Dzierzgoń [] ( Christburg) ist eine Kleinstadt im Powiat Sztumski der polnischen Woiwodschaft Pommern. Sie ist Sitz der gleichnamigen Stadt-und-Land-Gemeinde.

Geographische Lage Die Kleinstadt liegt in der historischen Landschaft Preußen, im nordwestlichen Teil des mittelalterlichen Pomesanien, der später zum Land Marienburg gehörte, etwa 25 Kilometer südlich von Elbląg und 25 Kilometer südöstlich von Malbork. Sie befindet sich am Fluss Dzierzgoń.

Geschichte mini|Ausschnitt aus einem Stadtplan vom ersten Quartal des 20. Jahrhunderts mit dem Stadtkern, dem Schloss, dem St.-Anna-Berg und dem Flüsschen Sorge mini|Exponat zu den Funden der Moorbrücken im Sorgetal des Museums für Archäologie und Geschichte in Elbląg

Mittelalter Der prußische Name Grewose beschreibt die Lage des Ortes an einer Flussstelle bzw. in einem Dreiecksland zwischen Flüssen. Dzierzgoń liegt an und auf einem Moränenhügel in einer Schleife des Flusses Dzierzgoń. Im Flusstal in Richtung Storchnest (Mocajny) und bei Baumgarth (Bągart) konnte der Verlauf von Moorbrücken aus der späten Eisenzeit nachgewiesen werden, spezieller Bohlenwege durch das Sorgetal, die bereits Ende des 19. Jahrhunderts ergraben wurden.Hugo Conwentz: Die Moorbrücken im Thal der Sorge auf der Grenze zwischen Westpreussen und Ostpreussen. Ein Beitrag zur Kenntniss der Naturgeschichte und Vorgeschichte des Landes. Bertling, Danzig 1897 (). Die Anlagen waren Teil der Bernsteinstraße, über die der prußische Bernsteinhandel mit dem römischen Reich lief.

Ebenfalls Ende des 19. Jahrhunderts wurde im Gebiet der heutigen Stadt-und-Land-Gemeinde bei Baumgarth (Bągart) im Tal der Sorge ein historisches Segelboot des 8. bis 11. Jahrhunderts von ca. 12 m Länge ergraben,Hugo Conwentz: Die Moorbrücken im Thal der Sorge auf der Grenze zwischen Westpreussen und Ostpreussen. Ein Beitrag zur Kenntniss der Naturgeschichte und Vorgeschichte des Landes. Bertling, Danzig 1897, S. 129 (). früher populär pauschal als „Wikingerschiff“ bezeichnet.Otto Piepkorn: Die Heimatchronik der westpreußischen Stadt Christburg und des Landes am Sorgefluß. Bösmann, Detmold 1962. Auch wenn Eisennägel auf skandinavische Schiffbautechnik hinweisen, werden Schiffsfunde der Region aus dieser Zeit wissenschaftlich der prußischen Kultur zugeordnet.Johannes Hoops (Hrsg.): Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. Band 4. 1. Auflage. K. J. Trübner, Straßburg 1918–1919. Tafel 15 – Abb. 17 u. S. 107.Maik-Jens Springmann: Die frühe Schiffbau und die Schiffahrt in Kur- und Prussenland. In: Praeities puslapiai: archeologija, kultūra, visuomenė. Skiriama archeologo prof. habil. dr. Vlado Žulkaus 60-ties metų jubiliejui ir 30-ties mokslinės veiklos sukakčiai. Universiteto leidykla, Klaipėda 2005, ISBN 9955-18-011-0, S. 145–189.

Die Festung Christburg oberhalb der Flussschleife stand oft im Mittelpunkt des 53-jährigen Bekehrungskriegs des Deutschen Ordens gegen die Prußen.Samuel Ersch, J. G. Gruber (Hrsg.): Allgemeine Enzyklopädie der Wissenschaften und Künste. Band 17. Leipzig 1828, S. 66–67. 1234 wurde der Ort von Heinrich von Meißen erobert, jedoch 1242 von den Prußen zurückgewonnen. Heinrich von Lichtenstein gelang 1247 eine erneute Einnahme. Weil die Burg aber wieder von den Prußen eingenommen wurde, suchten sich die Ordensritter den strategisch günstigeren Standort auf dem Schlossberg aus und gründeten die neue Christburg, einige Kilometer entfernt von der alten Christburg, oberhalb der Sorge. Alt-Christburg wurde den bekehrten und loyalen Prußen überlassen. Während des großen Aufstandes wurde die Christburg niedergebrannt.

1249 wurde unter der Vermittlung des päpstlichen Legaten Jacob von Lüttich, des späteren Papstes Urban IV., der Vertrag von Christburg geschlossen, der als Friedensvertrag den besiegten Prußen ihre Freiheit garantierte, wenn sie zum Christentum übertraten, und das Verhältnis von Prußen und siegreichem Deutschen Orden regelte.Hartmut Boockmann: Ostpreußen und Westpreußen (in der Reihe Deutsche Geschichte im Osten Europas). Siedler, Berlin 1992, ISBN 3-88680-212-4. Der Vertrag legte weiterhin fest, dass in Christburg (novo Christiborc) von den Prußen eine Kirche errichtet werden sollte.Christburger Vertrag 1249, Herder-Institut für historische Ostmitteleuropaforschung, Marburg, abgerufen am 25. Mai 2016. Zudem wurde zur Festigung des Christentums im Vertrag der Bau von insgesamt 24 Kirchen vereinbart: 13 in Pomesanien, 6 im Ermland und 3 in Natangen.Sylvain Gouguenheim: Les derniers païens. Les Baltes face aux chrétiens, XIIIe–-XVIIIe siècle. Passés/composés, Paris 2022, ISBN 978-2-37933-121-3, S. 147.

Bereits 1254 wurde die Stadt Christburg urkundlich erwähnt; 1288 wurde ihr der Gebrauch des Kulmer Stadtrechts bestätigt.Heinrich Gottfried Philipp Gengler: Regesten und Urkunden zur Verfassungs- und Rechtsgeschichte der deutschen Städte im Mittelalter. Erlangen 1863, S. 490–491 1312 erhielt der Ort die Handfeste durch Günther von Arnstein. In der Ordenszeit war Christburg Sitz eines Komturs. Mit dessen Amt war zugleich der Titel des obersten Trappiers verbunden, der den Komtur zu Christburg als einen der fünf Großgebietiger des Ordens auszeichnete.

Neuzeit Im Zweiten Thorner Frieden verlor 1466 der Deutsche Orden die Herrschaft über Christburg. Die Stadt und ihre Umgebung, im Vertrag als opidum et districtus Cristburg alias Drzgon, Herder-Institut für historische Ostmitteleuropaforschung, Marburg, abgerufen: 25. Mai 2016 bezeichnet, kamen zusammen mit dem autonomen Preußen Königlichen Anteils unter die Hoheit der polnischen Krone. 1492 wurde Nicolaus von Zehmen Burggraf von Stuhm und Christburg. Weiterhin wurde Achatius von Zehmen Starost auf Stuhm und Christburg, wo er auch wohnte. 1517 wurde er Unterkämmerer der Marienburg, 1531 Kastellan von Danzig und 1546 Woywode der Marienburg. Nachdem der polnische Reichstag Achaz I. von Zehmen alle Krongüter aberkannt hatte, stürmten seine Söhne, die Reichsfreiherren Christoph, Achaz II. und Fabian II., im Dezember 1576 die Christburg. Gegen eine Abfindung von 24.000 fl., zu zahlen an das Königreich Polen, konnten schließlich die Brüder Christburg behalten.

1678 erfolgte die Gründung eines Franziskanerklosters in Christburg. Seine Gebäude entstanden an der Stelle des mittelalterlichen Heilig-Geist-Spitals, zerstört 1414. Erhaltene Teile des Spitals wurden in den Klosterbau integriert, beispielsweise das Torhaus als Eingangsportal und Teile der Klosterkirche, die aus dem 13. Jahrhundert stammten. Das Klausurgebäude nördlich der Kirche entstand aus Steinen der Ordensburg.

Christoph Hartknoch beschreibt Christburg 1684 treffend als Stadt unten am Berge, oben auf dem Berg nennt er ein verwüstes und verfluchtes Schloss von den Ordensherren her, auf dem zugehörigen Stich als Ruine dargestellt. Zudem wird erklärt, auf dem Schloss spuke der Geist eines Chorherrn, dessen Tod Komtur Albrecht von Schwarzburg vor der Schlacht bei Tannenberg durch eine Fluch verursacht haben sollte. Die Ruine soll außerdem im 17. Jahrhundert Ziel von Schatzgräbern gewesen sein.

Nach der Ersten Teilung Polen-Litauens 1772 gehörte Christburg zur neugeschaffenen Provinz Westpreußen des Königreichs Preußen. Ab 1818 war Christburg dem Landkreis Stuhm im Regierungsbezirk Marienwerder angegliedert. 1871 wurde die Stadt mit Preußen Teil des neu gegründeten Deutschen Kaiserreiches. 1893 wurde der südlich der Stadt gelegene Bahnhof an der Strecke Marienburg–Allenstein eröffnet.

Aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrags musste nach dem Ersten Weltkrieg der größte Teil der Provinz Westpreußen zur Einrichtung des Polnischen Korridors an Polen abgetreten werden. Im Kreis Stuhm im Osten der Provinz wurde eine Volksabstimmung durchgeführt, in Christburg stimmten 2571 Einwohner für den Verbleib bei Ostpreußen, auf Polen entfielen 13 Stimmen.Herbert Marzian, Csaba Kenez: Selbstbestimmung für Ostdeutschland – Eine Dokumentation zum 50. Jahrestag der ost- und westpreußischen Volksabstimmung am 11. Juli 1920. Herausgeber: Göttinger Arbeitskreis, 1970, S. 124 Christburg blieb daraufhin deutsch und wurde nach der Auflösung der Provinz Westpreußen 1922 zunächst an Ostpreußen angegliedert.

Im Jahr 1945 gehörte Christburg zum Landkreis Stuhm im Regierungsbezirk Marienwerder des Reichsgaus Danzig-Westpreußen des Deutschen Reichs.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Stadt am 22. Januar 1945 geräumt. Am nächsten Tag verließ der letzte Flüchtlingszug zusammen mit dem Militär die Stadt. Sie wurde am 24. Januar von der Roten Armee kampflos eingenommen. Große Teile der Stadt wurden nach Plünderung und Ausschreitungen gegen die verbliebene Restbevölkerung niedergebrannt. Vom Brand betroffen waren auch der – das Bild des Platzes prägende – Laubengang an der oberen, westlichen Seite des Marktes.

Nach Beendigung der Kampfhandlungen des Zweiten Weltkriegs wurde Christburg Teil Polens. Der Ort erhielt die die polnische Ortsbezeichnung Dzierzgoń.

Die zerstörte Bebauung wurde durch Neubauten ersetzt. Um den Markt, 1960 noch eine Brache, entstanden erneut Wohn- und Geschäftshäuser. 1972 wurde der Markt in Platz der Freiheit umbenannt.

Demographie Im Jahr 1669 gab es in Christburg keinen einzigen Katholiken, im Jahr 1742 lebten hier etwa zehn Katholiken.Friedrich Wilhelm Ferdinand Schmitt: Geschichte des Stuhmer Kreises. Thorn 1868, S. 189. + Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner Anmerkungen 1772 727 Friedrich Wilhelm Ferdinand Schmitt: Geschichte des Stuhmer Kreises. Thorn 1868, S. 188. 1776 1473 1777 1377 1782 1505 in 266 Wohnhäusern, teils Lutheraner, teils Katholiken, teils deutscher, teils polnischer MutterspracheJohann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Teil II: Topographie von West-Preussen. Marienwerder 1789, S. 19–20. 1793 1695 Handbuch der historischen Stätten, Ost und Westpreußen. Kröner, Stuttgart 1981, ISBN 3-520-31701-X, S. 27–28. 1802 2073 1804 2104 Christen, in 233 Wohngebäuden 1810 1892 1816 1932 davon 724 Evangelische, 987 Katholiken, 219 JudenAlexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preussischen Staats. Band 5: T–Z, Halle 1823, S. 264–271, Ziffer 107. 1818 1951 Alexander August Mützell, Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preussischen Staats. Band 1: A–F. Halle 1821, S. 229, Ziffer 254. 1821 2107 in 236 Privatwohnhäusern 1831 2183 August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde. Königsberg 1835, S. 445, Nr. 60. 1852 2765 Topographisch-statistisches Handbuch des Preußischen Staats (Kraatz, Hrsg.). Berlin 1865, S. 95. 1864 3254 davon 1.974 Evangelische und 977 KatholikenE. Jacobson: Topographisch-statistisches Handbuch für den Regierungsbezirk Marienwerder. Danzig 1868. Ortschaft-Verzeichnis des Regierungsbezirks Marienwerder, S. 196–197, Nr. 24. 1871 3275 davon 1.980 Evangelische und 980 Katholiken (100 Polen)Gustav Neumann: Geographie des Preußischen Staats. Band 2. 2. Auflage. Berlin 1874, S. 47–48. 1875 3303 1880 3284 1890 3113 davon 2.016 Protestanten, 898 Katholiken und 193 Juden 1895 3218 davon 954 Katholiken und 167 JudenBrockhaus' Konversations-Lexikon. 14. Auflage, Band 4, Berlin und Wien 1998, S. 115. S. 272. 1900 3116 meist ProtestantenMeyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 4, Leipzig und Wien 1908, S. 102. 1925 2920 meist Protestanten (640 Katholiken)Der Große Brockhaus. 15. Auflage, Band 4, Leipzig 1929, S. 96–97. 1933 3366 1939 3603 +Einwohnerzahlen seit 1945 Jahr Einwohner Anmerkungen 2012 5638 Stand vom 30. Juni 2012https://www.stat.gov.pl/cps/rde/xbcr/gus/l_ludnosc_stan_struktura_30062012.pdf

Politik Stadtrat Der Rat hat 15 Mitglieder. Ratsvorsitzender ist Zbigniew Przybysz.

Bürgermeister Bürgermeisterin von Dzierzgoń ist seit 2018 Jolanta Marzenna Szewczun (Stand 2025). Website der Stadt, Burmistrz Dzierzgonia, abgerufen am 29. November 2025

Wappen