mini|Segway-PT-Fahrer in Atlanta (2006)
Der Segway Personal Transporter (Segway PT, früher HT für Human Transporter, meist kurz Segway) ist ein elektrisch angetriebenes Einpersonen-Fahrzeug mit nur zwei auf derselben (geometrischen) Achse liegenden Rädern, zwischen denen die beförderte Person steht und das sich durch eine elektronische Antriebsregelung selbst in Balance hält.John Schwartz: On the Pavement, A New Contender. In: The New York Times. 23. Januar 2003, S. 1. „Segway“ ist eine eingetragene Marke von Segway Inc. Er wurde von Dezember 2001 bis Juli 2020 von Segway Inc. aus Bedford im US-Bundesstaat New Hampshire hergestellt.Rheinische Post vom 24. Juni 2020: Segway stellt Produktion von E-Zweirad ein, abgerufen am 25. Juni 2020. Ein Nachfolgemodell ist nicht geplant.spiegel.de: Stehend k.o.
Aufbau und Funktionsweise mini|Segway-Cockpit
Der Fahrer steht zwischen zwei nebeneinander angeordneten Rädern auf einer Plattform und kann sich an einer Lenkstange abstützen. Segways verfügen generell über Allradantrieb. Jedes Rad wird per Einzelradantrieb von einem separaten Elektromotor angetrieben. Unterschiedliche Drehzahlen der Räder ermöglichen eine Kurvenfahrt wie bei Kettenfahrzeugen.
Das Fahrzeug ist selbstbalancierend. Ein elektronischer Regelkreis lässt den Segway automatisch in die Richtung fahren, in die sich der Fahrer lehnt. Sobald die Neigungssensoren (Halbleiter-Gyroskope) registrieren, dass sich der Fahrer nach vorne oder hinten neigt, drehen die Räder in diese Richtung. Die Fortbewegung wird ausschließlich durch solche Gewichtsverlagerungen gesteuert, es gibt keine Bedienelemente zum Bremsen oder Beschleunigen. Diese Funktionsweise entspricht dem aufrechten Gang, bei dem sich der Schwerpunkt des Körpers stets über der Auflagefläche der Füße befindet. Der Segway ist deshalb intuitiv zu bedienen.
Ein Schwenken der Lenkstange (um eine in Höhe der Plattform liegende horizontal nach vorne laufende Achse) nach rechts oder links bewirkt die dementsprechende Kurvenfahrt oder Drehen am Stand. Sobald sich der Fahrer mit der Lenkstange zur Seite neigt, wird das von den Neigungssensoren wahrgenommen und das jeweilige Rad dreht sich langsamer und verursacht dadurch die Kurvenfahrt.
Technische Daten mini|Segway PT im Robotermuseum in Nagoya, Japan (2007)
Geschwindigkeit 0–20 km/h. Im Gegensatz zu anderen Zweirädern auch bei Langsamfahrt und im Stillstand stabil. Nie über 20 km/h, auch nicht bergab: Zur Geschwindigkeitsbegrenzung fahren die Räder vor den Fahrer, der dann von der Lenkstange zurückgedrückt wird (Speed Limiter). Reichweite bis 38 km (Modell i2) mit einer Ladung der Lithium-Ionen-Akkumulatoren (LiFePO4-Zellen), abhängig u. a. von Gewicht des Fahrers, Steigungen, Untergrund, Fahrweise, Temperatur, Reifendruck und Wind.Modelle mit breiten Niederdruckreifen: 19 km im Gelände (Modell x2); 22,5 km am Golfplatz (Modell x2 Golf) Wendekreis Fahrzeug kann „auf der Stelle“ gedreht werden, der Umkreis der Fahrzeugaußenkontur beträgt dabei circa 0,8 m (Modell i2) Länge × Breite Die Standfläche ist63 × 63 cm (Modell i2);67 × 84 cm (Modell x2) Reifen: Durchmesser × Breite 48 (19") × ca. 8,8 cm (Modell i2) auf 35 cm Thermoplast-Felgen;53 (21") × 17,7 cm (Modell x2) auf 25 cm Alu-Felgen;53 × 20 cm (Modell x2) (schlauchlos, „stichfest“) Plattformhöhe / Bodenfreiheit 21 / 7,6 cm (Modell i2);24,13 / 11,43 cm (Modell x2) Gewicht 47,7 kg (Modell i2);54,4 kg (Modell x2). Zuladung 45–118 kg, davon max. 4,5 kg auf der Lenkstange Verbrauch ≈ 3 kWh auf 100 km – regeneratives System bei Bergabfahrt CO₂-Emission 23 g/km für die StromerzeugungThe Role of the Segway PT in Emissions Reduction and Energy Efficiency (PDF; 76 kB).Zum Vergleich:Auto 170 g/km (durchschnittlicher Verbrauch 7 l/100 km),Motorroller ≈80 g/km Ladedauer 8–10 Stunden bei völlig leergefahrenen Akkus, integriertes Ladegerät zum Aufladen an normalen Steckdosen (110–230 V) Redundanz Alle sicherheitsrelevanten Elemente sind doppelt vorhanden (Akkus, Gyroskope, Motorwicklungen, Computer). Beim plötzlichen Ausfall eines Bauteiles kommt der Segway PT trotzdem stabil und sicher zum Stehen. Nutzbremse Beim Bremsen oder bei Bergabfahrt wird elektrische Energie rückgewonnen und in den Akkus gespeichert.
Entwicklungsgeschichte mini|hochkant|Der Erfinder des Segways, Dean Kamen (2002) mini|Der Vorgänger des Segways: Der Rollstuhl iBot (Bill Clinton und Dean Kamen) mini|links|Logo des Herstellers, der Segway Inc. in Bedford, New Hampshire/USA
Der Segway PT ist eine Erfindung von Dean Kamen, der das Prinzip der dynamischen Stabilisierung ursprünglich für den Elektrorollstuhl iBot (Codename: Fred) entwickelte. Der iBot überwindet damit Treppen und kann seinen Benutzer auf Augenhöhe mit einem stehenden Gesprächspartner anheben.
Die Übertragung der Balancierautomatik auf ein „Alltagsfahrzeug für Jedermann“ folgte aus der Vision, damit verstopfte Städte vom Autoverkehr zu entlasten. Der Segway PT wurde dementsprechend als ernsthaftes Verkehrsmittel konzipiert und nicht als Mode- oder Spaßfahrzeug.Vortrag von Dean Kamen auf der TED-Konferenz im Februar 2002 (Video, englisch) Der Name „Segway“ leitet sich vom englischen Wort „segue“ ab, ein Lehnwort aus dem Italienischen, das einen gleichmäßigen Übergang von einem Zustand in den anderen bezeichnet.
Die Produktentwicklung (Codename: Ginger) und der Aufbau der Fertigung verschlangen über 100 Millionen US-Dollar an Risikokapital und wurden von vielen Gerüchten begleitet, die durch die Prominenz des Erfinders und seiner Verhandlungspartner bei der Kapital-Akquisition angeheizt wurden (u. a. Amazon.com-Chef Jeff Bezos, Apple-Chef Steve Jobs, Venture-Capital-Legende John Doerr). Das Gerät wurde zum ersten Mal am 3. Dezember 2001 in der Fernsehsendung „Good Morning America“ öffentlich vorgestellt. Steve Jobs prophezeite, dem Fahrzeug werde die Zukunft des Verkehrs in den Städten gehören, und John Doerr glaubte, Segway Inc. werde in kürzester Zeit Milliardenumsätze erreichen. Bis 2009 verfehlte der Absatz mit insgesamt gut 50.000 Fahrzeugen solche Erwartungen. Einer der Gründe für die fehlende Verbreitung ist der Anschaffungspreis (in Deutschland ab ca. 8.000 Euro (Stand 2010)). Ein Ersatzakkumulator kostet 1400 Euro, die durchschnittliche Nutzungsdauer eines Akkus liegt bei drei Jahren.
Die Segways der ersten Generation (Modelle i167, p133, i170, i180 und XT) besitzen noch eine starre Lenkstange mit einem Drehgriff zum Lenken. Seit August 2006 werden nur noch Fahrzeuge der zweiten Generation produziert (Modelle i2 und x2), ausgestattet mit der Lean-Steer-Lenkung, einem drahtlosen Info-Key und einer elektronischen Wegfahrsperre.
In Kooperation mit dem Autohersteller General Motors entwickelte Segway Inc. ein zweisitziges, zweirädriges Stadtfahrzeug mit 50 km/h Höchstgeschwindigkeit und 50 km Reichweite. Am 7. April 2009 präsentierten die Firmen den ersten P.U.M.A.-Prototyp.
Segway Inc. wurde im Dezember 2009 von dem britischen Unternehmer Jimi Heselden übernommen, der im September 2010 tödlich verunglückte. Er stürzte mit einem Segway-Prototyp über eine Klippe in den Fluss Wharfe. 2015 wurde Segway Inc. mit Hilfe von Risikokapitalgebern nach Patentstreitigkeiten von dem chinesischen Konkurrenten Ninebot übernommen.Chinesisches Start-up übernimmt Rollerhersteller Segway orf.at, 15. April 2015. Abgerufen am 24. Mai 2015.
Konkurrenten haben ebenfalls an selbstbalancierenden Fahrzeugen (z. B. Toyotas WingletSegway kriegt Geschwister auf neuerdings.com, vom 2. August 2008, abgerufen am 7. April 2009. oder HUBO Labs Huboway) gearbeitet. Der Konzeptwagen Saturn Flextreme hat Stauraum für zwei Segway-Roller.
Ninebot hat zum 15. Juli 2020 die Produktion eingestellt, behält aber noch das Segway-Werk im US-Bundesstaat New Hampshire. Der Anteil war in der Produktion bis dahin auf 1,5 % des Umsatzes gesunken, stattdessen konzentriert man sich auf die E-Scooter und Quads als Elektrokleinstfahrzeuge. Die Funktion der Stehroller zum platzsparenden Personentransport ist auf die noch kleineren und günstigeren elektrischen Tretroller übergegangen, die seit 2018 massenhaft in E-Scooter-Verleihsystemen in den Städten weltweit eingesetzt werden.
Verkehrssicherheit Mehrere Sicherheitsgutachten sind zu dem Ergebnis gekommen, dass die Sicherheitsrisiken und das Konfliktpotenzial mit anderen Verkehrsteilnehmern nicht größer sind als bei anderen zugelassenen Kleinfahrzeugen. Seit der Produkteinführung wurden nur vereinzelt Segway-Unfälle gemeldet. Die Bremsverzögerung übertrifft mit mehr als 5 m/s² die gesetzliche Vorgabe von 3,5 m/s². In dem 100-seitigen Abschlussbericht „Segway im öffentlichen Verkehrsraum“, den die TU Kaiserslautern im Auftrag der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) herausbrachte, schrieb Hartmut Topp 2006: „Das Unfallrisiko und die Gefährlichkeit von Stürzen erscheinen beim Segway im Vergleich etwa zum Fahrrad geringer.“
mini|Gruppe von Segway-PT-Fahrern mit Fahrradhelmen (in Washington, D.C., USA; 2006)
Unfallrisiken bestehen, wenn ein Rad die Bodenhaftung verliert (z. B. bei Glatteis) oder mit Hindernissen kollidiert (tiefe Schlaglöcher, hohe Kantsteine oder Wände).
Die bislang einzigen Crashtests führte die Unfallforschung der Versicherer (UDV) durch. Diese Untersuchung zeigte, dass der Segway – zumindest mit der getesteten Geschwindigkeit von 15 km/h – eine Gefahr für Fußgänger darstellt. Dies ist nicht zuletzt auf die große Gesamtmasse zurückzuführen. Deshalb kommt die UDV zu dem Schluss, in Fußgängerzonen oder auf Gehwegen mit dem Segway nur mit maximal 6 km/h zu fahren. Aber auch Segway-Fahrer selbst setzen sich bei Geschwindigkeiten um 15 km/h einer nicht zu unterschätzenden Gefahr sowohl bei einer Kollision mit einem Fußgänger als auch bei einer Kollision mit einem Fahrzeug aus. Die UDV empfiehlt daher das Tragen von Fahrradhelmen. Die Fahrversuche hingegen zeigten, dass der Segway prinzipiell unproblematisch in seiner Handhabung ist. Allerdings gibt es Situationen, wie plötzliches Ausweichen und Bremsen, die nur durch spezielles, ausführliches Training gemeistert werden können.
Rechts- und Zulassungsfragen mini|Segwayverbotsschild in Schleswig-Holstein
Aufgrund der vielen Neuheitsmerkmale des Segway PT (zweirädriges, aber mehrspuriges Motorfahrzeug, keine mechanische Bremse, kein Sitz, elektronisch geregelte Lenkung und Stabilität) ist seine verkehrsrechtliche Zulassung anhand herkömmlicher Vorschriften meist nicht zu erreichen. Um den Fahrzeugeigenschaften gerecht zu werden und den Betrieb zu ermöglichen, schuf der Gesetzgeber in den USA eine eigene Fahrzeugklasse (EPAMD = Electric Personal Assistive Mobility Device).
Eine entsprechende europaweite Regelung hat die EU-Kommission mit der Begründung abgelehnt, der Segway sei kein Straßenfahrzeug und gehöre deshalb nicht zum Regelungsbereich der EU. Dies steht im Widerspruch zur EU-Richtlinie 2002/24/EU, wonach alle Elektrofahrzeuge mit mehr als 0,25 kW Leistung als Kraftfahrzeuge gelten und dem EU-Typgenehmigungsverfahren unterliegen.
Situation in Deutschland mini|Segway mit Versicherungskennzeichen und Rücklicht in Nürnberg Seit dem 15. Juni 2019 ist der Segway i2 (SE) ein Elektrokleinstfahrzeug nach der Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung (eKFV). Er darf damit ab 14 Jahren und ohne Helm und ohne Führerschein oder sonstigen Befähigungsnachweis im Straßenverkehr gefahren werden. Ein Versicherungskennzeichen bzw. eine gültige Versicherungsplakette ist erforderlich.§ 2 Absatz 1 Ziff. 2 eKFV.
Die Segway-Modelle XT, x2 und Golf (SE) sind breiter als 70 cm und damit kein Elektrokleinstfahrzeug Abs. 1 Ziff. 4 eKFV. Diese Modelle mit bereits erteilter Sonder-/Einzelzulassung sowie alle auf dem Segway PT basierenden Rollstühle behalten weiterhin das blecherne Mofa-Versicherungskennzeichen und sind erst ab 15 Jahren und mit einer Mofa-Prüfbescheinigung nutzbar.
Historische Entwicklung