Wardenburg ist eine Gemeinde im Landkreis Oldenburg im nordwestlichen Niedersachsen.
Geografie Geografische Lage Wardenburg liegt im Nordwesten des Naturparks Wildeshauser Geest südlich der Stadt Oldenburg. Durch das Gemeindegebiet fließen die Hunte, die Lethe und die Streeker Fleth. Nördlich grenzt die Gemeinde Wardenburg an den Küstenkanal, östlich und damit jenseits der Hunte an die Osenberge.
Die Gemeinde Wardenburg grenzt im Norden an die Gemeinde Edewecht und die Stadt Oldenburg, im Osten an die Gemeinde Hatten, im Süden an die Gemeinden Großenkneten und Garrel und im Westen an die Gemeinde Bösel.
Gemeindegliederung Zur Gemeinde Wardenburg gehören folgende Ortschaften: Achternholt Achternmeer Astrup Benthullen Charlottendorf Ost Charlottendorf West, gegr. 1910 Harbern I, gegr. 1935 Harbern II, gegr. 1948 Höven Hundsmühlen Klein Bümmerstede Littel Oberlethe Südmoslesfehn Tungeln Wardenburg Westerburg Westerholt
Oberflächengewässer, Moore und andere Feuchtgebiete Das Gemeindegebiet von Wardenburg gehört hydrologisch zum Einzugsgebiet der Hunte und damit zum Flusssystem der Weser.
Es liegt in der Hunte-Leda-Moorniederung und ist durch zahlreiche Fließgewässer, Gräben und Kanäle geprägt, die der Entwässerung, landwirtschaftlichen Nutzung und dem Hochwasserschutz dienen.
Die Hunte berührt das Gemeindegebiet im Osten und Norden und bildet abschnittsweise die Grenze zur Stadt Oldenburg. Sie prägt die Niederungslandschaft mit Auen und Feuchtgebieten und ist Hauptvorfluter der Region. Wichtigster Nebenfluss im Gemeindegebiet ist die Lethe, die den südlichen Teil entwässert. Weitere Gewässer sind unter anderem Bümmersteder Fleth/Osternburger Kanal und das Wardenburger Sieltief. Stillgewässer wie der Tillysee besitzen vor allem landschaftsökologische Bedeutung.
Wardenburg zählt zu den moorreichen Landschaftsräumen Nordwestdeutschlands. Bedeutende Schutzgebiete sind das Naturschutzgebiet Benthullener Moor (NSG WE 156, ca. 270 ha) mit Hochmoor- und Feuchtgrünlandflächen sowie das Naturschutzgebiet Wardenburger Moor (ca. 150 ha), das überwiegend aus Nieder- und Hochmoorrestflächen besteht. Teilflächen des Jeddeloher Moor (NSG WE 226) reichen in das Gemeindegebiet hinein. Entlang von Hunte und Lethe bestehen weitere Feuchtgebiete und Schutzflächen, darunter das Naturschutzgebiet Mittlere Hunte (NSW WE 319).
Die Region ist durch hochwassergefährdete Niederungen und entwässerte Moorstandorte geprägt. Historische Moorentwässerung und landwirtschaftliche Nutzung führten zu Grundwasserabsenkungen, Torfzersetzung und CO₂-Freisetzung. Hochwasserereignisse – insbesondere im Winter 2023/24 – machten verstärkte Ufersicherungs- und Deichmaßnahmen erforderlich. Parallel dazu werden in Moorgebieten Wiedervernässungsprojekte umgesetzt, um Wasserstände anzuheben, Emissionen zu reduzieren und typische Moorlebensräume zu stabilisieren.
Untergrundverhältnisse
Wardenburg liegt in der Norddeutschen Tiefebene und ist geologisch durch quartäre Lockersedimente geprägt, die während der Saale- und Weichsel-Kaltzeit abgelagert wurden.
Der oberflächennahe Untergrund besteht überwiegend aus Sanden, Kiesen, Schluffen und Geschiebelehmen glazialen Ursprungs, die tertiäre Ton-, Schluff- und Sandablagerungen überlagern. Mächtige Sand- und Kieslagen besitzen eine besondere hydrogeologische Bedeutung, während tonige Zwischenschichten lokal als Grundwasserhemmer wirken.
Hydrogeologisch gehört Wardenburg zum Lockergesteins-Grundwasserleiter-System der Norddeutschen Tiefebene. Der oberflächennahe Grundwasserleiter liegt in etwa 2–6 m Tiefe, wird durch Niederschlagsinfiltration gespeist und reagiert empfindlich auf saisonale Schwankungen.
Der für die Trinkwasserversorgung wichtigste zweite Grundwasserleiter befindet sich in 20–40 m Tiefe in pleistozänen Sand- und Kieslagen und ist durch tonige Deckschichten gut geschützt. Tiefere Aquifere über 50 m Tiefe sind häufig stärker mineralisiert und für die Wasserversorgung von geringer Bedeutung.
Geschichte
Erste Erwähnung bis 16. Jahrhundert mini|Symbol für Wardenburg auf der Skulptur „Gemeindebaum“, geschaffen 2006 von Daniel Hübner Bei Wardenberge an der Lethe wird 1270 erstmals die Burg „castrum Wardenburg“ urkundlich erwähnt. Der Westerholtsche Ritterbund baute zu dieser Zeit im Dienste der Oldenburger Grafen eine Niederungsburg sowie die Marienkirche. Wardenberge, nach Errichtung der Burg Wardenburg genannt, wurde Mittelpunkt des „Winkels“. Der Ort entstand an einem der ältesten Handelswege der Region, der entlang der Hunte Oldenburg mit Wildeshausen verband.
Im 15. und 16. Jahrhundert lag Wardenburg an der Grenze zum Hochstift Münster und zur Herrschaft Wildeshausen. In dieser Zeit wurde das Dorf, das auf der direkten Verbindungsstraße nach Oldenburg lag, wiederholt von den Münsterschen Truppen überfallen. Die Burg wurde 1342 von Söldnertruppen des Bischofs von Münster zerstört. Eine weitere Zerstörung des Ortes und der Wallfahrtskirche ist im Rahmen einer Münsterschen Fehde im Jahr 1538 belegt.
17. und 18. Jahrhundert mini|Denkmal auf dem Tillyhügel in Wardenburg (2011)Während des Dreißigjährigen Krieges belagerte vom 2. bis zum 23. September 1623 der katholische Feldherr Johann T’Serclaes von Tilly mit seinem rund 25.000 Personen starken Heer ein Gelände nordöstlich von Wardenburg, dem heutigen Tillyhügel.
Tilly befand sich auf der Verfolgung des evangelischen Generals Ernst von Mansfeld, brach seinen Vormarsch nach Ostfriesland jedoch nach diplomatischen Verhandlungen mit Graf Anton Günther von Oldenburg ab. Im Gegenzug erhielt er unter anderem wertvolle oldenburgische Pferde. Während des dreiwöchigen Aufenthalts kam es in der Umgebung zu Plünderungen und umfangreichen Beschlagnahmungen von Lebensmitteln und Vieh.
In den Jahren 1638 und 1668 litt Wardenburg unter der Pest, mehr als 100 Menschen aus dem Dorf fielen ihr zum Opfer.mini|Glockenturm zu Wardenburg, Zeichnung von 1886 von Ludwig FischbeckNach dem Tod Anton Günthers fiel die Grafschaft Oldenburg und damit auch Wardenburg von 1667 bis 1773 an Dänemark. Während des Nordischen Krieges drangen 1679 französische Truppen in Wardenburg ein und plünderten den Ort. Zur Finanzierung des Krieges verpfändete die dänische Krone Wardenburg von 1711 bis 1731 gegen eine jährliche Zahlung von 35.790 Talern an Hannover. 1754 entstand die Wardenburger Wassermühle, dessen Korn-, Walk- und Ölmühle bis heute erhalten ist. In dieser Zeit gingen zahlreiche Arbeitskräfte aus Wardenburg als Hollandgänger in die Niederlande. Die vor allem in den nördlichen und westlichen Landesteilen erzielten Löhne trugen wesentlich zum Einkommen vieler Wardenburger Familien bei. Einige der Hollandgänger erwarben sich insbesondere als Maler und Stuckateure einen guten Ruf.
19. Jahrhundert mini|Generalkarte der Vogtei Wardenburg 1803 Von 1811 bis 1813 gehörte Wardenburg infolge der Eingliederung des Herzogtums Oldenburg in das Französische Kaiserreich unter Napoleon zu Frankreich. In dieser Zeit galt französisches Recht und Französisch wurde zur Amtssprache. Im dörflichen Alltag blieb jedoch das Plattdeutsche die vorherrschende Sprache. Das Amtshaus wurde während der französischen Herrschaft von Wardenburg nach Oberlethe verlegt.
Im 19. Jahrhundert begann langsam die Industrialisierung in Wardenburg. 1839 gab es im Gemeindegebiet vier Ziegeleien, unter anderem die Ziegelei Westerholt. Auch der Torfstecherei in den Fehnanstalten kam eine wachsende Bedeutung zu. Im Jahr 1873 schlossen sich 64 Landwirte aus Osternburg, Eversten und Wardenburg zu einer Genossenschaft zusammen, um Düngemittel und Saatgut gemeinschaftlich zu beschaffen und zu verwalten. In der Folge entstanden in Wardenburg weitere Genossenschaften, darunter eine Konsumgenossenschaft, aus der der heutige Raiffeisenmarkt hervorging, sowie eine Molkereigenossenschaft.
1872 lehnte die Gemeinde Wardenburg eine Beteiligung am Bau der Eisenbahnstrecke von Oldenburg nach Osnabrück ab. Grund dafür war der Widerstand der Landwirte gegen die Abgabe von Flächen für den Bahnbau. Die Bahnstrecke wurde daraufhin nordöstlich der Gemeinde vorbeigeführt. Der nächstgelegene Bahnhof entstand daher in Sandkrug und nicht in Wardenburg.
Im Ortsteil Glum fand 1880 ein Bauer die Scheibenräder von Glum, die in die Frühe Bronzezeit um 1500 vor Chr. datiert werden.Albrecht Eckhardt: Oldenburgisches Ortslexikon, Band 2, Isensee Oldenburg 2011, ISBN 978-3-89995-757-0, S. 1074 f.
Frühes 20. Jahrhundert mini|Wahlwerbung für den Wardenburger Spitzenkandidaten Diedrich Dannemann bei der Wahl zur verfassungsgebenden Landesversammlung 1919 Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden in Wardenburg mehrere neue Einrichtungen. Im Jahr 1901 wurde eine Postagentur mit dem ersten Telefonanschluss eingerichtet, 1908 folgte eine Sattlerei, und 1913 nahm eine Stellmacherei den Betrieb auf. Politisch galt Wardenburg vor dem Ersten Weltkrieg als Hochburg der Nationalliberalen Partei. Ab 1906 prägte der zunächst nationalliberale Gemeindevorsteher Diedrich Dannemann über mehrere Jahrzehnte die Kommunalpolitik.
Der Erste Weltkrieg hatte erhebliche Auswirkungen auf die Gemeinde. Die Einberufung zahlreicher Männer bis zum Alter von 45 Jahren führte zu einem Mangel an Arbeitskräften. Zudem mussten Pferde für den Kriegsdienst abgegeben werden, was die Bewirtschaftung der Höfe erschwerte. Mit der Einführung der Kriegswirtschaft wurden Lebensmittel rationiert. Insgesamt fielen 214 Männer aus Wardenburg im Krieg. Zur Unterstützung der landwirtschaftlichen Betriebe wurden auf Wardenburger Höfen belgische, französische und russische Kriegsgefangene als Arbeitskräfte eingesetzt. Im Moor nahe Achternholt im Gebiet des heutigen Harbern I gab es das Kriegsgefangenlager Vehnemoor, wo im Herbst 1915 etwa 1.000 Menschen interniert waren. Nach Kriegsende bildete sich in Wardenburg eine aktive Ortsgruppe des Stahlhelmbundes, die das Gemeindeleben in den folgenden Jahren prägte. Im Jahr 1920 wurde Wardenburg an das Stromnetz angeschlossen. Die Freiwillige Feuerwehr Wardenburg wurde 1927 gegründet. Auch die Weltwirtschaftskrise wirkte sich auf die Gemeinde aus und führte zu hoher Arbeitslosigkeit und wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Bereits bei der Reichstagswahl im Mai 1928 wurde die NSDAP mit 31,2 Prozent der Stimmen stärkste Partei in der Gemeinde. Reichsweit erreichte sie dagegen lediglich 2,6 Prozent.
Wardenburg im Nationalsozialismus (1933 bis 1945) Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme veranstaltete die örtliche NSDAP am 21. März 1933 anlässlich ihres Wahlsieges einen Fackelzug vom Schützenplatz zum Tillyhügel. Obwohl Diedrich Dannemann der NSDAP beigetreten war, wurde er am 30. Mai 1933 als Gemeindevorsteher durch den aus Charlottendorf-Ost stammenden Nationalsozialisten Gustav Kretzer (1876–1954) ersetzt. Kurz darauf nahm sich Dannemann das Leben. In Folge der Machtübernahme wurden die Wardenburger Vereine, die Wardenburger Sparkasse, der lokale Stahlhelmbund sowie die landwirtschaftlichen Genossenschaften gleichgeschaltet und Jugendgruppen in die Hitlerjugend (HJ) und dem Bund deutscher Mädel (BDM) überführt.
Der Wardenburger Pastor Friedrich Thorade (1880–1970) gehörte der Bekennenden Kirche (BK) an. Auch der von Stahlhelm-Anhängern dominierte Kirchenrat in Wardenburg bekannte sich gemeinsam mit Thorade zur BK und grenzte sich damit von den Deutschen Christen ab. Dies führte zu mehreren Auseinandersetzungen mit der örtlichen Parteileitung, die jedoch für keine der beteiligten Seiten weitere Konsequenzen hatten. Über diese kirchlichen Konflikte hinaus sind aus Wardenburg kaum Aktivitäten bekannt, die sich gegen das nationalsozialistische Regime richteten.