Sachsenberg-Georgenthal ist ein zur Kernstadt gehöriger Ortsteil der Stadt Klingenthal im sächsischen Vogtlandkreis. Er wurde am 1. Juli 1950 eingemeindet. Die Gemeinde Sachsenberg-Georgenthal war 1934 durch Zusammenschluss von Sachsenberg (1929 aus Obersachsenberg und Untersachsenberg gebildet) und Georgenthal (mit den Ortsteilen Steindöbra und Aschberg ) gebildet worden. Aus diesem Grund besteht der heutige gleichnamige Klingenthaler Ortsteil aus den drei Gemarkungen Obersachsenberg, Untersachsenberg und Steindöbra (mit Aschberg und Georgenthal).
Sachsenberg-Georgenthal, das zum Musikwinkel gehört, erlangte vor allem durch den Musikinstrumentenbau und den Aschberg überregionale Bekanntheit.
Geographie Lage mini|Ortsteil Aschberg mit Aussichtsturm
Sachsenberg-Georgenthal liegt im Südosten des sächsischen Teils des historischen Vogtlands, gehört aber bezüglich des Naturraums zum Westerzgebirge. Der Ortsteil besteht aus fünf einzelnen Siedlungen, die sich als Streusiedlungen an den Hängen des Aschbergs und des Kiels erstrecken bzw. ein zusammenhängendes Siedlungsgebiet im Tal der Steindöbra bilden.
Durch einen Teil des Ortes führt die Bundesstraße 283. Östlich von Sachsenberg-Georgenthal verläuft die Staatsgrenze zur Tschechischen Republik, über die ein Grenzübergang für Fußgänger und für PKW nach Bublava (Schwaderbach) führt. Sachsenberg-Georgenthal liegt im Naturpark Erzgebirge/Vogtland.
Nachbarorte
Geschichte mini|Blick auf Sachsenberg-Georgenthal am Aschberg
Die Gemeinde Sachsenberg-Georgenthal wurde am 1. Juli 1934 durch den Zusammenschluss von Sachsenberg (1929 aus Ober- und Untersachsenberg gebildet) und Georgenthal (mit Aschberg und Steindöbra) gebildet. Die fünf Ortsteile entstanden im 17. Jahrhundert und lagen bis 1856 im kursächsischen bzw. königlich-sächsischen Amt Voigtsberg.Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas. Leipzig 2009, ISBN 978-3-937386-14-0; S. 74 f. Nach 1856 gehörten sie zum Gerichtsamt Klingenthal und ab 1875 zur Amtshauptmannschaft Auerbach.
Sachsenberg mit Ober- und Untersachsenberg bis 1934 mini|Blick auf den Ortsteil Obersachsenberg mini|Blick auf den Ortsteil Untersachsenberg mini|Blick auf Sachsenberg-Georgenthal und Brunndöbra
Die Grundherrschaft und Patrimonialgerichtsbarkeit über Obersachsenberg lag bis 1855 beim Waldgut Obersachsenberg. Dieses amtssässige Gut wurde 1631 erstmals erwähnt. Im Jahre 1703 unterstanden ihm neun Häuser, 1790 waren es bereits 15 Häuser und 44 Häusler. Wie im gesamten Klingenthaler Raum wurden auch in Obersachsenberg Musikinstrumente hergestellt. Im 19. Jahrhundert war das Waldgut Obersachsenberg im Besitz der Familie des Instrumentenbauers Johann Wilhelm Rudolph Glier.Obersachsenberg im „Handbuch der Geographie“, S. 437 Seit 1893 wird das obere Waldgut als Wirtschaft beschrieben. In der Gegenwart ist das Gebäude als „Hotel Waldgut“ bekannt, ist jedoch zeitweise geschlossen.„Freie Presse“ vom 16. März 2016
Untersachsenberg wurde 1625 durch den Berghauptmann Johann Wilhelm Boxberger und Georg Knaspe gegründet. Als Stammvater der sächsischen Linie der adligen Familie Boxberger wird Wilhelm Boxberger (1542–1608) angesehen, der von Nürnberg aus Bergbau in der Bergstadt Graslitz jenseits der Grenze im böhmischen Teil des Erzgebirges betrieb. Zur Zeit der Gegenreformation wechselten seine Söhne in das nahe Kurfürstentum Sachsen und gründeten neben Untersachsenberg auch den Ort Klingenthal. Dort stifteten sie im Jahr 1635 die erste evangelisch-lutherische Kirche zu Klingenthal. Dass Untersachsenberg seine Entstehung dem Zuzug protestantischer Glaubensflüchtlinge verdankt, deutet auch der Name des Ortsteils „Glaßentrempel“ hin. Er wurde im 18. Jahrhundert durch die böhmische Exulantenfamilie Glaß errichtet. Johann Wilhelm Boxberger und Georg Knaspe erhielten 1626 die Erbgerichtsbarkeit über Untersachsenberg. 1646 hatte Boxberger den Anteil von Knaspe erworben, sodass das Lehngut lange Zeit im Besitz der Familie blieb. Seit 1646 ist das Lehngut als Rittergut nachgewiesen. Unter Christian Karl Sigismund von Boxberg erfolgte nach 1757 der Neubau des Rittergutshofs. Über Louise Auguste von Feilitzsch, eine geborene von Boxberg, ging das Gut an die Familie von Feilitzsch. Nachdem sie 1823 Konkurs anmelden musste, wurde das Gut aufgelöst und verkauft. Nach der Auflösung der Patrimonialgerichtsbarkeit befand sich das untere Waldgut ab 1854 im Besitz der Familie von Reitzenstein, ab 1901 im Besitz von Anna Hüller und ab 1925 gehörte es Reinhard Claß. Bis 1957 wurde im Rittergut am Kamerunweg der Gasthof „Unteres Waldgut“ betrieben.Geschichte des unteren Waldguts in Untersachsenberg Heute befindet sich das Gebäude in Privatbesitz und wird als Zebufarm betrieben.Website der Zebufarm Waldgut in Untersachsenberg
In Sachsenberg wurde bis ins 19. Jahrhundert Bergbau auf Eisenerz betrieben.Liste der Bergwerke im Klingenthaler Gebiet Die sich in Ober- und Untersachsenberg niedergelassenen Exulanten brachten ihre Fertigkeiten im Musikinstrumentenbau mit. Dadurch sind im 17. und 18. Jahrhundert auch Geigenbauer aus Sachsenberg nachgewiesen.Liste der Violinenbauer im VogtlandListe von Geigenbauern im Klingenthaler Raum Im 19. und 20. Jahrhundert setzte sich wie im gesamten Klingenthaler Raum die Produktion von Harmonikas gegenüber der von Geigen durch. Adolf Eduard Herold aus Untersachsenberg gilt als Initiator des Handharmonikabaus im Klingenthaler Gebiet ab 1851.Untersachsenberg auf www.akkordeonscene.de Um die Wende zum 20. Jahrhundert sind in Ober- und Untersachsenberg zahlreiche Firmen ansässig, die u. a. Mundharmonikas und Akkordeons produzieren.Liste der Harmonikabauer im Klingenthaler Raum Eine heute noch produzierende Firma ist das Unternehmen C. A. Seydel Söhne, das laut amtlicher Urkunde am 27. Oktober 1847 von Christian August Seydel in Untersachsenberg gegründet wurde.
Ein weiteres Gewerbe in Untersachsenberg war die Produktion von hölzernen Kämmen. Sie wurde im Jahr 1829 durch Christian Friedrich Goram (* 18. April 1790; † 17. Juli 1865) eingeführt. Goram war der Sohn eines Geigenmachermeisters.Biografie von Christian Friedrich Goram Im Laufe des 19. Jahrhunderts entwickelte sich daraus ein bedeutender Industriezweig.Beschreibung der Holzkammproduktion von Untersachsenberg
In Untersachsenberg entstand im Jahr 1878 eine evangelisch-lutherische Pfarrkirche, die seitdem von der Klingenthaler Kirche unabhängig war. Zur Kirchgemeinde (Unter-)Sachsenberg-Georgenthal gehören die Orte Unter- und Obersachsenberg, Mittelberg, Georgenthal, Steindöbra, Aschberg, Mühlleithen und Winselburg. Weiterhin existierte im Rittergut Untersachsenberg eine Kapelle, in der der Klingenthaler Pfarrer seit 1646 auf Verlangen der Gutsherrschaft sechsmal im Jahr Amtspredigt zu halten hatte.Untersachsenberg im „Handbuch der Geographie“, S. 446
Im Jahr 1890 hatte Untersachsenberg 2012 und Obersachsenberg 1057 Einwohner. Mit der Eröffnung der elektrisch betriebenen Schmalspurbahn Klingenthal–Sachsenberg-Georgenthal erhielt Untersachsenberg im Jahr 1916 mit den Haltestellen „Glaßentrempel“, „Bärenloch“ und dem Endbahnhof „Untersachsenberg-Georgenthal“ (ab 1930: „Sachsenberg-Georgenthal“) Eisenbahnanschluss.
Der Ort Sachsenberg wurde erst 1929 durch die Zusammenlegung von Ober- und Untersachsenberg gebildet. Durch die 1934 erfolgte Zusammenlegung mit Georgenthal existierte Sachsenberg nur fünf Jahre als eigenständige Kommune.
Georgenthal, Steindöbra und Aschberg bis 1934 mini|Blick auf den Ortsteil Steindöbra
Mit dem Aufblühen des Bergbaus auf Kupfer, Zinn, Blei und Silber in der fünf Kilometer entfernten Bergstadt Graslitz jenseits der böhmischen Grenze dehnte sich dieser Ende des 16. Jahrhunderts auch auf die sächsische Grenzregion aus, wodurch in den Wäldern um das 1604 erwähnte Klingenthal der Abbau u. a. von Zinn und Eisen stattfand. Zusammen mit Bergleuten und Hammerschmieden kamen auch einige Glasmacher ins westliche Erzgebirge, welche hier begannen, den anstehenden Quarz, der sich in mehreren Strängen unter anderem am Aschberg fand, zu verarbeiten. Die weiten, bis dahin nie benutzten Wälder lieferten ihnen genügend Holz für die Schmelzöfen und zum „Äschern“, der Gewinnung von Pottasche aus Holzkohle.
Am Fuß des Aschbergs auf sächsischer Seite war 1639 auf Privileg des sächsischen Kurfürsten Johann Georg I. eine Glashütte im Tal der Steindöbra errichtet worden.Die Glashütte Steindöbra im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen Aus der einstigen Glasmacherniederlassung entwickelte sich der Ort Steindöbra. Ein Teil der Siedlung heißt noch heute „Die Glashütte“. Die Glashütte kam um 1700 an den späteren kursächsischen Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz, der sie später an den sächsischen Kurfürsten verkaufte. 1725 stellte sie ihren Betrieb ein.Beschreibung der Glashütte in Steindöbra, S. 100
Die südlich von Steindöbra gelegenen Orte Georgenthal im Tal der Steindöbra und Aschberg auf der sächsischen Seite am Hang des gleichnamigen Berges waren im 17. Jahrhundert von protestantischen Glaubensflüchtlingen (Exulanten) aus Böhmen gegründet worden, die im Zuge der Gegenreformation ihre böhmische Heimat verließen. Auf Antrag des ersten Siedlers wurde die Siedlung Georgenthal nach offizieller Genehmigung des Amtmanns nach dessen Vornamen Georgenthal benannt. Um Georgenthal wurde u. a. Bergbau auf Eisenerz betrieben. Namentlich sind die Gruben „Vitriolstollen“, „Silberzeche“,Buch „Der vogtländische Bergbau bis 1875“, S. 37 „Luise Fundgrube“, „Treue Freundschaft Fundgrube“Aufzählung der Bergwerke im Klingenthaler Raum auf der Webseite des Freistaats Sachsen und „Marie Sophie“ genanntKuxschein der Grube „Marie Sophie“ zu Georgenthal im Vogtland Weiterhin existierte in Steindöbra die „Glaskopf Fundgrube“ in Glashütte. Im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert existierten in Georgenthal mehrere Firmen, die Harmonikas produzierten.Liste der Harmonikafirmen im Vogtland
Durch die Sächsische Landgemeindeordnung von 1838 bildeten Steindöbra, Georgenthal und Aschberg eine Landgemeinde mit dem Namen „Steindöbra“. Seit 1905 trug diese den Namen „Georgenthal“. Kirchlich gehören die drei Orte seit 1878 zur Kirchgemeinde (Unter-)Sachsenberg-Georgenthal.
Mit der Eröffnung der elektrisch betriebenen Schmalspurbahn Klingenthal–Sachsenberg-Georgenthal erhielt Georgenthal im Jahr 1916 mit dem Endbahnhof „Untersachsenberg-Georgenthal“ (ab 1930: „Sachsenberg-Georgenthal“) Eisenbahnanschluss. Im Ortsteil Aschberg wurde im Jahr 1913 von Otto-Hermann Böhm ein Verein zum Bau eines Aussichtsturms auf der sächsischen Seite des Aschbergs gegründet. Da die Pläne aus verschiedenen Gründen nicht zur Ausführung kommen konnten, wurden sie 1929 zum Bau der Jugendherberge aufgegeben. Erst 1999 wurde der Aussichtsturm letztendlich eingeweiht. Er bekam den Namen von Otto-Hermann Böhm.
Georgenthal hatte 1910 2.162 Einwohner und lag damit unter den 69 Kommunen der Amtshauptmannschaft Auerbach auf Rang 14 der Einwohnerstatistik.
Sachsenberg-Georgenthal seit 1934 Die Gemeinde Sachsenberg-Georgenthal wurde am 1. Juli 1934 durch den Zusammenschluss von Sachsenberg und Georgenthal gebildet. Die nun aus fünf Ortsteilen in drei Gemarkungen bestehende Kommune gehörte zur Amtshauptmannschaft Auerbach. 1939 lebten 5390 Einwohner und nach Kriegsende 1946 5179 Einwohner in der Gemeinde.
Am 1. Juli 1950 wurde Sachsenberg-Georgenthal wie auch das südlich angrenzende Brunndöbra nach Klingenthal eingemeindet. Durch die zweite Kreisreform in der DDR kam Sachsenberg-Georgenthal als Gemeindeteil von Klingenthal im Jahr 1952 zum Kreis Klingenthal im Bezirk Chemnitz (1953 in Bezirk Karl-Marx-Stadt umbenannt), der 1990 als sächsischer Landkreis Klingenthal fortgeführt wurde und 1996 im Vogtlandkreis aufging.