mini|Stefan Weber (2025) Stefan Weber (* 14. Juni 1970 in Salzburg) ist ein österreichischer Kommunikationswissenschaftler und Publizist, der sich mit der Aufdeckung von Plagiaten befasst. In den Medien wird er aufgrund seiner Gutachter- und Recherchetätigkeit und der von ihm infolgedessen öffentlich erhobenen Plagiatsvorwürfe häufig als „Plagiatsjäger“ bezeichnet. Einige von Weber erhobene Vorwürfe führten zur Aberkennung akademischer Grade und zu Rücktritten von Politikern, andere wurden als unbegründet abgewiesen.
Leben Weber studierte von 1989 bis 1996 Publizistik- und Kommunikationswissenschaft an der Universität Salzburg, wo er 1996 mit einer von Peter A. Bruck betreuten Dissertation mit dem Titel Konstruktivismus, Neurophilosophie und Medientheorie – zur Ent-Dualisierung des Erkennens zum Dr. phil. promoviert wurde.
In Salzburg arbeitete er als Journalist und Universitätslektor. 2002 war er Lehrbeauftragter an der Universität Klagenfurt. 2005 habilitierte er sich am Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der Universität Wien zu Medien- und Kommunikationstheorien.
2012 bewarb er sich, laut dem Medienmagazin Zapp, erfolglos um eine Professur an einer Universität. Alexander Kühn, Autor für den Spiegel, sieht Rache am Wissenschaftsbetrieb als einen Großteil von Webers Antrieb. Ab Minute 14:00
2019 war Weber Lehrbeauftragter an der Technischen Universität Wien. Bei der Research Studios Austria Forschungsgesellschaft war er Senior Researcher für den Bereich Smart Media for Science. Er versuchte mehrfach, österreichische Universitäten davon zu überzeugen, ihm eine Professur für „gute wissenschaftliche Praxis“ einzurichten.
Nach einer Abmahnung der Wirtschaftskammer Österreich wegen des unerlaubten Anbietens von Dienstleistungen, die Nachforschungen zum Aufspüren von anonymen oder verdeckten Urhebern umfassten, umgangssprachlich wird dies als Ghostwriting bezeichnet, hat Weber 2021 die Berechtigung zur Ausübung des Sicherheitsgewerbes als Berufsdetektiv mit der Einschränkung auf die Durchführung von Plagiatsprüfungen, Prüfungen von Ghostwriting und Titelprüfungen erlangt. Er darf damit auch zu Hochschulkorruption ermitteln, darunter missbräuchliche Verwendung von Fördermitteln und fingierte Ausschreibungen oder Berufungsverfahren.„Plagiatsjäger“ Stefan Weber darf jetzt als Detektiv tätig sein. science.apa.at, 17. März 2021, abgerufen am 7. April 2026.
Im September 2023 erschien Webers Buch Auf „Plagiatsjagd“. Im Buch argumentiert Weber, im Wissenschaftssystem gehe es nicht mehr um Qualifikationen, sondern um Zufälle, Kontakte und Geschlecht. Außerdem wirft Weber drei Hochschullehrern vor, seine eigene weitere akademische Karriere verhindert zu haben. Darunter nennt er Wolfgang Donsbach, der eine Stiftungsprofessur verhindert habe, für die Weber nach eigenen Angaben 500.000 Euro bei einem privaten Mäzen eingeworben habe.Weber 2023.
Wirken als Plagiatsexperte und politischer Blogger 2005 entdeckte Weber, dass ein deutscher Lehrer 2004 knapp die Hälfte seiner Dissertation an der Universität Tübingen weitgehend wörtlich aus Webers eigener Dissertation aus dem Jahr 1996 übernommen hatte, nachdem dieser ihn selbst auf Übernahmen aufmerksam gemacht hatte. Weber wurde daraufhin publizistisch aktiv, um auf Plagiatsprobleme an Universitäten aufmerksam zu machen. Dem Plagiator wurde im Juli 2005 der Doktorgrad aberkannt, 2007 erfolgte seine strafrechtliche Verurteilung.
Seit Juni 2010 publiziert Weber in seinem Blog für wissenschaftliche Redlichkeit (ISSN 2197-6449), in dem er unter anderem Plagiatsfälle kommentiert, aber auch selbst Plagiatsvorwürfe erhebt.plagiatsgutachten.de Ende August 2025 benannte er den Blog in Blog für Ehrlichkeit um und schreibt seither auch regelmäßig rechtsgerichtete politische Beiträge. „Ich habe meinen Blog nach 15 Jahren umbenannt. Aus dem »Blog für wissenschaftliche Redlichkeit«, der seit 2010 existiert, wurde heute der »Blog für Ehrlichkeit«, da ich zuletzt immer wieder gesamtgesellschaftliche Themen aufgegriffen habe und das auch so beibehalten möchte.“
Auf seiner Website bietet er zudem neben „Lebenslauf-Screenings“ und „Plagiat-Checks“ auch dazugehörige Presse- und Öffentlichkeitsarbeit an, wobei die Auftraggeber anonym bleiben können.Plagiatsprüfung einer fremden oder eigenen schriftlichen Arbeit auf plagiatsgutachten.com, abgerufen am 1. Juli 2021. Laut Recherchen des Falter kam 2011 ungefähr ein Drittel der Anfragen von Anwaltskanzleien. Laut einem Bericht von Zeit Campus sind die meisten Fälle, die Weber begutachtet, keine Prominenten, „sondern Unbekannte, denen Neider, Konkurrenten oder sonstige Feinde einen Imageschaden zufügen wollen.“ Für eine Plagiatsprüfung erhalte er durchschnittlich 3000 Euro. Zur Plagiatsprüfung verwendet Weber unter anderem die Software Turnitin.
2022 wurde bekannt, dass ein von Weber an der TU Wien für einen Zeitraum von sieben Jahren geplantes und vom österreichischen Bildungsministerium bewilligtes Forschungsprojekt namens Forschungsschwerpunkt Gute Wissenschaftliche Praxis nicht zustande kam. 2021 gründete Weber mit Markus Haslinger die Arbeitsgemeinschaft „Gute wissenschaftliche Praxis im Wandel“ (ARGE GWP) der Österreichischen Forschungsgemeinschaft (ÖFG). Ende 2022 wurde bekannt, dass Weber ihr nicht weiter angehören wird. Der Kurier und der Standard deuteten die Entscheidungen in Zusammenhang mit Webers Plagiatsvorwürfen gegen Innenminister Gerhard Karner (ÖVP).
Weber arbeitete an der 2023 veröffentlichten „IHS-Plagiatsstudie“ mit, distanzierte sich jedoch davon, da sie die Diskussion in Österreich um 15 Jahre zurückfallen lasse und das Plagiat für die Studie kein Bildungsproblem, sondern ein Imageproblem der Hochschulen zu sein scheine.
Seinen Angaben zufolge wurden nach von Weber öffentlich gemachten Vorwürfen 16 Personen akademische Grade entzogen. Weber hat nach eigenen Angaben etwa 500 Arbeiten überprüft (Stand: 2024). Er wird von Honorarkräften unterstützt, darunter Detektive, Informatiker und Wissenschaftler.
Plagiatsvorwürfe (Auswahl) Stefan Weber erhob Plagiatsvorwürfe oder Vorwürfe sonstigen wissenschaftlichen Fehlverhaltens gegen mehrere in der Öffentlichkeit stehende Personen und Institutionen (chronologisch geordnet):
Johannes Hahn (ÖVP): Größeres mediales Aufsehen erregten zunächst die Vorwürfe gegen den damaligen österreichischen Wissenschaftsminister Johannes Hahn im Jahr 2007, er habe in seiner Dissertation „seitenweise unzitiert abgeschrieben“. Die Universität Wien beauftragte Peter Schulthess (Universität Zürich) mit einem Gutachten, das Hahn bezüglich der kritisierten Stellen entlastete. 2011 erhielt Weber vom Politiker Peter Pilz den Auftrag, die gesamte Doktorarbeit Hahns – mittlerweile EU-Kommissar – zu überprüfen. In seinem Gutachten erhebt Weber aufgrund weiterer Fundstellen erneut Plagiatsvorwürfe.Stefan Weber: Hahn bezeichnete es als „politisch motivierte Auftragsarbeit, aufgrund des bekannten Aktionismus wenig überraschend und nicht maßgeblich“. Norbert Lammert (CDU): Die Dissertation des deutschen Bundestagspräsidenten Norbert Lammert charakterisierte Weber als eindeutiges Plagiat, dessen Konsequenz nur der Entzug des Doktorgrades sein könne. Nach eingehender Prüfung der Vorwürfe teilte die betroffene Ruhr-Universität Bochum jedoch mit: „In der Dissertation finden sich zwar vermeidbare Schwächen in den Zitationen, die aber den Verdacht des Plagiats oder der Täuschung keineswegs rechtfertigen“ und entschied sich, kein Plagiatsverfahren einzuleiten. Christian Buchmann (ÖVP): Im Juni 2016 bezeichnete er die Dissertation des steirischen Landesrats Christian Buchmann als zu 30 Prozent abgeschrieben, eine Untersuchung wurde eingeleitet. In weiterer Folge wurde Buchmann im April 2017 der Doktorgrad entzogen und er reichte seinen Rücktritt vom Posten des Landesrats ein. Bogdan Roščić: Auf Plagiatsanzeige von Stefan Weber hin leitete die Universität Wien im Frühjahr 2017 ein Verfahren gegen den designierten Direktor der Staatsoper Wien, Bogdan Roščić, ein. Das Verfahren wurde gegen Ende desselben Jahres jedoch wieder eingestellt: Die mit der Prüfung von Roščićs Dissertation aus dem Jahr 1988 beauftragten externen Gutachter („ausgewiesene fachliche Experten“) waren zu der Feststellung gekommen, dass „kein wissenschaftliches Fehlverhalten“ vorliege, welches „die Aberkennung des vor knapp 30 Jahren verliehenen Doktortitels […] gerechtfertigt hätte.“ Historikerkommission der FPÖ: Im Dezember 2019 erhob er nach einer kursorischen Analyse der ersten drei Beiträge des Endberichts der Historikerkommission der FPÖ einen Plagiatsvorwurf, wonach es in dem Bericht „zahlreiche Übereinstimmungen“ mit Wikipedia-Artikeln gebe. Annalena Baerbock (Bündnis 90/Die Grünen): Zwischen Juni und September 2021 warf Weber der deutschen Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock auf seinem Blog vor, in ihrem Buch Jetzt. Wie wir unser Land erneuern an mindestens 100 Stellen wortgleiche oder teilweise wortgleiche Sätze bzw. Teile von Sätzen aus anderen Texten zu verwenden.Plagiatsjäger erhebt Vorwürfe gegen Baerbock, spiegel.de vom 29. Juni 2021, abgerufen am 1. Juli 2021. Während deutsche Rechts- und Plagiatsexperten zuerst keinerlei Urheberrechtsverletzungen erkennen konnten, stimmten sie, nachdem Weber Anfang Juli weitere Stellen moniert hatte, zu, dass sich einige Passagen in einer „Grauzone“ befänden. Die Plagiatsvorwürfe gegen Baerbocks Buch wurden als Grund dafür bewertet, dass ihre Kanzlerkandidatur scheiterte. Baerbock kündigte zunächst an, Fußnoten zu ergänzen, zog das Buch nach der Bundestagswahl 2021 jedoch aus dem Handel zurück. Diana Kinnert (CDU): Im Mai 2022 warf Weber der Publizistin Diana Kinnert vor, in ihren 2017 und 2021 erschienenen Büchern „großflächig“ bei Publizisten wie Ulf Poschardt und Leander Scholz sowie aus Wikipedia abgeschrieben zu haben. Ihr 2021 erschienenes Buch wurde daraufhin vom Verlag aus dem Verkauf genommen. Auf Nachfrage der Presse räumte Kinnert die Richtigkeit der Vorwürfe ein und entschuldigte sich. Michael Takacs: Im Juli 2022 veröffentlichte Weber eine Analyse der Masterarbeit von Michael Takacs, der kurz zuvor als neuer Bundespolizeidirektor in Österreich ernannt worden war. Darin sollen seitenweise verschiedene Online-Quellen plagiiert worden sein. Nach mehreren Medienberichten kündigte Takács eine Überprüfung seiner Arbeit an. Matthias Graw: Zeitgleich mit Martin Heidingsfelder erhob Weber 2022 Plagiatsvorwürfe gegen den Münchner Rechtsmediziner Matthias Graw. Die Prüfung der Vorwürfe durch die Ombudsstelle für gute wissenschaftliche Praxis der Universität Hamburg ergab aber, dass Graws Arbeit kein Plagiat ist.Dirk Walter: Unglaubliches Ende einer Plagiate-Jagd: Münchner Chef-Forensiker offenbar zu Unrecht unter Abschreibe-Verdacht, Münchner Merkur, 9. Oktober 2022; abgerufen am 15. Oktober 2022Plagiatsverfahren gegen Prof. Dr. med. Matthias Graw eingestellt, LMU News, 19. Oktober 2022 Stattdessen war der angeblich plagiierte Sammelband Colchicine – 100 years of Research eine aufwendig produzierte Fälschung und erst nach der Dissertation entstanden. Weber entschuldigte sich daraufhin bei Graw, brachte weitere, mittlerweile von ihm ermittelte Belege dafür vor, dass der fragliche Band eine Fälschung war, und rekonstruierte den Ablauf der Rufmord-Kampagne gegen Graw. Im Oktober 2022 wurde der mutmaßliche Auftraggeber der Plagiatsprüfer identifiziert, den Weber geheim hält.Uwe Ebbinghaus: Der Quacksalber. faz.net, 25. November 2022 Uwe Ebbinghaus warf Weber in der FAZ vor, in seiner Streitschrift Auf „Plagiatsjagd“ seine eigenen Fehler in der Sache herunterzuspielen.