mini|Frontispiz der Ausgabe von 1840 I Promessi Sposi (deutsch: Die Verlobten oder Die Brautleute) Die wörtliche Übersetzung des Titels wäre „Die (einander) versprochenen Eheleute“, also dem Sinne nach „Die Verlobten“, aber da Manzoni nicht das gewöhnliche italienische Wort fidanzati gewählt hat, sondern die etwas altertümlichere und gehobenere Bezeichnung promessi sposi, bietet sich als deutscher Titel – ähnlich dem englischen The Betrothed – „Die Brautleute“ an. ist der Titel eines historischen Romans des italienischen Autors Alessandro Manzoni. Die erste Fassung erschien 1827 und die endgültige 1840–1842 in Mailand. Der Untertitel Storia milanese del secolo XVII, scoperta e rifatta da Alessandro Manzoni („Mailändische Geschichte aus dem 17. Jahrhundert, entdeckt und neu eingerichtet von Alessandro Manzoni“) weist das Werk als Nacherzählung einer vorgefundenen Quelle aus. In Wahrheit ist diese Angabe eine Herausgeber- bzw. Manuskriptfiktion und das Werk Manzonis ist das erste Beispiel des modernen italienischen Romans und eines der wenigen Werke der italienischen Romantik.
Überblick über die Haupthandlung mini|Renzo in der Ausgabe von 1840 (Illustration von Francesco Gonin) mini|Lucia (dito) mini|Don Rodrigo (dito) Manzonis Roman spielt in den Jahren 1628–1630 im Herzogtum Mailand, das damals von Spanien beherrscht wurde, sowie im benachbarten Bergamo, das zur Republik Venedig gehörte, und handelt von zwei jungen Leuten, Renzo und Lucia, die in einem Dorf bei Lecco am Comer See leben und heiraten wollen, aber von dem örtlichen Feudalherrn Don Rodrigo, der sein Auge auf Lucia geworfen hat, daran gehindert und verfolgt werden, weshalb sie aus ihrem Dorf fliehen müssen.
Lucia findet durch die Hilfe des Kapuzinermönchs Pater Cristoforo Zuflucht in einem Nonnenkloster in Monza, wo die rätselhafte adlige Nonne Gertrude, meist nur als „die Signora“ bezeichnet, sich ihrer annimmt.deren dramatische, auf einer wahren Begebenheit beruhende Geschichte wird in den Kapiteln 9–10 als „Roman im Roman“ erzählt. Eine mehr als doppelt so lange Fassung dieser Geschichte, die sich in Manzonis erstem Entwurf des Romans aus den Jahren 1821–1823 findet, ist nach dem Zweiten Weltkrieg als selbständige Erzählung unter dem Titel La Monaca di Monza veröffentlicht (dt. Die Nonne von Monza, übersetzt von Heinz Riedt, München 1966; dtv, 1988) und mehrmals verfilmt worden. Renzo zieht nach Mailand, wo er in einen Volksaufstand wegen zu hoher Brotpreise gerät. Er wird als politischer Aufwiegler beschuldigt und verhaftet, kann aber entkommen und über die Grenze in ein Dorf bei Bergamo zu einem dort lebenden Vetter fliehen. Unterdessen wird Lucia auf Betreiben Don Rodrigos aus dem Kloster entführt und in die hoch auf einem steilen Felsen gelegene Burg eines Feudalherrn gebracht, der weit und breit als brutaler Raubritter gefürchtet und stets nur als „der Ungenannte“ bezeichnet wird. Dieser große Tyrann wird jedoch von Lucias frommer Unschuld und sanfter Reinheit sowie einer Begegnung mit dem charismatischen Mailänder Erzbischof Federico Borromeo so tief beeindruckt, dass er sich zu einem gläubigen Christen bekehrt und fortan als Friedensfürst und Wohltäter seiner Untergebenen wirkt. Er lässt Lucia frei und sie kommt bei einer reichen Familie in Mailand unter. Dort bricht bald darauf eine von Landsknechten importierte Pestepidemie aus, die sich bis ins venezianische Gebiet ausbreitet. Auch Renzo erkrankt, überlebt jedoch. Als er erfährt, dass Lucia in Mailand lebt, macht er sich auf die Suche nach ihr, irrt durch die von der Pest verheerte Stadt und findet seine Braut schließlich im Lazarett, wo sie, ursprünglich als Patientin eingeliefert, nach gleichfalls überstandener Krankheit als Pflegerin arbeitet. Jetzt muss noch ein Hindernis für die Hochzeit überwunden werden: Lucia hat auf der Burg des „Ungenannten“ ein Gelübde abgelegt, auf die Ehe zu verzichten, sollte sie aus den Fängen des Raubritters gerettet werden. Pater Cristoforo, der ebenfalls im Lazarett tätig ist, löst das Gelübde, weil es gegenüber dem zuerst geäußerten Eheversprechen zweitrangig ist. So kann das Paar schließlich heiraten. Die beiden verlassen zusammen mit Agnese ihre Heimat, kaufen in der Nähe von Bergamo eine Seidenspinnerei und bekommen viele Kinder.
Alles ist gut geworden, nach so viel Unglück und Nöten, und als die beiden nun glücklich Verheirateten sich am Ende nach der Lehre aus alldem fragen, gelangen sie zu dem Schluss, „dass Unglück und Nöte zwar häufig kommen, weil man ihnen Grund zum Kommen gegeben hat, aber dass auch die vorsichtigste und unschuldigste Lebensführung nicht genügt, um sie sich fernzuhalten, und dass, wenn sie kommen, ob durch eigene Schuld oder nicht, sie durch das Vertrauen in Gott gemildert und für ein besseres Leben nützlich gemacht werden können. Dieser Schluss scheint uns so richtig, obwohl er von einfachen Leuten gezogen worden ist, dass wir ihn hier ans Ende setzen wollen, gleichsam als den Kern der ganzen Geschichte.“Die Brautleute, deutsch von Burkhart Kroeber, München 2001, S. 854f.
Inhalt → Inhalt Vorrede Der Autor behauptet im Vorwort, sein Roman sei die Bearbeitung einer anonymen Handschrift aus dem 17. Jahrhundert, die eine wunderschöne Geschichte erzähle, die den Lesern nicht unbekannt bleiben solle. Doch wegen der ausschweifenden uneinheitlichen, zwischen Genialität und Plumpheit wechselnden Erzählweise und der fehlerhaften Sprache habe er den Text umgeformt und durch Erklärungen ergänzt.
Rodrigos Attacken auf Lucia (Kap. 1–8) Die Geschichte handelt von zwei einander versprochenen jungen Leuten, dem Seidenspinner Lorenzo (Renzo) Tramaglino und Lucia Mondella, die in einem Dorf bei Lecco am südlichen Ende des Comer Sees leben und heiraten wollen, aber in die Abgründe der Machtpolitik und der gesellschaftlichen Strukturen zu Anfang des 17. Jhs. in Oberitalien geraten. Ihre Leidenszeit beginnt mit dem Übergriff des lokalen Feudalherrn Don Rodrigo, der mit seinem Vetter Graf Attilio eine Wette abgeschlossen hat, Lucia zu seiner Geliebten zu machen. Am 7. November 1628 erpressen seine Wächter, die gewalttätigen „Bravi“, den Dorfpfarrer Don Abbondio, das Brautpaar nicht zu trauen (Kap. 1). Renzo und Lucia versuchen nach der Weigerung des verängstigten Pfarrers auf verschiedenen Wegen zu ihrem Ziel zu kommen, doch sie haben keinen Erfolg: Renzo konsultiert erfolglos einen von Rodrigo abhängigen Rechtsanwalt, den „Doktor Rechtsverdreher“, in Lecco (Kap. 3). Lucia und ihre Mutter Agnese bitten dann den Kapuzinermönch Pater Cristoforo um Hilfe, der Rodrigo vergeblich ins Gewissen zu reden versucht (Kap.6). Die folgenden drei Handlungen laufen nun gleichzeitig turbulent ab: Rodrigo beauftragt seine Bravi mit der Entführung Lucias in seinen Palast (Kap. 8). Diese finden jedoch Agneses Haus leer vor, denn sie versucht zu dieser Zeit den Pfarrer mit einem alten Brauch, dem Bekenntnis der beiden Verlobten zur Ehe vor zwei Zeugen im Pfarrhaus zu überrumpeln. Abbondio kann jedoch die Zeremonie abbrechen, indem er aus dem Fenster um Hilfe ruft. Der Messner läutet darauf die Sturmglocken. Die Bravi fürchten den Verrat ihrer Entführung und flüchten. Cristoforo hat bereits von dem Plan Rodrigos erfahren und ruft Lucia, Agnese und Renzo zu sich ins Kloster in Pescarenico. Um sie in Sicherheit zu bringen, organisiert er für Lucia eine Unterkunft in Monza und für Renzo eine in Mailand.
Im Folgenden werden die Renzo- und Lucia-Handlungsstränge getrennt im Wechsel vorgetragen.
Renzos Flucht (Kap. 11–17, 26–27) Renzo wandert nach Mailand, das damals von der spanischen Linie der Habsburger beherrscht wurde (Kap. 11), und gerät dort in einen Volksaufstand gegen die Erhöhung des Brotpreises (Kap. 12). Die unzufriedenen Menschen stürmen Bäckereien, plündern sie aus und versuchen in das Haus des Proviantverwesers, den sie für die Nahrungsmittelknappheit verantwortlich machen, einzudringen. Ihm kommt der Großkanzler Antonio Ferrer zu Hilfe. Dieser hatte die Krise ausgelöst, indem er vor der Erhöhung den Brotpreis unrealistisch niedrig unterhalb der Produktionskosten festsetzte, so dass die Bäckereien kein Mehl mehr kaufen und nicht mehr backen konnten. Jetzt tritt er als Volksfreund auf und beschwichtigt geschickt die Demonstranten durch die Zusage „Brot und Gerechtigkeit“. Er verspricht zum Schein, den Verweser zu bestrafen, und rettet ihn so aus seinem Haus (Kap. 13). Renzo ist wie die Menge davon überzeugt, dass Ferrer gerechte Gesetze erlässt, und hält aus seiner eigenen Erfahrung erlittenen Unrechts heraus eine Rede gegen die Gewaltherrscher und Tyrannen, die sich nicht an die Gesetze halten. Ein Polizeispitzel hört dies und verhaftet ihn als Aufwiegler und Anführer der Rebellen gegen die Regierung. Auf dem Weg zum Gerichtsgebäude kann er sich mit Hilfe einiger Passanten von den Schergen befreien, aus der Stadt fliehen und in einem nächtlichen Fußmarsch über den Fluss Grenzfluss Adda ins venezianische Bergamo entkommen (Kap. 15–17). Dort findet er am 13. November Aufnahme bei seinem Vetter Bortolo.
Die Renzo-Handlung wird nach dem Wechsel zu Lucias Geschichte einige Kapitel später fortgesetzt: Als auf Druck der Regierung Mailands im bergamaskischen Gebiet nach dem angeblichen Aufrührer gesucht wird, taucht er untern dem Namen Antonio Rivolta unter und arbeitet in einer 15 Meilen entfernten Manufaktur (Kap. 26). Bortolo streut verschiedene Gerüchte über sein Verschwinden und verwischt dadurch seine Spur. Renzo gelingt auf komplizierten Wegen eine Korrespondenz mit Agnese, die aber, da beide nicht lesen und schreiben können, durch die verschiedenen Stationen der mündlichen und schriftlichen Übertragung zu Missverständnissen bei Renzo über das Gelübde Lucias führt (Kap. 27). Ein halbes Jahr später hat sich die Republik Venedig wieder vom Einfluss Mailands befreit und Renzo kehrt zu Bortolo zurück, erkrankt an der Pest, überlebt und macht sich auf den Weg in seine Heimat, um nach Agnes und Lucia zu suchen.
Lucias Zuflucht im Kloster in Monza (Kap. 8–10) Lucia findet in einem Kloster in Monza Zuflucht (Kap. 9). Hier nimmt sich die wegen ihrer adligen mailändischen Familie „Signora“ genannte Nonne Gertrude ihrer an. Die Signora, die gegen ihren Willen auf Druck des Vaters Nonne werden musste, führt hinter frommer Maske ein Doppelleben und wird durch ihre verbotene Leidenschaft zu dem im Nachbarhaus wohnenden schurkischen jungen Egidio in zwei Verbrechen verstrickt. Sie lässt vermutlich durch ihren Geliebten eine Laienschwester, die der geheimen Affäre auf die Spur gekommen ist, ermorden (Kap. 10) und muss nach einer Phase der Freundschaft mit Lucia deren Entführung zulassen, die ihr Freund für einen mächtigen Raubritter, den „Ungenannten“, organisiert (Kap. 20). Später (Kap. 37) erfährt Lucia, dass Gertrude „grässlicher Handlungen“ beschuldigt und in ein Kloster nach Mailand versetzt wurde, wo sie ihr Unrecht einsah und dort für ihre Sünden büßt.
Entführung Lucias (Kap. 18–21)