Atari SA mit Sitz in Paris ist ein börsennotierter französischer Hersteller von Computerspielen. Das Unternehmen ging aus dem 1983 unter dem Namen Infogrames gegründeten französischen Entwicklungsstudio hervor. Durch zahlreiche Akquisitionen stieg das Unternehmen zeitweise zu einem weltweit führenden Hersteller und Distributor von Computerspielen auf. Mit der Übernahme von Hasbro Interactive gelangte das Unternehmen zudem in den Besitz der Namensrechte des früheren Konsolenherstellers Atari. Nachdem das Unternehmen von 2003 an bereits mehrere Tochterfirmen in Atari umbenannt hatte und alle seine Spiele unter diesem Label publizierte, wurde 2009 schließlich auch der Konzern selbst von Infogrames Entertainment SA in Atari SA umbenannt.

Firmengeschichte 1983: Gründung als Infogrames mini|Firmengründer Bruno Bonnell im Jahr 2008. Infogrames (Aussprache: (französisch), (englisch)) wurde am 1. Juni 1983 von Bruno Bonnell und Christophe Sapet in Lyon gegründet. Bei dem Namen handelte es sich um ein Kofferwort bestehend aus den französischen Wörtern „informatique“ (Informatik) und „programme“ (Programm). Das Firmenlogo des Unternehmens zeigte die Abbildung eines Gürteltiers, kombiniert mit dem Firmenschriftzug. Zu den bekanntesten Titeln des Unternehmens zählte unter anderem das 1992 veröffentlichte Survival-Horror-Spiel Alone in the Dark.

1996: Expansion durch Zukäufe Von 1996 bis 2002 begann sich das Unternehmen mit der weltweiten Übernahme zahlreicher Mitbewerber sukzessive zu vergrößern und stieg damit im Geschäftsjahr 2001/2002 zeitweise zum weltweit drittgrößten Hersteller von Spielesoftware nach Electronic Arts und Vivendi Universal Games auf. Ziel war es, erst schrittweise Infogrames Präsenz auf weitere Länder auszudehnen, später dann den Output an neuen Spielen zu erhöhen. Diese Vergrößerungen wurden allerdings mit einer zunehmenden Verschuldung des Konzerns erkauft. So betrug die Gesamtverschuldung des Konzerns im Jahr 2000 600 Millionen US-Dollar. Bei den übernommenen Unternehmen handelte es sich dabei im Detail um:

1996: Ocean Software für rund 100 Millionen US-Dollar, mit anschließender Umbenennung in Infogrames UK. 1997: Philips Media BV, einschließlich der Unternehmen Bomico (Deutschland), Ecudis (Frankreich) und Leisuresoft (Großbritannien). Die Bomico Unterhaltungssoft- und -hardware Vertriebs GmbH (HRB 34030, AG Offenbach am Main) firmierte in Infogrames Deutschland GmbH um. 1998: Erwerb einer Mehrheitsbeteiligung von 62,5 % am australischen Distributor OziSoft im Dezember, der in Infogrames Australia umbenannt wurde; im April 2002 wurden auch die verbliebenen Anteile erworben. 1999: Übernahme von Gremlin Interactive für 40 Millionen US-Dollar im April, Umbenennung in Infogrames Sheffield House; Schließung 2003. 1999: Accolade wurde im April für 50 Millionen US-Dollar in bar übernommen; Infogrames kündigte für die Zeit nach der Übernahme zusätzliche Investitionen in Höhe von zehn Millionen US-Dollar an. Infogrames erhoffte sich von der Übernahme eine Verbreiterung seiner Produktpalette und ein stärkeres Standbein im US-Markt. 1999: Ein Studio des australischen Entwicklers Beam Software wurde Teil des Unternehmens, später umbenannt in Infogrames Melbourne House Pty Ltd. 2000: Paradigm Entertainment wurde für 19,5 Millionen US-Dollar und der kanadische Entwickler Den-o-Tech Int. (DTI) für 5,6 Millionen US-Dollar übernommen; letzterer wird später umbenannt in Infogrames DTI. 2002: Übernahme von ABS Multimedia, Arcadia und der Schweizer Gamecity GmbH.

Einige dieser Übernahmen wie Accolade und Gremlin bezeichnete Bonnell in einem Interview 2004 nachträglich als Fehler.

1999: Übernahme von GT Interactive

Zu den wichtigsten Übernahmen zählte der Erwerb eines 70%igen Anteils am amerikanischen Publisher GT Interactive im Dezember 1999 für 135 Millionen US-Dollar sowie die Übernahme von Unternehmensschulden in Höhe von 75 Millionen US-Dollar.

Das 1993 gegründete Unternehmen GT Interactive wurde u. a. durch das Adventure Discworld Noir und durch den Vertrieb von Spielen wie z. B. Unreal, Doom, Duke Nukem, Blood, Prisoner of Ice und die ersten Oddworld-Spiele bekannt. Zum Zeitpunkt der Übernahme war der Publisher finanziell schwer angeschlagen und hatte mit Hilfe der Investmentbank Bear Stearns nach einem Fusionspartner oder Käufer gesucht. Infogrames, zu diesem Zeitpunkt der größte europäische Computerspiel-Publisher, gelangte durch die Übernahme in den Besitz des amerikanischen Distributions-Netzwerks und des Softwarekatalogs des Unternehmens, unter anderem mit den Spielereihen Driver und Deer Hunter. Hinzu kamen die sieben zu GT Interactive gehörenden Entwicklungsstudios, darunter Humongous Entertainment, Legend Entertainment und Reflections Interactive. GT Interactive wurde im Mai 2000 in Infogrames, Inc. umbenannt.

2001: Übernahme von Hasbro Interactive Im Januar 2001 folgte die Übernahme von Hasbro Interactive, der Software-Sparte des Hasbro-Konzerns für 100 Millionen, bezahlt durch 4,5 Millionen Infogrames-Stammaktien im Wert von 95 Millionen US-Dollar und fünf Millionen US-Dollar in bar. Infogrames übernahm dadurch den Entwickler und Publisher MicroProse mitsamt seinen Niederlassungen, einschließlich der Rechte an dessen Spielerserien Civilization, Falcon, Grand Prix und RollerCoaster Tycoon. Da MicroProse zu diesem Zeitpunkt auch die Rechte am Textadventure-Hersteller Magnetic Scrolls hielt, gingen auch diese im Zuge dieser Akquisition an Infogrames über. Weiterhin umfasste die Übernahme die Namensrechte des ehemaligen Konsolen- und Spieleherstellers Atari und dessen Produkte, darunter die Titel Centipede, Missile Command und Pong. Zusätzlich erhielt Infogrames für 15 Jahre plus einer leistungsabhängigen Option auf weitere fünf Jahre die exklusiven Rechte für die Entwicklung und den Verkauf von Computerspielen auf Basis von Hasbro-Spielemarken, darunter die Marken Dungeons & Dragons, Monopoly, Scrabble, Risiko, Cluedo, Mr. Potato Head und Mein kleines Pony. Hasbro Interactive wurde nach der Übernahme in Infogrames Interactive, Inc. umbenannt. Das MicroProse-Entwicklerstudio in Großbritannien wurde bereits am 20. September 2002 geschlossen.

Die letzten größeren Akquisitionen dieses Zeitraums bestanden in der vollständigen Übernahme des französischen Entwicklers Eden Studios für 4,1 Millionen US-Dollar, an dem das Unternehmen zuvor bereits einen Anteil von 19,8 % besessen hatte, und des US-amerikanischen Entwicklers Shiny Entertainment für 47 Millionen US-Dollar. Infogrames erhielt dadurch die Rechte an den Titeln V-Rally 3 und Test Drive Unlimited (Eden Games), sowie an Enter the Matrix (Shiny Entertainment), dem ersten Computerspiel auf Basis der Filmlizenz zu The Matrix.

2003: Umwandlung zur Atari-Gruppe Bereits mit der Veröffentlichung von MX Rider im Jahr 2001 veröffentlichte Infogrames wichtige Großproduktionen unter dem Atari-Label. Im Mai 2003 wurden sämtliche operativen Einheiten des Konzerns in Atari umbenannt, wobei die Konzernholding selbst weiterhin ihren Namen als Infogrames SA beibehielt. Infogrames, Inc. (vormals GT Interactive) firmierte seither als Atari, Inc. Infogrames Interactive (ehemals Hasbro Interactive) wurde in Atari Interactive, Infogrames UK in Atari UK umbenannt. Ähnlich verfuhr Infogrames mit seinen anderen Distributionsniederlassungen: Infogrames Australia Pty Ltd wurde zu Atari Australia Pty Ltd. Die Rechte an dem Namen Atari hatte das Unternehmen bereits im Januar 2001, zusammen mit dem Teilbereich Hasbro Interactive, von Hasbro gekauft.

Seit der Übernahme von GT Interactive verlagerte sich Infogrames’ Fokus zunehmend auf den US-amerikanischen Markt. Zum Zeitpunkt des Namenswechsels erwirtschaftete der Publisher rund 65 % seines Umsatzes in den USA. Die US-Tochter hatte jedoch mit häufigen Wechseln in der Geschäftsführung zu kämpfen und blieb stark defizitär. Im Juli 2006 wurde Reflections mitsamt der Driver-Lizenz an den französischen Publisher Ubisoft verkauft. Im Oktober 2006 wurde das Entwicklerstudio Shiny an Foundation 9 verkauft.

2007–2011: Häufig wechselnde Geschäftsführung und Rückzug aus Europa Am 5. April 2007 wurde bekannt, dass der letzte verbliebene Infogrames-Gründer und langjährige Firmenleiter Bruno Bonnell das Unternehmen verlassen habe. Neuer CEO und Chairman wurde der Franzose Patrick Leleu. Bonnells Abschied wurde an der Börse allgemein positiv aufgenommen, Analysten sahen in diesem Schritt die Möglichkeit zu einer Neuorientierung des Unternehmens. Am Tag der Ankündigung stieg der Wert der Infogrames-Aktie daher um 24 %. Bereits seit September 2006 lief gegen die seit längerem kriselnde US-Tochter Atari, Inc., die zu diesem Zeitpunkt zu 51,4 % im Besitz von Infogrames war, ein Verfahren zum Ausschluss vom Handel an der Technologiebörse NASDAQ, da der Wert dauerhaft unter die Pflichtmarke von einem Dollar gefallen war. Am 5. September 2007 wurde die Aktie schließlich aus dem Handel genommen. Infogrames übernahm daher für rund elf Millionen US-Dollar die verbliebenen Anteile seiner US-Tochter und reagierte mit einem radikalen Umbau des Board of Directors von Atari, Inc. sowie der Entsendung eines Übergangs-CEOs. Im März 2008 wurde schließlich Jim Wilson zum President und CEO von Atari, Inc. ernannt, Gesamtkonzern-Chef Leleu hingegen war bereits im Januar 2008 wieder von seinen Posten zurückgetreten. Ihm folgten der frühere EA-Manager David Gardner als CEO und Phil Harrison, der ehemalige Leiter der Sony Studios Worldwide, als President. Unter Gardner und Harrison veräußerte Atari im September 2008 34 % seiner Tochter Atari Europe an den japanischen Publisher Namco Bandai. Im Dezember 2008 erwarb Infogrames den auf MMOs spezialisierten Entwickler Cryptic Studios für 28 Millionen US-Dollar und weitere 48 Millionen Dollar an erfolgsabhängigen Boni, hauptsächlich um seine US-Tochter Atari, Inc. neu aufzustellen.

Im Mai 2009 kam es schließlich zu mehreren entscheidenden Veränderungen. Am 14. Mai wurde bekannt, dass Infogrames seine europäische Distributions-Niederlassung Atari Europe vollständig an Namco Bandai abstoßen und sich damit aus dem europäischen Sektor zurückziehen werde. Die US-Tochter Atari, Inc. blieb davon unberührt. Da der Atari-Name zudem größere Bekanntheit besaß und die unterschiedlichen Firmenbezeichnungen in der Öffentlichkeit bisweilen als verwirrend aufgefasst wurden, benannte sich auch der Infogrames Entertainment SA in Atari SA um. Weiterhin zog sich Phil Harrison von seinem Posten als President und damit aus der Geschäftsführung zurück, verblieb dem Unternehmen jedoch als Director of the Group verbunden. Im selben Zug wurde als neuer Chief Operating Officer der ehemalige COO von THQ und CEO von Take 2, Jeff Lapin, verpflichtet.

Am 11. Dezember 2009 trat David Gardner vom Posten des Geschäftsführers der Atari SA zurück, sein Nachfolger wurde Lapin, der das Unternehmen von Los Angeles aus leitete. Unterstützt wurde er durch ein sogenanntes Executive Committee, bestehend aus Jim Wilson (CEO Atari, Inc.), John Needham (CEO Cryptic Studios), Fabrice Hamaide (CFO Atari SA) und Alexandra Fichelson (General Secretary). Im April 2010 wurde Nolan Bushnell, 1973 Gründer des ursprünglichen Konsolenherstellers Atari, Berater und Aufsichtsratsmitglied des Unternehmens. Lapin verließ das Unternehmen im Dezember 2010, sein Nachfolger an der Spitze des Gesamtkonzerns wurde der bisherige President und CEO der US-Tochter Atari, Inc., Jim Wilson. Im selben Geschäftsjahr wurde der Sitz des Unternehmens von Lyon nach Paris verlegt.

Im Mai 2011 stieß Atari sein Entwicklerstudio Cryptic Studios für 35 Millionen Euro bzw. 49,8 Millionen US-Dollar in bar an das chinesische Unternehmen Perfect World ab, nachdem das Unternehmen die beiden Jahre zuvor lediglich Verluste in Höhe von 12,6 Millionen Euro und 5,3 Millionen Euro verzeichnet hatte.

2013–2020: Rettung und Restrukturierung unter Chesnais