Sulzburg ist eine Kleinstadt im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald im Südwesten von Baden-Württemberg.
Geographie Geographische Lage Sulzburg (315 bis 1114 m am Sirnitzkopf) liegt im Markgräflerland am Rande der Oberrheinebene, 22 km südlich der Universitätsstadt Freiburg im Breisgau und 48 km nördlich von Basel. Es wird in Ost-West-Richtung vom Sulzbach durchflossen, nördlich und südlich von Weinbergen umrahmt. Im Osten gehen die Weinberge in den Hochschwarzwald über. Hausberg ist der nicht mehr zum Stadtgebiet gehörende Belchen im Schwarzwald (1414 Meter, dritthöchster Schwarzwaldberg).
Von Sulzburg aus fließt der Sulzbach durch Heitersheim und weiter in Richtung Rhein, wo sein Wasser mit dem der einmündenden Bäche Ehebach und Eschbach in den Schottern der Niederterrasse bzw. in der Rheinaue versickert.
Nachbargemeinden An Sulzburg grenzen die folgenden Gemeinden, die alle im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald liegen (im Uhrzeigersinn von Norden): Ballrechten-Dottingen, Staufen im Breisgau, Münstertal/Schwarzwald, Müllheim, Badenweiler und Buggingen.
Ortsteile Der Sulzburger Ortsteil Laufen ist ein Weinort mit etwa 800 Einwohnern im Markgräflerland und liegt etwa 20 km südlich von Freiburg im Breisgau zwischen Staufen und Müllheim mini|Sulzburg um 1919
Urkundlich erschien Laufen erstmals im Jahr 820 als Laufin.Landesarchiv Baden-Württemberg – Laufen - Altgemeinde~Teilort Ortsvorsteher ist Roland Nussbaumer (2024).
Ein weiterer Teilort ist St. Ilgen, ein Weiler westlich von Laufen, mit dem es bis zur Eingemeindung beider Orte nach Sulzburg im Jahr 1974 verwaltungsmäßig verbunden war.
Geschichte Im Jahr 847 wurde Sulzburg im Lorscher Codex anlässlich einer Schenkung an das Kloster Lorsch erstmals unter dem Namen Sulzibergeheim erwähnt. 1008 erhielt der Ort von König Heinrich II. das Marktrecht. Die abgegangene Üsenberger-Burg bzw. Burg Sulzburg auf dem Sulzburger Schlössleberg (Schlossberg) beim Klosterwald wurde vermutlich in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts zum Schutz des Bergbaus errichtet.Burg von den Herren von Üsenberg erbaut Um 1280 werden in Urkunden erstmals cives de Sulzberch, also Stadtbürger erwähnt, so dass um diese Zeit der Ort das Stadtrecht erhalten haben dürfte.
Von 1008 bis 1523 unterhielt das Benediktiner-Kloster St. Blasien in Sulzburg ein Frauenkloster.
mini|links|Matthäus Merian d. Ä., Sulzburg im Schwarzwald, 1643 mini|Karte des südlichen Teils der Markgrafschaft Baden um 1556 Im Jahr 1503 kam das Markgräflerland mit Badenweiler, unter dessen Herrschaft Sulzburg stand, durch Vererbung an die Markgrafschaft Baden unter Christoph I. und somit lag Sulzburg bis Anfang des 19. Jahrhunderts auch im Schwäbischen Reichskreis. Nach dessen Tod gingen die Güter durch Erbschaft eines Teils der Markgrafschaft Baden im Jahr 1515 an seinen Sohn Markgraf Ernst I. über, der Sulzburg zur Residenz seiner Herrschaften im badischen Oberland (Badenweiler, Rötteln, Sausenberg) machte und das Schloss errichtete. 1535 verlegte Ernst I. seine Residenz nach Pforzheim, wo nach dem Tod seines Bruders Philipp der Schwerpunkt seiner Markgrafschaft lag. Sulzburg wurde nochmals Residenzstadt eines Teilgebiets der Markgrafschaft Baden-Durlach, als Markgraf Georg Friedrich 1599 bis 1604 seinen Sitz dorthin verlegte – er baute auch das Schloss weiter aus.
1556 wurde die Reformation in allen badischen Landesteilen eingeführt, so auch in Sulzburg. Während des Dreißigjährigen Krieges hatte auch Sulzburg zu leiden. Der seit dem Mittelalter blühende Silberbergbau kam völlig zum Erliegen, höchstens ein Viertel der Bevölkerung lebte am Ende des Krieges noch in der Stadt.
1821/22 wurde die noch bestehende Synagoge erbaut. 1835 wurde an Stelle der baufällig gewordenen Schlosskirche die Stadtkirche nach Plänen von Heinrich Hübsch erbaut.
1832 wurde der Bergbau eingestellt.Bergbauende für 1832 ermittelt
1894 erhielt Sulzburg mit dem Bau der Bahnstrecke von Bad Krozingen über Staufen einen Eisenbahnanschluss. Der Teilabschnitt der Münstertalbahn nach Sulzburg wurde 1969 für den Personenverkehr und 1973 für den Güterverkehr stillgelegt.
mini|Namensliste der (jüdischen) Gemeindemitglieder für den Aufruf zur Tora, Sulzburg, 1930er, in der Sammlung des Jüdischen Museums der Schweiz. 1959 wurde das SOS-Kinderdorf Schwarzwald als zweites deutsches Kinderdorf eingeweiht. Am 1. Januar 1974 wurde die Gemeinde Laufen mit dem Ortsteil St. Ilgen nach Sulzburg eingemeindet. 1982 wurde in der ehemaligen Stadtkirche das Landesbergbaumuseum Baden-Württemberg eröffnet. 2003 wurde die Partnerschaft mit der flächen- und einwohnermäßig in etwa gleichkommenden Weinbaugemeinde La Morra im italienischen Piemont begründet.
Zur abgegangenen Burg auf dem Castellberg und zum Castellberg selbst siehe Burgrest Kastelberg
Jüdische Besiedelung Um 1500 erhielten die ersten Juden kaiserliche Schutzbriefe und damit das Niederlassungsrecht in Sulzburg. Damals legten sie einen Friedhof an. Seit dem Mittelalter existierte in Sulzburg eine bedeutende jüdische Gemeinde. 1864 lebten in Sulzburg 416 Juden, das waren über 32 % der Bevölkerung, ein Höchststand. Die Juden, die vor den Nationalsozialisten nicht geflohen waren, wurden am 22. Oktober 1940 während der Wagner-Bürckel-Aktion in das Internierungslager Gurs im Südwesten Frankreichs deportiert, wo viele aufgrund der schwierigen Bedingungen umkamen oder von dort in die Vernichtungslager nach Polen gebracht wurden.Alemannia-Judaica zählt nach den Deportationen in der NS-Zeit, dass mindestens 22 der 1933 in Sulzburg wohnhaften 94 jüdischen Personen ums Leben gekommen sind. In: Ingeborg Hecht, „Ich bin doch geborener Sulzburger und Deutscher“, hrsg. vom Freundeskreis Ehemalige Synagoge Sulzburg e. V. 1994.
Politik
Gemeinderat Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 74,3 % (+ 5,2) zu folgendem Ergebnis:Stadt Sulzburg, Gemeinderatswahl 2024, Vorläufiges Ergebnis, abgerufen am 25. Juni 2024 Partei / Liste Stimmenanteil +/− %P Sitze +/− CDU 37,9 % − 3,2 4 − 1 Grüne 20,7 % + 3,3 3 + 1 Mitbürgerliste 16,5 % + 4,5 2 + 1 Freie Liste 16,4 % + 10,2 2 + 1 SPD 8,3 % + 8,3 1 + 1 Die Liste Bürgerwille (2019: 23,1 %, 3 Sitze) war zur Wahl 2024 nicht angetreten. mini|Rathaus Sulzburg
Bürgermeister Für die Stadt Sulzburg sind bereits aus dem 14. Jahrhundert die Namen der Schultheißen, Stabhalter und Bürgermeister bekannt. Die Bürgermeister des 20. Jahrhunderts lauten: 1890–1904 Ernst Bark 1904–1910 Gustav Grether 1910–1929 Karl Franz 1929–1937 Johann Jakob Kaltenbach (gab sein Amt 1937 auf) 1937–1938 Theo Köhler (NSDAP) führte das Amt in Stellvertretung 1938–1945 Josef Eggert (wurde im Oktober 1940 zur Wehrmacht eingezogen). Das Amt führten in Stellvertretung Theo Köhler (1940–1943) und Otto Güntert (1943–1945).
Ab Mai 1945 wurde Wolfgang Knab kurze Zeit als Bürgermeister gelistet. Ab 1946 war Friedrich Trefzer Bürgermeister. Ihm folgte von 1957 bis 1977 Eugen Hochstatter (FDP). Im Jahr 1977 wurde Werner Hattwig zum Bürgermeister gewählt. 1988 schied er vorzeitig aus dem Amt aus. Die Amtsgeschäfte wurden fortan bis zur Wahl im Jahr 1989 vom Bürgermeister-Stellvertreter Arthur Feißt geführt.Stadtarchiv Sulzburg
Von 1989 bis 2013 war Peter Wehrle Bürgermeister von Sulzburg. Er wurde durch Wahlen 1997 und 2005 in seinem Amt bestätigt.
Bei den Bürgermeisterwahlen 2013 wurde Dirk Blens (CDU) mit großer Mehrheit zum neuen Bürgermeister gewählt. Bei der Bürgermeisterwahl am 14. März 2021 wurde er mit 56,08 % der gültigen Stimmen im Amt bestätigt.
Wappen
Verwaltung Sulzburg gehört dem Gemeindeverwaltungsverband Müllheim-Badenweiler mit Sitz in Müllheim an; weitere Mitglieder sind die Stadt Müllheim sowie Gemeinden Auggen, Badenweiler und Buggingen.
Städtepartnerschaften Sulzburg unterhält seit 2003 partnerschaftliche Beziehungen zu La Morra im Piemont, Italien.
Religion Mit Stand 13. Januar 2022 waren von den 2813 Einwohnern 23,6 % (665) römisch-katholisch, 35,0 % (984) evangelisch und 41,4 % (1164) waren konfessionslos oder gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an.Informationsbroschüre 2022 Zahlenspiegel Seite 9, abgerufen am 31. März 2022
Kultur und Sehenswürdigkeiten Die gesamte Altstadt ist als Gesamtanlage Altstadt Sulzburg ein eingetragenes Kulturdenkmal.
Bedeutende Bauwerke Ehemaliges Schloss Vom ehemaligen markgräflichen Schloss, das unter Markgraf Ernst I. von Baden-Durlach ab 1527 erbaut und unter Markgraf Georg Friedrich von Baden-Durlach ab 1599 erweitert wurde, sind der am Marktplatz befindliche Saal- und Marstallbau sowie ein im Kurpark gelegener Treppenturm des Hauptgebäudes erhalten. mini|Schloss Sulzburg Die markgräfliche Residenz erstreckte sich ursprünglich auf einer Länge von 180 m und einer Breite von 42 m im Zentrum der Stadt. Sie bestand im 16./17. Jahrhundert aus einem Wohn- bzw. Repräsentationstrakt (zerstört, heute Standort des Rathauses), Saalbau (heute Auktionshaus Kaupp), Marstallbau, Ballhaus (1922 abgerissen), Schlosskirche (1600–1610 erbaut, im 19. Jh. durch die ehemalige evangelische Stadtkirche ersetzt) sowie einem Schlosspark (heute Kurgarten). Ein Druck von Matthäus Merian d. Ä. (1643) zeigt eine ummauerte Spätrenaissance-Anlage mit teils Staffelgiebeln und polygonalen Treppentürmen um einen Schlosshof, an den das Hauptgebäude, der durch seine Arkaden gut identifizierbare Saalbau mit repräsentativem Festsaal, sowie die Schlosskirche angrenzten.
Vermutlich bereits im Dreißigjährigen Krieg brannte das Hauptgebäude ab. Weitere Schäden erfuhr die markgräfliche Residenz während der Erbfolgekriege im späten 17. und beginnenden 18. Jahrhundert. Um 1800 wurde der ruinöse Zustand der Schlosskirche beklagt. Während die Schlosskirche 1836 neu erbaut als Stadtpfarrkirche entstand, wurde schließlich das marode Ballhaus 1922 abgerissen. Mehrfach gab es im 18. Jahrhundert Planungen, das stark zerstörte Schloss wieder aufzubauen, was jedoch nicht geschah. Im Bodenbereich der ehemaligen Residenzgebäude werden noch Reste der zerstörten Bauteile vermutet. mini|Ehemalige evang. Stadtkirche(Bis Ende 2023 Landesbergbaumuseum Baden-Württemberg)
Ehemalige Stadtkirche In der 1836 vom badischen Staatsbaumeister Heinrich Hübsch an der Stelle einer einstigen Schlosskapelle erstellten ehemaligen evangelischen Stadtkirche Sulzburg am Marktplatz befand sich bis 2023 das Landesbergbaumuseum Baden-Württemberg.
Nach dem aktuellen Gemeindeentwicklungskonzept zur Neuordnung und Attraktivitäts-Steigerung der Ortsmitte soll das Kirchengebäude nach Schließung im Herbst 2023 und späteren Umlagerung des Bergbaumuseums an die Gesellschaft Neue Mitte Sulzburg übertragen werden. Geplant ist hier nun ein multifunktionaler Treffpunkt für Bürger und Touristen.
Ehemalige Synagoge Die klassizistische Synagoge von 1822 in der Gustav-Weil-Straße (früher Mühlbachstr.) hat die Novemberpogrome 1938 überstanden, wurde nach jahrzehntelangem Verfall auf Initiative der Anna-Hugo-Bloch-Stiftung in den 1980er Jahren restauriert und dient heute als Gedenkstätte und Veranstaltungsort. Sie ist ein Gebäude aus der Weinbrennerschule.Architekt war Johann Ludwig Weinbrenner, ein Neffe von Friedrich Weinbrenner. Zur Geschichte des Betsaals/der Synagoge auf der Seite von Alemannia Judaica online, mit Fotografien. Die Nähe zu den Nachbarhäusern rettete das Gebäude am 10. November 1938 vor der kompletten Zerstörung.Dabei entstand ein sehr seltenes Foto aus dem Inneren der Synagoge, das zeigt, wie sich der damalige Oberbürgermeister von Lörrach an der Schändung des Toraschreines beteiligt. Aus den Prozessakten des Landgerichts Freiburg vom 15. Dezember 1947. mini|ohne|Ehemalige Synagoge
Jüdischer Friedhof