Die Windblumen-Königskerze, Gewöhnliche Königskerze oder Windlicht-Königskerze (Verbascum phlomoides) ist eine Pflanzenart aus der Gattung Königskerzen (Verbascum) in der Familie der Braunwurzgewächse (Scrophulariaceae). Das Artepitheton bezieht sich auf das griechische Wort ϕλόμoς (phlómos) für Königskerze.Helmut Genaust: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. Birkhäuser, Basel/Stuttgart 1976, 3. Auflage ISBN 3-937872-16-7.

Beschreibung mini|Gestieltes, behaartes Grundblatt mini|Illustration mini|Blüten

Vegetative Merkmale Die Windblumen-Königskerze ist eine hapaxanthe krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 50 bis 200 Zentimetern.

Die Laubblätter sind auf beiden Seiten dicht wollig-filzig mit Stockwerkshaaren besetzt. Die Grundblätter sind deutlich gestielt. Die Stängelblätter sind nur wenig am Stängel herablaufend, deutlich abstehend und undeutlich gekerbt. Die weiter oben stehenden Stängelblätter sind kürzer und wirken dadurch dreieckig.

Generative Merkmale Die zwittrigen Blüten duften schwach. Die Blütenkronen sind gelb gefärbt und messen 35 bis 55 Millimeter im Durchmesser. Die drei oberen Staubfäden sind gelb bebärtet, die zwei unteren hingegen kahl. Die Antheren der unteren Staubfäden sind 3 bis 5,5 Millimeter lang und laufen am Staubfaden herab. Die Narbe ist keulenförmig und etwas am Griffel herablaufend.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 32 oder 34. bei einer Chromosomengrundzahl von 8.Eintrag Verbascum phlomoides bei biolflor -Datenbank biologisch-ökologischer Merkmale der Flora von Deutschland

Krankheiten

Die Windblumen-Königskerze kann vom Rostpilz Uromyces verbasci befallen werden.Peter Zwetko: [ Die Rostpilze Österreichs.] Supplement und Wirt-Parasit-Verzeichnis zur 2. Auflage des Catalogus Florae Austriae, III. Teil, Heft 1, Uredinales. (PDF; 1,8 MB).

Vorkommen Die Windblumen-Königskerze kommt fast in ganz Europa vor, erreicht nordwärts aber nur Dänemark. Darüber hinaus kommt sie in der Türkei, im Kaukasusraum, in Kasachstan und in Westsibirien vor. In Österreich tritt die Windblumen-Königskerze in allen Bundesländern auf der collinen bis submontanen Höhenstufe häufig bis zerstreut auf, in Westösterreich ist sie jedoch selten. In Deutschland gilt sie als Archäophyt und tritt zerstreut in Bayern, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, West-Nordrhein-Westfalen, Hessen, Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Ost-Niedersachsen und Mecklenburg auf. Selten kommt sie in Ost-Nordrhein-Westfalen, West-Niedersachsen und Schleswig-Holstein vor. Insgesamt ist der Bestand abnehmend.Eckehart J. Jäger: Rothmaler - Exkursionsflora von Deutschland. 21. Auflage, Springer, 2017, ISBN 978-3-662-49707-4, S. 664 In der Schweiz kommt sie zerstreut in der kollinen Höhenstufe vor.Eintrag: Verbascum phlomoides L. in infoflora - Das nationale Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora

Sie wächst an Böschungen, Straßen- und Wegesrändern, sowie auf Schuttplätzen in Höhenlagen bis 800 Metern. Sie gedeiht am besten auf mäßig frischen bis mäßig trockenen, basen- und nährstoffreichen Lehmböden. Sie ist in Mitteleuropa eine Charakterart des Verbandes Onopordion acanthii. Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 2 (mäßig trocken), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 4 (neutral bis basisch), Temperaturzahl T = 4+ (warm-kollin), Nährstoffzahl N = 4 (nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 4 (subkontinental).

Ökologie Bei der Windblumen-Königskerze werden weibliche, männliche und zwittrige Blüten gebildet, die sich unterschiedlich auf die einzelnen Pflanzenexemplare verteilen können. Gewöhnlich befinden sich zwittrige und weibliche Blüten auf einer Pflanze (Gynomonözie). Selten wurden nur weibliche und nur zwittrige Blüten auf verschiedene Pflanzen verteilt vorgefunden, ebenso wie rein weibliche und monözische Blüten auf verschiedenen Pflanzen.(Gynodiözie).

Die Windblumen-Königskerze wird von Insekten bestäubt. Sie bietet keinen Nektar an, hält aber ein reichliches Pollenangebot für die Bestäuber bereit. Daher wird sie gemäß der Blumenklassen nach Müller als Pollenblume bezeichnet. Als Hauptbestäuber treten kurzrüsselige Bienen, Syrphiden, Käfer, und Fliegen in Erscheinung. Die Windblumen-Königskerze ist selbstinkompatibel nach dem GSI-Typ (Gametophytische Selbst-Inkompatibilität). Dies bedeutet, dass der Pollen gewöhnlich auf der Narbe auskeimen kann, der Pollenschlauch im Griffel jedoch das Wachstum einstellt, wenn das S-Allel des haploiden Pollens mit einem der S-Allele des diploiden Griffels übereinstimmt.Eintrag Selbstinkompatibilität in Lexikon der Biologie, Spektrum.de

Als Frucht wird eine septizide Kapsel gebildet.Eintrag Verbascum Linnaeus in der Flore of China Charakteristikum ist, dass sie sich längs der Verwachsungsnähte der ehemaligen Fruchtblätter öffnet.Eintrag Fruchtformen in Pschyrembel online, Walter de Gruyter, Berlin. Die Ausbreitung der Samen erfolgt über Stoßausbreitung (Semachorie), dies bedeutet, dass die Samen der nach oben sich öffnenden Kapsel durch Windböen oder vorbeistreifende Tiere herausgeschüttelt werden.

Die Windblumen-Königskerze stellt für einige Falter aus der Familie der Eulen eine Futterpflanze dar. So für die Veränderliche Herbsteule (Agrochola lychnitis), die Achateule (Phlogophora meticulosa) und den Königskerzen-Mönch (Shargacucullia verbasci), der oligophag auf die Gattung Verbascum angewiesen ist.Verbascum phlomoides L., Windblumen-Königskerze als Schmetterlingsfutterpflanze in FloraWeb.de

Taxonomie Die Windblumen-Königskerze wurde 1753 von Carl von Linné in Species Plantarum Band 2 Seite 1194 als Verbascum phlomoides erstbeschrieben.

Nutzung Die Windblumen-Königskerze wird bisweilen als Zierpflanze in Naturgärten und zur Terrassengestaltung verwendet. Durch ihre Größe kommt sie als Einzelpflanzung an geeigneten Stellen besonders gut zur Geltung. Gelegentlich wird die früher auch als Schafzagel (Schafschwanz)Gundolf Keil: Die „Cirurgia“ Peters von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes (= Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm. Band 2). Stadtarchiv, Ulm 1961 (zugleich Philosophische Dissertation Heidelberg 1960: Peter von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes), S. 456. bezeichnete Königskerze auch als Heilpflanze angebaut. Sie benötigt einen vollsonnigen Standort. Die Vermehrung erfolgt durch Aussaat.

Literatur

Einzelnachweise

Weblinks

Thomas Meyer: Königskerze Datenblatt mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Flora-de: Flora von Deutschland (alter Name der Webseite: Blumen in Schwaben).

Kategorie:Königskerzen