mini|350px|Anfangstakte des ersten Satzes mini|1. Adagio – Allegro mini|2. Andante cantabile (Ausschnitt) Das Streichquartett Nr. 19 in C-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart, KV 465 (Dissonanzenquartett) wurde am 14. Januar 1785 vollendet und stellt das letzte der sechs zwischen 1782 und 1785 komponierten und Joseph Haydn gewidmeten Quartette dar (sogenannte „Haydn-Quartette“, KV 387, 421, 428, 458, 464, 465).

Die Satzfolge entspricht mit einer Ausnahme dem von Haydn für Streichquartette etablierten viersätzigen Standard: Adagio – Allegro Andante cantabile Menuetto – Trio Allegro molto

Abweichend von diesem Standard versah Mozart den ersten Satz mit einer langsamen Einleitung (Adagio), was bis dahin nur in der Orchestermusik üblich war.Mozart hatte dies in jener Zeit auch in anderen Kammermusikwerken (KV 424, 452, 454) erprobt. –

Das Streichquartett erhielt seinen Namen von den ersten Takten des Einleitungs-Adagio mit den für die damalige Zeit ungewohnten schneidenden Querständen und klanglichen Reibungen (Dissonanzen). Den meisten Zeitgenossen fehlte für diese „moderne“ Musik noch das Verständnis.Hans Renner: Reclams Kammermusikführer. 8. Auflage. Ph. Reclam jun., Stuttgart 1976, ISBN 3-15-008001-0, S. 267–268. Der Musiktheoretiker Gottfried Weber setzte sich fast 50 Jahre später ausführlich mit den Einleitungstakten des Werks auseinander und beschrieb deren Wirkung unter anderem folgendermaßen:Gottfried Weber: Ueber eine besonders merkwürdige Stelle in einem Mozart’schen Violinquartett aus C. Caecilia, Band 14, 1832, S. 1–49. „Die ersten 8-9 Tacte dieser Einleitung hatten schon gleich nach dem ersten Erscheinen dieser Quartette grosse Sensation erregt und den Ohren der Hörer nicht recht behagen wollen [...]“ Zitiert werden dort auch Äußerungen des „ob der hier ihm entgegentretenden Härten“ entsetzten Giuseppe Sarti sowie Unverständnisbekundungen von François-Joseph Fétis, beides Komponisten. Georg Nikolaus Nissen, der zweite Ehemann von Constanze Mozart, bezog seine Beschreibung der hervorgerufenen Irritationen auf alle sechs „Haydn-Quartette“:

Möglicherweise noch bedeutsamer als diese Dissonanzen ist der Tonarten-Verlauf: Die Einleitung beginnt in c-Moll, nur ganz nebenbei taucht einmal C-Dur auf, das sich erst ab Takt 19 als eigentliche Grundtonart herausstellt. Man hat auch versucht, diese harmonisch unbestimmte, „suchende“ Einleitung aus Mozarts Biographie heraus freimaurerisch-programmatisch zu deuten. Jedenfalls prägen der „hier angeschlagene chromatische Grundton“ und der schillernde Facettenreichtum der Tonart C-Dur die Komposition auch im weiteren Verlauf. – Ähnlich auch

Wegen des Themas im zweiten Satz (ab Takt 13) trägt das Quartett unter Kammermusikern auch den Beinamen „Caroline“. Der dritte Satz besteht aus einem fröhlichen Menuett, gefolgt von einem Trio in c-moll. Der vierte Satz ist, wie der Anfangssatz, in der Sonatensatzform geschrieben, wobei das Thema zu Beginn des zweiten Teils in einer Mollvariante erscheint.

Ungeachtet der beschriebenen Irritationen erfreuen sich die sechs „Haydn-Quartette“ von Anfang an und bis heute höchster Wertschätzung.Schon die Wiener Realzeitung vom 18. September 1785 lobte die Quartette und erwähnte Haydns großen Beifall für die ihm gewidmeten Werke. – Nissen kommentierte Mozarts Widmung an den älteren Komponisten: „Mit keinem Werke hätte er Haydn besser ehren können, als mit diesem Schatze der schönsten Gedanken, diesem Muster einer vollendeten Quadro-Composition. (...) Alles darin ist (...) durchdacht und vollendet. Man sieht es den Quartetten an, dass sie um J. Haydn’s Beyfall buhlten.“ Diesen Beifall brachte Haydn nach einer Aufführung von drei dieser Quartette auch wirklich zum Ausdruck:

Das Dissonanzenquartett im Besonderen wird heute zu den „steilsten Gipfeln europäischer Kammermusik überhaupt“ gezählt (Jürgen Dohm).

Literatur

Weblinks Noten beim Mutopia-Projekt Noten beim International Music Score Library Project

Einzelnachweise

Kategorie:Streichquartett (Werk) Kategorie:Werk von Wolfgang Amadeus Mozart Kategorie:Musik 1785