230pxLudgerus-Dom Basisdaten Ort: Billerbeck Bauzeit: 1892–1898 Architekt: Wilhelm Rincklake Baustil: Neugotik Technische Daten Höhe: 100 m Baustoff: Baumberger Sandstein Die Propsteikirche St. Ludgerus, auch Ludgerus-Dom genannt, ist eine römisch-katholische Wallfahrtskirche in der Stadt Billerbeck im Bistum Münster und eine der beiden Kirchen der Pfarr- und Propsteigemeinde St. Johannes und St. Ludgerus. Sie ist eine neugotische Hallenkirche mit Querschiff.
Geschichte mini|hochkant|Alt St. Ludgerus 1891 Bischof Liudger taufte in Billerbeck und gründete vor 800 dort die Pfarrkirche St. Johannes Baptista. Am Sterbeort oder in dessen Nachbarschaft entstand im 11. Jahrhundert eine dem Heiligen gewidmete Kapelle, die vermutlich von Anfang an mit einem Kult des hl. Ludgerus verbunden war. Nebenpatron war der hl. Nikolaus von Myra. Im 15. Jahrhundert wurde diese Kapelle gotisch erweitert. Unter Fürstbischof Christoph Bernhard von Galen (1650–1678) wurde der Turm um ein Geschoss erhöht. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts erfolgte der Abbruch des Gebäudes, um einem Neubau Platz zu machen.
mini|hochkant|Abendliche Beleuchtung Die heutige Propsteikirche wurde in den Jahren 1892–1898 auf den Grundmauern der im Kern romanischen Ludgeri-Kirche und einer um 1735 errichteten Sterbekapelle von dem Baumeister Wilhelm Rincklake (1851–1927) erbaut. Er gestaltete das Langhaus in Form einer Basilika mit Querschiff und dem 100 m hohen Turmpaar aus dem in den nahen Baumbergen anstehenden Baumberger Sandstein. Die Türme des Doms sind schon aus der Ferne sichtbar.
mini|hochkant|Blick in den Chorraum
Der neugotische Ludgerus-Dom hat die Stätte einbezogen, an der der heilige Ludgerus gestorben ist. Der Sterbeort des Heiligen in Billerbeck ist neben seiner Grablege in St. Ludgerus in Essen-Werden bis heute einer der Mittelpunkte der Ludgerusverehrung. Billerbeck besitzt damit für das gesamte Bistum sowohl geschichtliche als auch geistliche Bedeutung. Die Stadt ist einer der drei „Hochorte“ der Diözese.
Bei der Kirchweihe sagte Bischof Hermann Jakob Dingelstad, dass er „diese bedeutende Kirche mit vollem Recht den ‚Ludgerus-Dom‘ nennen könne“. Seit dieser Zeit wird die Propsteikirche auch als Dom bezeichnet, obgleich sie keine Kathedrale oder Bischofssitz ist.
Wie der Architekt, ließen sich auch die am Bau beteiligten Bildhauer, Kunstschreiner und Glasmaler von mittelalterlichen Vorbildern inspirieren und entwickelten deren Ansätze weiter; so schufen sie vom Gebäudekorpus bis hin zur Ausstattung ein einheitliches Ensemble.
Mit seiner markanten Silhouette und den (gemessen an der Ortsgröße) beträchtlichen Ausmaßen ist der Ludgerus-Dom das weithin sichtbare Wahrzeichen der Stadt Billerbeck.
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Westfassade Das Hauptportal wird flankiert von zwei Figuren: rechts der hl. Abt Gregor von Utrecht, der Lehrer Liudgers in Utrecht, links der hl. Nikolaus, der Patron der früheren Kirche an dieser Stelle gewesen war. Über einem sechsbahnigen Fenster erhebt sich im Giebel eine Kreuzigungsgruppe. In der Giebelnische steht eine Figur des heiligen Liudger.
Südfassade Sie ist der Gottesmutter Maria gewidmet. Über dem Portal befindet sich ein Relief der „Verkündigung“. An den Seiten des Portals befinden sich zwei Sandsteinfiguren großer Marienverehrer: rechts der hl. Bernhard von Clairvaux und links der hl. Hermann Joseph von Steinfeld. Es handelt sich hierbei um Kopien. Die beiden stark verwitterten Originale werden zurzeit, geschützt vor weiterem Verfall, im Sandsteinmuseum in Havixbeck aufbewahrt. Im Kreuzgiebel ist Maria mit dem Jesuskind dargestellt, umgeben von zwei Engeln.
Zum Abschluss des 100-jährigen Domjubiläums wurde Ende 1998 an der Südseite des Domes ein Gedenkstein aufgestellt, der von der Malerin und Bildhauerin Mechthild Ammann aus Billerbeck gestaltet wurde. In diesem Stein aus Baumberger Sandstein, dem Material, aus dem auch der Dom gebaut wurde, sind zwei hochglanzpolierte Edelstahlplatten in Augenhöhe eingelassen. In die Metallflächen sind im Ätzverfahren Skizzen und Szenen, Texte und Symbole eingearbeitet, die sich mit der Vorgeschichte und mit dem Dombau selbst auseinandersetzen.
Inneres mini|Beichtstuhl im Mittelschiff Mittelschiff, Seitenschiff und Querschiffarme sind von Kreuzrippengewölben überdeckt. Das Mittelschiff misst vom Fußboden bis zum Gewölbeschlussstein eine Höhe von 22,5 Metern. Die Seitenschiffe haben eine Höhe von 10 Metern. Die Firsthöhe des Daches beträgt 34 Meter. Im Vierungsjoch wird das Gewölbe zu einer achtteiligen Form gesteigert. Der Raum fasst 4000 Personen.
Chorfenster Die 15 Meter hohen dreiteiligen Chorfenster enthalten mit ihrem Programm der Darstellung das Thema des Heilswerkes, beginnend mit der Vertreibung der ersten Menschen nach dem Sündenfall. Sie zeigen zahlreiche Stationen aus dem Alten und Neuen Testament. Die beiden unteren Szenen eines jeden Fensters sind dem Alten Testament entnommen und weisen typologisch auf die beiden oberen neutestamentlichen Szenen hin. Im einzigen nicht biblischen Bild wird im mittleren Fenster der hl. Liudger gezeigt, wie er am Tag vor seinem Tod ein letztes Mal die heilige Messe feiert. In der Mitte aller biblischen Bilder wird so zum Ausdruck gebracht, dass die Feier der heiligen Messe der Kirche und allen Menschen das ganze Erlösungswerk Gottes gegenwärtig hält, das im Opfer Jesu am Kreuz seinen Höhepunkt hat.
Der gesamte Fensterzyklus wurde von der Glasmalerei-Werkstatt Anton von der Forst aus Münster gefertigt. Die Cartons hierzu stammten von Rafael Grünnes aus Ried, Oberösterreich.Forschungsstelle Glasmalerei des 20. Jahrhunderts: Billerbeck, Katholische Kirche St. Ludgerus. Abgerufen am 4. Oktober 2021.
Chorraum Abgestimmt auf die Architekturrahmung der Fenster sind vor den vier angeschlossenen Pfeilern die vier Evangelisten angeordnet. In gleicher Weise erfolgte die Aufstellung der zwölf Apostel auf der Chorinnenseite. Vom Chorbogen hängt ein Triumphkreuz herab, das an den Enden die Symbole der vier Evangelisten aufweist. Der Corpus Christi und die Evangelistensymbole stammen vom Münsteraner Bildhauer August Schmiemann.
Die reich verzierte Kanzel aus Baumberger Sandstein wurde nach den Entwürfen des Architekten Wilhelm Rincklake durch den Münsteraner Bildhauer Bernhard Frydag angefertigt. Die fünf Reliefbilder beziehen sich auf den Weg des Menschen in das Reich Gottes. Sie zeigen als Szenen "Die Taufe der Heiden durch den Hl. Ludgerus", "Das Gleichnis vom Sämann", "Das Gleichnis vom verlorenen Sohn", sowie "Die Geschichte des reichen Prassers" und "Die Geschichte des armen Lazarus". Am Schaft der Kanzel stehen die Statuen von acht Heiligen.Artikel im Münsterischen Anzeiger, 25. Mai 1898
Nördlicher Seitenchor Er ist der Gottesmutter gewidmet. Ist der Flügelaltar geöffnet, so sieht man in der Mitte ein Standbild der Gottesmutter und seitlich davon links und rechts Engel. Auf den Flügeln des Altars befinden sich sechs Gemälde von Heiligen: (rechts) Dominikus, Heriburg von Nottuln, Bernhard von Clairvaux; (links) Joachim, Anna, Simeon. – Bei geschlossenem Altar ist ein Gemälde mit der Verkündigung des Herrn zu sehen, links davon Liudger und rechts Johannes. Die drei Fenster des Chores veranschaulichen Szenen aus dem Leben der Gottesmutter.
Südlicher Seitenchor mini|hochkant|Südlicher Seitenchor mit geöffnetem Flügelaltar Er ist dem Patronat des heiligen Josef unterstellt, der bei geöffnetem Altar mit dem Jesuskind zu sehen ist. Rechts und links von ihm befinden sich Gemälde und Reliefs, die sich auf das Leben Josefs beziehen.
Das Bild des geschlossenen Altars nimmt Bezug auf die Erhebung Josefs zum Schutzpatron der Kirche durch Papst Pius IX. am 8. Dezember 1870; daneben (rechts) die Heiligen Franz von Sales, Alfons von Liguori und der selige Hermann-Joseph; (links) Theresia, Birgitta und die selige Maria von den Engeln. Die drei Fenster zeigen weitere Darstellung aus dem Leben des Heiligen.
Beide Seitenaltäre wurden nach Entwürfen des Architekten Wilhelm Rincklake gefertigt. Die Standbilder und Reliefs lieferte der Bildhauer August Schmiemann (Münster). Die Polychromierung führte Dekorationsmaler Hermann Schwarte (Oelde) aus. Die Gemälde beider Altäre, sowie des Hochaltares, wurden vom Historienmaler Carl Bertling (Dresden) angefertigt.Artikel im Münsterischen Anzeiger vom 25. Mai 1898.
Fenster des Kreuzschiffs und der Seitenschiffe Das südliche Kreuzschifffenster sagt durch die verschiedenen Bilder aus, dass die Kirche ein Haus des Gebetes sein soll: Vertreibung der Händler aus dem Tempel, Maria und Marta, Jesus auf dem Ölberg, dem Tabor. Das nördliche Fenster steht unter dem Leitgedanken „Die Stiftung der Kirche durch Christus“: Bergpredigt, Pfingstpredigt des hl. Petrus, Verheißung an Petrus, Auftrag an Petrus „Weide meine Lämmer“ . In den Fenstern der Seitenschiffe sind zwölf Heilige dargestellt, die in besonderer Beziehung zum Bistum Münster stehen: im südlichen Seitenschiff sind es Paulus und Bonifatius, Suitbert und Heriburg, die Brüder Ewaldi; im nördlichen Seitenschiff: Willibrord und Viktor, Ida und Thiathild, Norbert und Gottfried. Die Obergadenfenster sind mit Teppichmuster gefüllt. Das Fenster der Westfassade (Turm) zeigt die Patrone der Kirchenmusik: Cäcilia von Rom und Papst Gregor den Großen.
Turmkapellen Kapelle im Südturm Das Hauptziel der Wallfahrer, die nach Billerbeck pilgern, ist die Sterbekapelle im Südturm. Sie ist ein stiller Ort des Gebetes, an dem nach der Überlieferung das Sterbehaus Liudgers gestanden hat. Der Blick fällt auf den hellen Altar, der sich von dem dunklen Boden abhebt. Das Altarbild aus Carrara-Marmor zeigt den Tod des heiligen Ludgerus inmitten seiner Brüder. Unter der Altarplatte befindet sich in einer beleuchteten Nische ein Monstranzreliquiar mit Reliquien des Heiligen. Diese Reliquie des Heiligen aus dem rechten Fuß wurde am 17. Juni 1860 dem Billerbecker Pfarrer Hennewig in der Ludgerikirche zu Münster vom damaligen Generalvikar Johann Bernhard Brinkmann (dem späteren Bekennerbischof) übergeben.
Zu beiden Seiten des Altarbildes befinden sich Figuren, die Symbole der göttlichen Tugenden und Kardinaltugenden tragen: Kreuz = Glauben, Anker = Hoffnung, Herz = Liebe, verbundene Augen und Waage = Gerechtigkeit, Buch und Schlange = Klugheit, umgestürztes Gefäß = Maß, Schwert = Tapferkeit.
Das Westfenster in der Kapelle zeigt im oberen Teil die Übertragung der Gebeine nach Werden und darunter Ludger beim Gebet und wie ihn dabei nach der Legende ein Bote zu Karl dem Großen ruft.
Im Fenster über dem Altar ist die Legende dargestellt, wie Gerfried und Heriburg, Neffe und Schwester des Heiligen, durch ein Lichtzeichen vom Himmel den Tod Liudgers erfahren. Im Bild darüber wird Liudger, umgeben von vier Engeln, mit den bischöflichen Insignien gezeigt.
Der Bildteppich vor der Sterbekapelle erinnert daran, dass die Vorgängerkirche an diesem Ort dem heiligen Nikolaus gewidmet war. mini|Leuchter im Dom von Billerbeck
Kapelle im Nordturm