mini|Harald Kretzschmar bei einer Finissage im Oktober 2009 Harald Kretzschmar (* 23. Mai 1931 in Berlin; † 27. Juni 2024 in Kleinmachnow) war ein deutscher Karikaturist, Grafiker und Feuilletonist, der vor allem durch seine Porträtkarikaturen bekannt wurde und in der DDR einer der bekanntesten Karikaturisten war.
Leben und Werk Nach seinem Abitur an der Kreuzschule in Dresden studierte Harald Kretzschmar von 1950 bis 1955 an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig. Seitdem arbeitete er freischaffend. 1954 veröffentlichte er seine ersten Karikaturen in der Leipziger Volkszeitung. Angeregt durch Hannes Hegen„Wenn ich zeichne, dann quatsche ich nicht“, in: junge Welt, 8. Juni 2019. kam er 1955 zum Eulenspiegel, wo er schon bald zum festen Stamm der Zeichner gehörte und bis 1991 blieb.Michael Hametner: Nichts hat sich erledigt. Porträt: Der Karikaturist Harald Kretzschmar fing 1955 beim Satiremagazin „Eulenspiegel“ an. Nun wird er 90 – und ist weiter aktiv. In: der Freitag vom 20. Mai 2021, S. 19. Neben Zeichnungen zu außen- und innenpolitischen Themen in dieser wöchentlich erscheinenden Zeitschrift für Humor und Satire bestritt er zum größten Teil die Kolumne der Porträtkarikatur auf der seit 1958 bestehenden Kulturseite 6. Zahlreiche Veröffentlichungen in anderen Medien erweiterten seinen Aktionsradius – vor allem auf dem Buchmarkt. Daraus erwuchs das Verfassen von Porträt-Essays, Glossen und Kunstkritiken.
Kretschmar war bis 1990 Mitglied der Pirckheimer-Gesellschaft und des Verbands Bildender Künstler der DDR. Ab 1975 gehörte er dessen Präsidium an. Er organisierte als Vorsitzender der Zentralen Sektionsleitung Karikatur zahlreiche Ausstellungen, wie Ökonokomik, Karigrafie und das als nationale Karikaturensammlung der DDR gedachte Satiricum Greiz. Er hatte in der DDR und im Ausland eine bedeutende Zahl von Einzelausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen, u. a. von 1958 bis 1988 an allen Deutschen Kunstausstellungen bzw. Kunstausstellungen der DDR in Dresden.
Neben Presseveröffentlichungen, seit 1990 verstärkt in der Tagespresse, trat er mit Druckgrafik und anderen freien Arbeiten (Acryl-Porträts) hervor. Außerdem war er ein gefragter Schnellporträtist für Veranstaltungen aller Art. Sein erstes Theatererlebnis, Nathan der Weise mit Erich Ponto im zerstörten Dresden, erklärte er 2019 in einem Interview mit der Jungen Welt, habe ihn zum „politischen Menschen“ gemacht.
Seinem Heimatort Kleinmachnow, in dem er seit 1956 wohnte, setzte er 2008 mit dem Buch Paradies der Begegnungen: Der Künstlerort Kleinmachnow (Faber & Faber, Leipzig, 2008; ISBN 978-3-86730-082-7) ein Denkmal.
Sein Grab befindet sich auf dem Südwestkirchhof Stahnsdorf.
Ehrungen 1963: 2. Preis der internationalen Ausstellung „Satire im Friedenskampf“ 1970: in Belgien Preis für künstlerische Gebrauchsgrafik 1971: Kunstpreis der DDR 1976: Kunstpreis des FDGB 1984: Vaterländischer Verdienstorden in Silber 1988: Hans-Grundig-Medaille
Rezeption „Pointiert ist sein Strich, den die Vorliebe fürs entschlossen Knappe charakterisiert, verbunden mit Lapidar-Symbolischem, leicht Lesbarem.…Seine Porträtkarikaturen, vor allem von prominenten Künstlern und Denkern der DDR wie aus dem […] wiedervereinigten Deutschland […] sind sprichwörtlich ‚auf den Typ‘ gebracht.“Ingeborg Ruthe: Von Ideen besessen. In: Berliner Zeitung, 19. Mai 2021.
Museen und öffentliche Sammlungen mit Werken Kretzschmars (unvollständig) Bonn: Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland Greiz: Satiricum Königs Wusterhausen: Stiftung Museen für Humor und Satire
Werkbeispiele
Porträtkarikaturen 1976/77: Zyklus Kretzschmarporträts Lithografien (u. a. Erwin Geschonneck, Wolf Kaiser, Gisela May) 1985/88: Zyklus Schriftsteller Terrakotten (u. a. Heinrich Böll, Elias Canetti, Jean Cocteau, Michail Scholochow) 1993/98: Zyklus Literarische Porträts Acrylfarbe (u. a. Günter Grass, Hermann Kant, Garcia Marquez, George Tabori)
Satirische Druckgrafik 1980: Das Erbe des Diktators 1982: Hilfe! 1983: Das liebe Kollektiv 1984: Na na na na 1988: Fingerzeige
Politische Karikaturen 1965: Ideen hat der Junge! Wie die Bauakademie... 1968: Ich leite! 1975: Wir befinden uns in bester Wegwerfgesellschaft 1989: Erichs Weihnachtsbaum 1998: Die Kartei, die Kartei, die hat immer recht 2000: Sie meinen doch nicht etwa, das hat System?
Publizierte Essays
Lesen und Betrachten, Sammeln und Bilden, Schreiben und Zeichnen. In: Marginalien. Zeitschrift für Buchkunst und Bibliophilie. Berlin, Zweiundachtzigstes Heft, 2/1981, S. 49–57
Man muss seiner Zeit angehören. Stichworte zu einem Berufsbild. In: Bildende Kunst, Berlin, 2/1986, S. 57–60
Ausstellungen seit der deutschen Wiedervereinigung (unvollständig) Seit 2001: diverse Personalausstellungen im Satiricum Greiz. 2001: Dresden, Stadtmuseum („Dresdner Köpfe“) 2011: Luckau, Cartoonmuseum („In bester Wegwerfgesellschaft“) 2013: Leipzig, Städtisches Museum („Leipziger Köpfe“) 2017: Merseburg, Willi-Sitte-Galerie („Harald Kretzschmar: Querdurch und mittendrin – Satirezeichnungen zur Unkultur unserer Zeit 1954–2016“) 2024: Greiz, Sommerpalais („Harald Kretzschmar und seine geliebten Franzosen“) 2026: Greiz, Sommerpalais (Einzelausstellung)
Literatur (Auswahl) 1962: Mimen & Mienen. 50 Köpfe von Bühne und Film. Erste Folge, Kommentiert von Rudi Strahl. Henschel, Berlin, . 1965: Mimengalerie. Porträtkarikaturen von Harald Kretzschmar kommentiert von Rudi Strahl, Henschel, Berlin. 1976: Klaus Haese: Harald Kretzschmar und die Kunst der Karikatur. In: Bildende Kunst, Berlin, 9/1976, S. 456–458 1980: Eulen-Leute, Eulenspiegel, Berlin. 1980: Bärenspiegel – Berliner Karikaturen aus drei Jahrhunderten. Berlin-Information, Berlin, ; 1985, 1982: Spitzen, hrsg. von Harald Kretzschmar und Klaus Vonderwerth, Eulenspiegel-Verlag. 1986: Augenblicke Reiseskizzen, Eulenspiegel-Verlag, Berlin. 1987: Hökerfrau und Leierkastenmann – Altberliner Karikaturen. Kinderbuchverlag, Berlin, ISBN 3-358-00061-3. 1988: Von Angesicht zu Angesicht, Porträtkarikaturen, Eulenspiegel-Verlag, Berlin. 1991: Macher und Gemachte, Kopfbetrachtungen Texte Hans-Dieter Schütt, Reiher Verlag. 1993: Kurt Flemig: Karikaturisten-Lexikon. K. G. Saur; ISBN 3-598-10932-6; S. 156/157 1995: Is was? Texte und Karikaturen 1984–1994. Edition Ost, Berlin. 2001: Wem die Nase paßt. Eulenspiegel, Berlin, ISBN 3-359-01403-0. 2008: Paradies der Begegnungen: Der Künstlerort Kleinmachnow. Faber & Faber, Leipzig, ISBN 3-86730-082-8. 2009: Harald Kretzschmar und Hans-Dieter Schütt: Hauptsache Kopflos. Zwanzig deutsche Jahre seit dem Mauerfall - die etwas andere Chronik. Glossen & Gesichter. Karl Dietz Verlag. 2010: Kretzschmar, Harald. In: Dietmar Eisold (Hrsg.): Lexikon Künstler in der DDR. Verlag Neues Leben, Berlin, ISBN 978-3-355-01761-9, S. 484/485 2011: Mimen & Mienen 2011. Porträtkarikaturen zur Filmgeschichte. mit einem Nachwort von F. W. Bernstein, Schaltzeit, Berlin, ISBN 978-3-941362-12-3. 2015: Treff der Originale. Prominent in und um Kleinmachnow. Verlag für Berlin-Brandenburg, Berlin, ISBN 978-3-945256-35-0. 2017: Keine Systemkritik gleich keine Qualität? In: Neues Deutschland vom 18./19. Februar 2017, S. 21 (ausführliche Rezension zu drei Büchern über Satire und politische Karikatur in der DDR). 2017: Stets erlebe ich das Falsche. Der alternative Künstlerreport. Quintus-Verlag, Berlin, ISBN 978-3-947215-03-4.
Weblinks
Bildindex der Kunst und Architektur BArch N 2854
Einzelnachweise
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