Das Unternehmen Olympus K.K. (jap. , Orimpasu Kabushiki-gaisha, engl. Olympus Corporation), gelistet im Nikkei 225, ist ein japanischer Hersteller opto-digitaler Produkte für den Geschäfts- und Freizeitbereich sowie für Medizin, Wissenschaft und Industrie. Die Produktsparten Kameras, Audio-Recorder und Ferngläser wurden im Januar 2021 als eigenständiges Unternehmen OM Digital Solutions ausgegliedert.
Geschichte Entstehung mini|Olympus 35 DC von 1971 mini|Olympus E-1 von 2003: Die erste Kamera nach dem Four-Thirds-Standard
Am 12. Oktober 1919 gründeten der Anwalt Takeshi Yamashita und dessen Partner Shintaro Terada das Unternehmen Takachiho Seisakusho. Takachiho steht für einen Berg in Japan, auf dessen Gipfel der japanischen Mythologie nach die Götter wohnen. Der spätere Name Olympus, den man 1921 erstmals als Markenname und ab 1949 als offiziellen Firmennamen einführte, wurde im Zuge der Expansion in Anlehnung an den griechischen Götterberg gewählt, da dieser Begriff international eher bekannt war.Zur Namensgeschichte Achim Lichtenberger: Der Olymp. Sitz der Götter zwischen Himmel und Erde. W. Kohlhammer, Stuttgart 2021, ISBN 978-3-17-039616-6, S. 16 f.
Zu den Produkten zählten anfangs Mikroskope und bis 1923 auch Thermometer. 1935 wurde zur Erforschung von Kameraobjektiven das Mizuho Optical Research Center eröffnet.
Internationale Expansion und Erweiterung des medizinischen Sektors Ab den 1960er-Jahren folgten weltweit sukzessive Unternehmensgründungen, darunter die Europazentrale Olympus Europa GmbH (1963), die Nordamerika-Zentrale Olympus Corporation of America (1968) und diverse weitere regionale Zweigniederlassungen, zuletzt Olympus Belgium (2004).
Mit dem Hamburger Hersteller für minimalinvasive Endoskopie-Systeme, Winter & Ibe, wurde 1975 ein Forschungs- und Entwicklungsvertrag abgeschlossen. Die beiden Unternehmen kooperierten fortan, 1979 beteiligte sich Olympus schließlich mehrheitlich an dem Unternehmen, das fortan als Olympus Winter & Ibe GmbH firmierte. Damit wurde die Grundlage des Olympus Surgical Business geschaffen.
Seit 1978 gehört der britische Medizintechnik-Anbieter Keymed Ltd. zur Olympus-Gruppe, ein Jahr später auch Son Ciné Optique Photo S.A. in Frankreich.
Mit dem Hersteller von Medizintechnik, Ethicon Endo Surgery, kam es 1992 zu einer strategischen Allianz. 1993 schloss sich die Flemming GmbH der Olympus-Gruppe an. Die Olympus Diagnostica GmbH, ein Anbieter von Diagnosegeräten in Umkirch, wurde 1994 gegründet, d. h. im selben Jahr wie die in Hamburg ansässige Olympus Software Europe GmbH. Ebenfalls in Hamburg gründete man 1996 das Dienstleistungsunternehmen Olympus Endo-Repair Europe GmbH. Die Olympus Medical Care Kft. wurde 2000 in Ungarn gegründet. In Planegg gründete man 2001 die Olympus BioSystems GmbH, einen Hersteller von bildgebenden Systemen für biologische Anwendungen. 2004 erfolgte eine Mehrheitsbeteiligung an der Celon AG.
2005 übernahm Olympus die Advalytix AG, ein Biotechnologie-Unternehmen. Außerdem erfolgte unter dem Dach der Olympus Europa Holding GmbH eine Neuorganisation von Olympus Europa. Die Holding erhielt 2006 einen Aufsichtsrat unter dem Vorsitz von Hans-Joachim Winter.
Im Jahre 2007 übernahm Olympus den britischen Medizintechnikhersteller Gyrus ACMI, und es wurde das Forschungs- und Entwicklungszentrums Olympus Life Science Research Europa GmbH eröffnet. Im folgenden Jahr folgte die Eröffnung des Olympus Medical Training Centre bei der Olympus Winter & Ibe GmbH. Die Firma Beckman Coulter übernahm 2009 die Olympus Diagnostic GmbH.
Bilanzskandal 2011 und Neuorientierung des Konzerns ab 2020 Zu einem Skandal kam es 2011, als der CEO Michael Woodford unternehmensintern die Bilanzierung des Unternehmens kritisierte und daraufhin entlassen wurde. Daraufhin veröffentlichte Woodford seine Erkenntnisse und in der Folge musste das Unternehmen Bilanzfälschungen einräumen. „Olympus gibt Bilanzfälschung zu“ abgerufen am 8. November 2011Stefan Schulz: Falsche Bilanzen bei Olympus – Allein unter Schweigern auf Spiegel Online am 10. November 2011 In der Folge leitete die Tokioter Polizei Ermittlungen ein, um dem Vorwurf der Verheimlichung von Verlusten bei Wertpapiergeschäften aus den 1990er-Jahren nachzugehen. Es kam heraus, dass über mehr als ein Jahrzehnt Anlageverluste von 117,7 Milliarden Yen (1,17 Milliarden Euro, Stand 2012) in der Bilanz verschleiert wurden.Sony steigt bei Olympus ein auf heise.de vom 28. September 2012. Der ehemalige Unternehmenschef Tsuyoshi Kikukawa, ein Buchprüfer und ein Topmanager gestanden die Taten vor Gericht.Olympus: Ex-Chef bekennt sich schuldig auf heise.de vom 25. September 2012. Das Unternehmen geriet in eine Krise, 2012 erwarb Sony ein größeres Olympus-Aktienpaket und war mit 11,46 % Stimmrechtsanteil wichtiger Aktionär.spiegel.de vom 28. September 2012, Sony investiert halbe Milliarde in Olympus, abgerufen am 22. November 2020. Sony reduzierte den Anteil später auf 5 %.wallstreet-online.de vom 9. September 2019, Sony gibt Olympus-Anteil frei, abgerufen am 22. November 2020.
Nachdem Olympus 2019 sein 100-jähriges Firmenjubiläum gefeiert hatte, wurde am 24. Juni 2020 verlautbart, dass sich Olympus von seiner Kamerasparte trennen will. Im September 2020 wurde ein Vertrag mit Japan Industrial Partners (JIP) geschlossen, der die Ausgründung der Produktsparten Kameras, Audio-Recorder und Ferngläser als eigenständiges Unternehmen OM Digital Solutions regelte. Die Entscheidung wurde damit begründet, dass die Kamerasparte dem Konzern drei Jahre in Folge Verluste einbrachte und zu diesem Zeitpunkt nur noch zu 5 Prozent des Konzernumsatzes beitrug. Künftig wolle Olympus sich fast ausschließlich auf medizinische Ausrüstung konzentrieren. Im September 2019 hatte Sony seinen Rest-Anteil verkauft.
Am 1. Januar 2021 wurden 95 % der Anteile an OM Digital Solutions an die OJ Holdings, Ltd übertragen, eine eigens dafür gegründete Tochter von JIP. Die restlichen 5 % blieben im Besitz von Olympus.
Konzernstruktur Die Konzernzentrale befindet sich in Shinjuku, Tokio, während die Hauptzentrale für den amerikanischen Kontinent in den USA in Center Valley, Pennsylvania, liegt. Die Europa-Zentrale befindet sich in Hamburg, Deutschland.
Olympus in Europa
mini|Olympus Europe Headoffice in Hamburg In Europa werden die Geschäfte von der 100-prozentigen Tochter Olympus Europa SE & Co. KG mit Sitz in Hamburg geführt. Unter dem Dach der Holding sind folgende Unternehmen vereint: Olympus Deutschland GmbH, Olympus Imaging Europa GmbH, Olympus Soft Imaging Solutions GmbH, Olympus Medical Systems Europa GmbH und die Olympus Winter & Ibe GmbH.
Seit dem 1. April 2010 hat Olympus seine Medizinprodukt-Bereiche für minimalinvasive Diagnostik und Therapie in Europa unter der Dachmarke Olympus Surgical Technologies Europe gebündelt. Dazu gehören die Unternehmen: Olympus Winter & Ibe GmbH, die Celon AG, Olympus Medical Products Czech SPOL. S.R.O.Olympus Winter & Ibe GmbH formiert Unternehmensgruppe unter einem Dach: Olympus Surgical Technologies Europe. Pressemitteilung des Konzerns vom 1. April 2010. Abgerufen am 5. April 2014. Zum 1. Januar 2011 folge die Gyrus Medical GmbH Pressemitteilung des Konzerns vom 1. Januar 2011. Abgerufen am 21. Juli 2014 unter dieses Dach und zum 1. April 2011 folgte Olympus Surgical UK.Gyrus Medical GmbH unter der Dachmarke Olympus Surgical Technologies Europe. Pressemitteilung des Konzerns vom 1. Januar 2011. Abgerufen am 5. April 2014.
Darüber hinaus ist Olympus in fast allen europäischen Ländern mit Vertriebs-, Service- und Produktionsgesellschaften vertreten.olympus.de Die ungefähr 4500 Mitarbeiter der Olympus-Europa-Gruppe – mehr als 1500 sind davon in Hamburg tätig – erwirtschafteten im Geschäftsjahr 2012/13 einen Umsatz von 1,413 Milliarden Euro.Über Olympus: Unternehmensstruktur auf olympus.de
Produktpalette Zum Produktportfolio von Olympus gehören analoge sowie digitale Kameras wie die Olympus OM-D E-M1 und andere Kameras im Micro-Four-Thirds-Standard. Daneben bietet Olympus starre sowie flexible Endoskope für Medizin und Industrie, Mikroskope sowie High-Speed-Video und NDT-Geräte und ist marktführend im Bereich digitaler Diktiergeräte.
Kameras Kleinbildkameras Sucherkameras Olympus stieg 1936 mit der „Semi-Olympus I“ in den Fotomarkt ein. auf olypedia.de Bei diesem Modell handelte es sich um eine Balgenkamera für 120er-Rollfilm mit einem Zuiko-75/1:4,5-Objektiv. Letzteres war bei dieser Kamera noch die einzige Entwicklung aus dem Haus Olympus. Gehäuse und Verschluss kamen noch von anderen Herstellern. Zwei Jahre später erschien die komplett eigenständig entwickelte „Semi-Olympus II“. Zu den 6 × 6-Rollfilmformat-Kameras gehörten auch die Modelle der Olympus-Six-Serie – von denen zwischen 1939 und 1955 acht verschiedene Modelle produziert wurden – sowie die zweiäugigen Spiegelreflexkameras der Flex-Serie (fünf Modelle, 1952–1956). auf olypedia.de
1948 stellte das Unternehmen mit der Olympus 35 I seine erste 35-mm-Kamera auf dem japanischen Markt vor. Sie war kompakt, leicht und erlaubte Aufnahmen in schneller Folge, wodurch sie bald den Beinamen „Pickpocket“ erhielt, da sie ihre Arbeit so schnell wie ein Taschendieb (engl. pickpocket) verrichtete. Zu den 35-mm-Modellen gehörten später auch spezielle Weitwinkelkameras – zum Beispiel mit eingebautem Belichtungsmesser, Wechselobjektiven, Belichtungsautomatik, Autofokus, eingebautem Blitz, wetterfestem Gehäuse, zwei wechselweise einschaltbaren Objektiven (Weitwinkel und Tele), Quarzdatum, wählbarem Panoramamodus und vielen anderen Eigenschaften. Zum Teil handelte es sich dabei um Weltneuheiten.
mini|Olympus PEN-FT mini|Olympus Ecru – limitierte Sucherkamera von 1991 mini|Analoge Olympus µ-1 (oben) und digitale C1 c-you Olympus schuf mit den Sucherkameras der Modellreihen Trip und PEN (für Halbformat) einige der am längsten produzierten Kamerareihen überhaupt. Einer der wichtigsten Entwickler der PEN-Reihe war Yoshihisa Maitani (1933–2009). Mit der bekannten XA-Reihe (XA1, XA, XA2, XA3 und XA4) brachte Olympus eine kompakte, gut gestaltete Sucherkamera mit guten technischen Eigenschaften und Kunststoffgehäuse auf den Markt, die als eine der ersten modernen Serienkameras einen fest angebauten und damit unverlierbaren Schutzschieber besaß, der nicht nur das Objektiv schützte, sondern zugleich erst beim Öffnen die Belichtungsmessung aktivierte und den Auslöser freigab.
Bemerkenswert waren auch die Objektive selbst, die – angesichts ihrer hervorragenden optischen Eigenschaften und Lichtstärke – sehr kurz und kompakt gebaut waren. Dadurch blieben sie auch in aufnahmebereiter Position mit der Frontlinse merklich hinter der vom Objektivschieber und seinem Gegenstück gebildeten Ebene und waren so bis zu einem gewissen Grad gegen mechanische Angriffe und Streulicht geschützt.
Ein Blitz wurde serienmäßig mitgeliefert und konnte per Gewindeschraube seitlich am Kameragehäuse angebracht werden. Die weit von der optischen Achse des Objektivs entfernte Positionierung führte dazu, dass die Ausleuchtung für eine Kompaktkamera recht plastisch war und die lästigen roten Augen zuverlässig verhindert wurden.
Als Nachfolger der XA-Modelle wurde 1991 die µ-1 mit Autofokus, integriertem Blitz und motorischem Filmtransport eingeführt. Ebenfalls 1991 wurde die Olympus Ecru, ein auf weltweit 20.000 Stück limitiertes Sondermodell, in außergewöhnlichem Design herausgebracht (davon 10.000 Stück für den japanischen Markt). Die Ecru ist eine vollautomatische Kompaktkamera mit 35-mm-Objektiv. 1997 erschien die µ[mju:]-II- (mit einem Zuiko 35/2,8, das zum Transport im Kameragehäuse versenkt und erst beim Auslösen in seine Schärfeposition ausgefahren wurde) und seit 2002 verschiedene µ[mju:]-III-Modelle. Die µ[mju:] ist mit 25 Millionen Stück heute die weltweit meistverkaufte Kompaktkamera für 35-mm-Film.
Spiegelreflexkameras