Rosenburg-Mold ist eine Gemeinde mit Einwohnern (Stand ) in Niederösterreich im Bezirk Horn im Waldviertel. Die Gemeindeverwaltung befindet sich in Rosenburg.

Geografie mini|Archäologische Fundzone Hofmühlemini|Die Lage der mittelneolithischen Kreisgrabenanlage in der Fundzone Hofmühle ist an der Verfärbung des Ackerbodens erkennbar. mini|Die Rosenburg. Kupferstich von Georg Matthäus Vischer, 1673 mini|Notgeld der Gemeinde Rosenburg, 1920 mini|hochkant|Lastwagen der deutschen Wehrmacht auf der Fahrt durch Rosenburg, um 1940

Rosenburg-Mold liegt auf 268 m Höhe im Waldviertel südlich von Horn am Rand des Horner Beckens und im Kamptal. Durch das Gemeindegebiet fließen der Kamp und die Taffa, die im Ortszentrum von Rosenburg in den Kamp mündet. Die Fläche der Gemeinde umfasst 30,66 Quadratkilometer. 38,14 Prozent der Fläche sind bewaldet.

Gemeindegliederung

Das Gemeindegebiet umfasst folgende Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand ): Mold () mit Maria Dreieichen Mörtersdorf () Rosenburg () Stallegg () Zaingrub ()

Mit der NÖ. Kommunalstrukturverbesserung wurden zum 1. Jänner 1967 die Gemeinden Mold mit Maria Dreieichen, Mörtersdorf und Zaingrub zur Gemeinde Mold. Die Gemeinde Rosenburg-Mold entstand 1971 durch die Zusammenlegung der Gemeinden Rosenburg mit Stallegg und Mold.Thomas Hofmann, Erich Rabl, Wolfgang Stangl: Horner Mosaik. Ein anderes Heimatbuch. Bilder und Texte aus dem Bezirk Horn. Weitra 2005, S. 217.

Der zuständige Gerichtsbezirk ist Horn

Die Katastralgemeinde Stallegg hat die Postleitzahl 3571, Rosenburg 3573, Mold (ohne Maria Dreieichen) sowie Mörtersdorf und Zaingrub haben die Postleitzahl 3580, der Molder Ortsteil Maria Dreieichen hat die Postleitzahl 3744.

Die Gemeinde Rosenburg-Mold ist Mitglied der Kleinregion Kamp-Taffatal.

Nachbargemeinden

Geschichte Ur- und Frühgeschichte Der Talboden des Kamptals im Gebiet von Rosenburg war bereits in der Jungsteinzeit besiedelt. In der Flur Hofmühle wurden in einem zum Kamp hin abfallenden Bereich zwischen der Landesstraße nach Altenburg, der Straße zur Rosenburg und dem ehemaligen Mühlgraben der Hofmühle bei mehreren Grabungen in den 1980er und 1990er Jahren bedeutende Funde verschiedener Zeitlagen gemacht. Im nordwestlichen Teil der Fundzone konnte eine Siedlung aus dem Frühneolithikum (5500–5000 v. Chr.) mit zahlreichen Funden zur älteren Linearbandkeramik dokumentiert werden.Eva Lenneis: Rosenburg im Kamptal, Niederösterreich. Ein Sonderplatz der älteren Linearbandkeramik. Bonn 2009; Iris Ott: Die Artefakte der jungpaläolithischen Fundstelle von Rosenburg am Kamp. In: Archaeologia Austriaca. 80. Jg. (1996), S. 43–114. Im östlichen Teil des Geländes wurden eine mittelneolithische (5000–4500/4300 v. Chr.) KreisgrabenanlageGerhard Trnka: Studien zu mittelneolithischen Kreisgrabenanlagen. In: Mitteilungen der prähistorischen Kommission der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Bd. 26, Wien 1991; Michaela Maurer: Die Kreisgrabenanlage von Rosenburg, NÖ. Diplomarbeit. Wien 2012, doi: 10.25365/thesis.21338. sowie Befunde aus der Latènezeit (5.–1. Jahrhundert v. Chr.) nachgewiesen.Sandra Mayer: Latènezeitliche Siedlungsreste in Rosenburg, VB Horn Niederösterreich. In: Das Waldviertel, Zeitschrift für Heimat- und Regionalkunde des Waldviertels und der Wachau. 56. Jg. (2007), S. 60–67. Die gesamte Fundzone, zu der auch eine frühmittelalterliche slawische Siedlung gehört, steht als archäologisches Bodendenkmal . Auf den Anhöhen des Taffatals nahe seiner Mündung in den Kamp wurden Siedlungsfunde des Spätneolithikums (3500–2800 v. Chr.), der Urnenfelderkultur (1300 v. Chr. bis 800 v. Chr.) und der Hallstattzeit (1200–450 v. Chr.) nachgewiesen.Hermann Maurer: Beiträge zur Ur- und Frühgeschichte des Waldviertels II. Urnenfelderzeitliche Funde aus Mühlfeld, pol. Bez. Horn, N.Ö. In: Das Waldviertel, Zeitschrift für Heimat- und Regionalkunde des Waldviertels und der Wachau. 22. Jg. (1973), S. 138–140. Auch das Gebiet von Mold war bereits in der Jungsteinzeit besiedelt. Zwischen 1995 und 2007 wurden bei mehreren Grabungen bedeutende Funde zur Linearbandkeramik gemacht.Eva Lenneis: Ein bandkeramischer Großbau aus Mold bei Horn, Niederösterreich, in seinem europäischen Kontext. In: Akten d. 9. Österreichischen Archäologentages Salzburg 2001. Wien 2003, S. 135–137 und Tafel 44 u. 45; Eva Lenneis: Ein unvollendet (?) abgebranntes Haus der Linearbandkeramik aus Mold bei Horn. In: Archäologie Österreichs. 15/2 (2004), S. 16–18; Eva Lenneis: Ein bandkeramischer Großbau aus Mold bei Horn, Niederösterreich. In: Gedenkschrift für Viera Pavúková. (= Studia Honoraria 21) Rahden 2004, S. 379–393; Joris Coolen: Das Haus II von Mold, Niederösterreich und andere Kleinbauten der Linearbandkeramik. In: Archaeologia Austriaca. Jg. 88 (2004), S. 67–102; Judith Schwarzäugl: Die Bauabfolge des zentralen Bereiches der linearbandkeramischen Siedlung von Mold. Die Häuser 5–10 und 12. Diplomarbeit. Universität Wien, 2011, doi: 10.25365/thesis.14145. Mörtersdorf war in der Mittleren Bronzezeit (1600–1300 v. Chr.) besiedelt, wie ein Grabhügel aus dieser Zeit belegt.Desiree Ebner: Mittelbronzezeitliche Grabhügel in Mörtersdorf. Niederösterreich. In: Fundberichte aus Österreich. 45. Jg. (2006), S. 211–233. In Zaingrub konnten neben Streufunden aus der Jungsteinzeit Besiedlungsreste aus der jüngeren Eisenzeit (450 v. Chr. – Ende 1. Jahrhundert v. Chr.) sowie germanische Siedlungsbefunde – darunter auch ein Reduktionsofen zur Eisenherstellung – aus dem 1. bis 4. Jahrhundert n. Chr. nachgewiesen werden.Falko Daim: Die Grabung in Zaingrub Sommer 1984. In: Das Waldviertel, Zeitschrift für Heimat- und Regionalkunde des Waldviertels und der Wachau. 33. Jahrgang, 1984, S. 239.

Geschichte des Mittelalters und der Neuzeit mini|hochkant|Standbild des Sebastian II. Grabner zu Rosenburg auf der Rosenburg, der die mittelalterliche Burg zum Ende des 16. Jahrhunderts in ein prächtiges Renaissanceschloss umbauen ließ

Das Kamptal in Rosenburg war auch im Frühmittelalter besiedelt. Gegenüber der ehemaligen Hof- oder Thurnmühle an der Straße zur Rosenburg befand sich eine slawische Siedlung des Frühmittelalters (ca. 600–800 n. Chr.) mit mehreren Wohn- und Wirtschaftsgebäuden.Celine Wawruschka: Die frühmittelalterliche Siedlung von Rosenburg im Kamptal, Niederösterreich. In: Archäologia Austriaca. 82–83. Jg. (1998/99), S. 347–411; Günther Karl Kunst: Die Tierknochen aus der Frühmittelalterlichen Siedlung von Rosenburg im Kamptal, Niederösterreich. In: Archäologia Austriaca. 82–83. Jg. (1998/99), S. 412–427. Seit dem 12. Jahrhundert ist die Geschichte des Ortes eng mit der Entwicklung der Rosenburg, einer der größten Burganlagen Österreichs, verbunden, die um 1150 erstmals erwähnt wird. Zwischen 1487 und 1604 waren die Grabner zu Rosenburg Besitzer von Schloss und Herrschaft Rosenburg. Im ausgehenden 16. und frühen 17. Jahrhundert wurde die Rosenburg zu einem Zentrum des Protestantismus in Österreich. In einer eigens von Leopold Grabner zu Rosenburg auf der Burg eingerichteten Druckerei wurde protestantische Literatur gedruckt.Gustav Reingrabner: „Als man um die Religion stritt …“ Reformation und katholische Erneuerung im Waldviertel 1500–1660. Ausstellung im Höbarthmuseum der Stadt Horn. Horn 2000. Leopolds Sohn Sebastian II. Grabner zu Rosenburg, ein bedeutender Protestant, baute die Rosenburg zu einem prächtigen Renaissanceschloss um und musste es 1604 wegen der daraus entstandenen Finanznot an seinen Verwandten Hans Jörger zu Tollet veräußern. Im Zuge der Gegenreformation erhielt die Rosenburg im Jahre 1611 mit Kardinal Franz von Dietrichstein (1570–1636) wieder einen katholischen Burgherren. 1659 gelangten Burg und Herrschaft in den Besitz von Johann Joachim Enzmilner, Graf von Windhag (1600–1678), der die Burg weiter ausbauen ließ. In der von ihm 1673 herausgegebenen zweiten Ausgabe der Herrschaftstopografie Topographia Windhagiana ließ er durch Clemens Beutler (um 1623–1682) nicht nur die Rosenburg selbst, sondern auch die vier Mühlen am Kamp sowie den Ort aus der Vogelperspektive in zahlreichen Kupferstichen darstellen.

Von dem Einsetzen der Wallfahrt nach Maria Dreieichen im ausgehenden 17. Jahrhundert profitierte auch der nahe gelegene Ort Mold. Seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert zerfiel die Rosenburg zusehends. Wegen seiner drei Getreidemühlen, einer Papiermühle, einer Tuchwalke und einem Holzrechen, an dem bis 1907 das aus dem oberen Kamptal geflößte Holz geborgen wurde, war Rosenburg von regionaler wirtschaftlicher Bedeutung. Mit der 1859–1875 erfolgten Renovierung der Rosenburg und der 1889 erfolgten Inbetriebnahme der Kamptalbahn entwickelte sich Rosenburg mit Stallegg neben Gars am Kamp, Schönberg am Kamp und Langenlois zu einer bedeutenden Sommerfrische des Kamptals, von der auch Mold, Mörtersdorf und Zaingrub durch den – wenn auch weit bescheideneren – Besuch von Sommergästen profitierten. 1920 gab die Gemeinde Rosenburg wie viele andere Gemeinden ein eigenes Notgeld heraus.Hans Hagen Hottenroth: Notgeld in Niederösterreich. Ein Gebot der bitteren Not. Niederösterreichisches Pressehaus, St. Pölten 1980, ISBN 3-85326-603-7. 1924 kam es zu einem monatelangen Streik der Müllergesellen der Mantler-Mühle in Rosenburg, der überregionales Aufsehen erregte.Hanns Haas: Der große Streik im kleinen Dorf. Rosenburg am Kamp 1924. In: Gerhard Ammerer, Christian Rohr, Stefan Weiß (Hrsg.): Tradition und Wandel. Beiträge zur Kirchen-, Gesellschafts- und Kulturgeschichte. Festschrift für Heinz Dopsch. München 2001, ISBN 3-7028-0378-5, S. 380–403.

Geschichte 1938–1945 Mit dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich wurden die bisher selbstständigen Gemeinden Etzmannsdorf am Kamp, Mühlfeld und Wanzenau in die Gemeinde Rosenburg eingemeindet, wurden aber nach 1945 wieder selbstständig. Im gleichen Jahr wurden die Orte Mörtersdorf und Zaingrub nach Mold eingemeindet, nach 1945 ebenfalls aber wieder selbstständig. Die nationalsozialistischen Behörden zwangen den Eigentümer, Rudolf Hoyos-Sprinzenstein (1884–1972), der zwischen 1934 und 1938 als Vorsitzender des Staatsrates die zweithöchste politische Funktion im autoritären Ständestaat (Österreich) innehatte, die Hofmühle in Rosenburg unter Wert an die Gemeinde zu verkaufen. Geplant war, die Mühlanlage als kleines Elektrizitätswerk zu nutzen und in den Nebengebäuden ein Heim der Hitlerjugend einzurichten. Die Kriegsereignisse verhinderten diese Pläne. Die Gebäude wurden ab 1940 als Kriegsgefangenenlager, vorerst für belgische und französische, später für russische Kriegsgefangene genutzt. Nach 1945 befasste sich die Gemeinde mit Plänen, ein Kino in der Mühle einzurichten. 1950 musste die zu Unrecht erworbene Mühle an ihren früheren Eigentümer restituiert werden, der sie im gleichen Jahr an das Rosenburger Mühlunternehmen Sparholz verkaufte, das einen neuen Silo errichtete. Im Oktober 1938 wurde die 1894 von dem Wiener Architekten Ludwig Tischler erbaute Villa (Hausnummer 25) des jüdischen Ehepaars Gabriele und Heinrich Kertesz „arisiert“ und gelangte in den Besitz der Gemeinde Rosenburg, die sie seither als Gemeindeamt nutzt. Das Ehepaar Kertesz musste nach Wien übersiedeln und wurde am 27. August 1942 nach Theresienstadt deportiert. Heinrich Kertesz starb vermutlich kurz nach der Ankunft in Theresienstadt, Gabriele Kertesz wurde im September 1942 nach Treblinka deportiert und ermordet.Eva Zeindl: Die Israelitische Kultusgemeinde Horn. Diplomarbeit. Wien 2008, S. 111–112, doi: 10.25365/thesis.2009.