mini|Unterzeichnung des Paktes durch Joachim von Ribbentrop Der Antikominternpakt 1936 war ein völkerrechtlicher Vertrag zwischen dem Deutschen Reich und dem Japanischen Kaiserreich mit der Hauptzielsetzung der Bekämpfung der Kommunistischen Internationale (Komintern). Ihm traten später weitere Staaten, unter anderem das faschistische Italien, bei. Der Pakt mit seinen geheimen Zusatzprotokollen diente vor allem militär-strategischen Zielen, war vordergründig gegen die UdSSR ausgerichtet Gerhard L. Weinberg, Die geheimen Abkommen zum Antikominternpakt, in: Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte, Jahrgang 2, 1954, S. 194 ff. und wurde im Dritten Reich vor allem propagandistisch als reines „Antibolschewistisches“ Bündnis weltanschaulichen Charakters hingestellt.
Hintergrund Deutschland Das Deutsche Reich hatte seit der Machtergreifung der NSDAP 1933 eine antikommunistische Linie eingeschlagen, um die Bevölkerung auf den bevorstehenden Krieg auszurichten. Das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda unter Joseph Goebbels hatte zum Zweck antikommunistischer Propaganda den Gesamtverband Deutscher antikommunistischer Vereinigungen (GDAV) gegründet. Der GDAV war auch als Antikomintern bekannt und verbreitete unter der Anleitung von Adolf Ehrt antikommunistische, antisemitische und gegen die Sowjetunion gerichtete Veröffentlichungen, sowohl in Deutschland als auch international. Gleichzeitig waren die Nationalsozialisten vorsichtig, nicht zu früh einen Krieg gegen die Sowjetunion zu riskieren. Als es im Jahr 1934 danach aussah, als könnte Japan von einer sowjetisch-chinesischen Koalition eingekreist und bald militärisch angegriffen werden, wurde Botschafter Herbert von Dirksen angewiesen, auf keinen Fall auch nur den geringsten Anschein zu geben, Deutschland würde Japan in irgendeiner Weise im Falle eines japanisch-sowjetischen Krieges unterstützen wollen.
Die Idee einer Allianz zwischen Deutschland und Japan stammte vom japanischen Militärattaché in Berlin, Oshima Hiroshi,Dokumente zum Antikominternpakt (1935-1937), in: Bernd Martin (Hrsg.) Friedrich Wilhelm Hack. Sein Wirken für Japan. OAG Tokyo Iudicum Verlag München 2024, S. 45 ff. und fand erst nach langen Erörterungen die Sympathie bei Adolf Hitler. Der Grund lag vor allem in der deutlichen Bindung des Deutschen Reiches zu China, mit dem es Vereinbarungen bis zu Waffenlieferungen gab. Die meisten Karrierediplomaten im Auswärtigen Amt unter Außenminister Konstantin von Neurath, inklusive Neurath selbst, standen stattdessen einer Anbindung an Japan ablehnend gegenüber. Der japanische Hauptrivale, die Republik China unter Chiang Kai-shek, war für Deutschland ein äußerst wichtiger Absatzmarkt und der wichtigste Handelspartner in Asien. China exportierte Zinn und Wolfram nach Deutschland und kaufte in der Gegenrichtung deutsche Rüstungsgüter und Erzeugnisse der deutschen Schwerindustrie. China beanspruchte auch die Hilfe deutscher Militärausbilder unter Alexander von Falkenhausen und rüstete seine Armee mit deutschem Material. Deshalb unterstützten sowohl Neuraths Diplomaten als auch der deutsche Generalstab eine deutsch-chinesische Kooperation statt einer Anbindung an Japan.
Deutschland trat am 14. Oktober 1933 aus dem Völkerbund aus und folgte damit dem Vorbild des späteren Bündnispartners Japan, welches den Bund bereits im Februar verlassen hatte.
Japan Das Japanische Kaiserreich hatte seit der Meiji-Restauration 1868 wiederholt erfolgreich auf der Weltbühne agiert. Die Japaner besiegten China im Ersten Japanisch-Chinesischen Krieg von 1894 und obsiegten sogar gegen das Russische Kaiserreich im Russisch-Japanischen Krieg von 1904. Danach annektierte Japan die koreanische Halbinsel im Jahr 1910 und nahm ab 1914 aufseiten des Vereinigten Königreichs (seit 1902 mit Japan verbündet) am Ersten Weltkrieg gegen das Deutsche Kaiserreich teil.
Obgleich Japan im Ersten Weltkrieg auf der Seite der siegreichen Entente-Mächte gestanden hatte, waren die Kriegsgewinne und die in den Pariser Vorortverträgen ausgehandelte Nachkriegswelt hinter den japanischen Erwartungen zurückgeblieben. Die Westmächte hatten die von Japan in Versailles angestrebte Rassengleichheit 1919 ausgeschlagen und hatten es im Washingtoner Flottenabkommen von 1922 zudem geschafft, die Pazifikambitionen der Japaner durch Limitierungen der zulässigen Größe von Kriegsschiffen zu beschränken. Dies wurde in Japan als massive nationale Demütigung empfunden.
Im Japan des Kaisers Hirohito herrschte ein interner Machtkampf innerhalb des Militärs, in welchem die Kaiserlich Japanische Armee (KJA) und Kaiserlich Japanische Marine (KJM) miteinander in diplomatischen, militärischen und politischen Fragen in Konkurrenz standen, was auch die Richtung kriegerischer Expansion Japans betraf, welche im rohstoffarmen Japan zur Erschließung einer wirtschaftlichen Autarkie als unumgänglich erachtet wurde. So verfolgte die KJA das Ziel, sich mit Deutschland gegen die Sowjetunion zu verbünden und in einem Zangenangriff in Sibirien einzumarschieren, um sich so die Ressourcen zu sichern, welche Japan fehlten. Die KJM sah dagegen eine Allianz mit Deutschland als nicht nützlich an, da sie die diplomatischen Beziehungen mit dem Vereinigten Königreich und den Vereinigten Staaten behindern und einen für Japan nicht gewinnbaren Seekrieg im Pazifikraum, in welchem Deutschland keine Hilfe wäre, wahrscheinlicher machen könnte. Die KJM wollte die Tradition der Anglo-Japanischen Allianz von 1902 um jeden Preis erhalten und mithilfe der Neutralitätspolitik der USA freie Hand für japanische Expansion in Ost- und Südostasien sichern, um dergestalt an die benötigten Rohstoffe zu kommen.
Sowohl die KJA als auch die KJM betrachteten in der Mitte der 1920er-Jahre die Sowjetunion (Russland war seit dem Russisch-Japanischen Krieg in Japan als der gefährlichste und wahrscheinlichste Gegner Japans wahrgenommen worden, was sich durch den Aufstieg des monarchiefeindlichen und revolutionären Kommunismus und die Bildung der UdSSR noch verschärft hatte), die Republik China und die Vereinigten Staaten von Amerika als die drei bedrohlichsten Gegner des Japanischen Kaiserreiches. Aber durch den Chinesischen Bürgerkrieg seit 1927 und den amerikanischen Isolationismus seit 1918 wurde die Sowjetunion als letzte verbliebene aktive Gefahr aus diesen drei Staaten erneut zum japanischen Fokusziel. Die Rote Armee der Sowjetunion galt in den frühen 1930er-Jahren (vor den großen Säuberungen durch Stalin) als eine der modernsten und kampfstärksten Armeen der Welt, setzte in großen Zahlen Kampfpanzer ein und beeindruckte durch die Bildung der ersten militärischen Fallschirmverbände. Es war primär die Bedrohung durch die Sowjetunion, welche die Japaner zur Bildung einer Allianz mit Deutschland, welches Japan als ideologisch und diplomatisch mit der UdSSR verfeindet betrachtete, motivierte.
Die japanische Regierung, inklusive des Kaisers Hirohito, war teils nicht fähig und teils nicht gewillt, die Eskapaden der japanischen Militärs in China zu stoppen. 1931 war die Kwantung-Armee autonom für die Mandschurei-Krise verantwortlich und besetzte eigenständig und im Endeffekt ohne Intervention der Regierung in Tokio Nordostchina. Dort wurde von den Japanern der Marionettenstaat Mandschukuo errichtet. Deutschland hatte, ebenso wie fast alle Staaten, Mandschukuo nicht anerkannt. Die Weltöffentlichkeit betrachtete die Region als von Japan unrechtmäßig besetzt. Während das Japanische Kaiserreich wiederholt die Souveränität der Republik China verletzte (Schlacht um Shanghai 1932, Zwischenfall am 15. Mai, Befriedung von Mandschukuo), waren die Westmächte weiterhin an einer Kompromisslösung interessiert. Neville Chamberlain, später federführend bei der britischen Appeasement-Politik gegenüber dem Deutschen Reich, versuchte 1934 etwa, einen britisch-japanischen Nichtangriffspakt auszuhandeln.
Das Japanische Kaiserreich trat als Reaktion auf den Lytton-Report, welcher den Japanern eindeutig die Schuld für die Inszenierung des Mukden-Zwischenfalls gab, im Februar 1933 aus dem Völkerbund aus.
Der Hauptbefürworter einer Allianz mit Deutschland war innerhalb Japans die KJA, welche eine lange Tradition von Deutschland inspirierter Militärinnovationen pflegte und welche hunderte deutscher Experten beschäftigte sowie viele japanische Offiziersanwärter zum Studium nach Deutschland schickte. Innerhalb der KJA war Hiroshi Ōshima, seit 1934 der Heeresattaché der KJA in der japanischen Botschaft in Berlin, die Hauptperson in den späteren Verhandlungen, welche zur Bildung des Antikominternpaktes mit Deutschland führten. Der japanische Botschafter, Kintomo Mushanokōji, misstraute den Intentionen der Deutschen und fürchtete, dass Japan sich selbst isolieren könnte, falls Tokio sich zugunsten Berlins von London abwenden sollte und sich dann Deutschland doch für Großbritannien als Bündnispartner entscheiden sollte. Dennoch führte Mushanokōji seinen Auftrag, den Antikominternpakt auszuhandeln, aus. Darüber hinaus setzte er sich zum Ziel, die deutsch-chinesische Partnerschaft zu untergraben.
Inhalt mini|Abkommen gegen die Kommunistische Internationale im Deutschen Reichsgesetzblatt Der erste politische Vertrag zwischen dem Deutschen Reich und Japan wurde auf Bestreben Japans am 25. November 1936 in Berlin vom japanischen Sonderbotschafter Vicomte Mushanokōji Kintomo und Joachim von Ribbentrop für die Dauer von fünf Jahren unterzeichnet. Die Bekämpfung der Kommunistischen Internationale sollte, analog zu Komintern, durch Informationsaustausch gefördert werden. In geheimen zusätzlichen AbkommenGerhard L. Weinberg (Hrsg.): Dokumentation: Die geheimen Abkommen zum Antikominternpakt in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 1954, Heft 2, S. 195 ff. (PDF). sicherten sich die beiden Staaten wohlwollende Neutralität zu für den Fall eines nicht provozierten Angriffs oder einer Angriffsdrohung der Sowjetunion. Zudem verpflichteten sie sich, mit der Sowjetunion keine Verträge abzuschließen, die dem „Geist dieses Abkommens“ widersprechen würden. Japan berief sich auf das entsprechende geheime Zusatzabkommen, als es in Berlin Protest gegen den deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt einlegte.
Geheimes deutsch-japanisches Militärabkommen Ergänzend zum Antikominternpakt unterzeichneten Militärattaché Hiroshi Ōshima und Abwehr-Chef Wilhelm Canaris am 17. Mai 1937 ein geheimes deutsch-japanisches Militärabkommen, das im Interesse der Geheimdienste beider Länder lag und sowohl den Nachrichtenaustausch wie auch eine Zersetzungsplanung gegenüber der Sowjetunion betraf, zu dem ein Fünf-Jahres-Plan die Richtung vorgab. Dieses Abkommen wurde tatsächlich zu großen Teilen umgesetzt und mündete in geheime Kriegsvorbereitungen gegenüber der Sowjetunion.
Bedeutung