Illmitz () ist eine Marktgemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Bezirk Neusiedl am See im Burgenland in Österreich. Sie liegt im Osten des Neusiedler Sees im so genannten Seewinkel.

Geografie

Illmitz ist die flächengrößte Gemeinde des Burgenlands. Im Süden grenzt das Gemeindegebiet an Ungarn, im Westen an den Neusiedler See, im Norden an Podersdorf am See und im Osten an Apetlon.

Nachbargemeinden

Geschichte 3200 vor Chr. bis 1217 Der älteste Fund auf Illmitzer Boden, ein spätjungsteinzeitlicher Grabfund (wahrscheinlich aus der Kugelamphorenkultur), stammt aus der Ried „Teilung“. Zahlreiche Streufunde, von der Jungsteinzeit an bis zur Römerzeit, konnten aus den Fluren um den Oberen Stinkersee zutage gebracht werden. Der bekannteste ist ein rund 3200 Jahre altes Steinkistengrab mit einem „Seelenloch“.

Der Fund ist im Naturhistorischen Museum in Wien ausgestellt. 1958 wurde in den „Schellgärten“ ein römischer Weihaltar zu Ehren des Gottes Mithras gefunden. Ein weiterer Kulturgegenstand aus der Römerzeit (1.–2. Jahrhundert n. Chr.) ist eine relativ große (etwa 25 cm) Amorstatue. Nachweislich haben in Illmitz auch Awaren gelebt; in der heutigen Seegasse, in der ehemaligen Ziegelgrube, wurden 17 awarische Gräber entdeckt.

Um circa 995 heiratete Stephan I. Gisela von Bayern. Darauf siedelten sich viele Bayern unter anderem auf dem Gebiet des Burgenlandes (Deutsche Ostsiedlung) und auch im heutigen Seewinkel an. Diese Siedler gelten als direkte Vorfahren der heutigen „Illmitzer“ Bevölkerung. Es entstand ein nahezu geschlossen deutschsprachiges Gebiet außerhalb der Grenzen des Heiligen Römischen Reiches, das man später als Habsburgisch-Ungarn bzw. Deutsch-Westungarn bezeichnete.

Erstmalige Erwähnung Erstmals urkundlich erwähnt wurde Illmitz als „Pred. Ygmeleech“ bzw. „Illmeuch“ im Jahr 1217. In diesem Jahr schenkte Propst Herkules von Eisenburg aus dem Geschlecht der Osl seinen Illmitzer Besitz (Oberillmitz) dem Eisenburger Domkapitel, was der ungarische König Andreas II. bestätigte.

Besitzer der Gebiete Besitzmäßig war das Gebiet in ein Ober- und Unterillmitz geteilt. Unterillmitz war im Besitz von weltlichen Grundherrschaften. In mehreren Urkunden wird über zahlreiche Besitzstreitigkeiten gegen Ende des 14. Jahrhunderts berichtet. 1410 kam Unterillmitz in den Besitz der adeligen Familie Kanizsai, Besitzer der Herrschaft Eisenstadt. Im Jahr 1622 übergab Kaiser Ferdinand II. die Herrschaft Eisenstadt und die Grafschaft Forchtenstein an Nikolaus I. Esterházy. Mit der „Rückgliederung Eisenstadts an Ungarn im Jahr 1649“ wurde Unterillmitz ein Teil des Komitates Wieselburg. Bei einer Neueinteilung der Esterházyschen Grundherrschaft im 18. Jahrhundert kam Unterillmitz zur Herrschaft Frauenkirchen. Oberillmitz war geistlicher Besitz, es gehörte dem Propst von Eisenburg, ab 1217 dem Domkapitel Eisenburg. Im Jahr 1777 ging der Besitz mit der Verlegung des Kapitels nach und nach auf Steinamanger über. 1802/1803 wurde der gesamte Ort dem Komitat Wieselburg eingegliedert.

Geschichte der Illmitzer Kirche Die alte Martinskirche ist urkundlich im Jahr 1299 erwähnt. Sie stand in Unterillmitz, auf der Anhöhe beim Kirchsee. Da das Wasser des Sees und der Lacken anstieg, konnte sie nur schwer besucht werden. Die Gemeinde musste aufgegeben werden (1363), daher verödete auch die Kirche. Erst im Jahr 1438 konnte sie wieder instand gesetzt werden. Eine Neubesiedelung des Ortes erfolgte zu Beginn des 15. Jahrhunderts. In dieser Zeit dürfte es hier auch schon eine Pfarrschule gegeben haben. 1437–1468 studierten bereits mehrere Studenten aus Illmitz, die ihr Grundwissen wohl in der Heimatschule erworben hatten, an der Wiener Universität.

Als die Türken im Jahr 1529 verheerend durch den Seewinkel zogen, hatte auch Illmitz zu leiden. Der Protestantismus fasste im Ort bereits sehr früh Fuß. Durch die Restaurationsbestrebungen der Esterházy war der Ort aber 1674 wieder überwiegend katholisch. mini|Illmitz (rechts unten) am damals ausgetrockneten Neusiedler See, um 1873 (Aufnahmeblatt der Landesaufnahme)

1630 bis 1898 Illmitz erlebte auch im Türkenkrieg 1683, im Bocskayaufstand 1605 sowie im Bethelen- und Kuruzenkrieg (1620, 1704–1709) das gleiche Schicksal wie die anderen Orte des Seewinkels.

Im Jahr 1767 erließ Kaiserin Maria Theresia das Urbarialpatent, das die Bauern gegen die Willkür der herrschaftlichen Beamten schützte. Die Bauernbefreiung 1848 brachte die Abschaffung der adeligen Vorrechte und der Grunduntertänigkeit. Der von den Bauern bewirtschaftete Pachtgrund ging gegen eine Ablöse in deren Eigentum über, Weide und Wald blieben Gemeinschaftsbesitz. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts war die Viehwirtschaft die wichtigste Einnahmequelle der Illmitzer. 1898 wurde in Illmitz die erste Milchgenossenschaft des Komitats Wieselburg gegründet. Der „Illmitzer Käse“ wurde sowohl in Wien als auch in Budapest überaus geschätzt.So ein Käse in Nationalparkgeschnatter von Dezember 1993

Seit 1898 musste aufgrund der Magyarisierungspolitik der Regierung in Budapest der ungarische Ortsname Illmic verwendet werden.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kam es auch im Seewinkel zu großen Auswanderungswellen vor allem nach Nordamerika.

1905 bis 1921 1905 wurden das Straßendorf Oberillmitz und das Angerdorf Unterillmitz vereinigt. Der Ort gehörte wie das gesamte Burgenland bis 1920/21 zu Ungarn (Deutsch-Westungarn). Nach Ende des Ersten Weltkriegs wurde nach zähen Verhandlungen Deutsch-Westungarn in den Verträgen von St. Germain und Trianon 1919 Österreich zugesprochen. Der Ort gehört seit 1921 zum neu gegründeten Bundesland Burgenland (siehe auch Geschichte des Burgenlandes).

1939 bis 1945 Während des Zweiten Weltkrieges kam es bei Illmitz zu keinen wesentlichen Gefechten. Hier half die abgeschiedene Lage des Ortes, wo weder verteidigt wurde, noch erobert werden musste. Überwiegend im Luftraum über Illmitz kam es zu Gefechten, welche Notlandungen und Abstürze nach sich zogen. Illmitz lag nahe der Flugroute alliierter Bomberverbände, die Wiener Neustadt als Rüstungsziel (Messerschmitt Bf 109, Daimler-Benz Flugmotorenproduktion) bombardieren wollten. Zudem wurde der Neusiedlersee und das angrenzende Umland als Übungsfluggebiet der Luftwaffe (Wiener Neustadt) verwendet.

Ab den 1950er Jahren 1955 gab es einen verheerenden Brand in Illmitz, bei dem ganze Gassen abbrannten (insgesamt 32 Gebäude). Ausgelöst wurde der Brand von einem sechsjährigen Jungen, der in der Scheune seines Vaters Stroh entzündete. Da ein Großteil der Häuser mit Schilf gedeckt war, griff das Feuer rasch auf andere Gebäude über. Die schlechte Ausrüstung der Feuerwehren nach dem Zweiten Weltkrieg erschwerte die Löscharbeiten merklich.

1967 wurde der Ort zur Marktgemeinde erhoben. 1967–1972 wurde die Hauptschule errichtet. Die Seebadanlage wurde erweitert, und im Ort entstanden einige Grünanlagen. Ein weiteres wirtschaftliches Standbein in Illmitz, der Tourismus, verzeichnete in den 1970er Jahren einen Aufschwung: Illmitz wurde zur drittgrößten Tourismusgemeinde des Burgenlandes.

In den 1960er und 1970er Jahren begann ein rasanter Wirtschaftsaufschwung in der Gemeinde. Rückgang der Viehzuchtbetriebe, Expansion in der Weinwirtschaft und der einsetzende Massentourismus vor allem aus Deutschland veränderten die Gemeinde nachhaltig. In dieser Zeit setzte auch ein tiefgreifender Modernisierungs- und Bauboom ein. Infrastrukturmaßnahmen wie Abwasser-, Stromleitungen sowie Straßenbaumaßnahmen wurden eingeleitet. Leider nahm man, dem Zeitgeist entsprechend, keine Rücksicht auf alte Bausubstanz und den damals zahlreich vorhandenen Barockgiebelfassaden. Seither wird das Ortsbild oft von Allerweltsstockhäusern und Siebzigerjahre-Zweckbauten geprägt.

Beispielhaft für diese Zeit ist auch das Projekt Neusiedler-See-Brücke von Landeshauptmann Theodor Kery aus den Jahren 1970/71, welches die verkehrstechnische Erschließung des Seewinkels, durch eine Brücke zwischen Mörbisch und Illmitz ermöglichen hätte sollen. Anlässlich der Eröffnung der Hauptschule Illmitz 1971 sagte Kery: „Wir wollen das ganze Land aufbauen und kein Gebiet als Reservat zurücklassen, in dem die Menschen abwandern, weil sie keine modernen Lebensbedingungen vorfinden.“Fabian Stegmayer: Das Projekt Seebrücke – „Brückenkampf“ am Neusiedler See, Diplomarbeit, Universität Wien, 2013.

Letzten Endes wurde die Brücke nicht gebaut, nicht nur wegen des negativen Gutachtens der einberufenen deutschen Expertenkommission, sondern auch wegen der langsam reifenden Einsicht, dass der Erhalt der Jahrhunderte gewachsenen Natur- und Kulturlandschaft, als sehenswerte Attraktion, ökonomisch, ökologisch und auch touristisch ertragreicher erschien.

Am 12. Februar 1993 wurde der Nationalpark Neusiedler See – Seewinkel eröffnet.

Am 3. April 2020 kam es seeseitig zu einem größeren Brand im Schilfgürtel, der am Folgetag mit Unterstützung von 2 Hubschraubern des Bundesheers mit je einem 3 m³ Wasser fassenden Löschgefäss gelöscht wurde.Schilfbrand Illmitz – Black Hawk im Einsatz orf.at, 4. April 2020, abgerufen am 4. April 2020.

Bevölkerungsentwicklung

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Pfarrkirche Illmitz mini|Innenraum der Pfarrkirche

Die Pfarrkirche Illmitz hl. Bartholomäus ist eine katholische Pfarrkirche. Da die alte Martinskirche auf der Anhöhe beim Kirchsee nur schwer erreicht werden konnte, entstand im Dorf 1715 eine Kapelle, die der Heiligen Familie geweiht war. 1775 wurde an ihrer Stelle der Grundstein für die heutige Kirche gelegt. Sie wurde im spätbarocken Baustil errichtet und war 1792 fertiggestellt. Schließlich kam es in den Jahren 1977/78 zu einer Vergrößerung in Form eines modernen Neubaus an der Nordseite. Da der Denkmalschutz einen totalen Abriss der alten Kirche verhinderte, wurden nur die „Seitenflügel“ geschleift und der Zubau errichtet. Der Hochaltar (bez. 1783) stammt aus dem aufgelassenen Augustinerinnenkloster in Eisenstadt. Er besteht aus einem zweigeschoßigen Aufbau mit dem Altarbild des hl. Bartholomäus. Die barocken Holzfiguren und die Pietàsäule mit Engelkopfkapitell stammen aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Kriegerdenkmal mit Pietà: Auf dem Hauptplatz vor dem Brunnen stand ursprünglich eine Steinplastik aus dem Jahr 1757. Heute steht auf dem neu gestalteten Platz vor dem Pfarramt das Kriegerdenkmal. mini|St. Bartholomäus-Quelle St. Bartholomäus-Quelle: Wegen der seinerzeitigen seichten und meist offenen Dorfbrunnen, deren Wasser überaus hoch mineralisiert waren und die in den meisten Fällen in hygienischer Hinsicht kein einwandfreies Wasser enthielten, wurde in den Jahren 1930/31 die Bartholomäus-Quelle erbaut. Der halbartesische Brunnen fördert aus einer Tiefe von 188 Metern Heil- und Mineralwasser zutage. Die Bartholomäus-Quelle ist seit 1996 von der burgenländischen Landesregierung als Heilquelle anerkannt. Das sogenannte „Arteserwasser“ enthält viel freie Kohlensäure mit einer schwach sauren Reaktion. Der Natrium-Hydrogencarbonat-Mineral-Trinksäuerling eignet sich besonders für Trinkkuren bei Magen-Darm- und Harnwegserkrankungen. Das alte Brunnengebäude wurde im Zuge der Hauptplatzgestaltung komplett geschleift und dann ein neues Gebäude mit einer Natursteinausstattung aus Dorfergrün errichtet. Ortsbild: Zahlreiche Störche, die auf den Dächern von Illmitz nisten, prägen das Ortsbild. In Illmitz sind bis heute noch vereinzelt alte, schilfgedeckte Häuser erhalten geblieben. Zwerchhof: der Zwerchenhof mit Barockgiebel und Schilfdach ist das älteste erhaltene Bauernhaus. Das Haus steht unter Denkmalschutz und gilt als das besterhaltene Bauernhaus des Seewinkels. Es ist zum Teil über 250 Jahre alt, aus gepressten Lehmziegeln erbaut und besitzt einen restaurierten Innenhof sowie eine alte Weinpresse. Aus diesem barocken Bauernhaus und dem benachbarten Ganglhof entstand der heutige Florianihof, der schon etliche Male brannte. Kreuzscheune Illmitz: Die denkmalgeschützte Pußtascheune beherbergt eine Heurigenschänke.