mini|300px|Grenzach-Wyhlen im Dreiländereck

Grenzach-Wyhlen ([]) ist eine Gemeinde im Landkreis Lörrach in Baden-Württemberg im äußersten Südwesten Deutschlands. Sie wurde im Zuge der Gemeindereform in Baden-Württemberg per 1. Januar 1975 aus den Altgemeinden Grenzach und Wyhlen neu gebildet.

mini|Wyhlen mit St. Georg von Nordosten

Geographie Geographische Lage Grenzach-Wyhlen liegt am Hochrhein im Dreiländereck von Schweiz, Frankreich und Deutschland an den südlichen Ausläufern des Südschwarzwalds. In direkter Nähe liegt der Dinkelberg.

Grenzach-Wyhlen ist die am südlichsten gelegene Gemeinde von Baden-Württemberg.Grenzach-Wyhlen: Südlichster Punkt Baden-Württembergs, Gemeinde Grenzach-Wyhlen, 11. April 2019 Die Lage der Gemeinde weist sowohl die maximale Entfernung zur Landeshauptstadt (Stuttgart; ca. 177 km Luftlinie), als auch zur Bundeshauptstadt (Berlin; ca. 688 km Luftlinie) auf.

Geologie Die Gemarkung von Grenzach-Wyhlen umfasst die von Auenlehm und mit vom Dinkelberghang stammendem Schwemmlehm bedeckte Schotterebene des Hochrheins und den südwestlichsten Teil des Dinkelbergplateaus. Bei diesem dominieren die teils gebankten, teils plattigen Kalke des Oberen Muschelkalks, die in den Steinbrüchen aufgeschlossen sind. Zuoberst finden sich dolomitische Bänke mit Silexknollen, die man da und dort auf den Feldern auffindet. Mittlerer und unterer Muschelkalk bilden stellenweise die unteren Hangpartien, sind aber meist von Hangschutt überdeckt, also kaum aufgeschlossen. Vom Vorhandensein des Mittleren Muschelkalks zeugen neben dem Flurnamen Gipshalde noch Mundlöcher von Stollen, in denen nach dem hier lagernden Gips gegraben wurde (z. B. beim Markhof, im Burgackerweg und in der Rebgasse).

Die Muschelkalktafel ist auf der Gemarkung Grenzach-Wyhlen durch eine ganze Schar von meist schmalen NS-streichenden tektonischen Gräben zergliedert, die mit eingesacktem Keuper, (der über dem Muschelkalk folgenden Schichtenfolge) gefüllt sind. Außerhalb der schützenden Gräben ist der Keuper weitgehend der Abtragung anheimgefallen. Nur im Rührberg-Chrischonagebiet und auf dem Neufeld ist er noch flächenhaft vorhanden. Diese Keupergräben mit ihrem keilförmigen Querschnitt sind Begleiterscheinungen der im Tertiär erfolgten Rheingrabenbildung. Sie zeugen von zerrenden Kräften quer zur Rheingrabenachse. Von West nach Ost folgen Bettinger Graben, Grenzacher Graben, Rustelgraben, Ziegelhof-Rudishaugraben, Keusbodengraben und Rührberger Graben. Im Talbach-, Rustel- und Keusbodengraben haben Bäche die weichen Keupertone z. T. ausgeräumt, so dass diese tektonischen Gräben auch im Landschaftsbild in Erscheinung treten. Völlig nivelliert ist der Ziegelhof-Rudishaugraben. Im Grenzacher Graben (im Lenzen) hat sich sogar noch ein Rest Unterjura (Lias) erhalten.

Die Dinkelberghöhen sind stellenweise mit einer Lösslehmauflage bedeckt – großflächig südlich Rührberg und auf dem Grenzacher Oberberg. Reiner Löss kommt bei Klosterhau-Mühlerain-Unterberg über Wyhlen vor (Lösswand der Hohligass!).

Im Westen wird der Dinkelberg durch eine Flexur (Abbiegezone) begrenzt. Schon am Grenzacher Horn, einem ehemaligen Steinbruch, biegen sich die Muschelkalkschichten zum Rheingraben hin ab, werden also nicht an einer Verwerfung abgeschoben.

Der Mittlere Muschelkalk führt neben Gips (Anhydrit) auch Kochsalz. Letzteres ist über Rheinniveau längst herausgelöst, hat sich aber in der Tiefe unter dem Hochrheintal erhalten. Es wurde lange Zeit in Wyhlen als Sole zutage gefördert und war Grundlage für die dortige chemische Industrie (Firma Solvay). 1863 wurde in Grenzach in einer Tiefe von 31 Meter Mineralwasser erbohrt.

Schutzgebiete Auf dem Gemeindegebiet von Grenzach-Wyhlen liegen sowohl die Naturschutzgebiete 3018-Buchswald bei Grenzach, 3047-Altrhein Wyhlen, 3150-Ruschbachtal und 3167-Leuengraben als auch das Landschaftsschutzgebiet 3.36.003 Grenzacher Horn Diese Schutzgebiete sind in das FFH-Gebiet 8411-341 Wälder bei Wyhlen integriert, das eine Größe von 693 Hektar hat. Ein kleiner Teil des 582 Hektar großen Vogelschutzgebiets 8311-441 Tüllinger Berg und Gleusen liegt ebenfalls auf der Gemarkung von Grenzach-Wyhlen.

Nachbargemeinden

Die Gemeinde grenzt im Norden an Inzlingen, im Osten an die Stadt Rheinfelden (Stadtteile Degerfelden und Herten), ferner an die Schweizer Gemeinden Pratteln und Augst im Süden, an Muttenz und Birsfelden im Westen, alle im Kanton Basel-Landschaft und im Süden zudem an Kaiseraugst im Kanton Aargau sowie im Nordwesten an Riehen und Bettingen im Kanton Basel-Stadt.

Gemeindegliederung mini|Karte von Grenzach-Wyhlen mit Gemeindegrenzen Die Gemeinde Grenzach-Wyhlen besteht aus den ehemaligen Gemeinden Grenzach (westlicher Ortsteil) und Wyhlen (östlicher Ortsteil). Zur ehemaligen Gemeinde Grenzach gehört das Dorf Grenzach. Zur ehemaligen Gemeinde Wyhlen gehörten die Dörfer Rührberg und Wyhlen, die Siedlungen Karbidfabrik, Kraftwerk, Siedlung an der Rheinfelder Straße und Sodafabrik und die Häuser Am Schacht.

Im Gebiet der ehemaligen Gemeinde Grenzach liegen die Wüstungen Bertlikon und Büttiken sowie die abgegangene Burg Burggraben. Im Gebiet der ehemaligen Gemeinde Wyhlen liegen die Wüstungen Adaghiliniswillare, Angin, Ansoldowilare, das nicht genau lokalisiert ist und eventuell in Schopfheim liegt, Auhof, Gewert oder Gewörtinsel und Linda.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band VI: Regierungsbezirk Freiburg, Kohlhammer, Stuttgart 1982, ISBN 3-17-007174-2, S. 840–843.

Geschichte Erste Siedlungen in der heutigen Gemarkung sind keltischen Ursprungs und reichen bis in die die Hallstattzeit im frühen 1. Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung zurück. Auf die keltische Besiedlung folgte eine römische Niederlassung; ab dem 3. Jahrhundert ist eine alamannische Landnahme. Der Ortsname Wyhlen ist alamannischen Ursprungs und leitet sich vom Ausdruck ze wilon (bei den Villen, Gehöften) ab, was auf eine frühmittelalterliche Besiedlung verweist.

Der Ortsname Grenzach geht auf den römischen Gutshofnamen Carantiacum zurück.Carantiacum ist eine gallorömische Gutshofbezeichnung, gebildet mit dem Suffix -acum, das Besitzverhältnisse anzeigt. Der Personenname Carantius, auf den der Name mutmaßlich zurückgeht, wird als keltisch-römisch interpretiert, ist jedoch nicht direkt belegt. Die lautliche Entwicklung von Carantiacum zu Grenzach ist nicht vollständig dokumentiert, folgt jedoch typischen Mustern romanischer Ortsnamenswandel im südwestdeutschen Raum (z. B. Rixheim aus Ritziacum). 1982 wurden in Grenzach Reste einer römischen Villa rustica entdeckt; ein Jahr später kamen bei weiteren Untersuchungen Mauerreste eines zugehörigen Nebengebäudes zutage. Die Reste der römischen Villa wurden zwischen 1982 und 1984 unter Leitung des Landesdenkmalamts Baden-Württemberg archäologisch untersucht und dokumentiert. 1991 wurden weitere Mauern gefunden, die restauriert wurden und noch in den Becken sichtbar sind.

Die urkundliche Ersterwähnung der Siedlungen findet sich schließlich im 13. Jahrhundert. Grenzach und Wyhlen waren inzwischen unter fränkischer Herrschaft. Im späten Mittelalter trennte die Ortschaften eine Landesgrenze. Grenzach kam zur Markgrafschaft Baden, Wyhlen zu Vorderösterreich (Landschaft Rheintal in der Kameralherrschaft Rheinfelden). Seit etwa 1315 gab es in Grenzach ein Weiherschloss. Fast 250 Jahre (1491–1735) waren die Herren von Bärenfels, die in diesem Schloss residierten, ein bestimmender Faktor für das Dorf.

Im Dreißigjährigen Krieg und in späteren kriegerischen Auseinandersetzungen erlitten die Ortschaften schwere Verwüstungen. Mit der Gründung des Großherzogtums Baden wurde auch Wyhlen badisch, so dass die beiden Orte nach mehr als 500 Jahren wieder zur selben Territorialherrschaft gehörten.

Nordwestlich von Grenzach befindet sich der Rest einer prähistorischen Wehranlage, Burg Hornfels.

Schon Ende des 19. Jahrhunderts wurden in Wyhlen mit dem Kalkstein vom Dinkelberg und dem Salz aus der Saline Soda und Ammoniak produziert. Die 1880 eröffnete Sodafabrik war die erste Deutschlands, die nach dem Solvay-Verfahren produzierte.Werner Offermann: In Wyhlen am Hochrhein stand eine der ersten Sodafabriken Deutschlands. In: Das Markgräflerland, Heft 1/1982, S. 87–90 Digitalisat der UB Freiburg Das Werk der Solvay & Cie. (später: Deutsche Solvay-Werke AG) bestand bis 1953. Ein alter Bau der ehemaligen Saline ist heute noch zu sehen. Die Salubrawerke stellten unter Leitung ihres künstlerischen Direktors, des Baslers Heinrich Weber, bunte Tapeten her. Im späten 19. Jahrhundert gründeten auch bedeutende Schweizer Unternehmen in Grenzach Niederlassungen, insbesondere 1896 die F. Hoffmann-La Roche AG und 1898 die Firma Joh. Rudolf Geigy & Co.Arlette Schnyder: Grenzach-Wyhlen. In: Gemeinde Lexikon Riehen.

Die heutige Gemeinde Grenzach-Wyhlen entstand am 1. Januar 1975 durch den Zusammenschluss der ehemals selbstständigen Gemeinden Grenzach und Wyhlen im Zuge der baden-württembergischen Gebietsreform.

Politik Die Gemeinde ist eine Einheitsgemeinde ohne Ortschaftsräte und ohne unechte Teilortswahl.Hauptsatzung der Gemeinde Grenzach-Wyhlen

Gemeinderat Der Gemeinderat in Grenzach-Wyhlen besteht aus 22 Mitgliedern und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt. Die Kommunalwahlen in Baden-Württemberg 2024 führte zu folgendem Endergebnis:

Parteien und Wählergemeinschaften %2024 Sitze2024FWFreie Wähler Grenzach-Wyhlen23,75GRÜNEBündnis 90/Die Grünen19,74CDUChristlich Demokratische Union Deutschlands18,54SPDSozialdemokratische Partei Deutschlands16,74FDPFreie Demokratische Partei13,73AfDAlternative für Deutschland7,72gesamt100,022Wahlbeteiligung53,6 %

Darüber hinaus die Wahlergebnisse seit der Gemeindefusion: 20242019201420092004199919941989198419801975Wahlbeteiligung54,6 %53,4 %44,3 %44,3 %45,4 %48,3 %59,0 %n. b.56,0 %57,24 %61,9 %ParteiSitze%Sitze%Sitze%Sitze%Sitze%Sitze%Sitze%Sitze%Sitze%Sitze%Sitze%FW523,7520,3418,8315,7417,9523,5 - - - - - - - - - -GRÜNE419,7524,2420,0316,8312,7211,0312,9314,2312,616,0 - -CDU418,5522,8625,4522,4625,5521,8628,2627,3627,4834,9833,2SPD416,7417,0523,5521,6524,5625,3835,6732,8729,0731,0837,7FDP313,7315,7312,3623,5417,9418,4523,3625,7628,4626,6629,1AfD27,7 - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -Demokratische Liste - - - - - - - - - - - - - - - -02,6 - - - -DKP - - - - - - - - - - - - - - - - - -01,1 - -NPD - - - - - - - - - - - - - - - - - -00,4 - -gesamt2210022100221002210022100221002210022100221002210022100 mini|hochkant=1.1|Rathaus im Ortsteil Grenzach

Bürgermeister mini|Rathaus im Ortsteil Wyhlen Seit der Fusion von Grenzach und Wyhlen gab es drei Bürgermeister:Bürgermeister von Wyhlen, Grenzach und Grenzach-Wyhlen, auf zeitzeugengw.de

1975–1999: Hans-Joachim Könsler 1999–2014: Jörg Lutz (parteilos) seit 2014: Tobias Benz (CDU)

Bürgermeister ist seit dem 1. Dezember 2014 Tobias Benz (CDU). Er wurde bei seiner ersten Wahl am 26. Oktober 2014 von CDU, SPD und FDP unterstützt und mit 50,4 Prozent der Stimmen gewählt. Bei der Bürgermeisterwahl am 23. Oktober 2022 wurde er mit 97,2 Prozent der Stimmen für eine zweite Amtszeit wiedergewählt. Von 1999 bis 2014 war der parteilose Jörg Lutz Bürgermeister von Grenzach-Wyhlen; er wurde 2007 mit etwa 98 Prozent der Stimmen wiedergewählt. Im Juli 2014 wurde er zum Oberbürgermeister von Lörrach gewählt.

Bürgermeister von Wyhlen bis 1974

1898–1908: Wilhelm Deschler 1908–1911: Franz Xaver Böhler 1911–1920: Kornel Böhler 1920–1922: Herbert Pfeiffer 1922–1934: Wilhelm Voegele 1934–1943: Heribert Mutter 1943–1945: Franz Anton Deschler 1945–1948: Wilhelm Voegele 1946–1968: Johann Boll 1968–1971: Bernhard Schott (Amtsverweser) 1971–1974: Hans-Joachim KönslerBürgermeister von Grenzach bis 1974

1872–1905: August Oertlin 1906–1924: Johann Ernst Blubacher 1924–1934: Hermann Barth 1934–1937: Albert Karl Friedrich Schmidt 1938–1945: Fridolin Philipp 1945–1957: Jakob Ewelshäuser