Sotschi (, , wiss. Transliteration Soči) ist eine Stadt und ein Stadtbezirk am Schwarzen Meer in Russland. Sotschi liegt in der südrussischen Region Krasnodar nahe der Grenze zu Georgien und hat 445.000 Einwohner (Stand: 2025).
Sotschi ist einer der beliebtesten Bade- und Kurorte Russlands: die Umgebung der Stadt wird häufig als „(Russische) Riviera des Schwarzen Meeres“ bezeichnet. Die Stadt ist darüber hinaus Sitz einer Universität.
Etymologie Allgemein wird angenommen, dass der Name „Sotschi“ die russifizierte Form des tscherkessischen Wortes „Ş̂acə“ (Adygeisch: Шъаче) ist und sich wiederum vom ubykhischen„Ş̂uaça“ (Шъача) ableitet. Hierbei handelt es sich um eine Zusammensetzung der beiden Begriffe „шъа“ (Meer) und „ча“ (Seite), die übersetzt „Meer/Küste“ bedeutet. Laut einer anderen Theorie kommt „Sotschi“ vom georgischen Wort für „Tanne“, „soch'i“ (სოჭი).
Geographie Lage mini|Sotschi (2014) mini|Blick von Adler aus (2008)
Der Stadtbezirk Sotschi erstreckt sich über etwa 100 Kilometer Luftlinie entlang der nordöstlichen Küste des Schwarzen Meeres. Nordwestliche Grenze ist der Fluss Schepsi wenige Kilometer südlich von Tuapse, südöstliche der Fluss Psou, der auch die Grenze Russlands zu Georgien, bzw. der von Georgien abtrünnigen und nur von wenigen Staaten, darunter Russland, anerkannten Republik Abchasien bildet. Das Stadtzentrum Sotschis ist von der Grenze etwa 30 Kilometer entfernt.
Bereits die erste Bergkette des Kaukasus in Küstennähe mit den Kämmen Alek, Bytcha, Mamaiski, Soloniki und Tjupjutschch erreicht Höhen um und ist für das im Winter milde Klima verantwortlich. Die Berge des Kaukasus-Hauptkammes, 25 bis 40 Kilometer von der Küste, sind hier über 3000 Meter hoch (Zachwoa, ).
Auf dem Territorium der Stadt Sotschi erreichen mehrere Bergflüsse, welche die erste Bergkette durchschneiden, das Schwarze Meer. Von Norden nach Süden sind dies Psesuapse, Schache, Sotschi und Msymta.
Stadtgliederung und -verwaltung Überblick Am 10. Februar 1961 wurden zwei benachbarte Rajons, Lasarewskoje und Adler, eingemeindet, womit das heute existierende und manchmal Groß-Sotschi (Bolschoi Sotschi) genannte administrative Gebilde entstand. 1959 hatten die eingemeindeten Rajons Adler und Lasarewskoje 55.273 und 37.389 Einwohner, davon die Siedlungen städtischen Typs Adler 19.658, Lasarewskoje 8966, Dagomys 7192 und Krasnaja Poljana 4443 Einwohner.
Heute ist die Stadt in vier Stadtbezirke (Rajons) gegliedert: Lasarewski Rajon, Zentralny Rajon, Chostinski Rajon und Adlerski Rajon (Reihenfolge von Nordwesten nach Südosten). Zum Stadtkreis gehören auch die Siedlung städtischen Typs Krasnaja Poljana (russ. für Rote oder Schöne Lichtung) im Rajon Adler mit 3972 Einwohnern sowie 78 Dörfer mit zusammen 69.068 Einwohnern, sodass die Gesamtbevölkerungszahl des Stadtkreises Sotschi knapp 438.000 beträgt (Berechnung 2012). Zum Stadtkreis gehören auch weiträumige, praktisch unbewohnte Berggebiete.
Stadtrajone mini|Stadtrajone mit Ziffern
Stadtrajon russisch Fläche (km²) BevölkerungZensus2010-10-14 Ortsteile# Zentralny RajonЦентральный район32137,677Sotschi (Zentrum)1 Chostinski RajonХостинский район37465,229Chosta, Kudepsta, Mazesta2 Lasarewski RajonЛазаревский район1,744 63,894Asche, Dagomys, Jakornaja Schtschel, Loo, Magri, Makopse, Lasarewskoje, Soloniki, Wardane3 Adlerski RajonАдлерский район1,35276,534Adler, Krasnaja Poljana4
Bevölkerung + BevölkerungsentwicklungF Jahr Einwohner 1897 1.352 1926 13.000 1939 49.813 1959 95.234 1970 224.031 1979 287.353 1989 336.514 2002 328.809 2010 343.334 Volkszählungsdaten (1926 gerundet)
Die Bevölkerung Sotschis ist heute multikulturell und setzt sich aus Angehörigen zahlreicher Volksgruppen zusammen. Bei der Volkszählung 2002 lebten in Sotschi neben Russen (67,5 % der Bevölkerung) unter anderem Armenier (20,2 %), Ukrainer (3,7 %), Georgier (2,4 %), Tscherkessen (1,2 %), Griechen (1 %), Weißrussen (0,7 %), Tataren (0,5 %), sowie Angehörige zahlreicher weiterer Minderheiten, darunter Aserbaidschaner, Abchasen, Osseten und Deutsche (zumeist Russlanddeutsche).
Neben der russischen Mehrheitsbevölkerung ist insbesondere die armenische Minderheit bedeutend, sie ließ sich in mehreren Migrationswellen im Raum Sotschi seit dem 19. Jahrhundert nieder. Im Sotschier Bezirk Loo sowie im Umland der Stadt gibt es einige mehrheitlich von Armeniern bewohnte Siedlungen. Die Bevölkerung Sotschis ist seit Ende des 19. Jahrhunderts nicht nur stark angewachsen, sondern hat sich auch hinsichtlich ethnische Zusammensetzung stark verändert. Laut russischer Volkszählung von 1897 waren damals 25,7 % der Einwohner Sotschis Griechen, 24,2 % Russen, 13,8 % Tscherkessen, 11,3 % Esten, 10,8 % Moldauer und 10,6 % Georgier. Die meisten nicht-russischen Bewohner assimilierten sich im Laufe des 20. Jahrhunderts an die russische Bevölkerung. Im Sommer kommen zur permanenten Bevölkerung Sotschis neben Touristen auch zahlreiche Saisonarbeiter hinzu.
Klima
Sotschi liegt auf dem gleichen Breitengrad wie Nizza. Das Klima der Küstenzone Sotschis ist subtropisch mit langen, heißen Sommern, warmem Herbst und kurzen, milden Wintern. Ursache ist die geschützte Lage durch die nahe an das Meer herantretenden Kämme des Kaukasus, welche allerdings auch relativen Niederschlagsreichtum bedingen.
Die Jahresmitteltemperatur beträgt etwa 14 °C. Kälteste Monate sind Januar und Februar mit etwa 6 °C, wärmste Monate Juli und August mit etwa 23 °C. Die geringste je gemessene Temperatur betrug −13,4 °C (25. Januar 1892), die höchste 39,4 °C (30. Juli 2000). Im Januar wurden aber auch schon 21,2 °C gemessen (22. Januar 1948), während die Temperaturen im Juli/August noch nie unter 10 °C gefallen sind.Berechnung aus Daten der Meteorologischen Station Sotschi 1881–1995, 34 m. ü. M.; nach cliware.meteo.ruKlimadaten für Sotschi bei pogoda.ru.net.
Die durchschnittliche Wassertemperatur des Schwarzen Meeres beträgt im August 24,1 °C.Tourismusportal www.svali.ru
Die durchschnittliche jährliche Niederschlagsmenge liegt über 1600 mm (zum Vergleich Berlin: 581 mm). Ein Großteil davon fällt in den Wintermonaten mit einem Maximum von etwa 190 mm im Dezember und Januar. Das sommerliche Minimum im Mai bis Juni von immerhin noch 90 bis 100 mm geht gewöhnlich in Starkregen an nur wenigen Tagen nieder.
In den Gebirgslagen der Stadt sind insbesondere die Wintertemperaturen niedriger, so im knapp 600 Meter hoch gelegenen Krasnaja Poljana, wo die olympischen Skiwettbewerbe 2014 ausgetragen wurden, um durchschnittlich 5 bis 6 °C. Damit beträgt sie um 0 °C, in den Hochlagen entsprechend weniger. Eine geschlossene Schneedecke stellt sich im unteren Teil der Pisten gewöhnlich Mitte Januar ein und erreicht im März Höhen von zwei Metern und mehr. Im höher gelegenen Bereich erstreckt sich die Skisaison von November bis Anfang Juni.
Verkehr mini|Die Stadtautobahn von Sotschi mini|Bahnhof von Sotschi Im Stadtteil Adler, nahe der Mündung der Msymta in das Schwarze Meer, liegt der internationale Flughafen Sotschi (IATA-Flughafencode AER), den 2006 1,35 Millionen Passagiere nutzten. Im Zusammenhang mit den Olympischen Winterspielen 2014 wurde er auf eine Kapazität von vier Millionen Passagieren pro Jahr ausgebaut.
Entlang der Schwarzmeerküste führt durch Sotschi eine zweigleisige, elektrifizierte Eisenbahnstrecke mit Schnellzugstationen in allen großen Ortsteilen bis Adler. Es bestehen Direktverbindungen nach Moskau, Sankt Petersburg, Wolgograd und in viele russische Städte bis nach Sibirien.
Der Abschnitt Tuapse–Adler wurde 1929 eröffnet, die Weiterführung nach Sochumi in Abchasien, wo Anschluss an das transkaukasische Netz geschaffen wurde, 1944/45. Über diese Strecke kann auch heute noch Abchasien erreicht werden, allerdings ist die Weiterführung von Sochumi nach Georgien seit dem Abchasischen Bürgerkrieg Anfang der 1990er Jahre zerstört und außer Betrieb. Die Elektrifizierung erfolgte in den Jahren 1956 bis 1958. Verlief die Verbindung nach Zentralrussland anfangs über Tuapse–Armawir, so wurde sie 1978 mit Eröffnung einer neuen Direktverbindung (mit einem drei Kilometer langen Tunnel – Lyssogorskij-Tunnel) unter dem Kaukasushauptkamm zwischen Krasnodar und Tuapse (Kriwenkowskaja – Enem) erheblich verkürzt.
Der innerstädtische Verkehr wird mit Omnibussen, Marschrutkas (Sammeltaxis) und Vorortzügen (Elektritschkas) bewältigt. Außerdem gibt es eine Standseilbahn und mehrere Sesselbahnen (z. B. beim Botanischen Garten Dendrarium). Bis zu den Olympischen Winterspielen 2014 wurde das innerstädtische ÖPNV-Angebot massiv ausgebaut.Bericht des BBC vom 1. März 2010 (englisch), aufgerufen am 20. November 2010.
Sotschi ist an die russische Fernstraße A147 angeschlossen. Diese führt von der M4 bei Dschubga bis zur abchasischen Grenze. In Vorbereitung auf die Olympischen Winterspiele 2014 wurde auch die Stadtautobahn A148 Dubljor Kurortnogo prospekta durch Sotschi gebaut. Im Stadtteil Adler befindet sich die Fernstraße A149, die das Ski- und Urlaubsgebiet Krasnaja Poljana verbindet.
Geschichte mini|Byzantinische Kirchenruine aus dem 10. Jahrhundert im Ortsteil Loo Die Gegend um Sotschi ist seit Tausenden von Jahren besiedelt. Im 5. Jahrhundert vor Christus siedelten in der Gegend um Sotschi Griechen, die dort Handelskontakte zu einheimischen Völkern, wie etwa den Zichi und den Maioten, knüpften. Im frühen Mittelalter gehörte das Gebiet des heutigen Sotschi zum Königreich Abchasien, das im Jahr 1008 im Zuge einer dynastischen Vereinigung im Königreich Georgien aufging. Die georgische Herrschaft über das Gebiet hielt bis ins 15. Jahrhundert an; noch heute sind einige georgische Kirchen in der Nähe der Stadt erhalten. Im Ortsteil Loo steht die Ruine einer byzantinischen Basilika aus dem 11. Jahrhundert. Ab dem 15. Jahrhundert wurde die östliche Schwarzmeerküste vom Osmanischen Reich kontrolliert. Die Bewohner der Region waren hauptsächlich Ubychen, ein anderssprachiger Teilverband der Tscherkessen und Abchasen (Sads-Abchasen). Mit dem Beginn der osmanischen Oberhoheit setzte eine Islamisierung der Schwarzmeerküste ein. Diese war jedoch keinesfalls ein gewaltsamer Prozess, sondern eine über mehrere Jahrhunderte anhaltende Entwicklung. So traten die Tscherkessen und Ubychen erst im 17. Jahrhundert mehrheitlich zum Islam über, während die Islamisierung der Abchasen nie abgeschlossen wurde. Nach dem Russisch-Türkischen Krieg 1828–1829 wurde das Gebiet um Sotschi 1829 mit dem Frieden von Adrianopel vertraglich an Russland abgetreten. Die mehrheitlich muslimischen Kaukasusvölker lehnten jedoch die neuen russischen Herrscher ab, und es kam zu mehreren Rebellionen, die im fast 50 Jahre anhaltenden Kaukasuskrieg mündeten.mini|Ehemaliger Stalin-Prospekt in den 1930er-Jahren
Inmitten des Kaukasuskriegs wurde Sotschi 1838 als Fort und Siedlung Alexandrija () gegründet. In dieser Zeit entstanden auch weitere Befestigungsanlagen, die später die Kerne heutiger Stadtteile bildeten, so das Fort des Heiligen Geistes (Fort Swjatowo Ducha, 1837, heute Adler), Lasarewski und Golowinski (1839, heute Lasarewskoje und Golowinka). 1839 erfolgte auch die Umbenennung des Forts Alexandrija nach dem Namen des dort stationierten Regiments in Nawaginskoje. Die Lebensbedingungen waren aufgrund der Kampfhandlungen und der grassierenden Malaria sehr schwer.