mini|Der Spellenstein, ein Menhir aufgestellt in der Jungsteinzeit um 1800 v. Chr. mini|Ein Wahrzeichen der Stadt ist der Stiefel, ein Produkt der Verwitterung des in St. Ingbert aufgeschlossenen Buntsandsteins, ein vor ca. 250 Mio. Jahren entstandenes Sedimentgestein. mini|Die neogotische Kirche St. Josef, gebaut 1890–1893 St. Ingbert (, im örtlichen Dialekt Dengmert; ) ist eine Mittelstadt und die sechstgrößte Stadt im Saarland.

Geographie mini|hochkant|Flächenverteilung nach Stadtteilenmini|hochkant|Flächenverteilung nach Nutzung Fläche Das Stadtgebiet besteht aus den Stadtteilen St. Ingbert-Mitte (mit Sengscheid und Schüren), Rohrbach, Hassel, Oberwürzbach (mit Reichenbrunn und Rittersmühle) und Rentrisch. Die gesamte Stadt umfasst eine Fläche von zirka 50 Quadratkilometern. Auf die Stadtteile – aufgelistet nach der Bevölkerungsgröße – entfallen somit folgende Flächen:

St. Ingbert-Mitte: 2473 ha Rohrbach: 745 ha Hassel: 926 ha Oberwürzbach: 552 ha Rentrisch: 208 ha

Nach der Nutzung gesehen, verteilen sich die 50 km² Gesamtfläche der Stadt folgendermaßen:

22 % Gebäude- und Freiflächen 8,2 % Verkehrsfläche 14,2 % landwirtschaftliche Flächen 52,3 % Waldfläche

Natürliche Grundlagen St. Ingbert liegt an den westlichen Ausläufern des Pfälzerwaldes. Der größte Teil des Stadtgebietes ist von naturnahem Buchenwald (etwas mehr als die Hälfte der Fläche, siehe Schaubild) und sanften Hügeln geprägt. Die Kernstadt sowie die Stadtteile Rohrbach und Rentrisch werden vom Rohrbach durchflossen, der in die Saar entwässert. Die Bäche, die die Stadtteile Reichenbrunn, Oberwürzbach und Hassel durchfließen, entwässern in die Blies.

Geologisch liegt die Stadt im Bereich der Pfälzer Mulde,Peter Rothe: Die Geologie Deutschlands. 48 Landschaften im Porträt, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2005, S. 137 ff. die vom Buntsandstein gebildet wird. Die wenig fruchtbaren Böden sind hauptsächlich von Wald bestanden. Als natürliche Vegetation wäre auf den meisten Standorten ein relativ artenarmer, bodensaurer BuchenwaldFritz Runge: Die Pflanzengesellschaften Mitteleuropas, Aschendorff Verlag, Münster 1994, S. 273 f. zu erwarten, ein Waldbild, das durch die naturnahe Waldbewirtschaftung der letzten Jahrzehnte auch an vielen Standorten erreicht ist. Nur in den bachbegleitenden Feuchtzonen sollte ein Erlenbruchwald vorkommen, wie er im Bereich des Naturschutzgebietes Im Glashüttental zu sehen ist. Die Naturschutzgebiete im Bereich der Stadt St. Ingbert (Im Glashüttental/Rohrbachtal, Frohnsbachtal-Geißbachtal, Ritterstal) stellen solche Feuchtgebiete unter Schutz. Südlich von St. Ingbert beginnt mit dem Bliesgau das Pfälzisch-Saarländische Muschelkalkgebiet, das durch seine lehm- und tonhaltigen Böden und durch eine überwiegend landwirtschaftliche Nutzung gekennzeichnet ist. Nordwestlich von St. Ingbert fängt mit dem Saarbrücker Sattel das Karbon (Westfalium)Rothe Abb. 104. an, das von der St. Ingberter Grube genutzt wurde.

Nach der naturräumlichen Gliederung liegt St. Ingbert (Kernstadt und Rohrbach) im Bereich der St. Ingberter Senke, die den westlichen Abschluss der St. Ingbert-Kaiserslauterer Senke bildet. (PDF) In: gisdienstleistungen.de, abgerufen am 16. Oktober 2011. Die Ortschaften Hassel, Oberwürzbach, Reichenbrunn und Sengscheid gehören zum Sankt Ingbert-Kirkeler Waldgebiet. Dieses endet mit dem Höhenzug Kahlenberg – Betzentaler Berg (Rotenkopf) – Stiefel, der gegen die Senke hin steil abbricht.

Lage mini|330px|Blick über St. Ingbert St. Ingbert liegt an der Achse Saarbrücken – Homburg, die für das Saarland von zentraler Bedeutung ist, da sie die meiste Wirtschaftskraft des Landes bündelt. International gesehen liegt St. Ingbert an der Linie, die das Pariser Becken mit dem Rhein-Main-Gebiet um Frankfurt am Main verbindet. Bemessen nach dem Gradnetz der Erde liegt St. Ingbert (Messpunkt Engelbertskirche in der Stadtmitte) bei 7° 6' 45" östlicher Länge sowie 49° 16' 47" nördlicher Breite.

St. Ingbert hat sieben Nachbarkommunen. Im Uhrzeigersinn sind das nördlich Spiesen-Elversberg und Neunkirchen (Saar) (Landkreis Neunkirchen), östlich Kirkel, Blieskastel und südlich Mandelbachtal (Saarpfalz-Kreis), sowie südwestlich Sulzbach/Saar und südlich Saarbrücken (Regionalverband Saarbrücken).

Geschichte Die Anfänge Vom ersten nachchristlichen Jahrhundert an sind römische Siedlungen auf dem Stadtgebiet belegt. Die zeitliche Einordnung der archäologischen Funde vom Eichertsfels ist unsicher. Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes befindet sich vom 28. Juni 888 in einer Schenkungsurkunde König Arnulfs, damals noch als „Lendelfingen“.MGH DD Arnolf, S. 49 Nr. 33. Um 580 weilte der heilige Ingobertus auf dem Gebiet des heutigen St. Ingbert.

Der Ortsname Der Name der Stadt geht auf den heiligen Ingobertus zurück. Alles, was über ihn bekannt ist, stammt aus der Lebensbeschreibung des Bischofs Magnerich von Trier, die in der 1. Hälfte des 11. Jahrhunderts verfasst wurde. Sie zählt Männer auf, die zu Magnerichs Zeit (Ende 6. Jahrhundert) im „Vosagus“ als Diener Gottes gewirkt hätten: Paulus, Ingobertus, Disibodus, Wandelinus. Die Gesta Treverorum griffen diese Mitteilung auf und erklärten alle zu Einsiedlern. Später machte eine Wendelin-Legende Disibod, Paulus und Johannes zu Wendelins Gefährten. Nach Vermutungen könnte Ingobertus' Wirkungsstätte der Bereich um den Heiligenbrunnen am Alten Friedhof gewesen sein. Materielle Hinterlassenschaften wie zum Beispiel Reliquien oder ein Grab sind nicht vorhanden.

Später benannte man vermutlich eine Kapelle nach dem Heiligen, der erst Jahrhunderte später dem ganzen Ort seinen Namen geliehen hat. Da Ingobertus kein offiziell anerkannter Heiliger der katholischen Kirche ist, wird er bei Kirchweihen und kirchlichen Festen durch den heiligen Engelbertus vertreten.

888 wurde St. Ingbert erstmals als Lendelfingen urkundlich erwähnt – 300 Jahre, bevor der Name St. Ingbert auftauchte. 1174 wurde zum ersten Mal der heutige Ortsname als „St. Ingebrehtum“ wiedergegeben. 6 Jahre später wurde St. Ingbert als „St. Engilbertum“ urkundlich erwähnt. Lendelfingen („Lantolvinga“) war nach der Urkunde von 888 ein Königsgut; im Ortsnamen steckt der Männername Lantolf mit der Erweiterung -ingen. Der ältere Name Lendelfingen wurde neben dem neuen Namen St. Ingbert noch lange Zeit weiterverwendet. Erst mit dem Dreißigjährigen Krieg geriet der Name Lendelfingen in Vergessenheit.

Politische Zugehörigkeit und Besitzverhältnisse Im Jahre 960 fiel St. Ingbert zusammen mit dem Bliesgau an das Bistum Metz.

Am 15. Juli 1339 kam St. Ingbert mit Blieskastel zum Erzstift Trier. Kirchlich blieben beide jedoch beim Bistum Metz.

1475 wurde der St. Ingberter Bann (Herrschaftsgebiet) zum ersten Mal bestimmt.

Im Jahr 1487 kam Johann von der Leyen durch Heirat in den Besitz von einigen Rechten bezüglich St. Ingberts.

Während der Pest-Zeit im 16. Jahrhundert gehörte der Ort zu Kurtrier. In den folgenden Jahrzehnten bis 1634 gehörte er als Pfandbesitz zu Nassau-Saarbrücken.

1634 wurde St. Ingbert zusammen mit Blieskastel wieder aus nassau-saarbrückischer Herrschaft durch Kurtrier eingelöst.

1793 kam es zum Ende der Herrschaft der Grafen von der Leyen. Die Gräfin Marianne floh aus Blieskastel. Die Gemeinde erhielt daraufhin die Rechte, die vorher den Grafen gehörten. Am 22. September 1797 wurde die Freie Republik St. Ingbert ausgerufen, die einen Bestand von acht Tagen haben sollte. Schließlich wurde St. Ingbert 1798 dem Saardepartement zugeteilt.

Zwischen 1814 und 1816 kam St. Ingbert zusammen mit Blieskastel unter bayerisch-österreichische Verwaltung. 1816 wurde St. Ingbert dem bayerischen Rheinkreis zugeschlagen und gehörte damit zum Königreich Bayern. Ab 1902 war St. Ingbert Sitz des Bezirksamt St. Ingbert.

Durch den Versailler Vertrag 1919 wurden St. Ingbert sowie Homburg von der Pfalz an das neu geschaffene Saargebiet abgetreten. Dieses stand unter der Verwaltung des Völkerbundes, war jedoch wirtschaftlich an Frankreich angeschlossen.

Bei der Saarabstimmung vom 13. Januar 1935 standen die Beibehaltung des Status quo (Völkerbundsmandat) sowie die Eingliederung des Saarlandes nach Frankreich oder nach Deutschland zur Wahl. 91,4 % der St. Ingberter waren für eine Rückgliederung ins Deutsche Reich.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Saarland politisch teilautonom. Erst nach einer erneuten Volksabstimmung 1955 erfolgte 1957 die Eingliederung in die Bundesrepublik Deutschland.

Wirtschaftliche Entwicklung 1662 wurden die Kohlegruben wieder in Betrieb genommen, die während des Dreißigjährigen Krieges zerfallen waren. Außerdem wurden in den folgenden Jahrzehnten Eisenerze aus St. Ingbert verhüttet und Holz aus dem St. Ingberter Wald vermarktet.

Im 18. Jahrhundert begann in St. Ingbert langsam die industrielle Entwicklung. So kam es im Jahr 1700 zu ersten Überlegungen bezüglich des Baus eines Alaunwerkes und einer Vitriolfabrik. Außerdem wurden in den nächsten Jahren Eisenerze und der Wald über die Grenzen des Ortes hinaus vermarktet, d. h. bis zum Niederrhein und nach Holland. Es entstand 1725 eine Mühle. 1732 wurde ein Pachtvertrag zwischen dem Consortium Lehnen-Gottbill-Loth und Graf Caspar von der Leyen bezüglich der Errichtung eines Eisenwerkes abgeschlossen. Im Frühsommer 1733 war es schließlich so weit, und eine Hütte mit Schmelze und Hammerwerk konnte ihren Betrieb aufnehmen.

In den 70er-Jahren des 18. Jahrhunderts wurde die Kohleförderung nach und nach erschlossen. Außerdem gab es in diesem Zeitraum die erste amtliche Untersuchung über den Bergbau in St. Ingbert. Man rang mit der Idee, die vielen Privatgruben zu verstaatlichen. Dies sollte 1777 Realität werden, als Gräfin Marianne von der Leyen dem Unternehmer Johann Wolfgang Falck den St. Ingberter Bergbau übergab und alle St. Ingberter Gruben entschädigungslos eingezogen wurden. Die Kohle wurde mit Schiffen bis nach Koblenz und Mainz transportiert.

Im gleichen Jahr wurde durch die Eröffnung einer Rußhütte auch Koks hergestellt. Zwei Jahre später wurde der Versuch unternommen, die „Praschenfeuerung“ wieder einzuführen, die schon 1773 versucht worden war. Im gleichen Jahr zeichnete sich auch der Ruin des Eisenwerkes ab, das jedoch von der gräflichen Rentkammer (Finanzverwaltung) übernommen wurde.

1784 wurde in St. Ingbert die Mariannentaler Glashütte durch Marianne von der Leyen gegründet. Diese Glashütte erhielt das Recht, eigene Kohlegruben zu betreiben. 1786 wurde per Vertrag die Gründung einer neuen Alaunhütte beschlossen.

Am 12. März 1788 erließ Gräfin Marianne von der Leyen einen Erlass, wonach auch die Verwendung der Steinkohle in den Wohnhäusern möglich wurde. Hintergrund der Entscheidung war die abnehmende Verfügbarkeit des St. Ingberter Holzes. Im gleichen Jahr noch übernahm der Protestant Philipp H. Krämer Teile des Hüttenwerks sowie die Gesamtleitung der Schmelze. Zu dieser Zeit gab es 18 Schmelzarbeiter und 13 Erzgräber und Kohlebrenner.

1804 kaufte die Witwe von Philipp Heinrich Krämer, Sofie Krämer, das Eisenwerk.

1846 wurde die Maschinenfabrik Otto Kaiser in St. Ingbert gegründet. In ihr wurden Maschinen und Eisenkonstruktionen aller Art produziert. Vor allem aber war sie für ihren Kranbau bekannt, welcher 1994 eingestellt wurde.

In den 1950er-Jahren kam der Steinkohleabbau in St. Ingbert langsam zum Erliegen; die Grube wurde geschlossen. In den 1970er-Jahren wurde auch die Glashütte stillgelegt. Das machte in St. Ingbert einen starken Strukturwandel hin zum Dienstleistungssektor erforderlich.

Kriegsereignisse und andere Katastrophen In der Mitte des 16. Jahrhunderts (1553) wütete in St. Ingbert die Pest. 1573 und 1574 wurde die Gegend erneut von der Pest heimgesucht. 1637 wurde St. Ingbert – vermutlich bis auf die Kirche – durch einen Brand vollständig zerstört.