mini|Helfs Hof Der Helfs Hof im Stadtteil Sevinghausen von Wattenscheid ist ein altes Bauerngut, das heute als Heimatmuseum genutzt wird. Es ist eins der ältesten Zeugnisse bäuerlicher Baukultur in Wattenscheid.Eintrag in die Denkmalliste der Stadt Bochum (A 571)
Geschichte mini|Helfs Hof in einer alten Ansicht um 1930 Der Name der Hofstelle soll auf den Hellweg zurückgehen. Die mittelalterliche Handels- und Heerstraße führte in einem früheren Verlauf bis etwa zum Jahr 1000 am Hof vorbei. So wurde der Hof später auch noch als Helfeshofe (Hove tom Hellwege) oder Hellwegs- oder Helfs Hof bezeichnet.
Der Hof war ein sogenanntes Leibgewinngut, das heißt, der Pächter besaß ein erbliches Nutzungsrecht an der Hofstelle und war persönlicher Eigentümer der Gebäude. Der Name Helfs Hof lässt sich bis zu dem 15. Jahrhundert zurückverfolgen. Er war ab 1526 bis zur Ablösung der Feudallasten 1813 dem Pilgrimhaus, einem Armen- und Siechenhaus nahe der Pilgerkapelle St. Bartholomäus am Hellweg „eigenhörig“, d. h. musste Zins zu dessen Unterhalt abführen.
In Sevinghausen lag der Hinrichtungsplatz des Niederamtes des Amt Bochum. Zusammen mit anderen Höfen musste der Hofbesitzer neben den oben genannten Abgaben außerdem den „Galgenzehnt“ erfüllen, also die Vorbereitungen für eine Hinrichtung erfüllen. Für den Helfs Hof bedeutete es unter anderem eine Henkersmahlzeit für den Verurteilten und die Leiter für den Galgen bereit zu stellen. Der Hinrichtungsplatz befand sich im Flur Haverfeld in Stalleiken an der Stadtgrenze (heute in Essen). Der dorthin führende Pfad hieß früher Galgenpfad (heute teilweise In den Höfen). Diese an der Grenze der Grafschaft Mark gelegene Hinrichtungsstätte war auch als ein „Zigeunergalgen“ bekannt, weil hier nach entsprechenden Edikten von 1710 und 1725 Diebe, Landstreicher und als „Zigeuner“ verdächtigte Personen „ohne Gnade mit dem Galgen bestraffet“ wurden.Friedrich Wilhelm I. Preußen, König, und Nikolaus Martin -1770 Lange. Edict, Daß Die Zigeuner, So Im Lande Betreten Werden, Und 18. Jahre Und Darüber Alt Seyn, Ohne Gnade Mit Dem Galgen Bestraffet, Und Die Kinder in Wäysen-Häuser Gebracht Werden Sollen: De Dato Berlin, Den 5. Octobr. 1725. Halberstadt: Lange, 1725. mini|Fleetküche und TrauzimmerDas Haupthaus, ein Bauernhaus aus dem 17. bis 18. Jahrhundert in Fachwerkbauweise, im Bautyp ein Längsdielenhaus als Vierständerhaus, besitzt bis heute die originale befestigte Tenne und die historische Küche mit offener Feuerstelle. Die zweiteilige Küchentür wurde, datiert 1555, vom damaligen Besitzer Arndt Eickenscheidt eingebaut. Im Obergeschoss lag die sogenannte Upkammer, die Gute Stube. Der tonnengewölbte gemauerte Gewölbekeller kann ebenfalls besichtigt werden. Das Haupthaus ist 13,6 Meter breit und 28,6 Meter lang. Im Süden wurde um 1900 ein Wohnteil angebaut.
Neben dem Haupthaus steht der ehemalige Kuhstall, ein Backsteingebäude des 19. Jahrhunderts, und belegt damit das es sich um eine größere Hofstelle handelte. Zwei ehemals vorhandene Scheunen aus dem 18. Jahrhundert in Fachwerkbauweise wurden abgerissen.
Im Jahr 1911 ging der Hof in den Besitz der Familie Heroven zu Westenfeld über. 1968 wurde er von der damals noch selbständigen Stadt Wattenscheid aufgekauft. In der Zeit danach sollte das Gebäude im Rahmen einer große Löschübung abgefackelt werden, das wurde aber nicht umgesetzt. Der Hof wurde von den Eheleuten Damm erworben. In lokaler Initiative wurde es später teilweise zum Museum umgebaut. Es wurde kurz vor der Eingemeindung von Wattenscheid, am 18. Dezember 1974 eröffnet.Verwaltungsbericht der Stadt Bochum, 1975, S. 149. Man entschied sich bewusst auf der Ausstellungsfläche von ca. 200 m² nicht ein reines Bauermuseum zu erstellen, sondern die Geschichte der Stadt Wattenscheid darzustellen. Die heutige Trägerschaft in Kooperation besteht seit 2003. Der Hof ist als Baudenkmal unter der Nummer A 571 seit 2003 in die Denkmalliste der Stadt Bochum eingetragen.
Heutige Situation mini|Heimatmuseum im Helfs Hof Das Museum beherbergt eine Ausstellung bäuerlicher Gebrauchsgegenstände aus verschiedenen Jahrhunderten und eine Sammlung zur Wattenscheider Geschichte. Es wird von der Stadt Bochum betrieben und fachlich vom Heimat- und Bürgerverein Wattenscheid betreut, der einen ehrenamtlichen Museumswart stellt. Die Stadt Bochum hat zwei halbtags beschäftigte Kräfte eingestellt, die für Aufsicht und Betriebsdienste zuständig sind und übernimmt die Hauskosten. Im Jahr 2017 wurden 2.368 Besucher registriert. In der großen Fleetküche kann eine standesamtliche Trauung stattfinden. mini|Glocken der Friedenskirche Vor dem Museum aufgestellt sind zwei Glocken aus der evangelischen Friedenskirche in Wattenscheid, die 1880 bis 1953 im Einsatz waren. Im Jahr 1953 kam es zu einem Brand des Turmdachstuhls. Im Oktober 1956 erwarb Hugo Bungenberg die alten, historisch wertvollen Stahlglocken, welche den Brand überstanden hatten. Die auf den Namen Rufe die Fröhlichen und Tröste die Trauernden getauften Glocken stiftet er seiner Heimatgemeinde Hellenthal. Später kamen sie als Exponat des Heimatmuseums wieder zurück nach Wattenscheid. Im Vorhof befindet sich auch ein zugemauerte Eingang zu einen Luftschutzbunker aus dem Zweiten Weltkrieg.
Unweit entfernt befindet sich die Pilgerkapelle St. Bartholomäus, welche mit der Geschichte des Hofes verbunden ist und die Kirche Herz Jesu.
Lage südlich der Innenstadt von Wattenscheid, nahe Wattenscheider Hellweg Adresse: Helfs Hof, In den Höfen 37, Bochum-Wattenscheid ÖPNV: Bochum, Haltepunkt Stalleickenweg; Bochum, Haltepunkt Schlaraffiastr.
Weblinks
Stadt Bochum: Homepage Heimatmuseum Helfs Hof Stadt Bochum: Video zum Helfs Hof und dem Heimatmuseum
Einzelnachweise
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