Graf Adolf I. von der Mark (* vor 1182; † 28. Juni 1249), bis 1226 auch Adolf I. von Altena-Mark genannt, war der Sohn von Friedrich von Berg-Altena und der Alveradis von Krieckenbeck (* um 1155; † nach 1220, urkundlich erwähnt zwischen 1173 und 1220), Tochter des Grafen Reiner von Krieckenbeck-Millendonk (* um 1110; † nach 1164, urkundlich erwähnt 1164, Sohn von Heinrich von Krieckenbeck).

Adolf gehörte zu den Grafen von Berg und Altena und war der Begründer eines neuen Adelsgeschlechts, der Grafen von der Mark. Er vereinigte ab 1226 die Güter der Grafen von Berg-Altena, die sich seit der Altenaischen Erbteilung ab 1180 im Besitz verschiedener Seitenlinien dieses Geschlechts befanden, in einer Hand und formte aus ihnen die Grafschaft Mark mit ihrer Hauptstadt Hamm, die durch ihn gegründet worden ist. Daneben war Adolf von der Mark auch Graf von Krickenbeck (bis 1243) und Vogt des Klosters Cappenberg und des Klosters Werden.

Geburtsjahr Das Geburtsjahr von Adolf I. von der Mark ist nicht überliefert, doch ermöglichen die Lebensdaten seiner Eltern und die Betrachtung zeitgenössischer Urkunden zumindest eine ungefähre Datierung.

Bei Genealogie Mittelalter wird unter Berufung auf verschiedene Quellen das Jahr 1199 als Adolfs Geburtsjahr genannt. Zu dieser Zeit muss Adolf I. von der Mark aber bereits auf der Welt gewesen sein, da sein Vater Friedrich bereits im Jahre 1198 auf der zum Oberhof Mark gehörenden Hügel in der Mark bei Hamm die Burg Mark zugunsten seines Sohnes errichtet hatte.Stellvertretend für viele weitere Quellen: Georg Eggenstein; Andreas Haasis-Berner: Die Homburg und die Burg Mark, Kreisfreie Stadt Hamm. Herausgegeben vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe als Schrift Frühe Burgen in Westfalen 19 im Jahre 1979. Vermutlich geht diese Angabe auf eine Verwechslung zwischen Adolfs Lebens- mit seiner Amtszeit zurück, wie man sie in Sekundärquellen des Öfteren findet. Das Jahr 1199 (nach anderen Quellen 1198) ist das Todesjahr von Adolfs Vater Friedrich. Adolf trat in diesem Jahr die Nachfolge seines Vaters an und wurde in dieser Funktion erstmals als comes de Altena, also Graf von Altena, bezeichnet.Dr. Julius Ficker: Engelbert der Heilige, Erzbischof von Köln und Reichsverweser. Köln 1853, S. 253 mit Verweis auf die erste urkundliche Erwähnung als comes de Altena, Cod. dipl. W. 2, 263.

Seine erste urkundliche Erwähnung findet Adolf im Jahre 1194.Zweiter Band 1105–1205, Bonn 1901, Nr. 1481. Aus diesem Grund wird in der Sekundärliteratur regelmäßig das Jahr 1194 als sein Geburtsjahr genannt.Vgl. etwa: Levold von Northof, de Northof Levolous, Fritz Zschaeck: Die Chronik der Grafen von der Mark. veröffentlicht von Weidmann, 1955.Ernst Dossmann: Auf den Spuren der Grafen von der Mark. Iserlohn 1983, S. 44.

Betrachtet man den Inhalt der Urkunde von 1194, zeigt sich, dass diese Angabe nicht den Tatsachen entsprechen kann. Die Urkunde wurde von Adolf von Altena ausgestellt, dem Onkel von Adolf I. von der Mark, der zu dieser Zeit Erzbischof von Köln war. Adolf von Altena bekundet hier, dass sein Bruder, Graf Friedrich von Berg-Altena – der Vater von Adolf I. von der Mark – dem Kloster zu Cappenberg, dessen Vogt er ist, für 160 Mark einen Hof namens Lohusen (Lohausen im Kreis Rees) verkauft hat. Zudem hat Friedrich im Wege der Schenkung die Vogtei über den Hof auf das Kloster übertragen. Zum Dank dafür haben die Mönche das gräfliche Ehepaar, Friedrich und seine Frau Alveradis, in ihre Bruderschaft aufgenommen. Erzbischof Adolf von Altena bestätigt, dass die Schenkung zunächst in Anwesenheit des Abts Hermann, des Konvents und der ihm beipflichtenden Ministerialen ausgesprochen worden ist. Der Erzbischof bestätigt aber auch, dass die Schenkung zu einem späteren Zeitpunkt unter Zeugen wiederholt wurde. Diese Zeugen waren Friedrichs Bruder Arnold von Altena, seine Frau Alveradis, aber auch seine Söhne Friedrich und Adolf (Adolf I. von der Mark); der Erzbischof bestätigt die Schenkung nunmehr ein drittes Mal.

Es ist unmittelbar ersichtlich, dass ein gerade neugeborener Sohn des Grafen Friedrich nicht als Zeuge eines Rechtsgeschäfts auftreten kann. Graf Adolf I. von der Mark muss also zu einem wesentlich früheren Zeitpunkt geboren worden sein. Wurde das seinerzeit geltende Recht korrekt angewendet – und es gibt kein Anzeichen, warum dies hier nicht der Fall sein sollte – muss Adolf im Jahr 1194 bereits das Stadium der Mündigkeit erreicht haben, er hätte ansonsten gar nicht als Zeuge auftreten dürfen. Denn ein Unmündiger konnte nach damals geltendem Recht nicht beeidigt werden, wurde doch die Beeidigung als Teil der Glaubwürdigkeit eines Zeugen angesehen. Folglich sollte ein Unmündiger nicht als Zeuge herangezogen werden.Fr. Roßhirt: Geschichte des Rechts im Mittelalter. Erster Teil. Mainz 1846, S. 189.

Fraglich ist deshalb, in welchem Alter Adolf I. von der Mark mündig geworden ist. Eine eindeutige Regelung, wann junge Männer rechtsfähig wurden oder bestimmte Ämter bekleiden durften, gab es im Mittelalter nicht. Im Mittelalter war das Mündigkeitsalter eng an die Waffenfähigkeit geknüpft. Diese begann regelmäßig im Alter zwischen zwölf und fünfzehn Jahren. Danach muss Adolf im Jahr 1194 mindestens zwölf Jahre alt gewesen sein, er wäre somit spätestens 1182 geboren worden.

Auf ein solch frühes Geburtsjahr weist auch die Tatsache hin, dass Adolf nach dem Tod seines Vaters Friedrich von Berg-Altena im Jahr 1198 oder 1199 als dessen Nachfolger die Regierungsgeschäfte als Graf von Altena übernahm. Wäre er zu diesem Zeitpunkt unmündig gewesen, hätte er einen Vormund benötigt, und zwar, da er frühestens mit zwölf Jahren mündig geworden wäre, mindestens bis zum Jahr 1206. Doch geben die Urkunden keinen Hinweis auf eine solche Vormundschaft, vielmehr tritt Graf Adolf in weiteren Urkunden als Zeuge auf und unterzeichnet von eigener Hand. Auch dies deutet darauf hin, dass Graf Adolf spätestens 1198/1199 mündig geworden ist und somit in den 80er Jahren des 12. Jahrhunderts geboren worden sein muss.

Diese Annahme bestätigen auch zwei Urkunden aus den Jahren 1202 und 1205. In der Urkunde aus 1202 wird Adolf als „Adolfus puer comes de Marke“ bezeichnet (sinngemäß Junggraf von der Mark).J. P. J. Gewin: Die Herkunft der Grafen van Limburg Stirum. Assen/Münster 1962, S. 118. Das lateinische Wort puer kommt im Mittelalter in mehreren Bedeutungen vor. Allgemein bedeutet es Knabe oder Jüngling, im Besonderen weist es jedoch auf die Pagen- beziehungsweise Knappenzeit eines angehenden Ritters hin.Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm. 16 Bde. (in 32 Teilbänden). S. Hirzel, Leipzig 1854–1960. Adolf, der später die Isenberger Wirren für sich entscheiden konnte, hat gewiss eine kriegerische Ausbildung genossen; wird er im Jahre 1202 als puer bezeichnet, ist dies ein deutlicher Hinweis, dass zu diesem Zeitpunkt seine Knappenzeit noch nicht beendet war. 1205 tritt Adolf erneut als Zeuge auf, hier jedoch als Adolphus com. de Marka, ohne den Zusatz puer.Zweiter Band 1105–1205, Bonn 1901, Nr. 1658. Seine Knappenzeit muss somit zwischen 1202 und 1205 geendet haben. Beachtet man nunmehr, dass die Knappenzeit ohne das Hinzutreten besonderer Umstände regelmäßig mit dem 21. Lebensjahr des angehenden Ritters endete,Theodor Reyttenmiller: Unsere alt- und mittelhochdeutschen Dichter. Ein Hand- und Lehrbuch. Stuttgart 1861, S. 86. ergibt sich hieraus ein mögliches Geburtsjahr Adolfs zwischen 1181 und 1184. Da Graf Adolf nach den obigen Feststellungen spätestens 1182 geboren worden sein muss, lässt sich sein Geburtsjahr somit auf die Zeit zwischen 1181 und 1182 eingrenzen. Zu erwähnen wäre noch, dass Adolfs Mutter mit 39 Jahren schon relativ alt für ihr erstes Kind gewesen wäre, sollte das Jahr 1194 das korrekte Geburtsjahr sein.

Folgerichtig nimmt ein Teil der Literatur an, dass Graf Adolf bereits vor dem Jahr 1194 geboren worden ist.vgl. etwa Ralf G. Jahn: Die Genealogie der Vögte, Grafen und Herzöge von Geldern. In: Johannes Stinner, Karl-Heinz Tekath (Hrsg.): Gelre – Geldern – Gelderland. Geschichte und Kultur des Herzogtums Geldern. Geldern 2001, S. 29–50 (Veröffentlichungen der Staatlichen Archive des Landes Nordrhein-Westfalen, Reihe D, Band 30), S. 33. Dabei verlegt Rudolf Schulze in seinem Buch Die Landstände der Grafschaft Mark bis zum Jahre 1510: Mit Urkundl. Beil. die Geburt des Grafen Adolf ohne nähere Begründung sogar in das Jahr 1164.Rudolf Schulze: Die Landstände der Grafschaft Mark bis zum Jahre 1510: Mit Urkundl. Beil. 1907, S. 188. Diese Angabe deckt sich aber nicht mit den Lebens- und Ehedaten von Adolfs Eltern. Zudem stützt sich Schulze weitestgehend auf Levold von Northof, so dass insgesamt von einem Zahlendreher auszugehen ist und auch Schulze tatsächlich das Jahr 1194 angeben wollte.

Leben

Der Konflikt zwischen der altenaisch-märkischen und der altenaisch-isenbergischen Linie des Hauses Berg Eine auf den vierten Januar des Jahres 1200 datierende Urkunde des Kölner Erzbischofs Adolf von Altena, die auch Graf Adolf und sein Bruder Friedrich unterzeichnet haben, gibt Auskunft darüber, dass Adolfs Vater Friedrich von Berg-Altena zu diesem Zeitpunkt bereits verstorben war. Das genaue Todesdatum ist allerdings unbekannt. Teils wird das Jahr 1199 als sein Todesjahr angenommen, teils schon das Jahr 1198, da Friedrich seither nicht mehr urkundlich erwähnt wird.Zweiter Band, 1100–1205, Bonn 1901, Nr. 1572. Irgendwann in dieser Zeit trat Adolf das väterliche Erbe als Graf von Altena an.

Adolfs Vater Friedrich, der aus dem Hause Berg stammte, hatte diesen Titel im Rahmen der Altenaischen Erbteilung von 1175/1180 erhalten. Allerdings war Friedrich nicht alleiniger Graf von Altena. So wie auch Titel und Rechte in der alten Grafschaft Altena nach ganz unterschiedlichen Teilungsprinzipien unter den Brüdern und damit zwischen den Linien Altena-Isenberg und Altena-Mark des Hauses Berg aufgeteilt wurden, erwarben Friedrich und sein Bruder Arnold von Altena ihre Stammburg Altena zunächst als gemeinschaftliches Lehen. Arnold von Altena zog sich jedoch bald daraus zurück. Seinen Anteil verkaufte er nicht an seinen Bruder, sondern an seinen Lehnsherrn, den Kölner Erzbischof Philipp I. von Heinsberg. Nach Philipps Tod gelangte der Anteil der Burg wieder zurück an Arnold, bis dieser ihn um 1200 erneut an den Erzbischof von Köln und Herzog von Westfalen veräußerte. Zu dieser Zeit war das Adolf von Altena, ein Bruder von Arnold und Friedrich.

Burg Altena verlor dadurch sowohl für die altenaisch-märkische Linie (Friedrich von Berg-Altena und Adolf I. von der Mark) als auch für die altenaisch-isenbergische Linie (Arnold von Altena und Friedrich von Isenberg) an Bedeutung. Arnold und seine Familie hatten sich aus Burg Altena zurückgezogen und residierten auf ihrer Burg Nienbrügge, der auch eine kleine Stadt angegliedert war, die Vorgängersiedlung der heutigen Großstadt Hamm. Friedrich und Adolf hingegen hatten ihren Kölner Lehnsherrn als unbequemen Mitverwalter auf Burg Altena und schufen sich deshalb Alternativen zu ihrem altenaischen Besitz.