Neusiedl am See (, ) ist mit Einwohnern (Stand: ) bzw. 8.961 Einwohnern (Stand: 1. Jänner 2024) die zweitgrößte Stadt im österreichischen Burgenland. Die Einkaufs- und Schulstadt Neusiedl am See ist zugleich Bezirksvorort (burgenländische Bezeichnung für Bezirkshauptstadt) des Bezirks Neusiedl am See.
Geografie Geografische Lage Neusiedl am See, in 133 m Seehöhe gelegen, befindet sich am Nordufer des Neusiedler Sees zwischen den Ausläufern des Leithagebirges und der Parndorfer Platte. Das Gemeindegebiet ist durch die umliegenden Weingärten sowie durch den Kalvarienberg und das Lehm-Massiv Taborberg geprägt.
650 ha des Stadtgebietes liegen im Nationalparkgebiet Zitzmannsdorfer Wiesen.
Gemeindegliederung Einziger Ort ist Neusiedl am See, welcher auch die Ortsteile Refugium, Seemuseum und Segelhafen West inkludiert.
Nachbargemeinden
Die Gemeinde Weiden am See trennt das Gemeindegebiet von Neusiedl. Der Bezirk Eisenstadt-Umgebung grenzt mit den Gemeinden Breitenbrunn, Purbach, Donnerskirchen und Oggau über den Neusiedler See an die Gemeinde.
Klima In Neusiedl am See wurde am 8. August 2013 mit einer Höchsttemperatur von 40,3 Grad Celsius ein neuer burgenländischer Temperaturrekord verzeichnet.
Geschichte mini|hochkant=1|Neusiedl am See mit den Resten der Kuruzzenschanze nördlich des Tabor, um 1873 (Aufnahmeblatt der 3. Landesaufnahme) Die erste urkundliche Erwähnung von „Sumbotheil“ (dt. Samstagmarkt, vgl. Szombathely) stammt aus dem Jahr 1209. Mitte des 13. Jahrhunderts wurde der Ort durch die Mongolen zerstört und um 1282 unter dem Namen „Niusidel“ neu besiedelt. 1517 erhielt Neusiedl das Marktrecht. Die Ortschaft Zitzmannsdorf würde 1529 von Osmanen zerstört und nicht wieder aufgebaut. Neusiedl wurde 1683 im Zuge der Zweiten Türkenbelagerung und 1708 durch die Kuruzen verwüstet. 1926 erhielt Neusiedl am See das Stadtrecht, um welches bereits 1824 vergeblich angesucht worden war.
Der Ort gehörte wie das gesamte Burgenland bis 1920/21 zu Ungarn (Deutsch-Westungarn). Nach Ende des Ersten Weltkriegs wurde nach zähen Verhandlungen Deutsch-Westungarn in den Verträgen von St. Germain und Trianon 1919 Österreich zugesprochen. Der Ort gehört seit 1921 zum neu gegründeten Bundesland Burgenland (siehe auch Geschichte des Burgenlandes).
Bis zur Vertreibung im März 1938 lebten etwa dreißig Jüdinnen und Juden in Neusiedl am See. Nur ein jüdischer Bewohner, der Schnittwarenhändler Emmerich Benkö, der sechs Konzentrationslager und den Todesmarsch überlebt hatte, kam 1945 nach Neusiedl zurück, konnte einen Teil des elterlichen Besitzes zurückerlangen und –gesundheitlich schwer geschädigt – sein Geschäft wieder aufbauen. Zwischen Juli 1944 und April 1945 wurden ungarische Juden, darunter auch Frauen und Kinder, zur Zwangsarbeit in einer Ziegelfabrik eingesetzt.Zwangsarbeitslager für ungarische Juden in Österreich, Eintrag Neusiedl am See auf deutschland-ein-denkmal.de
Bevölkerungsentwicklung Aufgrund der günstigen Verkehrsanbindung an den Großraum Wien weist die Stadt seit den 1980er Jahren neben Parndorf eine der höchsten Bevölkerungszuwachsraten im Burgenland auf.
Bis 2011 war Oberwart, nach der Landeshauptstadt Eisenstadt, die zweitgrößte Stadt im Burgenland. Nachdem die Einwohnerzahl in Neusiedl am See schneller angestiegen war, war Oberwart fortan nur mehr drittgrößte Stadt im Burgenland. Am 1. Jänner 2023 hatte Burgenlands zweitgrößte Stadt Neusiedl am See 8.948 Einwohner und Einwohnerinnen.
Nach der nationalen Zugehörigkeit zählte Neusiedl 1900 und 1910 etwa ein Viertel magyarische Bevölkerung. Nach Angliederung des Burgenlandes (1923) lag der Anteil der ungarischsprachigen Einwohnerschaft bei 4,5 %. Die Volkszählungen seit 1951 weisen einen entsprechenden Anteil zwischen 0,7 % (1951) und 1,3 % (2001; Wohnbevölkerung mit österreichischer Staatsbürgerschaft) aus. Seit 1939 wächst die Bevölkerung immer an. 2025 lebten 8885 Einwohner in Neusiedl am See.
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Pfarrkirche Neusiedl am See mini|Ruine am Tabor mini|hochkant|Dreifaltigkeitssäule (Elias Hügel) mini|hochkant|Christussäule mini|Brennerscher Hof im Stadtzentrum mit Glockenturm
Pfarrkirche Neusiedl am See: Die Kirche, im Kern gotisch, wurde barockisiert. Die Fischerkanzel stammt aus dem 18. Jahrhundert. Dreifaltigkeitssäule: 1713/14 vom Kaisersteinbrucher Steinmetzmeister Elias Hügel aus Kaiserstein errichtet.
. Christussäule (1609). Tabor-Ruine: am Taborberg gelegene Ruine, vermutlich im 16. Jahrhundert als militärischer Spähturm gegen die Türken errichtet, später südlicher Endpunkt der Kuruzzenschanze (Alte Schanze) im Kampf gegen die Aufständischen unter Franz Rákóczi. Schloss Neusiedl, ehemalige Berger-Kaserne. Durch Neusiedl am See führt der von Frauenkirchen kommende und bis zur Einbindung in den Jakobsweg Österreich in Haslau-Maria Ellend überwiegend im Burgenland verlaufende Jakobsweg Burgenland.
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Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr Straße: Neusiedl am See verfügt über eine Verkehrsanbindung an den Großraum Wien über die Autobahn A4. Zudem ist die Gemeinde Ausgangspunkt der Neusiedler Straße (B 51) und an die Burgenland Straße (B 50) angeschlossen. Im November 2007 wurde die Autobahnverbindung Neusiedl am See–Bratislava eröffnet (A4/A6). Bus: Neusiedl ist außerdem der Knotenpunkt für viele ÖBB-Postbusse und Regionalbusse von Südburg, die allesamt zum Verkehrsverbund Ost-Region (VOR) gehören. Bahn: Neben einer Haltestelle der Pannoniabahn befindet sich hier auch der Endbahnhof der Neusiedler Seebahn. Geschichte: Mit der Schmalspurbahn zum Neusiedler See besaß die Stadt Neusiedl am See von 1928 bis 1939 eine eigene nicht elektrifizierte Straßenbahnlinie. Von Dezember 2006 bis Juni 2014 hatte Neusiedl am See zudem eine Stadtbuslinie, die unter dem Namen ne’mo (neusiedl mobil) betrieben wurde.
Ansässige Unternehmen Neusiedl am See lebt von Weinbau, Tourismus und zahlreichen Gewerbebetrieben. Die Hauptsaison für den Tourismus liegt, bedingt durch das Strandbad, im Sommer, wobei hier überwiegend Besucher aus dem Großraum Wien, aber auch zahlreiche Gäste aus dem süddeutschen Raum die nahe gelegene Möglichkeit zum Schwimmen, Windsurfen, Kitesurfen und Segeln nützen. Vom Frühjahr bis in den Spätherbst hinein ist Neusiedl am See, dank der günstigen Verkehrsanbindung, ein beliebter Ausgangspunkt für Radtouren in der Region Neusiedler See.
In den Wintermonaten sorgt außerdem der für Wochen geschlossen zugefrorene See für zahlreiche Eislauf- und Eissegel-Touristen.
In Neusiedl am See sind zahlreiche Gewerbe- und Handelsunternehmen ansässig. An der Autobahnausfahrt entstand seit dem Ende der 1990er Jahre ein großer Gewerbepark mit einem Technologiezentrum. Unmittelbar an Neusiedl am See angrenzend befindet sich in Parndorf ein Designer Outlet Center mit dutzenden Geschäften von Modemarken. Seit dem dritten Quartal 2006 besitzt Neusiedl am See ein eigenes Shoppingcenter namens „Pannonia“.
Öffentliche Einrichtungen Als Bezirkshauptstadt ist Neusiedl am See Sitz eines Bezirksgerichts und der Bezirkshauptmannschaft. Das Arbeitsmarktservice hat ebenfalls in der Stadt seinen Bezirkssitz. Seit dem 19. Jahrhundert befand sich in Neusiedl am See die Berger-Kaserne, die bis Mitte 2006 im Rahmen des Assistenzeinsatzes des Bundesheeres an der ungarischen Grenze genutzt wurde. Mit Ende Juli 2006 wurde die Kaserne jedoch aufgelassen und bis auf den denkmalgeschützten Hauptteil abgetragen, um für Reihenhäuser Platz zu schaffen. Außerdem befindet sich in Neusiedl am See ein Polizei-Posten. Auch die Bezirksstelle des Roten Kreuzes, die von allen Gemeinden des Bezirkes mit dem Rettungsdienst beauftragt wurde, ist in Neusiedl am See ansässig.
Bildung Neben einer öffentlichen und einer privaten römisch-katholischen Volksschule sowie einer röm.-kath. Hauptschule befinden sich in Neusiedl am See eine Sporthauptschule, eine Polytechnische Schule sowie das Gymnasium Neusiedl, ein Bundesgymnasium und -realgymnasium. Weitere Schulen sind eine Höhere Lehranstalt für Wirtschaft und Tourismus (Pannoneum), eine Handelsakademie und Handelsschule (Akademie der Wirtschaft), welche 2015 ihr 40-jähriges Jubiläum feierte. Für die jüngsten Mitbewohner der Stadt gibt es vier Gemeindekindergärten (Kindergarten Gartenweg – ehemals röm.-kath. Kindergarten, Kindergarten Am Tabor, Montessori-Kinderhaus, Kindergarten Storchennest).
Freizeit- und Sportanlagen Neusiedl am See verfügt über ein neu ausgebautes Strandbad mit Segelzentrum sowie Schulen für Kitesurfen und Windsurfen. Außerdem bietet das Strandbad Beachvolleyball- und Beachsoccerplätze sowie einen Basketballplatz.
Zusätzlich befinden sich in Neusiedl am See ein Hallenbad (mit direkt daneben gelegenem Fun- bzw. Skatepark), eine Tennishalle sowie Outdoor-Tennisplätze, ein Golfplatz, ein Fußballplatz mit Natur- sowie Kunstrasen, eine Petanque-Arena und ein Reithof. Besonders beliebt ist Neusiedl am See auch bei Radfahrern, da es direkt an der Radroute rund um den Neusiedlersee liegt.
Auf Grund der Erfolge im Segelsport bei den Olympischen Sommerspielen 2000 in Sydney wurde in Neusiedl am See ein Bundessportzentrum für die Nachwuchsförderung des Segelsports eingerichtet.
Durch die Gemeinde verlaufen mit dem Zentralalpenweg und dem Burgenland-Weitwanderweg zwei Fernwanderwege.
Pflegeheim Die Caritas Burgenland bietet sechzig pflegebedürftigen Menschen Betreuung im Haus St. Nikolaus an.
Politik Gemeinderat mini|Gemeinderat der Stadtgemeinde Neusiedl am See im Februar 2024. In der Mitte die Bürgermeisterin LAbg. Elisabeth Böhm. Der Stadtgemeinderat umfasst aufgrund der Einwohnerzahl insgesamt 25 Sitze.
Gemeinderatswahlen im Burgenland 1997: ÖVP 15, SPÖ 8, FPÖ 2. Gemeinderatswahlen im Burgenland 2002: ÖVP 16, SPÖ 9. Gemeinderatswahlen im Burgenland 2007: ÖVP 14, SPÖ 8, GRÜNE 2, FPÖ 1. Gemeinderatswahlen im Burgenland 2012: ÖVP 12, SPÖ 10, GRÜNE 2, FPÖ 1. Gemeinderatswahlen im Burgenland 2017: ÖVP 11, SPÖ 10, GRÜNE 2, FPÖ 2. Gemeinderatswahlen im Burgenland 2022: SPÖ 12, ÖVP 10, GRÜNE 2, FPÖ 1.
Marktrichter und Bürgermeister