Oskar Menzel, auch Oscar Menzel, (* 1. Mai 1873 in Dresden; † 7. Mai 1958 ebenda) war ein deutscher Architekt.

Leben mini|Grabstätte Oskar Menzel auf dem Loschwitzer Friedhof Menzel besuchte bis 1888 die Dreikönigschule, ein Realgymnasium in Dresden, und begann anschließend eine Zimmererlehre beim Amtszimmermeister H. R. Heine. Nach dem Besuch der Baugewerkschule Dresden war er von 1893 bis 1896 als Bautechniker unter anderem in Dresden und Pirna sowie in Elberfeld tätig. Es schloss sich 1896 ein einjähriges Studium als Gasthörer an der Technischen Hochschule Dresden an, dem 1897 der Berufsabschluss als Maurer folgte. Von 1897 bis 1899 wurde Menzel an der Dresdner Kunstakademie Meisterschüler bei Paul Wallot. In dieser Zeit lernte er den Mitstudenten Rudolf Kolbe kennen, die Freundschaft führte zur gemeinsamen Arbeit in Loschwitz. Noch während seiner Studienzeit reichte Menzel seine ersten Entwürfe zur Genehmigung ein.

Nach dem Ende seiner Ausbildung eröffnete Menzel noch 1899 ein eigenes Büro für Architektur im Haus Ferdinandstraße 8 in Dresden, wo er auch wohnte. 1905 heiratete er Charlotte Mohrmann, mit der er in den nächsten Jahren zwei Töchter bekam. 1907 bezog die Familie, bereits mit dem ersten Kind, eine in Dresden zentral gelegene Wohnung im heute denkmalgeschützten Haus Schützengasse 11.

Von 1913 bis zu seiner Pensionierung 1938 hatte Menzel neben seinem Atelier einen Lehrauftrag an der Kunstgewerbeschule Dresden inne, im Jahr 1914 wurde er dort zum Professor ernannt.

Menzel starb 1958 in Dresden und wurde auf dem Loschwitzer Friedhof beerdigt.

Wirken mini|hochkant|Planetarium Hamburg

Im Jahr 1898 baute Menzel im Radebeuler Villenquartier Oberlößnitz das Herrenhaus Albertsberg durch Barockisierung der Fassade mit gotisierenden Vorhangbogenfenstern um. 1899/1900 folgte die dreigeschossige, repräsentative Villa Goetheallee 51 in Dresden für den Rentier Theodor Grimme. Bei dieser schuf er einen Übergang vom Historismus zum Jugendstil. Um 1900 erwarb er zusammen mit Rudolf Kolbe ein durch die vergangene Reblauskatastrophe brachgefallenes Weinbergareal rund um die Robert-Diez-Straße im heutigen Dresdner Stadtteil Loschwitz, das sie parzellierten und wo sie auch an der heutigen Hermann-Vogel-Straße mehrere Wohnhäuser errichteten. 1901/1902 baute Menzel das Wohn- und Geschäftshaus Hauptstraße 25/27 in Radebeul, das zur Straßenseite durch elf verschiedene Gestaltungsvarianten der Fenster auffällt. Ebenfalls in dieser Zeit baute Menzel für Justizrat Bruno Windisch dessen Haus Windisch mit neobarocken Formen aufwändig zum villenartigen Landhaus um. 1903 baute sich Menzel selbst auf dem Grundstück Robert-Diez-Straße 10 eine Villa als eigenes Wohnhaus.

Der hauptsächlich im Raum Dresden wirkende Menzel durfte 1908 in Sankt Petersburg auf der internationalen Kunstausstellung die sächsischen Ausstellungsräume ausgestalten. Im selben Jahr gewann er einen Architekturwettbewerb für den Bau eines Wasserturms im Hamburger Stadtteil Winterhude. Dieser Turm wurde 1913–1915 unter Leitung von Fritz Schumacher erbaut und 1930 zum Planetarium Hamburg umgenutzt.

Weniger bekannt sind Menzels Arbeiten in Kirchen. Am 27. August 1933 wurde mit einem schlichten schwarzen Kreuz im Fußboden der Frauenkirche ein Denkmal für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten eingeweiht. Dieses Mahnmal wurde beim Wiederaufbau der Kirche nach der Wende nicht wiederhergestellt. 1937 erhielt Menzel die Aufgabe, die denkmalpflegerische innere Neuausgestaltung der Marienkirche in Werdau vorzunehmen. Dabei arbeitete er mit dem Maler und Restaurator Max Helas zusammen.

Berufliche wie auch private Kontakte pflegte Menzel mit den bekannten Architektenkollegen Wilhelm Kreis und Heinrich Tessenow.

Menzel war Mitglied im Deutschen Werkbund (DWB) und im Bund Deutscher Architekten (BDA), dazu kamen die Künstlervereinigungen Die Zunft von Hans Erlwein sowie Der Märzbund. Diese Verbindung mit künstlerischen Zeitgenossen spiegelte sich in der Anwendung auch künstlerischer Akzente in Menzels Werken wider. Insgesamt sind Menzels Werke wie die vieler seiner Zeitgenossen teilweise noch dem ausklingenden Historismus (Neobarock) zuzuordnen, teilweise gehören sie stilistisch zum Jugendstil oder auch zur Reformbaukunst.

Bauten und Entwürfe mini|Albertsburg oder Haus Albertsberg mini|Haus Windisch mini|Villa Blumberger mini|Hagensche Villa mini|Friedhofskapelle in Schönheide im Erzgebirge

1898: Umbau des Herrenhauses Albertsberg in Oberlößnitz, Eduard-Bilz-Straße 49 1898–1899: Villa Max Kuntze in Niederlößnitz, Jagdweg 6 1899–1900: Villa für Theodor Grimme in Blasewitz, Goetheallee 51 1899–1901: Villa Kuntze mit Pförtnerhaus in Niederlößnitz, Obere Bergstraße 14 und 16 1900: Villa Sommer in Oberlößnitz, Augustusweg 44 um 1900: Erschließung eines ehemaligen Weinbergs, Parzellierung und Neubau mehrerer Wohnhäuser in Loschwitz, Hermann-Vogel-Straße und Robert-Diez-Straße (zusammen mit Rudolf Kolbe) 1900: Haus des Schulmeisters in LoschwitzErich Haenel / Heinrich Tscharmann (Hrsg.): Das Einzelwohnhaus der Neuzeit. Bd. 1, J. J. Weber, Leipzig 1909, S. 154–156 [mit Abb.]. 1901–1902: Wohn- und Geschäftshaus Hauptstraße 25/27 in Radebeul 1901–1903: Umbau von Haus Windisch in Oberlößnitz, Augustusweg 92 1902: Landhaus Heinrich Mehlig in Oberlößnitz, Augustusweg 77 1902: Mietshaus Pestalozzistraße 23 in Radebeul 1902–1903: Mietshaus Paul Schadewitz in Radebeul, Pestalozzistraße 21 1902–1903: Mietvilla Johann Gottfried Böthgen in Serkowitz, Wasastraße 38 1902–1903: Umbau der Martin-Luther-Kirche in Schönheide im ErzgebirgeErnst Flath: Heimatkunde und Geschichte von Schönheide, Schönheiderhammer und Neuheide. Schönheide o. J. (1909), Reprint 1992, S. 96 (Digitalisat in der Staats- und Universitätsbibliothek Dresden) 1903: eigenes Wohnhaus in Loschwitz, Robert-Diez-Straße 10Erich Haenel / Heinrich Tscharmann (Hrsg.): Das Einzelwohnhaus der Neuzeit. Bd. 1, J. J. Weber, Leipzig 1909, S. 34–36 [mit Abb.]. 1903: Mietvilla Wichernstraße 7 in Radebeul (Zuschreibung an Menzel) 1903–1904: Mietvilla Roseggerstraße 8 in Serkowitz 1903–1905: Villa Blumberger in Alt-Radebeul, Clara-Zetkin-Straße 12 1904: Mausoleum für den Dresdner Unternehmer Bruno Naumann in Königsbrück (plastische Schmuckelemente von Bildhauer Ernst Hottenroth; unter Denkmalschutz)Architektonische Rundschau, 21. Jahrgang 1905, Heft 6, S. 46 f. 1905–1906: Landhaus Eduard-Bilz-Straße 23 in Oberlößnitz (Bauantrags-Unterzeichner war der Architekt Max Steinmetz, der Entwurf wird jedoch Oskar Menzel zugeschrieben.) 1906: Anbau für die Villa Eduard-Bilz-Straße 18 in Alt-Radebeul 1906: Landhaus Roseggerstraße 4 in Serkowitz 1906: Landhaus Lutzmann in Niederlößnitz, Lindenaustraße 3 („Villen-Projekt“ in der Villenkolonie Altfriedstein nach Gesamtplanung von Schilling & Graebner; Entwurf dieses Hauses Oskar Menzel zugeschrieben) 1907: Hagensche Villa in Oberlößnitz, Augustusweg 105 1907–1908: Haus Gertrud in Serkowitz, Roseggerstraße 3 1908: Wettbewerbsentwurf für den Wasserturm in Hamburg-Winterhude (1. Preis, Ausführung 1912–1915, heute Planetarium Hamburg) 1908: Kurhaus Wettin, Haidebergstraße 20 um 1908: Villa Dr.-Külz-Straße 25 in Niederlößnitz (Zuschreibung des Entwurfs, Ausführung durch Adolf Neumann) 1908–1909: Villa Roseggerstraße 5 in Serkowitz 1909: Friedhofskapelle in Schönheide im Erzgebirge 1911–1913: Villa Fanny Fischer in Niederlößnitz, Körnerweg 3 (Ausführung durch Johannes Eisold) 1912: Apotheke „Weißes Roß“ in Serkowitz, Straße des Friedens 60 1912–1913: Landhaus Weintraubenstraße 5 in Serkowitz 1913: Landhaus Julius Caspar in Oberlößnitz, Weinbergstraße 3 (Ausführung durch Johannes Eisold) 1914: Wettbewerbsentwurf für den Kötzschenbrodaer Wasserturm (prämiert mit dem 3. Preis) 1922: Erweiterung der Villa Hermann Thessius in Niederlößnitz, Moritzburger Straße 41 1933: Denkmalkreuz für die im Ersten Weltkrieg Gefallenen in der Dresdner Frauenkirche (beim Wiederaufbau nicht wiederhergestellt) 1937: Neuausgestaltung der Marienkirche in Werdau (mit dem Maler Max Helas) 1950: Auftrag für den Wiederaufbau der Loschwitzer Kirche (nicht ausgeführt, Entwurfs-Aufstellung nicht belegt)

Quellen

André Schröder: Professor Oskar Menzel. Ein Architekt und Baumeister aus Loschwitz. In: Elbhang-Kurier, Jahrgang 2003, Nr. 8 (August 2003), S. 18.

Weblinks

Einzelnachweise

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