Die Geschichte Oberösterreichs deckt sich in vielen Epochen mit der österreichischen Geschichte. Dieser Artikel ist ein Überblick über die regionsspezifischen Eigenheiten der historischen Entwicklung bis zum heutigen Bundesland Oberösterreich.
mini|hochkant|Das Oberösterreichische Wappen heute
Urgeschichte
In der Epoche des Mittelpaläolithikums lebte auch in Oberösterreich vor etwa 130.000 Jahren der Neandertaler, der bis spätestens vor 30.000 Jahren endgültig vom modernen Menschen, dem Homo sapiens, abgelöst wurde.
Die Gegend um die Donau war in der Urgeschichte Lebensraum von Jägern und Sammlern. Auf den Zeitraum von 65.000 bis 30.000 v. Chr. konnten Schneid- und Schabwerkzeuge aus Stein datiert werden, die in der Ramesch-Bärenhöhle im Toten Gebirge gefunden wurden.Haider: Geschichte Oberösterreichs. S. 11.
Im 6. Jahrtausend v. Chr. wurden die Menschen in Oberösterreich sesshaft. Die Neolithische Revolution machte aus ihnen Ackerbauern und die Bandkeramische Kultur entwickelte sich. In vielen Gemeinden Oberösterreichs wurden jungsteinzeitliche und bronzezeitliche Beile und Speerspitzen aus der Urnenfelderzeit und der Hallstattzeit gefunden, im Salzkammergut bildet sich die Mondseekultur mit ihren heute zum UNESCO-Welterbe zählenden Pfahlbausiedlungen.
Frühgeschichte In der Bronze- und Urnenfelderzeit entwickelte sich in Mitteleuropa ein bedeutender Kulturkomplex, der in Oberösterreich mit zahlreichen Funden bezeugt ist. Eine der bedeutendsten Kulturen des Landes war die Mondseekultur der späten Jungsteinzeit zwischen 3600 und 3300 v. Chr. mit ihren seeufernahen Pfahlbausiedlungen. Schon die Kelten ab 450 v. Chr. und davor eine präkeltische, alteuropäische Kulturgruppe (früher fälschlich als Illyrer bezeichnet) bauten im Salzkammergut Salz, das „Weiße Gold“ ab. Am Hallstätter Salzberg wurde schon um 1000 v. Chr. mit dem Abbau begonnen. Die Siedlungen der Region waren von jeher durch den Reichtum an Salz geprägt. Eine ganze Epoche, die ältere Eisenzeit (800–400 v. Chr.) – die Hallstattzeit ist nach dem Ort Hallstatt am Hallstätter See benannt.Haider: Geschichte Oberösterreichs. S. 14 ff.
Antike mini|Römische Provinzen auf dem Gebiet des heutigen Österreichs In der La-Tène-Zeit und Antike seit 450 v. Chr. lebten Kelten, unter anderem Alaunen und Sevaken im oberösterreichischen Voralpenraum und errichteten mit Noricum das erste und einzige keltische Staatsgebilde der Region. 15 v. Chr. wurde das Königreich Noricum Teil des Römischen Reiches. Die keltischen Völker wurden schließlich nach dem Pannonischen Aufstand 6–9 n. Chr. endgültig unterworfen. Die Region des heutigen Oberösterreich südlich der Donau wurde in die römische Provinz Noricum eingegliedert.Haider: Geschichte Oberösterreichs. S. 16 ff. Im ersten Jahrhundert n. Chr. erfolgte die allmähliche Romanisierung der norischen Bevölkerung. Um 170 brachen die germanischen Stämme der Markomannen und Quaden in die Provinz Noricum ein. Um 240, zur Zeit des Kaisers Diokletian, gehörte der größte Teil des heutigen Oberösterreich wie das Ennstal zum Provinzteil Ufernoricum (Noricum ripense). Diokletian machte die Colonia Ovilava, das spätere Wels, im Rahmen seiner Reform des Provinzen-Systems zu einer Hauptstadt, die das Gebiet des Römischen Reiches nördlich der Alpen verwaltete.Haider: Geschichte Oberösterreichs. S. 20. mini|Basilika St. Laurentius Lauriacum, heute Lorch, wurde zur bedeutendsten römischen Stadt auf dem Gebiet des heutigen Oberösterreich. Im Römerlager Lauriacum waren bis zu 6400 Soldaten stationiert. Die Zivilstadt erhielt bereits 212 durch Kaiser Caracalla das Stadtrecht. Damals lebten etwa 30.000 Menschen in Lauriacum. Hier wurde der heilige Florian, ein frühchristlicher Märtyrer Österreichs, am 4. Mai 304 in der Enns ertränkt. Um das Jahr 370 wurde auf den Resten eines Tempels eine frühchristliche Basilika erbaut, Lauriacum war bis 488 Bischofssitz. Unter der Basilika von Lorch konnte bei Grabungen die frühchristliche Kirche nachgewiesen werden. Weitere römische Siedlungsreste wurden unter anderem in Ad Mauros (Eferding) gefunden.
Während der Völkerwanderung durchzogen oder besetzten Westgoten, Hunnen, Ostgoten, Rugier und Langobarden nacheinander das Land. Um 451 fielen Ovilava und Lauriacum den Hunnen zum Opfer. Der heilige Severin sammelte die römische Bevölkerung Ufernorikums zeitweise in Lauriacum, um sie vor Übergriffen schützen zu können. Über das weitere Schicksal der römisch-norischen Bevölkerung ist wenig überliefert. Ein Teil hat das Land in Richtung Süden oder Westen verlassen, ein anderer Teil dürfte in einigen Siedlungen und in Seitentälern überlebt haben. Wahrscheinlich sind nur die Oberschicht und der Klerus dem Räumungsbefehl Odoakers für Noricum 488 nachgekommen.Haider: Geschichte Oberösterreichs. S. 20 f. Insbesondere in den Gebieten von Lorch, Wels, dem Attergau und dem Innviertel wurden Hinweise auf eine fortdauernde Besiedlung gefunden.Alois Zauner: Ergebnisse von fünfzig Jahren Forschung zur mittelalterlichen Geschichte Oberösterreichs. In: Jahrbuch des oberösterreichischen Musealvereines. 128. Jahrgang, Linz 1983, S. 45–83, hier: S. 46–47 (). Die kulturellen und wirtschaftlichen Zentren der Römer verfielen jedenfalls.
Mittelalter Baiern und Franken mini|Awarenmark und Karantanien mini|Bayern mit der Provinz Marcha Orientalis im 10. Jahrhundert Nach dem Zusammenbruch des Römischen Reichs hatten ab dem 6. Jahrhundert die von den Awaren bedrängten Slawen, aus dem Osten oder Südosten kommend, die ehemaligen römischen Provinzen Pannonia und Noricum teilweise besiedelt. Etwa gleichzeitig bildete sich ab Mitte des 6. Jahrhunderts mit den Agilolfingern die erste bairische Stammesdynastie. Von ihrem Herrschaftssitz in Regensburg aus erweiterten diese ihr Hoheitsgebiet, verbunden mit einer Besiedlung durch die Bajuwaren, bis Mitte des 8. Jahrhunderts nach Osten bis zur Enns und nach Süden bis ins heutige Südtirol. Die bairische Siedlungsgrenze an der Enns dürfte sich im Laufe des 7. Jahrhunderts gebildet haben. Das Benediktinerstift Kremsmünster wurde im Jahre 777 durch den Agilolfinger Tassilo III. gegründet.Herwig Wolfram: Salzburg, Bayern, Österreich. Die Conversio Bagoariorum et Carantanorum und die Quellen ihrer Zeit. Verlag Oldenbourg, Wien/München 1995, ISBN 3-486-64833-0, S. 25 und 362 ff.
Der Frankenkönig Karl der Große schloss im Jahr 788 das bis dahin selbstständige Herzogtum Baiern seinem Reich an. Östlich davon errichtete er um 800 die sogenannte Awarenmark sowie südlich davon die Mark Karantanien. Diese wurden als Lehen vergeben und sollten zum Schutz seines Reichs, gegen die von Osten vordringenden Awaren dienen. 803 wurden der Traungau und das Mühlviertel durch Kaiser Karl von Baiern abgespalten und den Marken angegliedert.Haider: Geschichte Oberösterreichs. S. 31. Nach den Erbfolgekonflikten unter Karls Nachfolgern und dem daraus resultierenden Vertrag von Verdun 843 gehörte das Herzogtum Baiern mit den beiden Marken schließlich dem Ostfrankenreich an. Durch die Niederlage der Baiern 907 gegen die Magyaren bei Pressburg wurde die Enns vorübergehend wieder die Ostgrenze des Reiches.Maximilian Weltin, Folker Reichert, Winfried Stelzer (Hrsg.): Das Land und sein Recht. Ausgewählte Beiträge zur Verfassungsgeschichte Österreichs im Mittelalter. Verlag Oldenbourg, München 2006, ISBN 3-486-58008-6, S. 280.
Das Christentum breitete sich, von Salzburg ausgehend, allmählich wieder im Donautal aus. Salzburg war zum Metropolitansitz erhoben worden und betrieb die Christianisierung der östlichen Gebiete. Schon mit Beginn der fränkischen Oberherrschaft wurde die im Frankenreich übliche Grundherrschaft in den Ostalpenländern eingeführt, wo sie die entscheidende Organisationsform für die weitere Besiedlung dieser Gebiete darstellten sollte. Der gesamte Grund und Boden war an den Frankenkönig und in der Folge an seine Nachfolger gekommen, die nun reichlich Königsgut an die Kirche und ihre Getreuen vergaben, womit die deutsche Besiedlung der Ostalpenländer eingeleitet wurde. Die Grundherren holten zum Zwecke der besseren Nutzung ihrer ausgedehnten und dünn besiedelten Ländereien deutsche Siedler herbei, die zum größten Teil aus den altbayrischen Gebieten kamen. Zu einer stärkeren Zuwanderung deutscher Siedler kam es aber erst nach der Schlacht auf dem Lechfeld 955. Bis dahin mussten sich die ostfränkischen Könige gegen die vordrängenden Magyaren wehren, bis diese sich nach der Niederlage auf dem Lechfeld auf Dauer zurückzogen.
Traungauer und Babenberger mini|Herzog Leopold VI. – Ausschnitt aus dem Babenberger-Stammbaum, Stift Klosterneuburg Die Babenberger griffen schon früh, mit der Erwerbung des östlichen Mühlviertels 976 auf heute oberösterreichisches Gebiet über. 1035 übernahmen die Grafen von Lambach die Mark an der Mur und damit auch den Traungau. Im Jahr 1056 wurde die Karantanische Mark an Otakar von Steyr, als erstem Markgrafen aus dem Geschlecht der Traungauer, einem Verwandten der Lambacher, verliehen. Die Hauptburg der Traungauer war Steyr, die der Steiermark den Namen gab. Ein guter Teil Oberösterreichs, in etwa das heutige Traun- und östliche Hausruckviertel, gehörte damals zum Herzogtum Steier, während der Donauraum bis zum Hausruck wohl zum babenbergischen Einflussgebiet gerechnet werden kann (Machland, 1115 Riedmark). Bis zur Erhebung zum Herzogtum Österreich 1156 und Herzogtum Steiermark 1180, standen Babenberger und Otakare noch unter der nominellen Lehenshoheit der Bayernherzöge.
Durch einen Erbfolgevertrag, der Georgenberger Handfeste von 1186, kam die Steiermark und damit das Traunviertel und das westliche Mühlviertel, 1192 an den Babenberger Herzog Leopold V. von Österreich und dessen Sohn Friedrich.Maximilian Weltin: Die „Georgenberger Handfeste“ und ihr Stellenwert in der Geschichte der Länder ob und unter der Enns. In: Karl Spreitzhofer: 800 Jahre Georgenberger Handfeste. Wachsen und Wandel der steirischen Landesfreiheiten. Enns 1986, S. 55–64.
Bis 1210 war Linz jedoch noch ein Teil Bayerns, wurde dann von Leopold VI. genauso wie Enns und Wels erworben. Mit der Verleihung des Stadtrechts durch Leopold VI. im Jahr 1212 wurde Enns zur Stadt und ist damit noch vor Wien (1221) die älteste Stadt Österreichs.Karl Gutkas: Geschichte des Landes Niederösterreich. Verlag Oldenbourg, München 1984, ISBN 3-486-51461-X, S. 53. Erst nach dem Tod des letzten Babenbergers, Friedrich des Streitbaren, wurde – neben der Grafschaft Pitten – auch der Traungau und mit ihm die Stadt Enns von der Steiermark getrennt und damit zur Keimzelle für die Landesherrschaft, aus der sich das Land Oberösterreich entwickeln sollte.
Das erfolgreiche Vordringen der Babenberger in den Raum Oberösterreichs auf Kosten Bayerns führte zu zunehmenden Spannungen. 1233 drang Herzog Otto II. von Bayern in das Herrschaftsgebiet der Babenberger ein, zerstörte das Stift Lambach und besetzte Wels. Er musste sich auf militärischen Druck König Heinrichs VII. aber schließlich zurückziehen. Die oberösterreichischen Adeligen lösten sich um 1235 vom steirischen Adel und schlossen sich dem (nieder-)österreichischen an. Nach dem Tod Friedrich des Streitbaren wurde Otto vom Kaiser 1248 kurzzeitig als Statthalter für Österreich eingesetzt. Ottos Sohn Ludwig besetzte daraufhin Linz und Enns.Haider: Geschichte Oberösterreichs. S. 72 ff.
mini|Ottokar II.
Österreich ob der Enns