MDMA steht für die chirale chemische Verbindung 3,4-Methylendioxy-N-methylamphetamin. Es gehört strukturell zur Gruppe der Methylendioxyamphetamine. MDMA ist insbesondere als weltweit verbreitete Partydroge bekannt, gewinnt seit Jahren aber auch Relevanz als Medikament für die Psychotherapie zur Behandlung von verschiedenen psychischen Störungen, allen voran Posttraumatische Belastungsstörung, Soziale Angststörung und Depression. Hierfür teil-legalisiert wurde es in den letzten Jahren unter anderem in der Schweiz, Australien und Kanada.
MDMA war in den 1980er Jahren mit der Droge Ecstasy – auch kurz E genannt – synonym und ist es in der Wahrnehmung vieler Konsumenten sowie in der Medienberichterstattung bis heute. Seit den 1990er Jahren bezeichnet „Ecstasy“ vor allem MDMA in Tablettenform, die häufig mit anderen Substanzen gestreckt sind. Reines MDMA in kristalliner oder pulverisierter Form wird dagegen seit den 2010er Jahren zunehmend als „Molly“ oder „Emma“ bezeichnet.
Die freie Base MDMA ist ein Öl und enthält die funktionelle Gruppe eines sekundären Amins R2NH. Die freie Base bildet mit Salzsäure ein kristallines Hydrochlorid R2NH·HCl.
Geschichte mini|links|Im Jahr 1914 erteiltes Reichspatent
Die Anfang der 1990er Jahre publik gewordene Behauptung, Fritz Haber hätte im Zuge seiner DoktorarbeitF. Haber: Ueber einige Derivate des Piperonals. In: Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft. 24, 1891, S. 617–626.F. Haber: Über einige Derivate des Piperonals. Dissertation. Schade, Berlin 1891. MDMA hergestellt, konnte nicht bestätigt werden. Die Prüfung der Dissertation aus dem Jahr 1891 ergab keine entsprechenden Anhaltspunkte.U. Benzenhöfer, T. Passie: Zur Frühgeschichte von Ecstasy. In: Der Nervenarzt, Band 77, 2006, S. M95–M99. PMID 16397805; mdma.net (PDF; 520 kB). Vielmehr synthetisierte der Chemiker Anton Köllisch im Labor des Pharmakonzerns E. Merck erstmals MDMA (damals als Methylsafrylamin bezeichnet) als Zwischenprodukt der Synthese von Hydrastinin und dessen Derivaten.Firma Merck: Jahresbericht der Firma Merck. 1912.R. W. Freudenmann u. a.: The origin of MDMA (ecstasy) revisited: the true story reconstructed from the original documents. In: Addiction, Band 101, 2006, S. 1241–1245. PMID 16911722; mdma.net (PDF; 182 kB). Am 24. Dezember 1912 beantragte die Firma Merck hierfür das Patent, das am 16. Mai 1914 erteilt wurde. Es beschreibt im Wesentlichen einen generellen Syntheseweg diverser Amphetamine mit sauerstoffgebundenen Substituenten am Benzolring. MDMA war ein Zwischenprodukt auf der Suche nach einem Hydrastinin-Analogon. Diese wurden damals als „Hämostatika“ (blutstillende, gefäßzusammenziehende Mittel) bezeichnet. Aus MDMA als Synthese-Zwischenprodukt resultierte das Merck-Präparat Methylhydrastinin.C. Beck: Jahrbuch für Ethnomedizin. 1997/1998, S. 95–125. Die Vermutung, MDMA sei als Appetitzügler (Anorektikum) entwickelt bzw. vertrieben worden, wurde nicht bestätigt.S. Bernschneider-Reif u. a.: The origin of MDMA („ecstasy“) – separating the facts from the myth. In: Pharmazie. 61, 2006, S. 966–972. PMID 17152992R. W. Freudenmann u. a.: The origin of MDMA (ecstasy) revisited: the true story reconstructed from the original documents. In: Addiction. 101, 2006, S. 1241–1245. PMID 16911722.
1927 nahm der Merck-Chemiker Max Oberlin vermutlich die ersten pharmakologischen Tests ohne Versuche am Menschen vor. Er stellte die Forschung daran wieder ein, mit dem Vermerk, dass man die Substanz „im Auge behalten“ sollte. Der Begriff MDMA wurde 1937 erstmals genannt, als Beschreibung der zufällig entdeckten, spezifischen Wirkung des Amphetamins.W. E. Ehrich, E. B. Krumbhaar: An article contributed to an anniversary volume in honor of doctor joseph hersey pratt: The effects of large doses of benzedrine sulphate on the albino rat: functional and tissue changes. In: Annals of Internal Medicine. 10, 1937, S. 1874. doi:10.7326/0003-4819-10-12-1874. 1952 unternahm der Merck-Chemiker Albert van Schoor toxikologische Experimente mit Fliegen und notierte: „Nach 30 Minuten 6 Fliegen tot“. Eine wissenschaftliche Publikation folgte daraus nicht.
1965 synthetisierte der Chemiker Alexander Shulgin die Substanz nach eigenen Angaben erstmals selbst, nachdem er ab 1962 mit den verwandten Substanzen MMDA und MDA experimentiert und durch Selbstversuche deren psychoaktives Potential erforscht hatte.U. Benzenhöfer, T. Passie: Rediscovering MDMA (ecstasy): the role of the American chemist Alexander T. Shulgin. In: Addiction. Band 105, Nummer 8, August 2010, S. 1355–1361, doi:10.1111/j.1360-0443.2010.02948.x. PMID 20653618, (PDF, abgerufen am 8. Oktober 2015) MDA war zwischenzeitlich in den 1960er Jahren in Teilen der Hippiekultur in San Francisco als sogenannte „Liebesdroge“ (oder auch „hug drug“) bekannt geworden.Nicolae Sfetcu: Health & Drugs: Disease, Prescription & Medication. 2014, (Auszugsweise online)Julie Holland: Ecstasy: The Complete Guide: A Comprehensive Look at the Risks and Benefits of MDMA. Park Street Press, 2001. (Auszugsweise online) Ob Shulgin die Substanz zu diesem Zeitpunkt selbst getestet hat, ist unklar, ebenso wie der Zeitpunkt, wann genau ein Mensch erstmals MDMA konsumiert hat.T. Passie, U. Benzenhöfer: The History of MDMA as an Underground Drug in the United States, 1960–1979. In: Journal of psychoactive drugs. Band 48, Nummer 2, 2016 Apr-Jun, S. 67–75, doi:10.1080/02791072.2015.1128580, PMID 26940772.Alexander Shulgin, Ann Shulgin: PiHKAL: A Chemical Love Story. Transform Press, 1995. Abschnitt über MDA, abgerufen am 8. Oktober 2015. Ab 1970 beschlagnahmte die US-Polizei die ersten MDMA-Konsumeinheiten. Shulgin wurde prominent in der Geschichte des MDMAs, als er 1978 zusammen mit dem US-Pharmakologen David Nichols die erste psychopharmakologische Studie zu MDMA veröffentlichte.Shulgin A. T., Nichols D. E. Characterization of three new psychotomimetics. In: Stillman R. C.,Willette R. E., editors. The Psychopharmacology of Hallucinogens. New York: Pergamon Press; 1978, S. 74–83.
MDMA wurde in den nachfolgenden Jahren von einigen Psychotherapeuten in ihrer Praxis bis zum Verbot durch die Drug Enforcement Administration (DEA) im Juli 1985 benutzt.U. S. will ban 'Ecstasy', a hallucinogenic drug. In: New York Times. 1. Juni 1985. Seit die DEA 2001 die therapeutische Anwendung von MDMA, begrenzt auf die Indikation der posttraumatischen Belastungsstörung (post traumatic stress disorder), erlaubte, greift eine kleine Zahl amerikanischer Psychotherapeuten während der Therapie (Exploration), jedoch nicht als Medikament, mittlerweile wieder darauf zurück.
Bis Mitte der 1980er-Jahre war MDMA uneingeschränkt verkehrsfähig. Die Verwendung als Rausch- oder Freizeitdroge (recreational drug) wurde zuerst in einigen Yuppiebars in Dallas, Texas beobachtet, es verbreitete sich dann in der schwulen Tanzszene New Yorks und schließlich, mit anderen Substanzen gemischt, auf Raves und in Clubs. Zu dieser Zeit wurde die amerikanische Drug Enforcement Administration (DEA) auf MDMA aufmerksam. Sie verbot die Droge 1985 in den USA; ein Jahr später folgte ein weltweites Verbot durch die Weltgesundheitsorganisation WHO. Parallel zur wachsenden Popularität der Ravekultur wuchs die Verbreitung von Ecstasy/MDMA in den 1990er-Jahren. Während des Second Summer of Love 1988 wurde Ecstasy/MDMA im Rahmen der britischen Acid-House-Bewegung auch in Europa populär und entwickelte sich zur Droge der aufkommenden Ravekultur. Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel berichtete erstmals am 22. Juni 1987 folgendermaßen über den neuen Trend:
Seit den 1990er Jahren gehört MDMA neben Cannabis, Kokain und Amphetamin (inklusive Methamphetamin) zu den meistverbreiteten illegalen Drogen.
Bezeichnungen im illegalen Vertrieb Ecstasy oder XTC mini|Ecstasy wird gewöhnlich in Tablettenform verkauft.
Ecstasy, auch XTC, ist ein um 1980 entstandener Begriff für sogenannte „Partypillen“, die zunächst fast ausschließlich MDMA enthielten. Heute ist Ecstasy faktisch die Sammelbezeichnung für eine Vielzahl von Phenylethylaminen – in der Wahrnehmung vieler Konsumenten aber im „Idealfall“ weiterhin allein für MDMA.
Ecstasy wird in der Regel in Tabletten- oder Kapselform produziert und ist mit einem Trägermittel vermengt.
Ecstasytabletten werden in der Szene häufig als Es, Pillen und Teile bezeichnet. Pro Stück wird derzeit etwa ein Marktpreis von fünf bis zehn Euro erzielt, die Produktionskosten liegen unterhalb eines Euros. Die Deutsche Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht hat für 2013 einen leicht erhöhten Marktpreis von durchschnittlich 8,50 Euro ermittelt, nach 8 Euro im Vorjahr. Die EMCDDA maß europaweit Preise zwischen 4 und 17 Euro pro Pille mit einer Häufung zwischen 5 und 9 Euro.
In der Praxis konsumieren manche Abnehmer eine Pille, die ihnen als „Ecstasy“ angeboten wird und möglicherweise tatsächlich MDMA enthält, und verbinden damit dann eine entsprechende Erfahrung, wobei die nächste Pille einen vollkommen anderen Wirkstoff oder eine andere Konzentration enthalten und daher auch zu vollkommen anderen Reaktionen führen kann. Deswegen ist in manchen Kreisen die Nutzung des Begriffs Ecstasy bzw. der angebotenen Pillen regelrecht verpönt, weil zu unspezifisch, sofern MDMA konsumiert werden soll. Manche Nutzer verwenden einen Drogentest wie die Marquis-Reaktion, um zu prüfen, ob eine ihnen angebotene Pille zumindest MDMA enthalten kann. Tatsächlich kann mit diesem Test aber lediglich im Falle eines negativen Ergebnisses geschlussfolgert werden, dass sicher kein MDMA enthalten ist. Eine positive Reaktion hingegen ist keine Gewähr dafür, dass nicht noch andere Inhaltsstoffe enthalten sind. Auch die Konzentration des Wirkstoffs innerhalb der Pille kann mit diesem Test nicht ermittelt werden. Hierin liegt jedoch eine weitere Gefahr des Konsums von Ecstasy (s. Abschnitt „Gefahren“).
Die Wirkdauer liegt in der Regel bei vier bis sechs Stunden, sofern tatsächlich MDMA enthalten ist. In Deutschland wurden 2012 Wirkstoffgehalte von 1 mg bis zu – für die meisten Konsumenten überdosierten – 216 mg pro Pille ermittelt sowie ein Median von 83 mg. Damit stieg der Wirkstoffgehalt kontinuierlich von 50 mg im Jahr 2009 (58 mg 2010; 73 mg 2011) an.
Europaweit maß die EMCDDA 2012 Wirkstoffgehalte zwischen 43 und 113 mg pro Pille mit einer Häufung zwischen 64 und 90 mg, wobei 2012 in ganz Europa (ohne Türkei) 4,3 Millionen Pillen sichergestellt wurden.
Wirkstoffgehalt und Zusammensetzung sichergestellter Ecstasytabletten (2025)
Für das Jahr 2025 zeigen Auswertungen von europäischen Substanzanalyselaboren und Drogeninformationszentren (wie dem DIZ Zürich), dass der durchschnittliche Gehalt an MDMA in als „Ecstasy“ gehandelten Tabletten weiterhin auf einem historisch hohen Niveau liegt.
Statistische Kennzahlen Durchschnittlicher Wirkstoffgehalt: Der mittlere Gehalt lag im Jahr 2025 bei etwa 173,7 mg MDMA pro Tablette. Anteil an MDMA-haltigen Tabletten: Rund 87 % der analysierten Ecstasytabletten enthielten ausschließlich MDMA als primär wirksamen Hauptstoff. Beimengungen und Falschdeklarationen: Etwa 13 % der untersuchten Tabletten wiesen unerwartete psychoaktive Zusatzstoffe auf oder enthielten anstelle von MDMA Ersatzstoffe (wie Amphetamin, Koffein, Ketamin oder synthetische Cathinone).
Risikobewertung Der überaus hohe Wirkstoffgehalt stellt ein gesundheitliches Risiko dar. Mehr als 90 % der positiv auf MDMA getesteten Proben überschritten die Dosisgrenze von 120 mg MDMA; rund jede vierte Pille wies eine extreme Hochdosierung von über 200 mg MDMA auf.
In die meisten Tabletten werden „Markenzeichen“ eingepresst wie Vögel, Herzen, Delphine, Schmetterlinge oder (v. a. Auto-) Firmenembleme. Da sie leicht kopiert werden können, geben diese Erkennungszeichen keinen verlässlichen Hinweis auf die Wirkung oder die Inhaltsstoffe. Durch Ecstasy-Tabletten mit nicht klar definiertem Inhalt ist es wiederholt zu Todesfällen gekommen (s. Abschnitt Gefahren).