hochkant|mini|Büste des Antiochos IV. (Altes Museum, Berlin)Staatliche Museen zu Berlin, SMB-digital: Porträt des Antiochos IV. von Syrien.
Antiochos IV. Epiphanes (; * um 215 v. Chr.; † 164 v. Chr.) war ein König aus der Dynastie der Seleukiden. Er war der jüngste Sohn des Antiochos III. und der Laodike von Pontos.
Als tatkräftigem Herrscher gelang es Antiochos, das Seleukidenreich, das unter seinem Vater eine schwere Niederlage gegen Rom erlitten hatte, weitgehend zu stabilisieren. Im Sechsten Syrischen Krieg waren seine Truppen in Ägypten erfolgreich, doch ein römisches Ultimatum zwang ihn zum Rückzug („Tag von Eleusis“). Einen Putschversuch gegen den von ihm eingesetzten Hohepriester in Jerusalem beantwortete Antiochos mit extrem repressiven Maßnahmen gegen das Judentum. Der dadurch ausgelöste Makkabäeraufstand kam erst nach dem unerwarteten Tod des Königs auf einem Feldzug im Osten seines Reichs zum Erfolg.
Leben Jugend in römischer Geiselhaft In den antiken Quellen wird Antiochos IV. erstmals im Kontext des Friedens von Apameia 188 v. Chr. erwähnt. Eine der Friedensbedingungen war nämlich, dass Antiochos III. diesen seinen jüngsten Sohn als Geisel nach Rom entsenden musste. Der junge Seleukide hatte im Gegensatz zu seinen 220 v. Chr. und um 219 v. Chr. geborenen Brüdern noch keine politischen oder militärischen Aufgaben wahrgenommen.Peter Franz Mittag: Antiochos IV. Epiphanes. Eine politische Biographie. Berlin 2006, S. 32 f. Nachdem er Kindheit und frühe Jugend am seleukidischen Hof verbracht hatte, markierte Apameia einen Bruch in seiner Biografie. Für die ganze Familie waren die Friedensbedingungen ein erheblicher Prestigeverlust, Antiochos IV. war zusätzlich durch Einschränkung seiner Freiheit und seiner finanziellen Möglichkeiten persönlich betroffen. In Rom lebte er zehn Jahre lang, bis er 178 v. Chr. gegen seinen Neffen Demetrios ausgetauscht wurde. Von Demetrios ist bekannt, dass er in seiner Zeit als Geisel in Rom an Jagden teilnahm und mit römischen und griechischen Altersgenossen Kontakte pflegte; diese relativ komfortable Situation ist auch für Antiochos IV. zu vermuten. So waren die Jahre in Rom für ihn doppelt nützlich: er knüpfte Kontakte mit wichtigen Familien Roms und gewann Eindrücke davon, wie politische Entscheidungen in der Römischen Republik zustande kamen. Der Austausch gegen seinen Neffen Demetrios geschah wohl auf römischen Wunsch. Denn mittlerweile regierte Seleukos IV., Antiochos’ älterer Bruder, der mehrfach römische Interessen missachtete. Die Geiselhaft seines eigenen Sohnes war daher ein (aus römischer Sicht nötiges) stärkeres Druckmittel als die Geiselhaft seines Bruders.Peter Franz Mittag: Antiochos IV. Epiphanes. Eine politische Biographie. Berlin 2006, S. 37–40.
Herrschaftsantritt und Herrschaftssicherung mini|300px|Münze mit dem Porträt des Kindkönigs Antiochos (Vorderseite) und Apollon auf einem Omphalos (Rückseite). Die griechische Aufschrift lautet .
Antiochos war nun frei, aber eine Rückkehr ins Seleukidenreich war keine Option. Als jüngerer Bruder des Herrschers hätte er Ansprüche auf die Thronnachfolge gehabt – zum Nachteil für die Kinder des Seleukos, insbesondere die römische Geisel Demetrios. Antiochos wählte Athen als neuen Aufenthaltsort: ein politisch neutrales Terrain und ein Ort mit großem kulturellem Prestige; falls er noch Ambitionen auf den seleukidischen Thron hatte, war Athen auch hierfür eine gute Basis. Wie er seinen Lebensunterhalt über mehrere Jahre in Athen finanzierte, ist nicht bekannt. 175 v. Chr. fiel Seleukos IV. einem Mordanschlag des Heliodor zum Opfer. Er hinterließ zwei Thronerben: der ältere, Demetrios, war immer noch als Geisel in Rom, seine Freilassung stand nicht zu erwarten, und der jüngere, Antiochos, war ein etwa fünfjähriges Kind. Ein Kreis, zu dem sowohl Laodike, die Witwe des Ermordeten, gehörte, als auch der Königsmörder Heliodor, bildeten in Antiochia am Orontes eine Regierung, offiziell um die Interessen des Kindkönigs zu vertreten.Peter Franz Mittag: Antiochos IV. Epiphanes. Eine politische Biographie. Berlin 2006, S. 40–43. Siehe auch Jochen G. Bunge: „Theos Epiphanes“: Zu den ersten fünf Regierungsjahren Antiochos’ IV. Epiphanes. 1974, S. 58 und Anm. 5: Die Witwe und der Kindkönig Antiochos erscheinen gemeinsam auf einer Münzprägung (unpubliziert, Privatbesitz).
Eumenes II., der Herrscher des pergamenischen Reichs, unterstützte Antiochos IV. darin, den Thron des Seleukidenreichs zu beanspruchen. Grundsätzlich war ein gutes Verhältnis zwischen pergamenischem und seleukidischem Reich für Eumenes und für Antiochos wünschenswert; hinzu kam eine Annäherung zwischen Makedonien und dem Seleukidenreich in der Ära Seleukos’ IV.: eine Umklammerung des pergamenischen Reichs, die für die Attaliden bedrohlich war. Die Attaliden statteten Antiochos mit Truppen, Geld und königlichen Insignien aus, woraufhin er die Grenze des Seleukidenreichs überschritt. Dann ging alles sehr schnell. Etwa einen Monat später war Antiochos IV. Herrscher des Seleukidenreichs, hatte die Witwe seines Bruders geheiratet (die danach aus den Quellen verschwindet) und den Kindkönig, seinen Neffen, adoptiert. Für beide war es vermeintlich sicherer, unter dem Schutz des Schwagers bzw. Onkels zu stehen als unter dem Schutz des Königsmörders Heliodor. Antiochos IV. wiederum konnte durch Ehe, Adoption und durch die Hinrichtung Heliodors seine Herrschaftslegitimation stärken.Peter Franz Mittag: Antiochos IV. Epiphanes. Eine politische Biographie. Berlin 2006, S. 42–47. Da er bereits vor seiner Ankunft in Syrien das Diadem angenommen hatte, war dies eine Kompromisslösung, um den eigenen Anspruch (hinter den er nicht mehr zurückkam) mit der Tatsache zu vereinbaren, dass das Kind Antiochos ebenfalls als König anerkannt wurde. „Antiochos IV. handelte… im Interesse der Dynastie, als er die Witwe seines Bruders heiratete und seinen Neffen adoptierte und so die Herrschaft vor dem Zugriff des Nichtseleukiden Heliodoros rettete.“Jochen G. Bunge: „Theos Epiphanes“: Zu den ersten fünf Regierungsjahren Antiochos’ IV. Epiphanes. 1974, S. 59. Laut Appian erhielt er dafür von der Bevölkerung Syriens den Beinamen Epiphanes („der Erscheinende“), da er sich durch die Beseitigung des Usurpators als rechtmäßiger König erwiesen habe.Appian, Syriake kai Parthike 45. Zusätzlich erreichte Antiochos IV. die Bestätigung seiner Herrschaft durch Rom, die 173 v. Chr. in eine Erneuerung des Freundschaftsbündnisses, das unter Antiochos III. vereinbart worden war, zum Abschluss kam:Peter Franz Mittag: Antiochos IV. Epiphanes. Eine politische Biographie. Berlin 2006, S. 99 f.
Antiochos beglich die noch ausstehenden Zahlungen aus dem Vertrag von Apameia, vermehrt um ein reiches Geschenk in Form goldener Gefäße. Der Senat erwies daraufhin dem seleukidischen Gesandtschaftsführer Apollonios höchste diplomatische Ehren (Geldgeschenk, Haus in Rom).
Antiochos unterstützte, ebenso wie Eumenes II. von Pergamon, die gegen Makedonien gerichtete Politik Roms, betrieb aber darüber hinaus eine eigenständige Außenpolitik. Mit Byzantion, das für seine makedonenfreundliche Haltung bekannt war, ging er enge Beziehungen ein und erhielt dafür 172 v. Chr. die Proxenie der Stadt; dass er damit Rom und Pergamon verstimmte, nahm er in Kauf.Peter Franz Mittag: Antiochos IV. Epiphanes. Eine politische Biographie. Berlin 2006, S. 101.
Antiochos nahm um 173 v. Chr. offiziell die Beinamen Theos („Gott“) und Epiphanes („der Erscheinende“) an; zugleich wurden für den Kindkönig Antiochos keine Münzen mehr geprägt. Beides zeigt, dass Antiochos IV. die Herrschaft auf seine Person konzentrierte und den gleichnamigen Neffen verdrängte. Der gewaltsame Tod des Neffen im Sommer 170 v. Chr. ging vermutlich auf Veranlassung Antiochos’ IV. zurück. Der Junge hatte seine Nützlichkeit zur Herrschaftslegitimation des Antiochos verloren und wäre bei Erreichen der Volljährigkeit zum Konkurrenten geworden. Als vermeintlichen Mörder ließ der König seinen engsten Vertrauten Andronikos hinrichten. Dieser mag als Ausführender oder Mitwisser beteiligt gewesen sein, war aber kaum der Verantwortliche, da er vom Tod des Jungen keinen Vorteil hatte, Antiochos hingegen sehr wohl.Peter Franz Mittag: Antiochos IV. Epiphanes. Eine politische Biographie. Berlin 2006, S. 47 f. und 157 f.
Kennzeichen der Regierung Antiochos’ IV. Stiftungspolitik mini|Zeus-Olympios-Tempel in Athen (2015)
Antiochos IV. sicherte seine Herrschaft nach außen durch aufwändige Geschenke und Stiftungen ab. Durch solche Akte der Großzügigkeit verpflichtete er die Empfänger zu einer pro-seleukidischen Politik und Wirtschaftspolitik. Der im Original nicht erhaltene Bericht des Polybios über diesen Aspekt von Antiochos’ Politik wurde von Titus Livius sorgfältiger als von Athenaios exzerpiert. Hinzu kommen epigrafische Quellen. Daraus ergibt sich folgendes Bild:Peter Franz Mittag: Antiochos IV. Epiphanes. Eine politische Biographie. Berlin 2006, S. 104–106. Vgl. Klaus Bringmann, Hans von Steuben (Hrsg.): Schenkungen hellenistischer Herrscher an griechische Städte und Heiligtümer. Teil 1: Zeugnisse und Kommentare. Akademie, Berlin 1995, hier KNr. 24[L], S. 54f. (Polybios, Historien 26,1,10; Livius, Ab urbe condita 41,20,5; Vitruv 7, Prooemium 15; Parallelüberlieferungen: Strabon 9,1,17,396; Velleius Paterculus 1,10,1; Plinius der Ältere, Naturalis historia 36,6,45).
Athen: Neubau des Zeus-Olympios-Tempels; Megalopolis: Erneuerung der Stadtmauern; Tegea: Bau eines Theaters; Delos: Altar und Statuen; Rhodos: Förderung des Schiffbaus;Vgl. Klaus Bringmann, Hans von Steuben (Hrsg.): Schenkungen hellenistischer Herrscher an griechische Städte und Heiligtümer. Teil 1: Zeugnisse und Kommentare. Akademie, Berlin 1995, hier KNr. 209[L] und 210[E] (Inschrift, um 170 v. Chr., in der „die dem Volk für die Flotte gegebenen Geschenke“ des Antiochos erwähnt werden), S. 240 f. Kyzikos: Goldenes Tafelgeschirr für das Prytaneion; Milet: Zollfreiheit und mittelbar (durch die beiden aus Milet stammenden seleukidischen Satrapen Timarchos und Herakleides) Bau des Buleuterions.
Städtebau Antiochos ließ die Hauptstadt Antiochia am Orontes prachtvoll ausbauen und kann geradezu als zweiter Gründer der Stadt gelten. Im Rahmen einer Stadterweiterung entstand das neue Viertel Epiphaneia und wurde vom König mit Bouleuterion, Agora und Tempeln ausgestattet. Nach Ammianus Marcellinus 22,13,1 ließ Antiochos im Apollontempel der Vorstadt Daphne eine monumentale Götterstatue aufstellen, die der Zeusstatue in Olympia ähnlich (d. h. ebenfalls bis unters Dach reichend) gewesen sei. Granius Licinianus 28,10 und Livius 41,20,9 erwähnen eine Statue bzw. einen Tempel des Zeus Olympios.Peter Franz Mittag: Antiochos IV. Epiphanes. Eine politische Biographie. Berlin 2006, S. 144f. und 146–148.
Münzprägung mini|300px|Münze mit dem Porträt Antiochos' IV. (Vorderseite) und thronendem Zeus (Rückseite). Die griechische Aufschrift lautet . mini|Oktodrachme des Ptolemaios V. Epiphanes Eucharistos, Herrscherporträt mit Diadem und Strahlenkranz. Münzstätte Alexandria, 204/203 v. Chr.Staatliche Museen zu Berlin, Münzkabinett: Ptolemäer: Ptolemaios V. mini|Bronzemünze Antiochos' IV., Vorderseite: Herrscherporträt mit Strahlenkrone, Rückseite: Thronende Göttin mit Nike und Vogel. Münzstätte Seleukeia am Tigris
Die unter Antiochos IV. in der Hauptstadt geprägten Tetradrachmen werden aufgrund der Inschriften in drei Gruppen eingeteilt:
„Des Königs Antiochos“ „Des Königs Antiochos, des erscheinenden Gottes“ „Des Königs Antiochos, des erscheinenden Gottes, des Siegbringers“