Die Gobobosebberge sind ein Höhenzug im Damaraland in Namibia. Sie liegen in der Region Erongo im Westen des Landes in einer Entfernung von rund 45 km vom Atlantik. Ihr südwestlicher Teil befindet sich noch im Dorob-Nationalpark der Südatlantikküste, während der Tafelkop, mit einer Höhe von die höchste Erhebung der Gobobosebberge, weniger als 15 km von den Westausläufern des Brandbergs entfernt ist. Der gesamte Höhenzug zeigt eine elliptische bis linsenförmige Kontur und nimmt insgesamt eine Fläche von 1.100 km² ein. Die Gobobosebberge gehen auf die vulkanische Aktivität des nahegelegenen Messum-Kraters zurück, der von den die heutigen Gobobosebberge aufbauenden Gesteinen partiell umschlossen wird.
Im Norden der Gobobosebberge werden verschiedene Minerale wie Quarz, darunter insbesondere Amethyst, sowie Zeolithe und Prehnit durch sogenannte Small-scale Miner abgebaut. Hier findet ein artisanaler Kleinbergbau auf Mineralstufen für den Sammlermarkt statt.
Name Zur Bedeutung des Namens „Gobobosebberge“ ( oder auch im Singular „Goboboseb Mountain“) scheint keine allgemein verfügbare Erklärung zu existieren. Verwendet wird der Terminus mindestens seit der im Zusammenhang mit einer „expedition into the Goboboseb mountains“ stehenden Entdeckung des Messum-Komplexes im Januar 1939. Offensichtlich wurden die Berge auch damals schon so genannt.
Geographie mini|links|Der Tafelkop mit seinem namengebenden Gipfelplateau stellt die höchste Erhebung der Gobobosebberge dar
Die Gobobosebberge befinden sich im Damaraland, größtenteils im Wahlkreis Dâures in der Region Erongo. Sie liegen zwischen 21°5′ und 21°22′ südlicher Breite sowie 14°2′ und 14°20′ östlicher Länge, in etwa in 25 km (SW-Rand) bis 60 km (Tafelkop am NE-Rand) Entfernung von der Atlantikküste bei Mile 108 und der Mündung des nach Captain William Messum benannten Messum-Riviers. Eine der ältesten Kartendarstellungen des Brandbergs und der Gobobosebberge – mit Geomorphologie und Entwässerungsmuster – stammt von Hans Cloos und Karl F. Chudoba, die sich mit dem Bau, der Bildung und Gestalt des benachbarten Brandbergmassivs beschäftigt haben.
Das Massiv bildet auf einer Fläche von etwa 1.100 km² eine grob linsenförmige Struktur von rund 40 × 15 km Ausdehnung. Laut der offiziellen Karte Namibia 1:250.000 Blatt 2114 Omaruru ist der Tafelkop mit einer Höhe von (3356 ft) die höchste Erhebung der Gobobosebberge. Auch um den Tafelkop herum erreichen die Berge Höhen zwischen 800 und 1000 m – damit ist der Norden der Gobobosebberge auch deren höchster Teil. Der in der Arbeit von Korn & Martin erwähnte „Spitzkopf“ besitzt eine Höhe von , liegt aber östlich der Gobobosebberge und zählt nicht zu ihnen. Die relative Höhe der Gobobosebberge über der umliegenden Rumpffläche beträgt etwa 400 m. Der nächstgelegene Ort ist die circa 60 km ostsüdöstlich vom Tafelkop am Nordrand der Gobobosebberge entfernte ehemalige Bergbaustadt Uis, die auch Kreisverwaltungssitz von Dâures ist.
mini|hochkant=1.5|Panoramaansicht des Nordteils der Gobobosebberge
Die Gobobosebberge befinden sich zum allergrößten Teil auch in der Namib, und zwar innerhalb der Zentralen Namib, die sich vom Ugab im Norden bis zum Kuiseb im Süden erstreckt. In diesem Bereich wird die Namib in einen westlichen Bereich (Äußere Namib, die sich von der Küste bis etwa 50 km ins Land erstreckt) und einen östlichen Bereich (Innere Namib, deren Ostgrenze ungefähr mit der 1000-m-Höhenlinie übereinstimmt) unterteilt. Die Gobobosebberge liegen folglich im Bereich der Inneren Namib.
Geologie mini|hochkant=1.5|Geologische Übersichtskarte der Gobobosebberge
Die Geologie der Gobobosebberge wird vor allem in diesen drei wichtigen Publikationen behandelt: Simon C. Milner und Anthony E. Ewart (1989) sowie Anthony E. Ewart und Kollegen (1998a) und Anthony E. Ewart und Kollegen (1998b).
Aufbau Die Gesteine der Gobobosebberge gehören in die Awahab-Formation und bestehen aus wechsellagernden Basalten und Quarzlatiten, die den südlichsten Teil der 132–135 Millionen Jahre alten Etendeka-Gruppe (bzw. Paraná-Etendeka-Plateaubasalt-Provinz) bilden, welche über eine Fläche von 78.000 km² im nordwestlichen Namibia ansteht. Insgesamt weisen die Vulkanite der Paraná-Etendeka-Provinz ein geschätztes Volumen von mehr als 800.000 km³ auf. Die Vulkanite liegen normalerweise direkt auf den Karoo-Sedimenten, zu denen grobkörnige arkosische Sandsteine, Sandsteine, Schluffsteine und Schiefer gehören. Gelegentlich lagern sie auch auf damarazeitlichen Schiefern und Graniten des Prä-Karoo-Grundgebirges.
mini|links|Mandelsteinartige, maximal 10 cm große Bereiche im Basalt der Gobobosebberge mini|Detail der Gobobosebberge. Verschiedene Lavaflüsse sind gut zu unterscheiden.
Regionalgeologisch bestehen die Gobobosebberge aus drei geologischen Formationsgliedern („Member“). Das älteste Glied an der Basis der Formation ist der Tafelkop-Basalt-Member. Diese 250 m mächtige Einheit besteht aus mehreren übereinanderliegenden, jeweils 5–30 m dicken Basaltflüssen. Einige der Basaltströme sind durch amygdaloidale, mandelsteinartige Bereiche in ihren obersten Lagen gekennzeichnet. Die Mandeln variieren in der Größe von wenigen Millimetern bis hin zu Geoden mit einem Durchmesser von mehr als einem Meter. Dieser Member bildet die auch die Basis des Tafelkop-Tafelberges unmittelbar westlich des Brandbergs und liefert auch den Großteil der in den Gobobosebbergen geborgenen Mineralstufen. Über dem Tafelkop-Basalt-Member befindet sich der 100–150 m mächtige Goboboseb-Quarzlatit-Member, der aus drei Quarzlatit-Lavaströmen (I, II und III) besteht. Der Quarzlatit-Lavastrom I weist ein 39Ar/40Ar-Alter von 132,1 ± 0,4 Millionen Jahre, der Quarzlatit-Lavastrom II ein 39Ar/40Ar-Alter von 131,90 ± 0,5 Millionen Jahre auf. Oberhalb des Goboboseb-Quarzlatit-Members befindet sich der aus 130 m Basalt bestehende Messum-Mountain-Basalt-Member, dem wiederum – als oberstes Formationsglied der Suite – der Springbok-Quarzlatit-Member auflagert.
Ein prominentes Merkmal im nordöstlichen Teil der Gobobosebberge ist der Basaltstrom im Copper Valley, welcher eine maximale Mächtigkeit von 170 m erreicht. Dieser Basaltstrom, dessen genaue Herkunft unbekannt ist, ist auf ein Nord-Süd streichendes Paläotal beschränkt. Man nimmt an, dass das Paläotal eine durch Verwerfungen kontrollierte grabenartige Struktur darstellt. Das Fehlen von mächtigen Quarzlatit-Ablagerungen entlang der Talachse, besonders nördlich des Copper-Valley-Prospekts, legt nahe, dass dieses Merkmal vor dem Ausfluss des Quarzlatit-Lavastroms I nicht gut ausgebildet war. Eine deutliche Vertiefung des Paläotals (bis zu 200 m) ereignete sich zwischen den Eruptionen der Quarzlatit-Lavaströme I und II, wodurch der Copper-Valley-Basaltstrom das Tal bis zur beobachteten Mächtigkeit ausfüllen konnte.
Die Vulkanite der Gobobosebberge werden von zahlreichen Intrusivgesteinen durchschlagen, zu denen Dolerite, Gabbros, Quarzmonzonite, Granite, Felsite und gangförmige Karbonatite gehören. Insbesondere der südlich der Gobobosebberge liegende „Messum Igneous Complex“ ist aus verschiedenen magmatischen Gesteinen wie Gabbros, Graniten, Syeniten und Rhyolithen aufgebaut. Zahlreiche Doleritgänge und -sills intrudieren sowohl Basalte als auch Quarzlatite, ähnlich wie auch vier Quellkuppen aus olivinreichen Gabbros. Mit der Entdeckung von Quarzmonzoniten in den Gobobosebbergen wurden zum ersten Mal intrusive Äquivalente von Quarzlatiten beobachtet, welche die Vulkanite der Etendeka-Formation durchschlagen. Zu ihnen zählen (vgl. dazu auch die nebenstehende Karte) Zwei quellkuppenähnliche, in Quarzlatite intrudierte Körper massiver Quarzmonzonite von 200–300 m Durchmesser, die sich ca. 3 km nördlich des Messum-Krater befinden und mit Quellkuppen aus Olivin-Gabbros und Granitapophysen assoziiert sind. Am östlichen Rand des Messum-Komplexes befindet sich ein etwa 1 km langer, Nord-Nordwest streichender Ringgang (Cone Sheet), der aus einem hellgrauen, mittelkörnigen Quarzmonzonit besteht. Der ungefähr 10–15 m breite Ringgang intrudierte in zerscherte Basalte vom Messum-Mountain-Typ. Südlich des Messum-Kraters intrudierte ein ungewöhnlich zusammengesetzter, Sill-artiger Körper in die Basis der Goboboseb-Abfolge zwischen die grobkörnigen arkoseartigen Sandsteine und die darüber liegenden Basalte. Der Hauptkörper des Sills (25–30 m) besteht aus einem sehr feinkörnigen, schwarzen, porphyrischen Quarzmonzonit.
Genese
Korn und Martin nahmen an, dass die die Gobobosebberge bildenden „Lava-Schichten“ durch Spalten extrudierten und nicht durch den Messum-Vulkan verursacht wurden, von dem sie glaubten, dass er sich auf den Vulkaniten des „Goboboseb-Bergs“ gebildet hat. Da der Messum-Komplex sowohl intrusiv als auch extrusiv ist, wird angenommen, dass der Messum-Komplex die Quelle der Goboboseb-Vulkanite ist. Milner und Ewart betrachten die „Goboboseb-Vulkanite als einen wesentlichen Bestandteil des Messum-Vulkans“. Die Tafelkop-Basaltsequenz hat ursprünglich einen breiten Schildvulkan auf dem heutigen Messum-Komplex gebildet. Der Magmatismus der Paraná-Etendeka-Provinz ist in Raum und Zeit eindeutig auf eine Kombination aus einem emporquellenden Mantle Plume sowie kontinentaler Riftbildung zurückzuführen. Er ist mit dem Tristan-da-Cunha-Hotspot über das „Rio Grande Rise“ und das „Walvis Ridge“ verbunden.
Julian Marsh und Kollegen haben im Jahre 2001 allerdings gezeigt, dass die Mächtigkeit der Lavensequenz der Tafelkop-Formation in Richtung des Doros-Gabbro-Komplexes (Doros-Krater) zunimmt, dass die Gabbros des Doros-Komplexes geochemische Ähnlichkeiten mit den basaltischen Laven der Tafelkop-Formation aufweisen und dass beide Einheiten auch ähnliche initiale Verhältnisse der Strontium-Isotope (Verhältnis 87Sr/86Sr) besitzen. Sie schlussfolgern daraus, dass der Doros-Krater das Eruptivzentrum für die Tafelkop-Basalte darstellt, wobei letztere möglicherweise einen Schildvulkan in diesem regionalen Flutbasalt-Lavenfeld gebildet haben.
Klima Der Klimaklassifikation nach Köppen und Geiger zufolge ist das Klima am Tafelkop im Gebiet der Gobobosebberge vom Typ BWk – es herrscht also kaltes Wüstenklima mit ganzjährig kaum (nicht mehr als 200 mm) Niederschlägen und mittleren Jahrestemperaturen von weniger als 18 °C. Die im Folgenden erwähnten Wetterdaten beruhen auf Werten, die für die Siedlung Uis berechnet wurden, da Uis die den Gobobosebbergen nächste Station mit Wetteraufzeichnungen ist. Werte für Temperatur, Niederschlagshöhe und Anzahl der Regentage stammen von climate-data.org, Werte für die Luftfeuchtigkeit und die Anzahl der Sonnenstunden von myweather2.com.
Die Hauptwindrichtung ist Südwest bis Südsüdwest, wodurch Feuchtigkeit vom Atlantik in das Gebiet der Gobobosebberge gelangt. Der windigste Monat ist der Dezember, für den an 4,5 Tagen Windgeschwindigkeiten > 28 km/h berechnet wurden. In Uis tritt im Durchschnitt lediglich im Februar an einem Tag Nebel auf.
Die wärmsten Monate in Uis, welches hier in Ermangelung von Wetteraufzeichnungen für die Gobobosebberge verwendet wird, sind Oktober, November, Dezember, Januar, Februar und März mit Mittelwerten für die maximale Temperatur von ≥ 34 °C. Die Minimalwerte für diese Monate liegen zwischen 16 °C und 20 °C. Im Oktober, November und Dezember lag die durchschnittliche Maximaltemperatur innerhalb der letzten 30 Jahre bei jeweils 39 °C. Die durchschnittliche Minimaltemperatur innerhalb der letzten 30 Jahre ist für die Nächte im Juni und Juli mit jeweils 4 °C zu verzeichnen. Im Jahresverlauf fallen die Temperaturen ab März und liegen im Juni und Juli bei minimal 9 °C und maximal bei 28 °C. Ab August erfolgt wieder eine allmähliche Temperaturerhöhung.