mini|Karen Blixen, 1957 mini|Karen Blixen, 1959

Karen Blixen, eigentlich Karen Christence von Blixen-Finecke, geborene Dinesen (* 17. April 1885 in Rungstedlund bei Kopenhagen; † 7. September 1962 ebenda), war eine dänische Schriftstellerin und siebzehn Jahre lang eine Kaffeefarmerin in Kenia. Ihr Pseudonym auf dem deutschen Buchmarkt ist meist Tania Blixen. Ihre englischsprachigen Bücher erschienen meist unter dem Pseudonym Isak Dinesen. Weltberühmt wurde sie durch ihren autobiographischen Roman Afrika – dunkel lockende Welt (1985 unter dem Titel Jenseits von Afrika verfilmt).

Blixen wurde mehrmals für den Literaturnobelpreis in Betracht gezogen, erhielt ihn aber nicht, weil die Jury laut dänischen Berichten Bedenken hatte, skandinavische Schriftsteller zu bevorzugen.

Leben Kindheit und Jugend mini|Rungstedlund, das Geburts- und Wohnhaus von Karen Blixen in Dänemark. Heute befindet sich dort das Karen Blixen Museum.

Karen Christence Dinesen wurde als zweite und mittlere Tochter in eine Unitarier-Familie geboren, die seit 1879, als das Gut gekauft wurde, in Rungstedlund nahe Kopenhagen am Hafen lebte, an der Ostküste von Seeland, am Öresund in Dänemark. Die Familie pflegte Karen Dinesen mit ihrem ungeliebten Spitznamen „Tanne“ zu rufen, ihrem kindersprachlichen Ausdruck des Namens Karen. Ihr Vater war der Offizier, Schriftsteller und Politiker Wilhelm Dinesen; ihre Mutter war Ingeborg Westenholz. In einem wohlbehüteten Elternhaus wuchs sie mit weiteren vier Geschwistern auf: Inger Benedicte (Ea), Ellen Alvilde (Elle), Thomas Fasti und Anders Runsti. Ihr jüngerer Bruder Thomas Dinesen besuchte und unterstützte sie später in Afrika. Geprägt waren diese Jahre vor allem durch eine starre, bürgerliche Erziehung. Die drei Mädchen entwickelten ihr künstlerisches Talent, Karen Dinesen sprachlich und bildnerisch, die beiden Schwestern musikalisch. Karen Dinesen ging hier langsam auf Distanz zur Kirche und entwickelte Widerstand gegen die streng religiöse Lebensweise der Eltern, besonders der Mutter. Der Vater Wilhelm Dinesen war im August 1872 in die USA nach Wisconsin gereist und hatte bis Dezember 1873 in der Gemeinschaft des indigenen Indianervolks der Chippewa gelebt. Nach erfolgreicher Integration in den Volksstamm war er hier zum ersten Mal Vater geworden. Aber noch vor der Geburt dieser Tochter reiste er wieder nach Dänemark zurück. 1895 beging der Vater, dem Karen Dinesen sehr nahestand, Selbstmord, was einen schweren Schlag für das zehnjährige Kind bedeutete. Wilhelm Dinesen hatte sich erhängt, nachdem ihm die Diagnose Syphilis mitgeteilt worden war.

Karen besuchte Kunstschulen in Kopenhagen (Fräulein Sode’s Kunstschule und die Königlich Dänische Kunstakademie), Paris und Rom. Sie hatte als Kind häufig Kontakt zu ihrem späteren schwedischen Ehemann Bror von Blixen-Finecke. Er war der Sohn von Baron Frederik von Blixen-Finecke und seiner Frau Clara von Blixen-Finecke und der Zwillingsbruder von Hans von Blixen-Finecke (1886–1917). Clara war die Schwester des größten dänischen Landbesitzers, des Grafen Mogens Frijs, eigentlich Mogens Krag-Juel-Vind-Frijs von Schloss Frijsenborg. Mogens’ Mutter wiederum war die Tante mütterlicherseits von Wilhelm Dinesen. Somit waren Brors Mutter und Karens Vater Cousins.

Studium und Schreiben Nach Ende ihrer Schulzeit nahm sie 1903 das Studium der Malerei an der Königlich Dänischen Kunstakademie in Kopenhagen auf und begann zu schreiben. 1907, ein Jahr nach Abschluss ihres Studiums, veröffentlichte sie einige Kurzgeschichten unter dem Pseudonym Osceola, nach einem damals weitgehend unbekannten Repräsentanten der Seminolen. Es wird vermutet, dass Karen zu diesem Namen durch ihren weitgereisten Vater Wilhelm Dinesen inspiriert wurde. Aber Osceola war nicht ihr einziges Pseudonym. Karen Blixen hatte viele unterschiedliche Pseudonyme und schien fast in diesen zu leben (weitere Pseudonyme: siehe unten Werk/Charakterisierung sowie Werk-Auswahl).

1909 verliebte sie sich in den schwedischen Baron Hans von Blixen-Finecke, einen Sohn der Cousine ihres Vaters. Diese Liebe blieb unerwidert und Karen verlobte sich stattdessen am 23. Dezember 1912 mit dessen Bruder, ihrem Halbcousin Baron Bror von Blixen-Finecke auf Schloss Näsbyholm in Schweden, das der ursprünglich vorpommerschen Adelsfamilie Blixen seit 1756 bis heute gehört. Die beiden beschlossen, gemeinsam nach Kenia auszuwandern und eine Milchfarm bei Nairobi zu betreiben – finanziert durch Karens Familie. Karen entfloh damit der Enge des bürgerlichen Elternhauses, um sich mit ihrem Mann außerhalb Dänemarks eine Existenz aufzubauen.

Mit Bror in Kenia mini|Karen Blixens Farm, das heutige Karen-Blixen-Museum mini|Karen Blixen, 1913

Bror fuhr nach Kenia voraus und kaufte 1913 im heutigen Karen (einem Vorort Nairobis, damals Britisch-Ostafrika) die 800 Hektar große Mbagathi-Farm am Fuße der Ngong-Berge südlich von Nairobi auf rund 2000 Metern über dem Meeresspiegel. Die Finanzierung der Farm erfolgte größtenteils mit Geldern der Familie Dinesen, denn Bror war mittellos. Das alte Mbagathi-Farmhaus war von Denys Finch Hatton entworfen worden.

Im Dezember 1913 kam Karen mit dem Schiff von Neapel nach Mombasa nach, wo Bror sie abholte und sie am 14. Januar 1914 heirateten. Auf dem Schiff hatte Karen den deutschen Oberstleutnant Paul von Lettow-Vorbeck, den späteren Kommandeur der kaiserlichen Schutztruppe in Deutsch-Ostafrika, kennengelernt und mit ihm die Lieferung mehrerer Pferde vereinbart, eine Dienstleistung, welche durch den Ausbruch des Ersten Weltkriegs am 5. August 1914 verhindert wurde. Lettow-Vorbeck war am 14. Januar 1914 in Mombasa ihr Trauzeuge, bevor er mit dem Schiff weiter in die deutsche Kolonie reiste. Später trug das zu dem Verdacht der britischen Siedler bei, Karen Blixen sei deutschfreundlich.

Als Karen und Bror die neue Farm erreichten, musste sie feststellen, dass ihr Mann keine Milch-, sondern eine Kaffeefarm gekauft hatte, deren Anbaugebiete ungewöhnlich hoch lagen. Zu dieser Zeit galt es noch als unmöglich, in einer Höhe von etwa 1700 m Kaffee anzubauen. Doch Karen versuchte das Unmögliche. Später würde sie diese Zeit beschreiben und den Roman Afrika, dunkel lockende Welt (1937) mit den Worten beginnen „Ich hatte eine Farm in Afrika am Fuße der Ngong-Berge …“ – so beginnt auch der Film Jenseits von Afrika. Karen Blixen nutzte die Zeit ihrer Jahre in Kenia auch, um immer wieder Bilder zu malen, insbesondere Porträts ihrer Untergebenen von der Volksgruppe der Kikuyu.

Baron Bror von Blixen-Finecke, obwohl offiziell Leiter der Farm, zeigte kein großes Interesse an der Landwirtschaft, sondern gab sich lieber den Großwildjagden und den damit verbundenen Safaris hin. Ähnlich wie sein „Nachfolger“ Denys Finch Hatton beschreibt Karen Bror als einen äußerst charmanten, witzigen und liebenswerten Mann. In ihren Briefen an die Familie berichtete sie von Krankheiten und hob die Qualitäten des Barons als hingebungsvollen Krankenpflegers und guten Masseurs hervor.

Der Kleinkrieg während des Ersten Weltkriegs entlang der Grenze zu Tanganjika entzog den Farmen Arbeitskräfte und Nachschub. Karen unternahm mehrere Versorgungsfahrten zu den Truppen im Grenzgebiet.

Zwischen 1915 und 1918 wurde Kenia von einer großen Trockenperiode überzogen. 1917 stoppten die Briten die Kaffeeeinfuhr, und Krankheiten brachen unter den Rinderherden aus. Unter diesen extremen Bedingungen litten in dieser Zeit viele Farmen Kenias – viele waren gerade erst gegründet worden.

Bror ging völlig sorglos mit dem Geld um – meist dem seiner Frau bzw. deren Familie. Es wird kolportiert, dass Bror geglaubt haben soll, eine Rechnung sei bezahlt, wenn er sie unterschrieben hatte.

Bror war aber auch ein klassischer „womanizer“ („Weiberheld“) und ein Freund der Prostitution. 1915 erkrankten er und Karen an Syphilis. In Nairobi wurde Karen mit Quecksilber behandelt; 1915 verließ sie erstmals Kenia, um sich in Dänemark mit dem von Paul Ehrlich neu entdeckten arsenhaltigen Arsphenamin behandeln zu lassen. Bror fuhr ihr nach. In Kopenhagen wurde sie drei Monate lang stationär behandelt; dort gelang es, die Krankheit so weit zu beherrschen, dass sie nicht mehr ansteckend war. Jedoch sollte Karen Blixen ihr restliches Leben lang unter chronischen Schmerzen in Folge der Syphilis-Infektion bzw. der Schwermetallvergiftung als Nebenwirkung der Quecksilbertherapie leiden.

1916 kamen beide nach Kenia zurück. Sie gründeten abermals mit dem Geld der Dinesens die „Karen Coffee Corporation“, vergrößerten Mbagathi auf 2.200 Hektar und kauften eine zweite – gleich große – Farm in den White Highlands. Für kenianische Verhältnisse war das eine relativ normale Farm, gab es doch Latifundien, die 100.000 Hektar groß waren. Noch heute existieren im Laikipia District solch große Farmen.

1917 zogen die Blixens auf dem zugekauften Farmgelände in das nächste Haus, „Mbogani“, das heutige Museum. Mbogani war 1912 von dem Schweden Åke Sjögren erbaut worden.

1985 wurden in Mbagathi (dem ersten Haus), das heute eine Milchfarm ist und Mama Ngina gehört, die Szenen von Jenseits von Afrika gedreht, die in Karen Blixens zweitem Haus Mbogani spielen.

1919 fuhren die beiden nach Dänemark bzw. Schweden. Bror kehrte im März 1920 nach Kenia zurück. Vorher bat er Karen schriftlich um die Trennung. Karen willigte nicht ein, aber 1921 trennten sie sich gegen Karens Willen. Bror wurde 1921 von Aage Westenholz, Karens Onkel und Vorsitzender der Karen Coffee Corporation, als Verwalter entlassen. Karen lebte ein Jahr lang mit ihrer Mutter auf Rungstedlund. Sie litt an Spanischer Grippe, Blutvergiftung und ständigen Schmerzanfällen.

1925 wurde die Ehe geschieden.

Farm-Managerin 1920 kehrte sie mit ihrem Bruder Thomas Dinesen (1892–1979), der das finanzielle Chaos der Farm ordnen sollte, nach Kenia zurück. Mit Hilfe ihres Bruders übernahm sie mutig, aber erfolglos die Verwaltung der Kaffeefarm. Am 2. März 1922 kehrte Thomas Dinesen nach Dänemark zurück. Am 3. November 1924 kamen Thomas Dinesen und Mutter Ingeborg für zwei Monate zu Besuch.

Der Betrieb der Farm basierte auf der Arbeit sogenannter Squatter. Zudem beschäftigte Blixen in ihrem Haus zahlreiche «Boys», junge, meist noch im Kindesalter befindliche Diener. Eine Anzahl europäischstämmiger, muslimischer und indischer Mitarbeiter in höheren Lohnklassen vervollständigten das Personal, über das sie gebot.

Im Januar 1925 fuhren die drei zurück nach Dänemark. Dort versuchte Karen Kontakte herzustellen, um ihre Werke veröffentlichen zu können, unter anderem mit Georg Brandes, dem führenden dänischen Kritiker.

Am 1. Februar 1926 kehrte Karen auf ihre Farm zurück. Ihre Krise versuchte Karen in langen und intensiven Briefen an ihren Bruder zu bewältigen. 1927, am 23. Januar, kam ihre Mutter erneut nach Kenia und blieb mehr als drei Monate lang auf der Farm.

1929 wurde ihre Mutter ernsthaft krank, und Karen weilte vom 18. Mai bis 25. Dezember in Rungstedlund. Sie besuchte die Finch Hattons in England. Thomas Dinesens Buch Niemandsland, Erinnerungen an die französische Front im Ersten Weltkrieg, an dem er teilgenommen hatte, erschien auf Dänisch.

Die Beziehung zu Denys Finch Hatton Am 15. April 1918 hatte Karen im Muthaiga-Club in Nairobi ihre spätere große Liebe, den britischen Armee-Offizier und Großwildjäger Denys Finch Hatton, kennengelernt. Nach ihrer Rückkehr aus Dänemark nahm sie 1920 eine intensive Liebesbeziehung zu Denys auf. 1923 brannte die Kaffeefabrik vollständig nieder, und Thomas kehrte nach Dänemark zurück. Nun war sie völlig allein auf sich gestellt, denn Bror war ständig auf Safari unterwegs. Ab 1924 begann Denys in Mbogani bei Karen zu übernachten, wenn er nach Nairobi zurückkehrte. 1924 hatte sie eine Fehlgeburt von Denys. Im Januar 1925 wurde die Scheidung zwischen Bror und Karen ausgesprochen, und Karen ging wieder für ein Jahr nach Dänemark.