Die Elefantenvögel (Aepyornithidae), auch Madagaskar-Strauße oder madagassisch Vorompatras genannt, sind eine ausgestorbene Familie großer flugunfähiger Vögel. Sie bilden gleichzeitig die monotypische Ordnung der Aepyornithiformes. Die Familie umfasst mit Aepyornis und Mullerornis insgesamt zwei Gattungen. Bekannt ist sie durch fossile und subfossile Knochen- und Eifunde von der Insel Madagaskar vor der Ostküste Afrikas. Wichtige Fundgebiete erstrecken sich entlang der südlichen und südwestlichen Küste beziehungsweise liegen im zentralen Bergland und an der Nordspitze.
In ihrem äußeren Erscheinungsbild ähnelten die Elefantenvögel den heutigen Straußen. Sie besaßen lange Hinterbeine, einen ebenfalls langen Hals und einen kleinen Kopf. Einige Vertreter waren aber deutlich größer als die Strauße und repräsentieren die größten bekannten Vögel. Sie stellen hierbei ein typisches Beispiel für Inselgigantismus dar. Die Lebensweise ist nur wenig erforscht. Vermutlich bewohnten die Elefantenvögel dichte Wälder und ernährten sich von eher weicher Pflanzenkost. Im Unterschied zu den Straußen waren sie wohl nicht an hohe Laufgeschwindigkeiten angepasst, was auch die Proportionen ihrer Hinterbeine aufzeigen. Außerdem ergaben Analysen der Hirnstruktur eine überwiegend nachtaktive Tätigkeit sowie eine geringe Sehstärke und ein Überwiegen des Geruchssinnes.
Der nächste heute lebende Verwandte findet sich mit den Kiwis auf den Inseln Neuseelands. Aus genetischer Sicht reicht der Ursprung der Elefantenvögel bis in das Paläogen zurück, allerdings sind keine Fossilien aus dieser Zeit belegt. Die ältesten bekannten Funde datieren in das ausgehende Pleistozän, die jüngsten in das 12. bis 13. Jahrhundert. Das Verschwinden der großen Vögel ist höchstwahrscheinlich mit der Besiedlung Madagaskars durch den Menschen verbunden. Wann genau sie ausstarben, ist ungeklärt. Teilweise werden Legenden um den Vogel Roch, wie sie unter anderem Marco Polo in seinem Reisebericht Il Milione vermittelte, mit den Elefantenvögeln verbunden. Fossilreste wurden erst in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts dokumentiert. Sie führten zur Erstbeschreibung der Gattung Aepyornis im Jahr 1851 und der Aepyornithidae zwei Jahre später.
Merkmale Größe und Habitus mini|hochkant|links|Historische Lebendrekonstruktion von Aepyornis maximus Die Elefantenvögel umfassen große bis sehr große Vögel. Die Ermittlung der Körpergröße erfolgt in der Regel auf der Basis des Vergleichs der Langknochen, vor allem der Hinterbeine. Demnach erreichte die Gattung Aepyornis schätzungsweise 243 bis 732 kg Körpergewicht. Einzelne Berechnungen an nicht vollständigen Knochen gehen zum Teil bis zu 860 kg. Die Scheitelhöhe dürfte bei großen Exemplaren zwischen 2,7 und 3 m betragen haben. Teilweise wurde für die extrem großen Formen die Gattung Vorombe abgetrennt, die allerdings identisch mit Aepyornis ist. Möglicherweise bestand ein ausgeprägter Geschlechtsdimorphismus. Für Mullerornis, der leichter und schlanker gebaut war, werden 60 bis 118 kg als Körpergewicht vermutet. Damit handelt es sich zumindest mit Aepyornis um den größten bekannten Vogel der Erdgeschichte. Annähernd vergleichbare Maße erreichten jeweils Dromornis oder Brontornis aus dem Miozän oder Pachystruthio aus dem Pleistozän. Die im 14. Jahrhundert ausgerotteten Moas der Gattung Dinornis mit einem geschätzten Gewicht von um die 250 kg waren die einzigen Vögel, die während historischer Zeit ähnliche Ausmaße erreichten.
Das äußere Erscheinungsbild der Elefantenvögel erinnert an andere heutige große flugunfähige Vögel wie die Strauße, Kasuare oder Emus. Der Körperbau zeigte sich aber insgesamt deutlich robuster als bei den heutigen Formen. Die Beine waren lang, sie endeten übereinstimmend mit den Kasuaren und Emus, allerdings abweichend von den Straußen, in jeweils drei kurze Zehen. Die Flügel hatten sich in ihrer Größe stark reduziert, wesentlich markanter als es bei den Straußen als größte rezente Vögel der Fall ist. Auf dem langen und robusten Hals saß ein verhältnismäßig kleiner Kopf.
Skelett mini|hochkant|Skelett eines Elefantenvogels mini|links|Schädel von Aepyornis maximus Der Schädel der Elefantenvögel war vergleichsweise klein im Bezug auf den restlichen Körper. Er wies einen konischen, gerade, nach vorn gerichteten Schnabel auf. Das Schädeldach war gerundet, am Hinterhauptbein fehlte ein markanter Wulst. Der Unterkiefer war kräftig und breit gestaltet. Die beiden Unterkieferäste verliefen gerade. Die Wirbelsäule setzte sich aus 16 bis 17 Hals-, 7 bis 8 Brust- und 20 weiteren Wirbeln zusammen, die im Becken zum Synsacrum verschmolzen waren. Hinzu kamen einzelne Schwanzwirbel. Hals- und Brustwirbel besaßen massive Wirbelkörper. Das Brustbein war, wie bei allen Laufvögeln, durch den fehlenden Brustbeinkamm brettartig flach und eher rechteckig gestaltet, was den ursprünglichen Namen „Ratitae“ (von lateinisch ratis für „Floß“) für die Gruppe begründete. Im Schultergürtel bildete das Rabenbein eine fächerartige Struktur, die sich mit dem stabförmigen Schulterblatt verband. Der Oberarmknochen war ebenfalls stabförmig und deutlich verkleinert. Das Gleiche gilt für den restlichen Unterarm, was den verkümmerten Flügel wiedergibt. Das Becken hingegen stellte eine massive Knochenstruktur dar, bei der sowohl das Darm- als auch das Scham- und Sitzbein fest miteinander verwachsen waren. Letztere waren eher schlank und strebten rückwärts auseinander, so dass das Becken nach hinten sehr breit wurde. Der Oberschenkelknochen war massiv und breit. Seine Länge reichte von 24,5 bis 26,8 cm bei Mullerornis bis hin zu 43,7 bis 49,0 cm bei Aepyornis. Im Bereich des Mittelschaftes war er sehr breit. Die Gelenkenden kragten aus, wobei der Trochanter, ein als Muskelansatzstelle dienender markanter Vorsprung am oberen Ende, kräftig erschien und die Gelenkrollen am unteren Ende ungleichmäßig entwickelt waren. Der Tibiotarsus wurde rund 43,5 cm bei den kleineren und 61,4 cm und mehr bei den größeren Formen lang. Auffallend war eine lange Längsrippel entlang des Schaftes, die die kräftige Oberschenkelmuskulatur aufnahm. Im Vergleich zum langen Unterschenkel war der Tarsometatarsus kurz. Seine Länge variierte von 27,1 bis 32,4 cm sowie von 41,9 bis 46,8 cm bei Mullerornis respektive Aepyornis. Er wies einen flachen Querschnitt auf. Am unteren Ende teilte er sich in drei Gelenkrollen auf, von denen die mittlere am größten war. Hier setzten die Zehenglieder an. Die jeweiligen Phalangen waren kurz, die Endglieder liefen gerade aus.
Eier mini|Ei eines Elefantenvogels (rechts) im Vergleich zu dem eines Straußes (links) Neben dem Skelettmaterial sind auch Eierschalen und komplette Eier der Elefantenvögel bekannt. Die Größe variierte teils beträchtlich. Bei über 60 analysierten Eiern ergaben sich Längenwerte von 26,4 bis 34,0 cm und Breiten von 19,4 bis 24,5 cm. Das Volumen schwankte von 5,2 bis 10,7 l, das Gewicht von 6,0 bis 12,3 kg. Allein die Schale wog zwischen 1,2 und 3,3 kg und war durchschnittlich 3,6 mm dick. Ausgehend von diesen Messungen lagen die Durchschnittswerte bei 30,6 cm Länge und 22,5 cm Breite, das Volumen betrug 8,1 l und das Gewicht 9,3 kg. Bezogen auf letztere Angaben fasst ein Elefantenvogelei sechs Straußeneier oder 155 Hühnereier. Die Oberfläche der Eier ist von Poren durchsetzt. Diese sind in linearen Grübchen angeordnet, die parallel zur Längsachse der Eier verlaufen. In Richtung der Eierpole sind die Strukturen teils auch „Whirlpool“- oder strudelartig angeordnet. Zwischen den einzelnen Gattungen der Elefantenvögel bestehen bestimmte Unterschiede. Die deutlichen linearen Strukturen kommen vorwiegend bei Aepyornis vor, während bei Mullerornis sehr feine dolchstichartig eingetiefte Poren dominierten. Darüber hinaus können die Eier möglicherweise auch über die Größe und Schalendicke unterschieden werden. Hierbei ergaben Studien aus dem Jahr 2023, dass Eierschalen mit einer Dicke von durchschnittlich 1,1 mm einem Ei von durchschnittlich 240 g entsprechen und zu einem emugroßen Tier, höchstwahrscheinlich Mullerornis gehören. Dem gegenüber sind Eier mit durchschnittlich 1,95 und 3,3 mm dicken Schalen auf 1,0 beziehungsweise 10,5 kg schwere Eier zurückzuführen, die mit der größten Gattung, Aepyornis, identisch wären.
Verbreitung Die Elefantenvögel waren auf der Insel Madagaskar verbreitet und kamen dort endemisch vor. Fundstellen mit Resten der Vögel lassen sich grob in drei geographische Regionen unterteilen. Das wichtigste Gebiet befindet sich in der südlichen und südwestlichen Küstenregion der Insel. Es erstreckt sich in etwa zwischen Tolagnaro im Osten und Toliara im Westen, jedoch sind einzelne Lokalitäten auch weiter nördlich entlang der Westküste bekannt. Südwestlich von Toliara befindet sich die Andrahomana-Höhle mit einem reichhaltigen Faunenmaterial, das die letzten 8700 Jahre abdeckt. Für die Südküste sind etwa Faux Cap oder Cap Sainte Marie zu erwähnen, die beide unzählige Eierreste hervorbrachten und mitunter als Brutgebiete angesehen werden. Rund um Toliara bestehen zahlreiche Fundstellen, hervorgehoben werden können Nisua und Itampolo oder die Ankilitelo-Höhle. Letztere ist eine der bedeutendsten Fundstellen der Insel und wird seit 1994 wissenschaftlich erschlossen. Sie enthält eine umfangreiche Fauna bestehend aus über 5000 Knochenresten. Ähnlich der Andrahomana-Höhle wirkte die Ankilitelo-Höhle als natürliche Falle, was zur Akkumulation des Knochenmaterials führte. Nach Norden hin an der Westküste setzt sich das Fundgebiet unter anderem mit Belo-Sur-Mar fort. Das zweite größere Fundareal befindet sich westlich und südwestlich der madagassischen Hauptstadt Antananarivo im zentralen Bergland. Von Bedeutung sind hier die Fundstellen Antsirabe und Ampasambazimba. Ganz im Norden umreißen Anjohibe und Irodo das dritte Fundgebiet. Das überwiegend aufgefundene Material der Elefantenvögel besteht aus Skelettresten und Eiern. Knochenmaterial ist häufig an Torfgebiete gebunden, die ehemalige Seen repräsentieren. Einzelne Funde stammen auch aus Höhlen. Eier treten vor allem in küstennahen Dünengebieten und in Schwemmsanden auf. Beide Fundkategorien kommen nur selten miteinander vergesellschaftet vor.
Ungewöhnlich sind zwei Eierfunde bei Cervantes und Augusta an der Westküste Australiens, die die typischen Kennzeichen der Elefantenvögel tragen. Sie wurden aus holozänen Dünenablagerungen zu Tage gefördert. Bisher ungeklärt ist die Herkunft der Eier, da Elefantenvögel nie in Australien auftraten. Vermutet wird, dass die Eier in das Meer gelangten und mit der Strömung bis nach Australien transportiert wurden.
Lebensweise Fortbewegung