Die 6. FIFA Junioren-Fußballweltmeisterschaft (offiziell: IV World Youth Championship for the FIFA/Coca-Cola Cup) wurde vom 10. bis zum 25. Oktober 1987 in Chile ausgetragen. 16 Mannschaften nahmen am Turnier teil. Das Finale konnte Jugoslawien mit 5:4 im Elfmeterschießen gegen die Mannschaft der Bundesrepublik Deutschland für sich entscheiden. Zum besten Spieler des Turniers wurde der Jugoslawe Robert Prosinečki gewählt, der als Mittelfeldregisseur des späteren Weltmeisters brillierte. Torschützenkönig wurde der bundesdeutsche Spieler Marcel Witeczek, dem in 6 Spielen 7 Tore gelangen.

Spielorte Antofagasta – Estadio Regional de Antofagasta Concepción – Estadio Municipal de Concepción Santiago de Chile – Estadio Nacional de Chile Valparaíso – Estadio Regional Chiledeportes

Teilnehmer 6 aus Europa Bulgarien BR Deutschland DDR Italien Jugoslawien Schottland 3 aus Südamerika Chile Brasilien Kolumbien 2 aus Asien Bahrain Saudi-Arabien 2 aus Afrika Nigeria Togo 2 aus Nord- und Mittelamerika USA Kanada 1 aus Ozeanien Australien

Mannschaften aus dem deutschsprachigen Raum DDR Bei der ersten Teilnahme einer DFV-Elf an einer U-20-Weltmeisterschaft gelang dem U-18-Europameister von 1986 auf Anhieb der 3. Platz. Speziell die Achse mit Neitzel als Libero, Steinmann als Mittelfeldstratege und Sammer als Stürmer wusste zu überzeugen. Matthias Sammer wurde in die Elf des Turnieres gewählt und war mit 4 Treffern bester Torschütze seiner Mannschaft.

Die weiteren Karrieren der Spieler verliefen höchst unterschiedlich. Sammer und Steinmann wurden sehr bald Stammkräfte in ihren Vereinen und in die A-Nationalmannschaft berufen. Die weitere Laufbahn von Sammer ist bekannt, er wurde schließlich 1996 Europameister. Kracht, Herzog und Schuster wurden später auch in die DDR-Auswahl berufen, Wosz und Ritter kamen zu mehr oder minder langen DFB-Auswahl-Karrieren. Minkwitz, Lange, Hiemann und Jähnig schafften ebenfalls den Sprung in den Profifußball, während Zimmerling und Liebers durch die oberen Amateurklassen wanderten. Marco Köller gilt als Beispiel für ein gescheitertes Talent, er wurde zum Sozialfall. Uwe Amstein und Jörg Prasse haben keine Spuren mehr im leistungmäßigen Fußball hinterlassen.

Insgesamt stellten zehn Mannschaften Spieler für die Auswahl ab, Dynamo Dresden allein fünf. Auffällig ist die regionale Verteilung; allein zwölf Spieler kamen aus Mannschaften der drei sächsischen Bezirke. Vom Rekordmeister BFC Dynamo wurden hingegen nur zwei Spieler entsandt. Bemerkenswert ist weiterhin, dass auch drei Betriebssportgemeinschaften einen Nationalspieler entsandten, da die Spielertalente sonst immer von der Kinder- und Jugendsportschule gleich an die Fußballclubs delegiert worden und dort in der Regel blieben.

+ DDR-Auswahl (PDF; 12,2 MB) Spieler Verein EinsätzeTore 1 – Holger Hiemann FC Karl-Marx-Stadt2––– 2 – Uwe Amstein FC Carl Zeiss Jena1––– 3 – Karsten Neitzel SG Dynamo Dresden6–1– 4 – Dirk Schuster BSG Sachsenring Zwickau6–1– 5 – Torsten Kracht 1. FC Lokomotive Leipzig511– 6 – Marco Köller BFC Dynamo6––– 7 – Rico Steinmann FC Karl-Marx-Stadt411– 8 – Stefan Minkwitz 1. FC Magdeburg4––– 9 – Jörg Prasse SG Dynamo Dresden511– 10 – Matthias Sammer SG Dynamo Dresden54–– 11 – Uwe Jähnig SG Dynamo Dresden5––– 12 – Thomas Ritter SG Dynamo Dresden6––– 13 – Hendrik Herzog BFC Dynamo2––– 14 – Heiko Liebers BSG Motor Grimma51–– 15 – Timo Lange BSG Stahl Brandenburg–––– 16 – Ingo Saager 1. FC Lokomotive Leipzig5––– 17 – Matthias Zimmerling 1. FC Lokomotive Leipzig6–1– 18 – Dariusz Wosz HFC Chemie51–– Trainer: Eberhard Vogel

BR Deutschland Nachdem die DFB-Auswahl schon 1981 U-20 Weltmeister war, musste sie sich 1987 nur den überragenden Jugoslawen geschlagen geben. In der Mannschaft hob sich besonders Marcel Witeczek ab, der in 6 Spielen 7 Tore erzielte. Weiterhin wusste Andreas Möller zu gefallen, der als Mittelfeldmotor das Spiel seiner Elf lenkte.

Trotz dieses Erfolges stellte dieser Jahrgang später nur 3 A-Nationalspieler. Während Möller eine beeindruckende Karriere hinlegte, die er schon 1990 mit dem Weltmeister- und 1996 dann auch mit dem Europameistertitel krönte, kamen Knut Reinhardt und der spätberufene Michael Preetz nur zu wenigen Einsätzen in der DFB-Auswahl. Sie konnten sich jedoch in der Bundesliga erfolgreich etablieren und zum Teil mit ihren Vereinen große Erfolge verbuchen. Diesen Schritt schafften ebenfalls Gunther Metz, Alexander Strehmel, Martin Schneider, Detlev Dammeier, Marcel Witeczek und Michael Klinkert. Gestandene Zweitligaspieler mit Ausflügen ins Oberhaus wurden Brunn, Heidenreich, Luginger, Spyrka und Epp. Eichenauer, Clauss und Würzburger waren nur wenige Spiele im Profibereich beschieden, Andreas Claasens Spur verlor sich alsbald im Amateurfußball. Insgesamt stellten 15 Vereine Spieler für die Auswahl ab.

+ BRD-Auswahl (PDF; 12,2 MB) Spieler Verein EinsätzeTore 1 – Uwe Brunn1. FC Köln5––– 2 – Hans-Jürgen Heidenreich1. FC Nürnberg5–11 3 – Jürgen Luginger Fortuna Düsseldorf5–2– 4 – Gunther Metz Karlsruher SC5–– 5 – Alexander Strehmel VfB Stuttgart61– 6 – Martin Schneider 1. FC Nürnberg6––– 7 – Adrian Spyrka Borussia Dortmund6–2– 8 – Detlev Dammeier Hannover 96611– 9 – Thomas EppVfL Bochum411– 10 – Andreas Möller Eintracht Frankfurt611– 11 – Henrik Eichenauer SV Waldhof Mannheim41–– 12 – Andreas Clauß SV Waldhof Mannheim1––– 13 – Marcel Witeczek Bayer 05 Uerdingen67–– 14 – Michael Klinkert FC Schalke 041––– 15 – Knut Reinhardt Bayer 04 Leverkusen52–– 16 – Frank Würzburger Kickers Offenbach1––– 17 – Andreas Claasen FC Bayern München1––– 18 – Michael Preetz Fortuna Düsseldorf3––– Trainer: Berti Vogts

Prominente Spieler Nigeria: Jonathan Akpoborie Bulgarien: Emil Kostadinow Jugoslawien: Robert Jarni, Igor Štimac, Zvonimir Boban, Robert Prosinečki, Predrag Mijatović, Tomislav Piplica, Davor Šuker USA: Tony Meola, Jeff Agoos, Kasey Keller

Vorrunde Die Vorrunde wurde in vier Gruppen mit jeweils vier Mannschaften ausgetragen. Die jeweils beiden Erstplatzierten aller Gruppen qualifizierten sich für das Viertelfinale. Dieses wurde eine rein europäisch-südamerikanische Angelegenheit, da sich alle sechs europäischen Mannschaften sowie der Gastgeber Chile und Brasilien qualifizierten. Für die Brasilianer war dann bereits im Viertelfinale Schluss, während die chilenische Mannschaft etwas überraschend ins Halbfinale einzog. Am Ende stand für Chile ein 4. Platz zu Buche. Aus gesamtdeutscher Sicht war das Turnier ein großer Erfolg. Die DFB-Auswahl wurde Vizeweltmeister, während die DFV-Auswahl sich im Spiel um Platz 3 gegen den Gastgeber durchsetzte. Diese Platzierung stellt bei Nachwuchs-Weltmeisterschaften den größten Erfolg einer DDR-Auswahl dar.Alle Spiele zur Ortszeit (UTC-4, MEZ-5).

Gruppe A

Gruppe B

Gruppe C

Gruppe D

Finalrunde Alle Spiele zur Ortszeit (UTC-4, MEZ-5).

Übersicht E Sieg nach Elfmeterschießen

Viertelfinale

Halbfinale

Spiel um Platz 3

Finale

Beste Torschützen Nachfolgend sind die besten Torschützen der Junioren-WM 1987 aufgeführt. Die Sortierung erfolgt nach Anzahl ihrer Treffer bzw. bei gleicher Toranzahl alphabetisch.

Platz Spieler Tore 1 7 2 6 3 5 4 4 5 3 3 3

Auszeichnungen Zum besten Spieler des Turniers wurde der jugoslawische Angreifer Robert Prosinečki gewählt, als zweitbester Spieler wurde dessen Teamkollege Zvonimir Boban ausgezeichnet, den dritten Platz belegte der bundesdeutsche Marcel Witeczek, der mit sieben Turniertreffern, wie schon bei der U-16-WM 1985 in China, bester Torschütze des Turniers wurde. Mit sechs Treffern gewann der jugoslawische Mittelstürmer Davor Šuker den Silbernen Schuh, der Chilene Camilo Pino erzielte fünf Treffer und erhielt den Bronzenen Schuh.

Der Fair-Play-Preis (Sports Billy Award) ging an die Mannschaft der DDR, die in sechs Spielen nur sechs gelbe Karten erhielt.

Weblinks Junioren-Fußballweltmeisterschaft 1987 bei FIFA.com Technischer Bericht der FIFA: Teil 1 (PDF; 11,2 MB) – Teil 2 (PDF; 12,2 MB)

Einzelnachweise

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