mini|Westseite der Peterskirche mit Turm Die evangelische Peterskirche in Blansingen, einem Ortsteil der Gemeinde Efringen-Kirchen, wurde urkundlich erstmals im Jahr 1173 erwähnt. Der jetzige spätgotische Sakralbau wurde 1457 errichtet und enthält einen bemerkenswerten Bilderzyklus aus dem 15. Jahrhundert. Die gut erhaltenen Wandbilder, in Seccotechnik ausgeführt, zählen zu den bedeutendsten Zeugnissen mittelalterlicher Kunst am Oberrhein.Arno Herbener et al.: Kunst. Thermen. Wein. Entdeckungsreisen durch das Markgräflerland, S. 55.
Ungewöhnlich ist die Lage der Kirche; sie befindet sich entgegen der Tradition etwa fünfhundert Meter außerhalb des Dorfkerns. Eine Erklärung ist dafür nicht bekannt. Die dem Heiligen Petrus geweihte Kirche dient seit 1556 der evangelischen Kirchengemeinde Blansingen/Welmlingen/Kleinkems, heute im Kirchenbezirk Markgräflerland der Evangelischen Landeskirche in Baden als Gotteshaus.
Geschichte Grabbeigaben und das Petrus-Patrozinium lassen vermuten, dass dort bereits im frühen 7. Jahrhundert in der Zeit der Merowinger eine Kirche mit Friedhof existierte. Eine Notiz aus dem Jahr 1094 berichtet, dass das Kloster Sankt Georgen im Schwarzwald (Fundatio Monasterii Sancti Georgii) durch Herzog Berthold in den Besitz der Meierhöfe Blansingens und Kleinkems gelangte. 1173 wurde die Kirche in Blansingen zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Vermutlich im 10. Jahrhundert erhielt sie die an den Mauern ablesbaren Erweiterungen. Im Liber Marcarum in Diocesi Constanciensi ist verzeichnet, dass Blansingen 1275 zum Dekanat Wiesental gehörte. 1350 wurde die Pfarrkirche Blansingen in das Kloster St. Blasien inkorporiert; auch die Meierhöfe wurden im selben Jahr erwähnt. In diese Zeit fallen höchstwahrscheinlich der Bau des spätgotischen Chors und die Einsetzung der Lanzettfenster (lange, schmale Fenster mit steilen Spitzbögen) im Kirchenschiff. Zwischen 1360 und 1370 erwähnt der Liber Marcarum Blansingen „cum filia Welingen“ als zugehörig zum „Archidiaconatus Bisgoviae“ und „Decanatus Warembach“ (Warmbach). Die beiden Gemeinden Blansingen und Welmlingen sind bis heute als Kirchengemeinden miteinander verbunden. Die Kapelle St. Nicolai in Blansingen wurde 1432 erstmals erwähnt. Das Kloster St. Georgen trat 1464 seine Höfe in Kleinkems und Blansingen an den Markgrafen Rudolf von Hachberg ab. Die Wappen der Hachberger sind sowohl am alten Portal als auch im Chor der Kirche zu sehen.
Um 1440 wurde zum ersten Mal in einem Kupferstich des sogenannten Meisters der Spielkarten das Antlitz Vera Ikon (deutsch: wahres Bild) gewählt. Diese Darstellung weist überraschende Übereinstimmungen mit den Fresken der Epistelseite auf der Südwand der Peterskirche auf. Besonders das Blansinger Haupt gleicht dem Stich trotz der szenischen Schrägwendung sehr stark. Dieser Umstand lässt den Schluss zu, dass die Blansiger Freskenzyklen etwa von 1440 an entstanden sein müssen.Ueberwasser: Die Peterskirche zu Blansingen, S. 11. Die Fertigstellung der Kirche in ihrer jetzigen Form wird auf das Jahr 1457 datiert.frsw.de: Beschreibung der Dorfkirche St. Peter
mini|hochkant|Grabplatte im Turmeingang
Es ist überliefert, dass 1768 und 1788 die Blansinger Kirchengemeinde untertänige Bitten an das fürstliche Stift St. Blasien richtete, um den Neubau des Langhauses zu erwirken. Sie argumentierte, es „lasse sich wohl kein zum öffentlichen Gottesdienst gewidmetes Haus in höchst derselben Landen finden“, das „einer von Grund aus zu bewerkstelligenden Erneuerung dringender bedürfe“. Schon der erste Blick, den man in diese Kirche werfe, sei „traurig und widerstrebend“, da man „nichts als Dunkelheit auf allen Seiten“ sähe.Ehrlich: Zur Baugeschichte der ev. Kirche von Blansingen in „Badische Heimat“, Heft 2, 1956, 16. Jg. Offenbar waren diese Bitten vergebens, denn weder damals noch später wurde ein Neubau bewilligt. Allerdings ließ man zur Aufhellung des Innenraums große Spitzbogenfenster in die Langhausmauern brechen. Die Bildwände wurden dabei übertüncht und teilweise zerstört.
Die Fresken wurden 1924 bei Instandsetzungsarbeiten wiederentdeckt. Vor allem der Kunsthistoriker und Konservator der kirchlichen Kunstdenkmäler Joseph Sauer sowie der Lörracher Denkmalpfleger Julius Wilhelm setzten sich für den Erhalt der Bilderreihe ein. Die Kirchengemeinde war den notwendigen Arbeiten allerdings finanziell nicht gewachsen, so dass erst ab 1953 mit dem Freilegen der Fresken begonnen werden konnte. Die Arbeiten wurden von den beiden Restauratoren Walter Ueberwasser und Jürgen Brodwolf (* 1932) ausgeführt und mit staatlichen und kirchlichen Mitteln finanziert; sie dauerten bis 1955.Gemeinde Efringen-Kirchen: Geschichte von Blansingen Die im 19. Jahrhundert abgebrochene Sakristei wurde 1956 an gleicher Stelle wieder aufgebaut. In diesem Jahr fanden auch umfangreiche Restaurierungsarbeiten statt. Beispielsweise wurden der Altar und die Kirchenbänke instand gesetzt. In den Jahren 1984 und 1990 entdeckten Mitarbeiter des Landesdenkmalamts Überreste eines kleinen römischen Steinbaus, wahrscheinlich einer Villa rustica.
Beschreibung Die Blansinger Peterskirche liegt auf rund 335 Meter ü. N.N. östlich des eigentlichen Dorfkerns von Blansingen an der Kreisstraße 6320, die zur B 3 ins Engebachtal führt. Neben der Kirche steht der alte Zehnthof. Der Haupteingang des Sakralbaus befindet sich, wie am Freiburger Münster auch, am Kirchturm an der Westfront. Die Mauern des 22 Meter hohen Turmes, die mit den Jahren 1497 und 1498 datiert sind, überschneiden dabei einen älteren Torbogen mit seinem Wappenschmuck. Die Kirche ist traditionell orientiert; der gotisch überhöhte Chor weist ziemlich genau nach Osten. In Längsrichtung misst die Kirche vom Eingang bis zum Chor rund 34 Meter. In der Breite misst der Chor rund 11 Meter an seiner breitesten Stelle und hat im Grundriss die Form eines halben Achtecks. An der südlichen Kirchenaußenwand hängen Epitaphe, Grabplatten und eine Gedenktafel an die Veteranen des Deutschen Krieges von 1866 und des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/71.Onlineprojekt Gefallenendenkmäler: Blansingen (St. Peterskirche, 1866, 1870/71) Weitere Epitaphe und Grabplatten befinden sich im Turmeingang, im Chor und vor der Kanzel.
Ausstattung
Die Blansinger Peterskirche ist einfach und zurückhaltend eingerichtet. Sie wird dem Typus der Saalkirchen zugeordnet und verfügt über keine Kanzel. Die Kirchenbänke stammen ursprünglich von den Freiherren von Rotberg aus Rheinweiler. Die Familie besaß bis 1955 eine eigene Empore (auch Barone-Bühneli genannt). Diese wurde im Zuge der Renovierung der Kirche abgebrochen. Die Holzbänke erstrecken sich bis an die Nord- bzw. Südwände und lassen in der Mitte einen schmalen Gang zum Chor frei.
Der Altar steht, durch einen Triumphbogen abgetrennt, im Chorraum. Er wurde von einem Schopfheimer Steinmetz gestiftet und besteht aus rotem Sandstein. Das Altarkreuz aus der Kupfer-Zink-Legierung Tombak ist mit zwölf vom Isteiner Klotz stammenden Jaspissteinen geschmückt. Das Kreuz wurde von dem Metallbildner und Silberschmied Hayno Focken und der Waldkircher Edelsteinschleiferei Wintermantel geschaffen.
Orgel Die Orgel aus dem Jahr 1990 stammt von der der Firma Freiburger OrgelbauWerkliste und befindet sich, wenn man von Langhaus nach Osten blickt, rechts des Triumphbogens vor dem Chorraum. Die elf Register befinden sich auf einem Manual mit Subbass 16′ im Pedal. Durch die Bass- und Diskantzüge ergeben sich erweiterte Registriermöglichkeiten. Das Instrument ist in einem selbsttragenden Gehäuse aus Massivholz untergebracht. Die Schleierbretter bestehen aus Lindenholz. Das Werk ersetzte eine Steinmeyer-Orgel aus dem Jahr 1956. Neben der Orgel steht ein Taufstein aus Granit.
150x200px|mini|Orgel, dahinter Darstellungen der Petruslegende 150x200px|mini|Taufstein
I Manual C–g3 Bourdon 8′ Salicional 8′ Prinzipal 4′ Gedecktflöte 4′ Quinte ′Doublette 2′Sifflet 1′Terz ′Mixtur III 2′Dulcian 8′ Tremulant Pedal C–f1Subbass 16′
Glocken Das Geläut der Blansinger Peterskirche besteht aus drei Glocken, die auf die Töne gis – h – cis (Te-Deum-Motiv) gestimmt sind.Ueberwasser: Die Peterskirche zu Blansingen, S. 22.
Die historische erste Glocke wurde 1686 von Hans Heinrich Weitenauer aus Basel gegossen. Die zweite, die Gedächtnisglocke, zeigt das Blansinger Wappen und wurde von der politischen Gemeinde Blansingen zum Gedenken an die Toten beider Weltkriege gestiftet. Die dritte Glocke ist eine Taufglocke, welche Taube, Kreuz und zwei Fische als Taufsymbole hat. Sie wurde wie die Gedächtnisglocke 1959 in der Glockengießerei Bachert, Karlsruhe, gegossen.
Eine alte Evangelisten-Glocke aus dem Jahr 1739 wurde wegen eines Sprungs an das Hamburger Glockenlager zurückgegeben und wieder eingeschmolzen. Sie trug den Vers:Ueberwasser: Die Peterskirche zu Blansingen, S. 23.
Durch Feir bin ich geflossen Hans Heinrich Weitenauer sel. Wittwe hat mich gegossen ich leb zwar nicht, doch ruff ich laut zweien Gemeinden welche Jesu Braut, das sie zur Kirch gehen. ach das ihr auff mein Glockenschlag allzeit meist an des Herren tag andächtig hier möcht stehen.
Bilderzyklen Die Bilderzyklen an den vier Wänden der Blansinger Kirche beziehen sich auf die vier Weltrichtungen und deren christliche Bedeutung. Die Bezeichnung der Wände richtet sich nach diesen Himmelsrichtungen, die sich nur grob an den tatsächlichen orientieren. Ihre genaue Aufteilung ist dem Grundriss zu entnehmen.
450px 1 = Triumphbogen2 = Altar3 = Orgel4 = Taufstein5 = Kanzel6 = Gestühl
Die in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts entstandenen Wandbilder sind in der sogenannten Seccotechnik entstanden, bei der das Bild auf den trockenen Putz aufgebracht wird. Über die Meister der Bilderfresken ist nichts bekannt. Aufgrund der unterscheidbaren Stile geht man aber davon aus, dass es mindestens zwei verschiedene waren.
mini|Ansicht der Peterskirche von Nordwesten
Der Kirchturm steht im Westen und hatte nach früherer Auffassung mit seinem Geläut bei Sonnenuntergang aufsteigende Geister der Finsternis zu vertreiben. Daher wurde die an den Turm sich anschließende Westwand als geeigneter Platz für die Darstellungen des Jüngsten Gerichts und des Michaels Kampfes mit dem Drachen angesehen.Ueberwasser: Die Peterskirche zu Blansingen, S. 4.
Die Nordwand (auch Evangelienseite) ist erzählerisch und zeichnerisch stärker betont. Die ereignisreichen Bilder sind vielfach vorgezeichnet worden, bevor sie teilweise schwarz nachgezogen oder korrigiert wurden. Die Farben wurden gewissermaßen zur Ausmalung gebraucht. Der Evangelienmeister könnte Kupferstecher gewesen sein.Ueberwasser: Die Peterskirche zu Blansingen, S. 15.
Die Südwand (auch Epistelseite) dagegen wurde von Koloristen geschaffen. Der Meister der Südwand könnte Glasmaler gewesen sein.Ueberwasser: Die Peterskirche zu Blansingen, S. 16. Namentlich ist keiner der Meister bekannt; vermutlich standen zur Ausschmückung der Blansinger Kirche keine bedeutenden Maler zur Verfügung.Ueberwasser: Die Peterskirche zu Blansingen, S. 20. In der Ostseite befinden sich in den Triumphbogen eingearbeitet die Klugen Jungfrauen. Im Chor selbst sind die Wandbilder nicht mehr erhalten.
Die Gliederung der Bilderzyklen offenbart ein durchdachtes theologisches Konzept mit symbolischem Inhalt. Der Triumphbogen mit Petrus und Moses fungiert als Verbindung zwischen dem Alten und dem Neuen Bund. Der Chorbogen zum Chor und Altarraum symbolisiert das Gleichnis von der Pforte des himmlischen Jerusalems. Solche Jungfrauen-Zyklen stehen typischerweise an Kircheneingängen, wie zum Beispiel die Galluspforte am Basler Münster oder die Jungfrauenportale am Straßburger und am Freiburger Münster. In Blansingen ist der Triumphbogen als innerer Durchgang versetzt.
Nordwand