Der Nationalpark Nino Konis Santana () ist Osttimors erster Nationalpark. Er befindet sich an der Ostspitze der Insel Timor und wurde nach dem Freiheitskämpfer Nino Konis Santana (1957–1998)Broschüre des Nationalparks Nino Konis Santana (englisch; PDF; 3,8 MB), abgerufen am 25. Dezember 2012 benannt, der in Tutuala, im Osten des heutigen Parks geboren wurde. Die Gegend war ein Rückzugsgebiet für die Unabhängigkeitskämpfer der FALINTIL im Kampf gegen die indonesischen Besatzer. 2026 wurde der Nationalpark von der UNESCO zum Biosphärenreservat erklärt.
Hintergrund Bereits ab dem Jahr 2000 waren der Strand von Tutuala und der dahinter liegende Wald ein Wildschutzgebiet. Am 27. Juli 2007 wurde das heutige Gebiet von der Regierung zum Nationalpark erklärt. Die feierliche Einweihung erfolgte am 4. August 2008. Der Park gehört zur IUCN-Kategorie V. Damit sind prinzipiell das Anlegen neuer Felder, die Jagd und das Fällen von Bäumen verboten.Alexander Cullen: A Political Ecology of Land Tenure in Timor Leste: Environmental Contestation and Livelihood Impacts in the Nino Konis Santana National Park. (PDF; 1,0 MB) In: Peskiza foun kona ba / Novas investigações sobre / New Research on / Penelitian Baru mengenai Timor-Leste. Swinburne Press, Hawthorn (Victoria) 2012, S. 158–165, abgerufen am 16. März 2013.
Geschützt werden sollen die Natur – dazu gehören Korallenriffe und der größte verbliebene intakte tropische Flachland- und Monsunregenwald der Region – und das kulturelle und historische Erbe in der Region. Das Gebiet hat mythologische Bedeutung für die Bevölkerung und es gibt historisch wichtige Orte aus der portugiesischen Kolonialzeit und der Zeit der japanischen Besatzung während des Zweiten Weltkriegs. Die osttimoresische Regierung wird beim Nationalpark unterstützt von BirdLife International und dem Department of Environment and Climate Change der Regierung von New South Wales/Australien.AFP: ETimor sets up first national park. 31. Juli 2007, abgerufen am 16. März 2013. Wissenschaftliche Forschung soll weiterhin im Park betrieben werden. Sie muss aber vorher von der Behörde für Schutzgebiete und Nationalparks im Landwirtschaftsministerium und vom Staatssekretär für Kultur genehmigt werden.
Schutzgebiet mini|links|Der Irasiquero
Der Park liegt im äußersten Osten der Insel Timor und schließt die Sucos Tutuala, Lore I, Com, Mehara, Muapitine und Bauro (alle in der Gemeinde Lautém) ein. In den Dörfern innerhalb des Nationalparks leben mehr als 12.500 Menschen (2015).Direcção-Geral de Estatística: . Das Schutzgebiet reicht bis drei Seemeilen vor die Küste hinaus. Die Gesamtfläche beträgt 123.600 Hektar, davon befinden sich 68.000 Hektar auf dem Land und 55.600 Hektar sind Meeresfläche. Die Gewässer um Timor herum gehören zum Korallendreieck, der Region mit der größten Biodiversität an Korallen und Rifffischen in der Welt.BirdLife International: Das Meer im Nationalpark gilt als besonders intakt und artenreich, sowohl bei den Korallenriffen als auch in den tieferen Gewässern und den Mangrovenwäldern. Zum Nationalpark gehören das bisherige Wildschutzgebiet von Tutuala, die Important Bird Areas (IBA) von Lore, der Insel Jaco und des Monte Paitchau, sowie der See Ira Lalaro.
Die Landfläche besteht aus Feuchtgebieten, Wäldern, Küste und der Bergkette des Paitchau im Süden mit ihren für Osttimor typischen Kalksteinklippen. In dem Karstsystem finden sich Höhlen, Dolinen und Süßwasserquellen. Auch im Norden befindet sich eine Bergkette, die zusammen mit der Paitchaukette den äußeren Rand des Fuiloro-Plateaus bilden, dessen östlicher Teil zum Park gehört. Die Berge und die Südküste sind mit Primärwald bedeckt und bilden vermutlich die größte geschlossene Fläche von verbliebener Primärvegetation auf Timor. Die Region um die Überschwemmungsflächen des Ira Lalaro und weiter nach Westen zur Gemeindehauptstadt Lospalos sind durch den Menschen in Grasland verwandelt worden.Ian Cowie: A Survey of Flora and Vegetation of the Proposed Jaco–Tutuala–Lore National Park, Timor-Leste (East Timor), NT Herbarium (DNA), Department of Natural Resources, Environment and the Arts, Palmerston, Northern Territory (NT), Mai 2006, abgerufen am 16. März 2013. Aus dem Ira Lalaro fließt nach Süden der Irasiquero. Der Fluss verschwindet in einem Ponor, dem als heilig geltenden Mainina-Loch. Die Strände der Meeresküste sind mit weißem Sand bedeckt. Als besonders schützenswert gelten die Küstenregenwälder, Küstenpalmsavannen, Mangrovenwälder und die Süßwasserfeuchtgebiete.
Von Mai bis Juli fällt durchschnittlich zweimal in der Woche Regen, von November bis Januar gibt es täglich zwei Stunden Starkregen. Dies kann zu Überflutungen führen, besonders auf den Flächen um den Ira Lalaro. Von August bis Oktober ist es heiß und trocken. Es gibt aber regionale Unterschiede. Der Norden des Sucos Tutuala hat eine jährliche Regenmenge von 500 bis 1000 mm und eine achtmonatige Trockenzeit. Im Süden des Sucos Mehara erreicht die Niederschlagsmenge 1000 bis 1500 mm jährlich bei fünf bis sechs Monaten Trockenzeit. Die Durchschnittstemperatur beträgt 23,6 bis 31,8 °C. Höchsttemperaturen können 38 °C erreichen. (englisch; PDF-Datei; 1,97 MB, abgerufen am 16. März 2013).
Fauna und Flora + IBA-„Trigger“-Vogelarten im NationalparkVogelart Status Große Kuckuckstaube (Macropygia magna) nicht gefährdet Timortaube (Schwarze Timortaube, Turacoena modesta) gering gefährdet Timorgrüntaube (Timorgrüntaube) (Treron psittaceus) stark gefährdet Sundafruchttaube (Ducula rosacea) gering gefährdet Gelbwangenkakadu (Cacatua sulphurea) vom Aussterben bedroht Timorsittich (Aprosmictus jonquillaceus) gering gefährdet Timorliest (Todiramphus australasia) gering gefährdet Temminckhonigfresser (Meliphaga reticulata) nicht gefährdet Timorlederkopf (Philemon inornatus) nicht gefährdet Timorhonigfresser (Lichmera flavicans) nicht gefährdet Dreifarben-Honigfresser (Myzomela vulnerata) nicht gefährdet Timorgerygone (Gerygone inornata) nicht gefährdet Orpheusdickkopf (Pachycephala orpheus) nicht gefährdet Feigenpirol (Sphecotheres viridis) nicht gefährdet Sundapirol (Oriolus melanotis) nicht gefährdet Timorstutzschwanz (Urosphena subulata) nicht gefährdet Timorlaubsänger (Phylloscopus presbytes) nicht gefährdet Fleckenbrust-Brillenvogel (Heleia muelleri) gering gefährdet Timordrossel (Zoothera peronii) gering gefährdet Timorschmätzer (Saxicola gutturalis) gering gefährdet Brustbandschnäpper (Ficedula timorensis) gering gefährdet Hyazinthenblauschnäpper (Cyornis hyacinthinus) nicht gefährdet Blauwangen-Mistelfresser (Dicaeum maugei) nicht gefährdet Sonnennektarvogel (Cinnyris solaris) nicht gefährdet Blaugrüne Papageiamadine (Erythrura tricolor) nicht gefährdet
Der Nationalpark beherbergt zahlreiche Arten, die auf Timor oder in der Wallacea endemisch sind.
Allein 25 der Vogelarten im Park sind sogenannte Trigger-Arten der Timor and Wetar Endemic Bird Area (TWEBA), also restricted-range species (Arten mit beschränkter Verbreitung), die BirdLife International als Kriterium der Endemic Bird Area verwendet. Darunter finden sich der gefährdete Gelbwangenkakadu (Cacatua sulphurea) und die Timorgrüntaube (Treron psittaceus). In den Wäldern leben außerdem Mähnenhirsche (Rusa timorensis), Wildschweine, Eigentliche Tüpfelkuskus (Spilocuscus maculatus), 16 Fledermausarten und Affen. Im See und an der Küste finden sich Leistenkrokodile. An mehreren Stränden der Südküste und der Insel Jaco legen Meeresschildkröten ihre Eier ab. In den Gewässern der Küste können Wale, Delfine, Dugongs und Haie beobachtet werden.
2007 wurde erstmals eine neue timoresische Unterart der McCords Schlangenhalsschildkröte (Chelodina mccordi) beschrieben, die am Ira Lalaro lebt. Sie zeigt Merkmale, die sie zwischen die Nominalform der McCords Schlangenhalsschildkröte der Insel Roti und Chelodina novaeguineae aus Neuguinea stellen,Gerald Kuchling, Anders G. J. Rhodin, Bonggi R. Ibarrondo, Colin R. Trainor: A New Subspecies of the Snakeneck Turtle Chelodina mccordi from Timor-Leste (East Timor) (Testudines: Chelidae). In: Chelonian Conservation and Biology 6(2):213-222. 2007 . weswegen dieses Timorschildkröte genannte Taxon teilweise auch als eigene Art Chelodina timorensis angesehen wird.Hinrich Kaiser et al.: The herpetofauna of Timor-Leste: a first report. In: ZooKeys. Vol. 109, 2011, S. 19–86, (online, abgerufen am 16. März 2013).
Nur im Irasiquero kommt der Fisch Craterocephalus laisapi, abgerufen am 16. März 2013. vor. Die Art aus der Gattung der Hartköpfchen wurde erst 2005 für die Wissenschaft entdeckt und ist eine von nur zwei auf Timor heimischen Süßwasserfischarten. 2013 entdeckte man im Flachwasser der Küste eine weitere endemische Fischart, den Eviota santanai.Country’s First New Species of Fish Discovered, 11. Dezember 2013, abgerufen am 13. Dezember 2013 2023 folgte die Erstbeschreibung einer neuen Bogenfingergecko-Art in Osttimor, Cyrtodactylus santana, aus zwei Kalksteinhöhlen innerhalb des Nationalparks.Chan KO, Grismer LL, Santana F, Pinto P, Loke FW, Conaboy N: Scratching the surface: a new species of Bent-toed gecko (Squamata, Gekkonidae, Cyrtodactylus) from Timor-Leste of the darmandvillei group marks the potential for future discoveries, ZooKeys 1139: 107-126, 2023.
Es wird geschätzt, dass es 1200 bis 1500 verschiedenen Pflanzenarten in der Region gibt. Etwa 730 davon sind bisher im Gebiet des Nationalparks nachgewiesen worden. Mindestens zehn Pflanzenarten im Nationalpark gelten als besonders schützenswert. Drei stehen auf der Roten Liste der IUCN: Intsia bijuga, Pterocarpus indicus und Santalum album, dessen Sandelholz jahrhundertelang das Hauptexportgut Timors war. Weitere möglicherweise bedrohte Arten sind Antiaris toxicaria, Neoalsomitra podagrica, Carallia brachiata und Eleocharis geniculata. Chromolaena odorata gilt als die dominierende Unkrautart, fehlt aber in den Primärwäldern und dem Grasland der Überschwemmungsgebiete.
Historische und kulturell bedeutende Stätten mini|links|Historische Stätten um Tutuala mini|Bis zu 5000 Jahre alte animistische Zeichen in Ile Kére Kére mini|links|10.000 Jahre altes Steingesicht in Lene Hara
Nahe dem Strand liegen mehrere Höhlen und Felsüberhänge, in denen Höhlenmalereien und andere Spuren prähistorischer Besiedlung zu finden sind. So der Felsüberhang von Ile Kére Kére und die Höhle von Lene Hara. Ebenfalls in der Nähe von Tutuala liegt die Kalksteinhöhle Jerimalai, in der 42.000 Jahre alte archäologische Funde entdeckt wurden, die ältesten Spuren menschlicher Besiedlung auf den Kleinen Sundainseln überhaupt. Insgesamt befinden sich in den Grenzen des Nationalparks über 100 archäologische Stätten, darunter zahlreiche Befestigungen der einheimischen Bevölkerung (Tranqueiras) aus der vorkolonialen Zeit und heilige Stätten der animistischen Religion Timors.Peter V. Lape: Chronology of Fortified Settlements in East Timor. In: Journal of Island & Coastal Archaeology. Vol. 1, Nr. 2, 2006, S. 285–297, (PDF; 2,2 MB, abgerufen am 16. März 2013). Mit über 25 Fundorten von Felsmalereien und einem mit Steingravuren hat der Nationalpark die größte und facettenreichste Ansammlung prähistorischer Malereien in ganz Südostasien. Sie finden sich vor allem unter Kalksteinüberhängen mit Blick auf das Meer, aber auch tiefer in Höhlen.John N. Miksic, Geok Yian Goh, Sue O’Connor: Rethinking cultural resource management in Southeast Asia: preservation, development, and neglect. Anthem Press, 2011, S. 43ff.