Die Colorado Avalanche (IPA: ) ist ein US-amerikanisches Eishockeyfranchise der National Hockey League aus Denver im Bundesstaat Colorado. Es wurde 1972 als Franchise der World Hockey Association unter dem Namen Québec Nordiques gegründet und nahm zum Beginn der Saison 1972/73 den Spielbetrieb auf. Nach der Auflösung der WHA im Jahr 1979 wurden die Nordiques gemeinsam mit drei weiteren Teams in die NHL aufgenommen, wo sie zur Saison 1979/80 erstmals antraten. Vor der Saison 1995/96 erfolgte der Umzug und die Umbenennung in den derzeitigen Namen. Die Teamfarben sind Burgund, Stahlblau, Schwarz, Silber und Weiß.
Die Avalanche trägt ihre Heimspiele in der Ball Arena aus und ist das einzige Franchise, das in den Rocky Mountains beheimatet ist. Die Avalanche entwickelte sich nach dem Umzug aus Québec zu einem der besten Teams der Liga und gewann 1996, 2001 und 2022 den Stanley Cup, sowie 1997 und 2001 die Presidents’ Trophy. Die von 1996 bis 2003 erspielten Divisions-Titel sind bis heute die meisten aufeinander folgenden Divisions-Titel in der Geschichte der NHL.espn.com, Nach dem Lockout der NHL-Saison 2004/05 und der Einführung einer Gehaltsobergrenze musste sich das Team von einigen Leistungsträgern trennen und fiel in der Folge vorerst ins Mittelmaß. 2022 errang man dann den dritten Titel der Franchise-Geschichte.
Geschichte Ursprünge des Franchises in Québec (1972–1995)
mini|130px|links|Logo der Québec Nordiques. Im Jahr 1972 nahm die Eishockeyliga World Hockey Association ihren Spielbetrieb auf und mit ihr entstanden auch die Québec Nordiques. 1977 gewannen die Nordiques die Avco World Trophy. Das Aus für die WHA kam zwei Jahre später und neben den Nordiques wurden die Edmonton Oilers, Hartford Whalers und die Winnipeg Jets in die National Hockey League übernommen.
Von 1981 bis 1987 qualifizierte sich das Team in die Play-offs, danach hatte die Mannschaft sowohl sportliche als auch finanzielle Probleme. Von 1988 bis 1992 belegten die Nordiques stets den letzten Platz der Adams Division und von 1989 bis 1991 dreimal in Folge den letzten Platz der gesamten Liga. Dadurch erlangten sie allerdings das Privileg, sehr früh im NHL Entry Draft Spieler auswählen zu können. Nachdem das Team 1987 Joe Sakic auswählte, verpflichteten sie in den sportlich erfolglosen Jahren junge Talente wie Mats Sundin, Owen Nolan und Eric Lindros. Da Lindros nicht für das franko-kanadische Team spielen wollte, wurde er 1992 zu den Philadelphia Flyers transferiert, wodurch die Nordiques unter anderem die Transferrechte am schwedischen Talent Peter Forsberg erhielt. Das Team entwickelte sich zu einem Kandidaten für den Stanley Cup.
Trotz des Erfolges auf dem Eis hatte das Team weiterhin finanzielle Sorgen. Der damalige Teambesitzer Marcel Aubut entschloss sich 1995 zu einem Verkauf des Teams an die COMSAT Corporation, nachdem finanzielle Hilfe von Seiten kommunaler Stellen abgelehnt wurde. Im Sommer 1995 wurde das Franchise nach Denver, im US-Bundesstaat Colorado umgesiedelt und in Colorado Avalanche umbenannt.
Sofortiger Erfolg in Denver (1995–2000) mini|links|hochkant|Joe Sakic spielte von 1988 bis 2009 für das Québec/Colorado-Franchise. Er hält alle relevanten Scoring-Rekorde und war 17 Spielzeiten lang Mannschaftskapitän. Nach dem Kauf des Franchise ging der Besitz des Teams in COMSATs neu gegründete Tochtergesellschaft Ascent Entertainment Group über. 80 % der Aktien wurden von COMSAT gekauft, der Rest war auf der elektronischen Börse NASDAQ verfügbar.
Die Colorado Avalanche (Spitzname Avs) wurde in die Pacific Division gesetzt und trug ihr erstes Spiel am 6. Oktober 1995 in Denvers McNichols Sports Arena, der ehemaligen Heimspielstätte der Colorado Rockies, gegen die Detroit Red Wings aus. Die Avalanche gewann die Partie mit 3:2, Waleri Kamenski erzielte dabei sowohl Colorados erstes NHL-Tor als auch kurz vor Schluss den spielentscheidenden Treffer.avalanchedb.com,
Der Kader um die Stürmer Joe Sakic und Peter Forsberg wurde am 6. Dezember 1995 um All-Star-Torwart Patrick Roy verstärkt. Roy spielte bis zu diesem Zeitpunkt seit der NHL-Saison 1985/86 bei den Montréal Canadiens und gewann mit diesem Team 1986 sowie 1993 den Stanley Cup sowie mehrere persönliche Auszeichnungen. Nach einer Partie der Canadiens am 2. Dezember 1995 gegen die Detroit Red Wings, in der Roy neun Gegentore zuließ, fühlte sich der Torwart von Montréal-Trainer Mario Tremblay so gedemütigt, dass er noch während der laufenden Partie Canadiens-Präsident Ronald Corey mitteilte, er werde nie wieder für die Montréal Canadiens spielen. Vier Tage später wurde Patrick Roy zusammen mit Montréals Mannschaftskapitän Mike Keane zur Colorado Avalanche transferiert, die Canadiens erhielten im Gegenzug den Torhüter Jocelyn Thibault, sowie die Stürmer Martin Ručínský und Andrei Kowalenko.canada.com,
Die Avs beendeten die reguläre Saison der Spielzeit 1995/96 mit 47 Siegen aus 82 Spielen. Colorados 104 Tabellenpunkte waren die Meisten der Pacific Division sowie die Zweitmeisten der Western Conference. In den anschließenden Play-offs bezwang Colorado nacheinander die Vancouver Canucks, die Chicago Blackhawks sowie Presidents’-Trophy-Gewinner Detroit Red Wings. Im Meisterschaftsfinale traf die Avalanche auf den Sieger der Eastern Conference. Nach einem 4:0-Sweep gegen die Florida Panthers gewann das Québec/Colorado-Franchise seinen ersten Stanley Cup. Colorados Mannschaftskapitän Joe Sakic wurde als wertvollster Spieler mit der Conn Smythe Trophy ausgezeichnet, nachdem er in den 22 Play-off-Spielen der Avalanche 18 Tore und insgesamt 34 Scorerpunkte erzielte. Durch den Stanley-Cup-Erfolg wurden die Spieler Alexei Wassiljewitsch Gussarow, Waleri Wiktorowitsch Kamenski und Peter Forsberg in den Triple Gold Club aufgenommen.
Stanley-Cup-Sieger 199680px|Logo der Colorado AvalancheTorhüter: Stéphane Fiset, Patrick Roy
Verteidiger: Adam Foote, Alexei Gussarow, Jon Klemm, Uwe Krupp, Sylvain Lefebvre, Curtis Leschyshyn, Sandis Ozoliņš, John Slaney, Craig Wolanin
Angreifer: René Corbet, Adam Deadmarsh, Peter Forsberg, Dave Hannan, Waleri Kamenski, Mike Keane, Claude Lemieux, Troy Murray, Mike Ricci, Warren Rychel, Joe Sakic, Chris Simon, Stéphane Yelle, Scott Young
Cheftrainer: Marc Crawford General Manager: Pierre Lacroix
mini|hochkant|Der Schwede Peter Forsberg gewann 1996 und 2001 mit den Avs den Stanley Cup. 2003 erhielt er zudem die Hart Memorial Trophy sowie die Art Ross Trophy. In der NHL-Saison 1996/97 gewann die Avalanche erstmals in ihrer Geschichte die Presidents’ Trophy, nachdem die Mannschaft nach 82 Spielen 49 Siege und 107 Punkte vorweisen konnte. Darüber hinaus war Colorado mit im Schnitt 3,38 erzielten Toren das torgefährlichste Team der National Hockey League. In den Play-offs gewann die Colorado Avalanche die ersten beiden Runden gegen die Chicago Blackhawks und die Edmonton Oilers und schied im Conference-Finale gegen den späteren Stanley-Cup-Sieger Detroit Red Wings aus. Im Anschluss an diese Spielzeit unterschrieb Joe Sakic als Restricted Free Agent einen so genannten Offer Sheet, eine Art Vertragsangebot. Der angebotene Vertrag kam von den New York Rangers, hatte eine Laufzeit von drei Jahren und sprach Sakic ein jährliches Festgehalt von 7 Millionen US-Dollar zu.legendsofhockey.net, Auf Grund der in den NHL-Regularien festgelegten Bindung zum aktuellen Verein als Restricted Free Agent hatte die Colorado Avalanche eine Woche Zeit, ein gleichwertiges Angebot zu unterbreiten, um den Spieler im Team zu halten, was sie auch taten. Die hohe Gehaltsaufstockung für ihren Kapitän – von vorher 3,1 Millionen US-Dollar pro Spielzeit auf 7 Millionen US-Dollar – ebnete den Weg für viele weitere Gehaltserhöhungen in der NHL.tsn.ca,
Für die während der Saison 1997/98 stattfindenden Olympischen Winterspiele 1998 in Nagano stellten die Avs zehn Spieler ab. Zudem trainierte Colorados Cheftrainer Marc Crawford bei diesem Turnier die kanadische Nationalmannschaft. Vier Spieler kehrten mit Medaillen aus Nagano zurück: Milan Hejduk gewann mit der tschechischen Nationalmannschaft die Goldmedaille, Alexei Gussarow und Waleri Kamenski erspielten sich mit der russischen Auswahl die Silbermedaille und Jari Kurri gewann mit den Finnen die Bronzemedaille. In der Meisterschafts-Endrunde der Saison 1997/98 schied Colorado unerwartet in der ersten Runde gegen die Edmonton Oilers aus.The Sporting news, Nach der Spielzeit lehnte Trainer Marc Crawford eine Vertragsverlängerung um zwei Jahre ab.Rocky Mountain News, Fünf Tage darauf wurde mit Bob Hartley ein neuer Cheftrainer vorgestellt.The Washington Post,
Zu Beginn der NHL-Saison 1998/99 wurden die Avs im Zuge der Ligaerweiterung um die Nashville Predators in die Northwest Division versetzt. Colorado beendete die reguläre Saison mit 44 Siegen auf dem zweiten Platz der Western Conference. In dieser Spielzeit gelang der Avalanche zwischen Januar und Februar 1999 mit 12 Siegen am Stück die längste Siegesserie in der Franchisegeschichte.avalanche.nhl.com, S. 152, (10,89 MB) Die beiden Rookies Chris Drury und Milan Hejduk wurden in das NHL All-Rookie Team gewählt; Drury erhielt zudem die Calder Memorial Trophy als bester Neuprofi der gesamten Liga. In den Play-offs dieser Saison schieden die Avs nach 1997 erneut im Conference-Finale gegen den späteren Stanley-Cup-Sieger aus, dieses Mal unterlag Colorado den Dallas Stars, nachdem die Mannschaft in den beiden Runden zuvor die San Jose Sharks und die Detroit Red Wings bezwang.
Das für 160 Millionen US-Dollar errichtete Pepsi Center ist seit der Saison 1999/2000 Colorados neue Heimspielstätte. Das erste Spiel im Pepsi Center gewannen die Avs gegen die Boston Bruins mit 2:1. Die Avalanche verstärkte sich vor Beginn der Play-offs mit Abwehrspieler Raymond „Ray“ Bourque sowie Stürmer Dave Andreychuk von den Bruins. Boston erhielt im Gegenzug die Spieler Brian Rolston, Martin Grenier, Samuel Påhlsson sowie einen Erstrunden-Draftpick. Bourque absolvierte seit 1979 1518 Spiele für die Bruins und war zum Zeitpunkt des Transfers punktbester Verteidiger der NHL-Geschichte. Ein Stanley-Cup-Erfolg in Boston blieb ihm jedoch in 21 Jahren bei den Bruins verwehrt, woraufhin er im März 2000 um einen Vereinswechsel zu einem Titelfavoriten bat.sportsillustrated.com, Mit den neuen Spielern erreichten die Avs nach Siegen über die Phoenix Coyotes und die Detroit Red Wings zum vierten Mal in fünf Jahren das Conference-Finale. Dort unterlag Colorado wie im Jahr zuvor den Dallas Stars.
Verkauf des Teams und ein zweiter Titel (2000–2003) 1997 wurde die Ascent Entertainment Group, der neben der Colorado Avalanche auch das Basketball-Franchise Denver Nuggets gehörte, von der Muttergesellschaft COMSAT Corporation für 755 Millionen US-Dollar an Liberty Media verkauft. Im Jahr 2000 erwarb der Immobilien-Tycoon Stan Kroenke von Liberty für 450 Millionen US-Dollar die Rechte an der Avalanche, den Nuggets und dem Pepsi Center.fundinguniverse.com, Zuvor versuchte Ascent, die Teams an die Wal-Mart-Erben Bill und Nancy Laurie zu verkaufen. Das Geschäft scheiterte jedoch an den Aktionären, die den Kaufpreis von 400 Millionen US-Dollar als zu niedrig erachteten. Daraufhin verkaufte die Ascent Entertainment Group die Rechte für 461 Millionen US-Dollar an den Finanz-Tycoon Donald Sturm. Die Stadt Denver weigerte sich, die Grundstücksrechte auf dem das Pepsi Center steht, an Sturm abzutreten, da er keine Garantie darauf geben konnte, dass die Teams auch nach einem eventuellen Tod Sturms oder einem Verkauf der Franchises in Denver beheimatet bleiben. Stan Kroenke gab der Stadt Denver das Versprechen, beide Mannschaften mindestens 25 Jahre in der Stadt zu behalten, worauf er, trotz des um 11 Millionen US-Dollar niedrigeren Kaufpreises, den Zuschlag erhielt.bizjournals.com,
mini|hochkant|Torwart Patrick Roy spielte von 1995 bis zu seinem Karriereende 2003 für die Avalanche. 2001 gewann er die Conn Smythe Trophy.