationen.
US Marshals Service Der United States Marshals Service wiederum hat spezielle Aufgaben abzudecken:
Festnahme und Transport gefährlicher Straftäter, Beschlagnahme von Werten, Zeugen- und Personenschutz und Sicherung von Gerichtsgebäuden.
Organisation Überblick Die Organisation von SWAT-Einheiten ist sehr vielfältig. Sie hängt von der Größe der Polizeibehörde, deren prinzipieller Organisation und weiteren lokalen Gegebenheiten ab.
In den USA gibt es etwa 16.000 eigenständige Polizeibehörden. In den meisten Behörden nehmen die Mitglieder der SWAT-Einheiten reguläre Dienste im Streifen- und Verwaltungsdienst ein und werden erst bei Einsätzen zusammengerufen. Lediglich das Training wird gemeinsam absolviert.
Teilweise ist das SWAT als Stabsabteilung direkt an die Polizeiführung gebunden, manchmal aber auch an eine eigene Führungsstruktur mit speziellen Diensten, wie etwa der Hubschrauber- und Hundestaffel sowie dem Krisenverhandlungs- und Bombenentschärfungsteam, angeschlossen. In manchen Organisationen ist das SWAT auch in kleine Abteilungen über verschiedene Bezirke verteilt. So wird das gesamte SWAT dann nur bei entsprechend großen Einsätzen zusammengerufen.
Es gibt nur wenige SWATs, die rund um die Uhr aktiv in Bereitschaft stehen. Hierzu gehört die Emergency Service Unit des New York Police Departments mit rund 500 Polizisten. Allerdings übernimmt die ESU auch weitere Aufgaben. Hierzu gehören Gefahrstoffeinsätze, Taucheinsätze und die Rettung und Erstversorgung verunfallter Personen.
Los Angeles fasst spezielle Einheiten in der Metropolitan Division zusammen. Die sechs Platoons setzen sich aus einer Pferde- und einer Hundeabteilung, zwei Einheiten zur Bekämpfung der Schwerkriminalität, dem administrativen A-Platoon und dem SWAT-Team als D-Platoon zusammen. Das A-Platoon stellt Trainingspläne auf, verwaltet Waffen und stellt auch einen Arzt, ein Krisenverhandlungsteam und weitere Spezialisten zur Verfügung. Das D-Platoon ist seit 1971 in ständiger Bereitschaft. 2003 wurde es 133 Mal alarmiert sowie für 122 risikobehaftete Festnahmen eingesetzt. Die ständige Einsatzbereitschaft wird damit begründet, dass ein schnelles Eingreifen zu den Grundsätzen und Erfolgsvoraussetzungen von SWAT-Operationen gehört.Metro Division Organization – official website of THE LOS ANGELES POLICE DEPARTMENT