mini|Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt mini|Innenraum der Stadtpfarrkirche mini|Neugotischer Hochaltar der 14 Nothelfer Die römisch-katholische Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Vilsbiburg im niederbayerischen Landkreis Landshut ist eine spätgotische Staffelhalle der Landshuter Bauhütte, die Anfang des 15. Jahrhunderts begonnen und 1413 oder 1437 erstmals geweiht wurde. Die Fertigstellung der Kirche dürfte erst gegen Ende des 15. Jahrhunderts erfolgt sein. Das Erscheinungsbild des Turmes, der mit einer Zwiebelkuppel bekrönt ist, geht auf die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts zurück. Die ebenfalls aus dieser Zeit stammende Barockausstattung der Kirche wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts „regotisiert“. Bei Renovierungsmaßnahmen um 1955 und 1978/79 erhielt der Innenraum im Wesentlichen sein heutiges Aussehen.
Die Kirche ist als Baudenkmal mit der Nummer D-2-74-184-7 beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege eingetragen und gilt als geschütztes Kulturgut gemäß der Haager Konvention. Sie trägt das Patrozinium der Himmelfahrt Mariens (Gedenktag: 15. August). Neben der Wallfahrtskirche Maria Hilf, auch Bergkirche genannt, ist Mariä Himmelfahrt die zweite große Kirche in Vilsbiburg. In Abgrenzung zu dieser wird sie von den Einheimischen schlicht als Stadt(pfarr)kirche bezeichnet. Zur Pfarrei Mariä Himmelfahrt gehören außerdem die Spitalkirche zur Heiligen Dreifaltigkeit in Vilsbiburg, die Filialkirche St. Ulrich und Margaretha in Oberenglberg sowie die Nebenkirchen St. Nikolaus in Herrnfelden und St. Georg und Martin in Wolferding.
Geschichte Der Pfarrsprengel von Vilsbiburg wurde erstmals im Jahr 1157 im Rahmen der Neuordnung der Bistumsgrenze zwischen Freising und Regensburg erwähnt. Diese deckte sich teilweise mit der Vilsbiburger Pfarrgrenze. Das Bestehen einer Pfarrei setzt freilich einen Kirchenbau voraus, über dessen Lage und Aussehen jedoch keine Belege existieren. Das Patronatsrecht lag damals wohl bei den Grafen von Frontenhausen und gelangte im 13. Jahrhundert an die Wittelsbacher. Im Jahr 1265 erkannte der Regensburger Bischof Leo Thundorfer dieses Recht formell gegenüber Herzog Heinrich I. an, was die erste urkundliche Erwähnung der Pfarrkirche darstellt. Am 16. Oktober 1372 unterstellte Herzog Friedrich Kirche und Pfarrei dem Benediktinerstift Sankt Veit bei Neumarkt. Dies wurde 1406 von Papst Innozenz VII. bestätigt, wobei erstmals die Kirche Sankt Mariä in Vilsbiburg erwähnt wurde. Der Abt des Stiftes Sankt Veit hatte somit bis zur Auflösung des Klosters im Zuge der Säkularisation 1803 das Präsentationsrecht für die Pfarrei Vilsbiburg inne. Während diese zunächst noch häufig mit Weltpriestern besetzt wurde, kamen ab 1647 nur noch Mitglieder des Sankt Veiter Konvents zum Zuge. Daneben wurden in Vilsbiburg seit dem späten Mittelalter auch Benefiziaten eingesetzt. Deren Unterhalt wurde aus Messpfründen bestritten, die verschiedenen, von Bürgern, Handwerkern und Bruderschaften gestifteten Seitenaltären zugeordnet waren.Markmiller, S. 2–4.Evelyne Betz: Wie alt ist die Pfarrkirche? – Peter Käser belegt Nachforschungen und widerspricht falschen Interpretationen. Online auf www.pfarrei-vilsbiburg.de; abgerufen am 27. November 2021.
Genaue Daten zur Erbauungszeit der heutigen spätgotischen Kirche sind nicht bekannt. Der Chor wurde wohl nach 1404 begonnen, häufig wird das Jahr 1412 als Baubeginn angegebenVilsbiburger Zeitung vom 15. August 2000: . Ein Schlussstein am Gewölbe in der Nähe des Chorbogens trägt die Jahreszahl 1414, die wahrscheinlich das Jahr der Einwölbung angibt. Ein Brief aus dem Zechschrein der Pfarrkirche berichtet ferner von der Einweihung des Gottshauses sambt denen sieben Altären, die bereits am 29. Oktober 1413 stattgefunden habe. Auf einem Gedenkstein aus rotem Marmor, der in der dritten Seitenkapelle (von Osten) auf der Nordseite angebracht ist, steht: ecclesia est renovata anno domini 1427. Zahlreiche Quellen gehen davon aus, dass „renovata“ wohl „von Neuem errichtet“ bedeutet, da keine wesentlich älteren Bauteile festzustellen sind. Als gesichert gilt das Datum der Weihe bzw. Wiederweihe der Kirche am 18. August 1437. Nach Ausweis der stilistischen Merkmale, beispielsweise des Langhausgewölbes, wurde der Bau jedoch erst gegen Ende des 15. Jahrhunderts vollendet.
Mitte des 17. Jahrhunderts setzte nach Ausweis der Kirchenrechnungen eine Phase ein, in der zahlreiche Neuanschaffungen getätigt wurden. So kam es zur Barockisierung der Ausstattung: Im Jahr 1659 errichtete der Landshuter Schreiner Hans Zier einen barocken Seitenaltar zu Ehren der heiligen Anna. Noch im selben Jahr schuf der Neuöttinger Maler Wolfgang Rost die Altargemälde. 1661 wurde der Altar durch den Vilsbiburger Maler Christoph Gerl gefasst und vergoldet. Außerdem erstellten der Vilsbiburger Schreiner Leonhard Mayr und der Landshuter Bildhauer Gregor Nay das Schnitzwerk und die Engelsfiguren. Der Vilsbiburger Maurermeister Georg Seoner hatte den Vorgängeraltar abgebrochen und einen neuen Stipes aufgemauert, sodass der Altar am 9. Dezember 1661 an seinem endgültigen Platz aufgerichtet werden konnte. 1670 schufen der Schreiner Blasius Zier und der Bildhauer Matthias Nay, beide aus Landshut, einen barocken Hochaltar. Die Fassung und Vergoldung besorgte der Vilsbiburger Maler Johann Baptist Gerl, das Altargemälde Mariä Himmelfahrt schuf der Landshuter Maler Raimund Scherrich. Gleichzeitig brach Georg Seoner beim Hochaltar ein großes Fenster aus und ließ den Chor neu tünchen. 1784 wurde der Hochaltar bei Restaurierungsarbeiten durch den Vilsbiburger Bildhauer Michael Wagner leicht verändert. 1675 erneuerten Matthias Nay sowie der Fassmaler Hans Heinrich Ruestaller und der Schreiner Christoph Vierthaler, beide aus Vilsbiburg, den vormaligen St.-Johannes-Seitenaltar zu Ehren des heiligen Johannes. Da das Altarblatt ausgetauscht wurde, wurde dieser ein St.-Antonius-Altar. Um 1733 erledigte der Vilsbiburger Maler Philipp Hauser Fass- und Vergoldungsarbeiten an dem Altar. 1671 wurde der gotische Spitzhelm entfernt. Nach einer Aufstockung des Turmes um ein Geschoss wurde eine barocke Zwiebelkuppel aufgesetzt. Diese wurde 1677 von dem Frontenhausener Zimmerermeister Georg Schußleitner mit rot gestrichenen Holzschindeln gedeckt. Bereits 1689 musste die Turmkuppel nach einem Blitzeinschlag erneuert werden. 1697 erstellten die Vilsbiburger Schreiner Heinrich Stauch und Thomas Huber ein neues Kirchengestühl. 1738 schuf der Vilsbiburger Schreiner Veit Cranzsperger einen neuen Beichtstuhl. 1824 wurde ein neuer Kreuzaltar geschaffen. Die Fassung besorgte der Regensburger Maler N. Schuster.
Um 1850 begann Pfarrer Josef Neumayer die Regotisierung. Fast alle barocken Ausstattungsstücke, die seit Mitte des 17. Jahrhunderts angeschafft worden waren, wurden entfernt. Bereits 1850 wurden der Frauen- und Kreuzaltar beseitigt, 1852 der Vierzehn-Nothelfer- und Jakobsaltar und 1855 der barocke Hochaltar. In den folgenden Jahren schuf der aus Lermoos in Tirol stammende Bildhauer Johann Petz, der eine Werkstatt in München leitete, eine geschlossene neugotische Ausstattung. 1855 entstand ein neuer Hochaltar, bis 1859 vier Seitenaltäre, 1866 schließlich ein Orgelprospekt, eine Kanzel und ein Kreuzwegzyklus. Im Jahr 1872 wurde das Kircheninnere ausgemalt. Um 1875 schuf der Vilsbiburger Schreiner Josef Prändl schließlich ein neues Kirchengestühl und einen neugotischen Vierzehn-Nothelfer-Altar, der heute als Hochaltar im Chorraum aufgestellt ist. Die Regotisierung stieß in der Bevölkerung keineswegs nur auf Zustimmung, die Vilsbiburger übten teils heftige Kritik in Wort und Schrift. Deshalb wurde der Initiator der Umgestaltung, Pfarrer Neumayer, vom zuständigen Dekan Franz Häglsperger aufgefordert, sich mit Kirchenverwaltung und Bürgerausschuss zu einigen, damit die Vilsbiburger Kirche „nicht bloß ein Kunsttempel, sondern auch ein Denkmal der Eintracht zwischen Pfarrer und Gemeinde werden möge“.
Nachdem Vilsbiburg um die Wende zum 20. Jahrhundert stark gewachsen war, entstand in der Bevölkerung der Wunsch nach einer größeren Kirche. Der damalige Pfarrer Michael Mayer, der Bürgermeister Michael Winkler trieben dieses Projekt voran. Am 25. Januar 1906 wurde ein Kirchenbauverein gegründet. Dieser setzte sich zum Ziel, Spenden für einen Teilabriss und eine Erweiterung der Pfarrkirche nach Osten zu sammeln. Dabei sollte der spätgotische Chor abgebrochen und das Langhaus um drei Joche, die in ein Querschiff einbezogen sein sollten, nach Osten erweitert werden. Daran anschließend sollte der Chor weitgehend unverändert wieder aufgebaut werden. Nach einer Sitzung der Kirchenverwaltung am 31. Januar 1907 wurde ein Architektenwettbewerb ausgerufen. Während die Pläne des Vilsbiburger Baumeisters Anton Wagner, die im März 1907 vorgestellt wurden, auf wenig Gegenliebe stießen, konnte sich der im Dezember 1907 präsentierte Entwurf des Münchner Architekten Joseph Elsner junior durchsetzen. Er illustrierte mit insgesamt 14 Plänen, einige davon farbig auf Karton aufgezogen, sein Vorhaben, einen „Dom des Vilstals“ mit über 600 festen Sitzplätzen zu errichten, davon rund 100 auf zwei Emporen, die an den aus der Flucht der Seitenschiffe hervortretenden Querschiffenden geplant waren. Auf Wunsch von Pfarrer Mayer plante Elsner junior in späteren Entwürfen zusätzlich eine Lourdesgrotte mit zwei seitlichen Treppenaufgängen im östlichen Außenbereich ein.Peter Käser: Ein Dom im oberen Vilstal? – Die Pfarrkirche Vilsbiburg sollte um 1910 gigantisch umgebaut werden. Online auf www.pfarrei-vilsbiburg.de; abgerufen am 27. November 2021.
Die großen Pläne wurden nie umgesetzt, da die Pfarrei finanziell unter Druck geriet. So musste 1910 die schadhafte Kupferbedachung der Turmkuppel erneuert werden. 1911 wurden Friedhof nach Norden erweitert und Gruftarkaden errichtet. Im Ersten Weltkrieg mussten die Kupferbedachung der Pfarrkirche, der Bergkirche und der Oberenglberger Kirche, verschiedene Orgelpfeifen und drei Glocken für Rüstungszwecke abgeliefert werden. Deshalb wurde in einer Sitzung der Kirchenbauvereins am 13. April 1921 beschlossen, die Pläne für die Erweiterung der Stadtpfarrkirche zugunsten anderer, dringender Projekte aufzugeben.
Die neugotische Ausstattung wurde unter Pfarrer Franz Hierl ab 1948 bis auf wenige Ausnahmen entfernt. 1954/55 wurden die drei Fenster im Chorschluss mit modernen Glasgemälden des Gilchinger Kunstmalers Heinrich Diermeier ersetzt. 1956 wurde anstelle des neugotischen Hochaltares ein moderner Plattenaltar von Guido Martini aufgestellt. Bei einer Außenrenovierung im Jahr 1960 wurde der Verputz der Außenwände entfernt und so das gotische Backsteinmauerwerk wieder sichtbar gemacht. Die Turmkuppel wurde wieder mit Kupferblech gedeckt. Damit erhielt das Gotteshaus im Wesentlichen seine heutige äußere Form.Peter Käser: Farben für die Seele – 1955 wurden die Chorfenster der Stadtpfarrkirche Vilsbiburg erneuert (PDF; 2,9 MB). Online auf www.pfarrei-vilsbiburg.de; abgerufen am 5. Januar 2022.
In den Jahren 1978/79 wurde die Pfarrkirche unter der Leitung des Dingolfinger Architekten Fritz Markmiller innen renoviert. Der Kirchenmaler Hugo Preis aus Parsberg malte dabei die Raumschale nach dem spätgotischen Originalbefund aus. Der Altarraum wurde durch den Eggenfeldener Künstler und Bildhauer Joseph Michael Neustifter umgestaltet. Dabei schuf er unter anderem den modernen Volksaltar und ließ anstelle des modernen Plattenaltares den Vierzehn-Nothelfer-Altar von Josef Prändl, eines der wenigen erhaltenen Ausstattungsstücke aus der Zeit der Regotisierung, als Hochaltar aufstellen. Außerdem wurden das Kirchengestühl, die Elektroinstallation, die Heizungsanlage, die Bodenplatten innen und das Außenpflaster erneuert.
Im Jahr 1987 wurde der Turm instand gesetzt. 1994 musste wegen Feuchtigkeit im Mauerwerk eine neuerliche Innenrenovierung durchgeführt werden.
Architektur mini|Außenansicht von Süden
Außenbau