Vor Einbruch der Nacht ist ein Spielfilm des französischen Regisseurs Claude Chabrol aus dem Jahr 1971. Das Drehbuch basiert auf Edward Atiyahs Roman The Thin Line aus dem Jahr 1951. Es stellt einen erfolgreichen Pariser Werbefachmann (gespielt von Michel Bouquet) in den Mittelpunkt, der nach dem unabsichtlich verursachten Tod seiner Geliebten mit Gewissensbissen und dem Wunsch nach Sühne konfrontiert wird. Der Film, der seine Uraufführung am 31. März 1971 in Frankreich feierte,vgl. Release dates in der Internet Movie Database (aufgerufen am 16. September 2010) wurde von Cinegai S.p.A. und Les Films de la Boétie produziert.vgl. Company credits in der Internet Movie Database (aufgerufen am 16. September 2010)

Handlung Der Pariser Werbefachmann Charles Masson hat Erfolg in seinem Beruf. Er führt eine vorbildliche Ehe mit der eleganten Hélène und zwei wohlgeratenen Kindern. Die Familie hat ein schwarzes Dienstmädchen bei sich integriert und bewohnt eine moderne Vorortvilla. Heimlich unterhält Charles eine Affäre mit der masochistisch veranlagten Laura, Ehefrau des befreundeten Innenarchitekten François Tellier und gleichzeitig Freundin von Hélène. Charles und Laura geben sich leidenschaftlich SM-Spielen hin, die Charles jedoch insgeheim anekeln. Bei einem neuerlichen Treffen erdrosselt er Laura während des Liebesakts, nachdem sie ihn genötigt hat, sie zu würgen. Verwirrt lässt er den Leichnam in der extra für ihre Seitensprünge genutzten Wohnung zurück und sucht eine Bar in der Nähe auf, wo er sich betrinkt. Dort trifft er ausgerechnet auf François, den er jedoch nicht einweiht.

Die Untersuchungen der Kriminalpolizei laufen ins Leere, und die Massons nehmen am Begräbnis von Laura teil. Charles’ Seitensprünge sind jedoch nicht unbemerkt geblieben. Eine Freundin von Laura, die den beiden die Wohnung zur Verfügung stellte, hat Charles zwei Monate zuvor mit Laura gesehen und auf der Beerdigung wiedererkannt. Sie setzt François davon in Kenntnis, der sie jedoch bittet, die Polizei aus dem Spiel zu lassen.

Charles verfällt indes immer mehr in Apathie und erleidet eines Nachts einen Nervenzusammenbruch, nachdem er zu dem Schluss gekommen ist, dass er Laura und die sexuelle Macht, die sie über ihn hatte, gehasst hat. Von Gewissensbissen gepeinigt, berichtet Charles seiner Ehefrau Hélène von der Affäre und einige Tage später bei einem gemeinsamen Erholungsurlaub von der Tötung. Streit und Schuldzuweisungen bleiben jedoch aus. Hélène scheint die Beweggründe ihres Ehemanns nachvollziehen zu können und rät ihm, weder die Polizei aufzusuchen noch François etwas zu sagen.

Charles wendet sich dennoch an François, aber dieser rät seinem alten Freund ebenfalls dazu, die Affäre auf sich beruhen zu lassen. Ein Geständnis bei der Polizei könne Laura nicht zurückbringen, Charles und seine Familie aber zerstören.

Sowohl Hélène als auch François versuchen Charles dazu zu überreden, das Verbrechen zu vergessen und weiterzuleben. Er aber bricht mehr und mehr an der sich selbst zugeschriebenen Schuld zusammen. Er ist fest entschlossen gegen den Willen seiner Frau, die keinen moralischen Nutzen in diesem Unterfangen sieht, sich am nächsten Tag zu stellen. Als er Hélène um ein Schlafmittel bittet, serviert sie ihm ein Glas Wasser mit einer Überdosis Laudanum. Sein Tod wird als Selbstmord gedeutet.

Kritiken

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung urteilte, dass Chabrols Filme von außen gesehen, „so glatt, perfekt, funktionstüchtig“ wie jene von Claude Lelouch erscheinen würden. Michel Bouquets und Stéphane Audrans Figuren seien für „Denkende“ kaum genüsslich verzehrbar, sofern man nicht, gemäß dem Paten, „das Morden als unvermeidbare Tätigkeit dem Lebensrhythmus Arrivierter“ einbeziehe. „Der Zynismus wäre dann vollkommen“, so der Rezensent der FAZ.vgl. Der moralische Mörder. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 6. September 1972, S. 2.

David Robinson (The Times) zog Vergleiche zu Chabrols Die untreue Frau (1969), in der Thema und Figurenkonstellation ähnlich gelagert seien. Der Mord sei mehr als im vorangegangenen Werk nur ein Zwischenfall, „ein beinahe willkürliches Motiv für das moralische Drama“, das mit kühler Eleganz und Esprit und einer „merkwürdigen unsentimentalen Wärme“ ausgelegt sei, konzentriert und ökonomisch. Chabrol bleibe ein „meisterhafter Geschichtenerzähler [...].“vgl. David Robinson: The charm of Chabrol's bourgeoisie. In: The Times, 13. April 1973, Issue 58757, S. 11.

Der US-amerikanische Kritiker Roger Ebert (Chicago Sun-Times) pries Vor Einbruch der Nacht als einer von Chabrols besten Filmen über sein favorisiertes Thema – die „dunklen Leidenschaften und gut gehüteten Geheimnisse“, die sich „unter der Fassade einer absoluten Seriosität“ der französischen Bourgeoisie verbergen. Der Film sei eine „Meditation über Schuld.“vgl. Roger Ebert: Just Before Nightfall, 24. Februar 1976 (aufgerufen am 15. September 2010).

Auszeichnungen Sowohl für den Part der Hélène in Vor Einbruch der Nacht als auch für ihre Rolle in Luis Buñuels Oscar-gekröntem Werk Der diskrete Charme der Bourgeoisie (1972) wurde Stéphane Audran 1974 mit dem Britischen Filmpreis als beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet.

Literatur Edward Atiyah: The Thin Line. Davies, London 1951.

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Einzelnachweise

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