Trichlormethansulfenylchlorid ist eine stark giftige chemische Verbindung mit der Summenformel CCl4S.
Darstellung und Gewinnung Die Verbindung kann aus der Reaktion von Kohlenstoffdisulfid mit molekularem Chlor in Gegenwart von IodW. Autenrieth, H. Hefner: Über Versuche mit Thiophosgen. In: Chem. Ber. 1925, 58, S. 2151–2156, . oder ChlorwasserstoffG.K.S. Prakash, J. Hu, J. Simon, D.R. Bellew, G.A. Olah: Preparation of α,α-difluoroalkanesulfonic acids. In: Journal of Fluorine Chemistry., 2004, 125, S. 595–602, . hergestellt werden. Weitere Synthesemöglichkeiten bestehen in der Chlorierung von Dimethylsulfid oder von Thiophosgen.J.W. James: The action of chlorine on organic thiocyanates. Part I. Methyl thiocyanate. In: J. Chem. Soc. 1887, 51, S. 268–274, .P. Klason: Ueber einige schwefelhaltige Derivate des Kohlensäureesters. In: Chem. Ber. 1887, 20, S. 2384–2385, .
Eigenschaften Trichlormethansulfenylchlorid ist eine übelriechende, toxische Flüssigkeit, die bei 147–149 °C siedet. In Benzol besitzt sie ein Dipolmoment von 0,65 D.M. T. Rogers and K. J. Gross: The Electric Moments of Some Sulfur and Selenium Compounds, in: J. Am. Chem. Soc., 1952, 74, S. 5294–5296, .
Verwendung Die Substanz kann zur Synthese von Thiophosgen benutzt werden. Hierzu wird sie mit Eisen(III)-chlorid-Katalysator bei 140 °C in Xylol umgesetzt.E. F. Orwoll, US-Patent 2668853.
rahmenlos|hochkant=1.6|zentriert|Synthese von Thiosphosgen
Trichlormethansulfenylchlorid wurde unter dem Decknamen „Clairsite“ von französischen und russischen Streitkräften im Ersten Weltkrieg als chemischer Kampfstoff eingesetzt.A. T. Schäfer: Lexikon biologischer und chemischer Kampfstoffe. Köster, Berlin, 2003. (ISBN 3-89574-515-4).
Durch einen Chlor-Fluor-Austausch mittels Quecksilber(II)-fluorid oder Silber(I)-fluorid kann das Dichlorfluormethylsulfenylchlorid erhalten werden,Kober, E.: A New Class of Sulfenyl Derivatives; Perhalogenated Aliphatic Sulfenyl Fluorides in J. Am. Chem. Soc. 81 (1959) 4810–4812, .Ham, N.S.: Dichlorofluoromethanesulfenyl chloride in J. Am. Chem. Soc. 83 (1961) 751–752, . welches für die Herstellung der Fungizide Dichlofluanid und Tolylfluanid benötigt wird.
Sicherheitshinweise Trichlormethansulfenylchlorid kann sowohl über die Atemwege als auch dermal oder oral aufgenommen werden. Dabei reizt es Augen, Rachen, Bronchien und Alveolen. Im menschlichen Organismus erzeugt es Leber- und Nierenschäden.Jürgen Fritze: Die ärztliche Begutachtung: Rechtsfragen, Funktionsprüfungen, Beurteilungen. 7. Auflage, Springer, 2008, ISBN 978-3-7985-1563-5, S. 296. Beim Tierversuch mit Ratten und Mäusen zeigte sich inhalativ und oral eine hohe Toxizität mit Symptomen wie Durchfall, Hautreizungen und -veränderungen sowie Atemnot.
Einzelnachweise
Kategorie:Sulfensäureverbindung Kategorie:Trichlormethylverbindung Kategorie:Säurechlorid