Die Lützow-Kaserne war von 1958 bis 2015 einer von mehreren Standorten der deutschen Bundeswehr in der niedersächsischen Gemeinde Schwanewede, die nordnordwestlich von Bremen gelegen ist. Sie befindet sich im gleichnamigen Kernort von Schwanewede. Die Kaserne ist nach der 2015 erfolgten Aufgabe durch das Militär und Nutzung bis 2016 als Notunterkunft für Flüchtlinge seit 2017 Sanierungsgebiet und soll zu einem Quartier mit Wohnen, nicht störendem Gewerbe, Naherholungsflächen sowie Sport- und Freizeitanlagen entwickelt werden.
Der westlich an das Kasernengelände anschließende Standortübungsplatz wird weiterhin von anderen Bundeswehreinheiten aus der Region genutzt. Seine Nutzungsaufgabe soll Ende 2024 erfolgen.
Militärische Nutzung Von 1939 bis 1945 In der Zeit des Nationalsozialismus wurde Anfang 1939 auf dem Gelände der späteren Lützow-Kaserne und des späteren Standortübungsplatzes von der Wirtschaftlichen Forschungsgesellschaft mbH (Wifo) begonnen, für die Kriegsmarine der deutschen Wehrmacht das Kriegsmarinetanklager Farge zu erbauen. Während des Zweiten Weltkriegs wurde im Juli 1941 der weitere Ausbau gestoppt, da nach der Besetzung Frankreichs der Großteil der Marineeinheiten an die französische Küste verlegt wurde. Von 1943 bis kurz vor Kriegsende wurde das Lager als Unterkunft von Zwangsarbeitern des im Bau befindlichen U-Boot-Bunker Valentin verwendet. Unter anderem wurden von der SS in dem Lager auch KZ-Häftlinge untergebracht. Im April 1945 wurde das Lager geräumt.
Von 1956/58 bis 2015 Am 16. Juli 1956 begann auf dem Ostteil des Geländes der Bau der Kaserne.Uwe Hoffmann/Werner Ohlandt (Panzergrenadierbrigade 7, Hrsg.): Panzergrenadierbrigade 7 „Hansestadt Hamburg“ 1959–2004. 45 Jahre für Frieden und Freiheit. Chronik des Großverbandes, Aachen o. J., S. 28 Im Februar 1958 wurden die ersten Einheiten der Bundeswehr stationiert. 1966 wurde die Kaserne nach dem preußischen Generalmajor Ludwig Adolf Freiherr von Lützow (1782–1834) benannt. Die Namensgebung erfolgte am 18. November 1966 durch den Kommandeur der 11. Panzergrenadierdivision, Generalmajor Otto Uechtritz.
1967 wurde auf einem nordöstlich an die Kaserne angrenzenden Areal ein neu erbautes Offiziersheim eingeweiht. Es diente fortan den Offizieren und Beamten der Standorte Schwanewede (Lützow-Kaserne) und Neuenkirchen (Weser-Geest-Kaserne in der damals noch selbständigen Nachbargemeinde Neuenkirchen, die 1974 in die Gemeinde Schwanewede eingegliedert wurde und seitdem einen Ortsteil von Schwanewede bildet).
Während des Kalten Krieges bis in die jüngste Vergangenheit war die Lützow-Kaserne vor allem Standort von Panzergrenadier-Einheiten. Folgende Stäbe, Verbände, Einheiten und Dienststellen der Bundeswehr waren in der Kaserne beheimatet:
Einheit Stationierung ab Herkunft Stationierung bis Verbleib Evangelischer Standortpfarrer Schwanewede1. Mai 1955neu aufgestellt30. Juni 2007in Evangelisches Militärpfarramt Schwanewede umbenanntPanzerbataillon 23Februar 1958nach Aufstellung aus Teilen Panzerbataillone 3 und 13 am 16. Januar 1958 in Hamburg, Graf-Goltz-Kaserne verlegt16. März 1959in Panzerbataillon 324 umbenanntPanzergrenadierbataillon 23Februar 1958nach Aufstellung aus Teilen Panzergrenadierbataillone 3 und 13 am 16. Januar 1958 in Hamburg, Boehn-Kaserne verlegt16. März 1959in Panzergrenadierbataillon 323 umbenanntPanzerkampfgruppe B 33. April 1958nach Aufstellung am 1. August 1956 in Schleswig, Kaserne Auf der Freiheit verlegt16. März 1959in Panzergrenadierbrigade 32 umbenanntPanzergrenadierbrigade 32 (mit Verbindungskommando Luftwaffe zu Brigadekommando)16. März 1959aus Panzerkampfgruppe B 31. Oktober 1996verlegt nach Hamburg, Röttiger-Kaserne, und zu nichtaktivem Verband umgegliedert sowie ab 1. April 1997 der Panzergrenadierbrigade 7 unterstelltPanzergrenadierbataillon 32316. März 1959aus Panzergrenadierbataillon 2331. Dezember 2003aufgelöstPanzerjägerkompanie 32016. März 1959durch Umbenennung aus der am 1. August 1956 in Neumünster, Scholtz-Kaserne, gebildeten 1./Panzerjägerbataillon 3 entstanden und verlegt30. September 1992aufgelöstPanzergrenadierbataillon 3221. April 1959aus 3./Grenadierbataillon 61 (Braunschweig) und Grenadierbataillon 13 (Hannover)31. März 1992in Geräteeinheit umgegliedertPanzerbataillon 32416. März 1959aus Panzerbataillon 2330. September 1992aufgelöst3./Versorgungsbataillon 3261. Juni 1960nach Aufstellung am 1. November 1959 in Delmenhorst, Caspari-Kaserne, verlegt30. September 1972in Instandsetzungskompanie 320 umgegliedertPanzeraufklärungskompanie 3201961nach Aufstellung am 1. Juni 1959 in Dörverden, Niedersachsen-Kaserne verlegt31. März 1963aufgelöst und Teile als Brigadespähzug der Stabskompanie der Panzergrenadierbrigade 32 eingegliedertFeldartilleriebataillon 3251. April 1961aus Personalabgaben des III. Korps30. September 1971in Panzerartilleriebataillon 325 umgegliedertZahnstation H 032 (Brigadezahnstation)1. September 1964neu aufgestellt30. September 1972in Zahnstation (Terr) H 212 umgegliedertWerftliegerunterstützungszug Schwanewede1. September 1968neu aufgestellt30. Juni 2015aufgelöst, Neuaufstellung als Werftliegerunterstützungszug Bremerhaven in BremerhavenKasernenfeldwebel Schwanewede1. April 1970neu aufgestellt31. März 1999aufgelöstFernmelderevisionsdiensttrupp 212/1121. Oktober 1970neu aufgestellt30. November 1994aufgelöstFernmelderevisionsdiensttrupp 212/1131. Oktober 1970neu aufgestellt30. November 1994aufgelöstFeldersatzbataillon 327 (GerEinh)1970verlegt und im Mobilmachungsstützpunkt der Kaserne eingelagert nach Aufstellung am 1. Februar 1962 in Varel-Friedrichsfeld30. September 1981umbenannt in Feldersatzbataillon 114 (GerEinh)11. Panzergrenadierdivision in Verbindung mit der Oldenburgischen Landschaft (Hrsg.): Die Elfte im Land von Weser, Ems und Aller. 25 Jahre 11. Panzergrenadierdivision. Eine Chronik, Wilhelmshaven, 1. Auflage 1984, S. 195 und 257Panzerartilleriebataillon 3251. Oktober 1971aus Feldartilleriebataillon 32524. Mai 1973verlegt in die Kaserne Neuenkirchen, Schwanewede, mit Ausnahme der 3. Batterie (später gekadert), am 1. Juli 2001 in Panzerartillerielehrbataillon 325 umgegliedert und der Panzerlehrbrigade 9 unterstellt11. Panzergrenadierdivision in Verbindung mit der Oldenburgischen Landschaft (Hrsg.): Die Elfte im Land von Weser, Ems und Aller. Eine Chronik. 25 Jahre 11. Panzergrenadierdivision, 1. Auflage 1984, S. 301Materialausstattung Sanitätsbereich 25/161. Juli 1972neu aufgestellt30. Juni 1997aufgelöstZahnstation (Terr) H 2121. Oktober 1972aus Zahnstation H 032 (Brigadezahnstation)31. März 1981in Zahnarztgruppe 220/1 umgegliedertInstandsetzungskompanie 3201. Oktober 1972neu aufgestellt aus 3./Versorgungsbataillon 32630. September 1996umbenannt in 3./Instandsetzungsbataillon 11 Panzerspähzug 3201972aus Panzergrenadierbrigade 32, Stabskompanie, ausgegliederter Brigadespähzug1979wieder als Brigadespähzug eingegliedert Standortfeldwebel Schwanewede1. April 1981neu aufgestellt30. November 1994aufgelöstZahnarztgruppe 220/11. April 1981aus Zahnstation (Terr) H 21230. Juni 2000aufgelöstPanzergrenadierbataillon 321 (ta) mit Stab (Teileinheit), 2./ und 4./1. Oktober 1981neu aufgestellt als gemischtes, teilgekadertes Bataillon im Zuge der Heeresstruktur 430. September 1992aufgelöstFeldersatzbataillon 114 (GerEinh)1. Oktober 1981umbenannt aus Feldersatzbataillon 327 (GerEinh)aufgelöst11. Panzergrenadierdivision in Verbindung mit der Oldenburgischen Landschaft (Hrsg.): Die Elfte im Land von Weser, Ems und Aller. 25 Jahre 11. Panzergrenadierdivision. Eine Chronik, Wilhelmshaven, 1. Auflage 1984, S. 195 und 257Sanitätszentrum 2201. Oktober 1984neu aufgestellt30. September 1996aufgelöstFahrschulgruppe Schwanewede 11985neu aufgestellt31. März 1994in Kraftfahrausbildungszentrum Schwanewede eingegliedertFahrschulgruppe Schwanewede 21985neu aufgestellt31. März 1994in Kraftfahrausbildungszentrum Schwanewede eingegliedertKatholischer Standortpfarrer Schwanewedeneu aufgestelltaufgelöstFernmelderevisionsinstandhaltungstrupp 212/112neu aufgestelltaufgelöstReservelazarettgruppe 7208 (GerEinh)1. Oktober 1988neu aufgestellt; in Mobilmachungsstützpunkt der Kaserne eingelagert31. Dezember 2007aufgelöstPanzergrenadierbataillon 322 (na)1. April 1992aus aktivem Bataillon in Geräteeinheit umgegliedert31. Dezember 2003aufgelöstKraftfahrausbildungszentrum Schwanewede 1. April 1994neu aufgestellt aus Fahrschulgruppen Schwanewede 1 und 231. März 2005aufgelöst7./Nachschubbataillon 8041. Oktober 1996neu aufgestellt als aktive Kompanie (u. a. durch Personalabgaben der 10./Nachschubbataillon 11)30. September 2003umbenannt in 4./Logistikbataillon 161Standortältester Schwanewede (mit Unterstützungspersonal)1. Dezember 1994neu aufgestellt30. Juni 2015nach Neuaufstellung zum 1. Oktober 2013 aufgelöst3./Instandsetzungsbataillon 111. Oktober 1996neu eingerichtet aus Instandsetzungskompanie 32031. Dezember 2004ab 1. Juli 2003 dem Logistikbataillon 3 unterstellt; aufgelöst7./Logistikbataillon 31. Juli 2003neu aufgestelltverlegt nach Lüneburg, Theodor-Körner-Kaserne, dort aufgelöst4./Logistikbataillon 1611. Oktober 2003neu aufgestellt aus 7./Nachschubbataillon 80430. November 2005umbenannt in 6./Logistikbataillon 161Panzerartillerielehrbataillon 325Januar 2004verlegt aus Schwanewede, Weser-Geest-Kaserne wegen bevorstehender StandortaufgabeApril 2006verlegt nach Munster, Hindenburg-Kaserne, dort zum 1. Juli 2015 umgegliedert zum Artillerielehrbataillon 325Daniel Quappe/Panzerlehrbrigade 9: 50 Jahre Panzerlehrbrigade 9. 1958–2008, Koblenz 2008, S. 376./Logistikbataillon 1611. Dezember 2005aus 4./Logistikbataillon 1612006verlegt nach Delmenhorst, Feldwebel-Lilienthal-KaserneLogistikschule der Bundeswehr Bereich Unterstützung – Teile Schwanewede1. Oktober 2006neu aufgestellt31. Januar 2016aufgelöstZivilberufliche Aus- und Weiterbildung Betreuungsstelle Schwanewede1. Oktober 2006neu aufgestellt31. März 2015aufgelöstLogistikschule der Bundeswehr IV. Inspektion1. Oktober 2006neu aufgestellt31. Dezember 2013Neuaufstellung in Osterholz-ScharmbeckKommando Schnelle Einsatzkräfte Sanitätsdienst Kommandobereich Follow-On-Forces (mit 6./ bis 10./) 1. Februar 2007neu aufgestellt30. Juni 2015aufgelöstKommando Schnelle Einsatzkräfte Sanitätsdienst Teileinheiten Schwanewede1. Februar 2007neu aufgestellt31. März 2009aufgelöstEvangelisches Militärpfarramt Schwanewede1. Juli 2007aus Evangelischer Standortpfarrer Schwanewede28. Februar 2015aufgelöstSanitätsstaffel Schwanewede1. Juli 2007neu aufgestellt30. September 2015aufgelöstSanitätszentrum Osterholz-Scharmbeck – Teileinheiten Schwanewede1. Juli 2007neu aufgestellt30. September 2015aufgelöstHeeresinstandsetzungslogistik Stützpunkt Seedorf Außenstelle Schwanewede21. Oktober 2008neu aufgestelltVerband der Reservisten der Deutschen Bundeswehr Schwanewede1. Dezember 2008neu aufgestelltBundeswehrfuhrparkservice GmbH MC Schwanewede1. Dezember 2008neu aufgestelltBWI Informationstechnik GmbH SC Wilhelmshaven VOS Schwanewede1. Dezember 2008neu gebildetLion Hellmann Bundeswehr Bekleidungsgesellschaft mbH Servicestation Schwanewede1. April 2012neu aufgestellt
Das Ressortkonzept Stationierung vom 2. November 2004 sah für den Standort noch das Sanitätsregiment 12 aus Fürstenau vor, das ab 1. Oktober 2006 in die Kaserne einziehen sollte. Tatsächlich verblieb jedoch das Regiment an seinem bisherigen Stationierungsort und wurde dort zum 30. Juni 2007 aufgelöst. Nach Schwanewede kamen stattdessen Teile des neu aufgestellten Kommandos Schnelle Einsatzkräfte Sanitätsdienst.