Die Große Kreisstadt Flöha ist eine sächsische Kleinstadt im Landkreis Mittelsachsen. Nach der ersten urkundlichen Erwähnung im Jahr 1346 entwickelte sich das Gebiet am nördlichen Rand des Erzgebirges am Zusammenfluss der Flüsse Flöha und Zschopau mit dem Einsetzen der Industrialisierung im 19. Jahrhundert zu einer Industriegemeinde, welche am 8. November 1933 zur Stadt erhoben wurde. Das heutige Stadtgebiet des unmittelbar an die Großstadt Chemnitz angrenzenden Unterzentrums ging aus Gemeindezusammenschlüssen in den Jahren 1920, 1962 und 2011 hervor.
Geographie mini|links|Blick auf die Stadt
Die Stadt Flöha befindet sich im gleichnamigen Becken, welches am Fuße des Unteren Erzgebirges durch die dort zusammenfließenden Flüsse Flöha und Zschopau ausgeräumt wurde. An diesem Zusammenfluss beider Flüsse bilden vier ehemals selbstständige Gemeinden das heutige zusammengewachsene Siedlungsgebiet der Stadt.
Nachbargemeinden Die nachfolgenden Gemeinden grenzen an die Stadt Flöha. Sie werden im Uhrzeigersinn beginnend im Nordosten genannt: Frankenberg/Sa., Oederan, Augustusburg, Chemnitz und Niederwiesa.
Stadtgliederung Das Stadtgebiet von Flöha besteht aus den fünf Ortsteilen Flöha, Gückelsberg, Plaue, Bernsdorf und Falkenau (mit seinem Gemeindeteil Hetzdorf).
Geschichte mini|Villa Immenhof, heute das Jugendzentrum „UFO“
Von der Gründung bis zum Dreißigjährigen Krieg Flöha entstand als einreihiges Waldhufendorf in den Jahrzehnten nach der Mitte des 12. Jahrhunderts. Die urkundliche Ersterwähnung erfolgte im Jahre 1399, als ein „Johannes pharer zcu der Flaw“ in einer Chemnitzer Urkunde genannt wurde. Dies ist zugleich die erste indirekte Erwähnung der Dorfkirche von Flöha, die unmittelbar mit der Gründung des Ortes – vermutlich als Georgskirche – angelegt wurde. Die oft angenommene Ersterwähnung Flöhas in der Meißner Bistumsmatrikel beruht auf einer Irrung, da die älteste erhaltene Fassung dieser Matrikel aus dem Jahre 1495 (und nicht aus dem Jahre 1346) stammt. Ältestes sicher datierbares Bauwerk Flöhas ist der spätgotische Chor der „Georgenkirche“ aus der Zeit um 1500/1510. Möglicherweise hat sich jedoch im Kirchenschiff Bausubstanz aus der Romanik (2. Hälfte 12. oder 1. Hälfte 13. Jahrhundert) erhalten. Ihre heutige Gestalt erhielt die Kirche – abgesehen vom spätmittelalterlichen polygonalen Chor – durch einen Barockumbau in der Mitte des 18. Jahrhunderts und durch eine historistische Erneuerung im Jahre 1880.
Vom Dreißigjährigen Krieg bis zum Ende des 19. Jahrhunderts Mit dem Dreißigjährigen Krieg und den damit einhergehenden Morden, Bränden, der Hungersnot sowie der darauffolgenden Pest reduzierte sich die Einwohnerzahl ab 1632 in einem Jahr um ein Viertel. Zahlreiche Bauerngüter fielen der Zerstörung anheim. Auch mit dem Siebenjährigen Krieg gingen weitere Nöte einher. Zahlreiche wiederkehrende Überschwemmungen ließen die Siedlungsgebiete der vier Dörfer nicht zusammenwachsen, allerdings entwickelte sich die Flößerei auf beiden Flüssen zu einem bedeutenden Wirtschaftszweig.
mini|links|Blick vom Fluss Flöha auf die Stadt
Bis in das eingehende 19. Jahrhundert bewahrte Flöha den ländlichen Charakter seiner Siedlungen, die Gebiete waren auf die Landwirtschaft ausgerichtet. Mit der Gründung der ersten Baumwollspinnerei 1809 wurde Flöha zu einem Industriestandort, was den Beginn für die die kommenden Jahrzehnte prägende Industrialisierung des Ortes darstellte. 1817 erfolgte die Gründung der zweiten Spinnerei in Flöha, Gückelsberg zog 1830 mit seiner ersten Spinnerei nach. Im ganzen Umfeld von Chemnitz beeinflusste die Industrialisierung den Charakter der Gemeinden. Durch die angesehene Baumwollspinnerei Clauß wurde Flöha zu einer aufstrebenden Industriegemeinde. mini|Ehemalige Baumwollspinnerei mini|Gebäude der Freiwilligen Feuerwehr und des Deutschen Roten Kreuzes mini|Gymnasium
Ein weiterer Schritt dieser Entwicklung war die Anbindung Flöhas an das sächsische Eisenbahnnetz mit der Verbindung zwischen Chemnitz und Annaberg im Jahr 1866, der drei Jahre später errichteten Strecke nach Freiberg und Dresden sowie der Bau der in Flöha abzweigenden Nebenbahn nach Reitzenhain. Das beschleunigte die weitere Ansiedlung bedeutender Fabriken wie die der Buntpapier- und Tüllfabrik „KG Carl Siems & Co.“ in Plaue, des Dampfkesselbaus und einer Holzschleiferei in Flöha. Flöha gehörte bis 1856 zum kursächsischen bzw. königlich-sächsischen Amt Augustusburg, vormals „Amt Schellenberg“.Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas. Leipzig 2009, ISBN 978-3-937386-14-0; S. 70 f. Nach dem Ende der sächsischen Ämterverfassung 1856 lag Flöha im Zuständigkeitsbereich des Gerichtsamts Augustusburg. Der Nachbarort Plaue wurde 1874 zum Sitz der neu gegründeten Amtshauptmannschaft Flöha erhoben, was den Bedeutungszuwachs der vergangenen Jahrzehnte deutlich wiedergab. Diese Entscheidung führte zur vermehrten Ansiedlung von Ämtern wie der Allgemeinen Ortskrankenkasse im Jahr 1884 und der Gemeindesparkasse 1895.
Flöha im 20. und 21. Jahrhundert Gückelsberg traf 1920 die Entscheidung, sich mit Flöha zusammenzuschließen. 1930 wurden in der Stadt ein Hauptpostamt und eine Fach- und Handelsschule eröffnet. Erst am 8. November 1933 wurde man mit der Erhebung zur Stadt auch auf formaler Ebene der Bedeutung gerecht, die Flöha durch die Industrie erlangt hatte. In der Turnhalle in Plaue (Flöha-Süd) errichteten SA und SS am 9. März 1933 das KZ Plaue, das als Frühes Konzentrationslager bis 10. Juni 1933 bestand und von insgesamt 600 Häftlingen durchlaufen wurde, welche schwersten Misshandlungen ausgesetzt waren. Nach der Auflösung des Lagers kamen die verbliebenen Häftlinge nach Colditz, Sachsenburg oder ins Schloss Augustusburg. An der Vorderseite der Turnhalle erinnert ein Relief mit Szenen aus dem Lageralltag an die Verbrechen. 1934 folgte ein neuer Bahnhof, weitere Wohngebiete entstanden in der Folgezeit.
Während des Zweiten Weltkrieges wurde von März 1944 bis April 1945 ein Außenlager des KZ Flossenbürg im heutigen Werk Flöha der Oberlungwitzer Textilwerke GmbH betrieben. Die seinerzeit dort ansässige Tarnfirma Fortuna G.m.b.H., bei der 600 Häftlinge unter extremen Lebensbedingungen Flugzeugteile herstellen mussten, gehörte zum Erla Maschinenwerk in Leipzig.Zwangsarbeitereinsatz bei der Fortuna GmbH in Flöha
Nachdem der Zweite Weltkrieg keine direkten Einwirkungen auf Flöha genommen hatte, wurde die Stadt 1945 durch die Sowjetische Armee besetzt. 1952 wurde Flöha durch die zweite Kreisreform in der DDR Kreisstadt des Kreises Flöha im Bezirk Chemnitz (1953 in Bezirk Karl-Marx-Stadt umbenannt). Am 1. Januar 1962 schloss sich Plaue mit Flöha zusammen, auch weil auch die Siedlungsgebiete zusammengewachsen waren und die wirtschaftliche Verbindung bereits seit Längerem gegeben war. Der Industriestandort und Kreisstadt Flöha war in DDR-Zeiten weiterhin produktiv; es entstanden neue Wohngebiete, eine katholische Kirche und neue Kinderbetreuungs- und Schuleinrichtungen.
Am Standort der heutigen Gaststätte „Finkenmühle“ wurde im Jahr 1722 die „königliche Schloßmühle zu Altenhayn“ als Getreidemühle erbaut. 1822 wird sie beim Rentamt Sachsenburg erstmals unter dem Namen Finkenmühle erwähnt, offenbar aufgrund der flussabwärts neben der Mühle gelegenen Finkenwiese. Ab 1879 war der Chemnitzer Fabrikant Heinrich Friedrich Schnicke Besitzer der Mühle, errichtete ein Turbinenhaus und vergrößerte die Mühle zu einer Fabrikholzschleiferei. 1938 wurde die Mühle vom Chemnitzer Kaufmann Erwin Oscar Melchior gekauft, der gemeinsam mit Herbert Plitz die Firma „Plitz Akkumulatoren Flöha“ gründete und in der Finkenmühle Auto- und Motorradbatterien produzierte. 1972 wurde der VEB Vorrichtungsbau Hohenstein-Ernstthal infolge Zwangsenteignung neuer Besitzer. 1986 wurden die alten Gebäude teilweise abgerissen und ein Betriebsschulungsheim mit öffentlicher Gaststätte errichtet. Bei der Eingemeindung der Gemeinde Altenhain nach Frankenberg/Sa. im Landkreis Hainichen verblieb die Siedlung „An der Finkenmühle“ im Landkreis Flöha und wurde am 1. Januar 1994 nach Flöha umgegliedert.
Mit der politischen Wende und in Folge der Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion brach die Industrie in der Stadt zusammen. Eine hohe Zahl von Entlassungen im Bereich des industriellen Sektors war die Folge, was auch die verstärkte Abwanderung in die westlichen Bundesländer auslöste. 1994 verlor die Stadt mit der Zusammenlegung der Kreise Flöha, Freiberg und Brand-Erbisdorf ihren Status als Kreisstadt und wurde so zur Großen Kreisstadt. Flöha war die drittgrößte Stadt im bis 2008 bestehenden Landkreis Freiberg. Seitdem gehört sie zum Landkreis Mittelsachsen.
mini|Logo anlässlich der 600-Jahr-Feier
Im Jahre 1999 feierte Flöha sein 600-jähriges Bestehen in Form eines großen Vereinsfestes, inklusive eines Festumzugs und einer dreitägigen Festveranstaltung am Festgelände zwischen Auenstadion und Gymnasium.
Am 29. (Falkenau) und 30. Juni 2011 (Flöha) beschlossen die Gemeinde- und Stadträte von Falkenau und Flöha eine freiwillige Fusion, die zum 1. Oktober 2011 vollzogen wurde.(Freie Presse) Die Verwaltungsgemeinschaft Flöha wurde aufgelöst.
Im Jahr 2024 zog die Stadtverwaltung vom bisherigen Rathaus an der Augustusburger Straße im Stadtteil Plaue in das sanierte Kontorgebäude der "Alten Baumwolle" um.Bericht auf der Internetpräsenz der Stadt Flöha vom 8. April 2024 Dies geschieht im Zuge der Revitalisierung und Sanierung des Areals der Baumwollspinnerei E. I. Clauß Nachfolger und deren Etablierung als neues Stadtzentrum mit Marktplatz.
Herkunft des Namens
Der Ort wurde nach dem Fluss benannt; für die Herkunft und die ursprüngliche Bedeutung des Namens gibt es unterschiedliche sprachwissenschaftliche Erklärungen.Ernst Eichler, Hans Walther (Hrsg.): Historisches Ortsnamenbuch von Sachsen, Berlin 2001, ISBN 3-05-003728-8, Band I, Seite 263 Der Linguist Ernst Eichler und der Namenkundler Hans Walther sehen die Herkunft des Namens am ehesten im germanischen Wort flouwan, flewan, das mittelhochdeutsch vlöuwen und im Altsorbischen plav(iti) lautete und schwemmen, spülen, flößen bedeutete. So sei der Fluss Flöha als der zu verstehen, auf dem geflößt oder geschwemmt worden sei, altsorbisch Plava, alt- oder mittelhochdeutsch Flawa.Ernst Eichler und Hans Walther: Sachsen. Alle Städtenamen und deren Geschichte, Faber und Faber Verlag, Leipzig 2007, ISBN 978-3-86730-038-4, S. 59f.
Historische Ortsnamensformen
In Urkunden finden sich für den Ort folgende SchreibweisenKarlheinz Blaschke (Hrsg.): Historisches Ortsverzeichnis von Sachsen, Neuausgabe, Leipzig 2006, ISBN 3-937209-15-8, Seite 221 1399: zcu der Flaw 1445: Fleye 1449: Floye 1495: Flew 1539/40: die Flöhe 1728: Flöha
Einwohnerentwicklung mini|Die „Elfgeschosser“, die höchsten Gebäude der Stadt
Folgende Einwohnerzahlen beziehen sich auf den 31. Dezember des voranstehenden Jahres mit Gebietsstand August 2008: vor 1980 1939: 63381980 bis 1989 1982: 12.022 1983: 12.682 1984: 12.829 1985: 12.789 1986: 12.858 1987: 12.792 1988: 13.301 1989: 13.2411990 bis 1999 1990: 12.950 1991: 12.575 1992: 12.419 1993: 12.421 1994: 12.280 1995: 12.185 1996: 12.173 1997: 12.309 1998: 12.250 1999: 12.1512000 bis 2009 2000: 11.974 2001: 11.662 2002: 11.561 2003: 11.351 2004: 11.084 2005: 10.780 2006: 10.492 2007: 10.320 2008: 10.124 2009: 9.9742010 bis 2019 2010: 9.753 06/2011: 9.623 2011: 11.432 2012: 11.301 2013: 11.128 2019: 10.696 2023: 10.426 2024: 10.183 2025: 10.218 Quelle: Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen, Stand: 31. Dezember 2023, abgerufen am 20. November 2024
Eingemeindungen 1. April 1920: GückelsbergDas Sachsenbuch, Kommunal-Verlag Sachsen KG, Dresden, 1943 1. Januar 1962: Plaue mit Ortsteil Bernsdorf 1. Oktober 2011: Falkenau mit Ortsteil Hetzdorf
Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke und Grünanlagen mini|Hetzdorfer Viadukt mini|Park neben der Baumwollspinnerei