mini|hochkant|Altes Signet der albanisch-orthodoxen Kirche mini|Byzantinische Hl.-Dreieinigkeitskirche auf dem Burgberg von Berat (1993) Die Autokephale Orthodoxe Kirche von Albanien () ist eine autokephale orthodoxe Kirche auf dem Gebiet der Republik Albanien. Sie umfasst das Erzbistum Tirana-Durrës mit den Eparchien (Bistümern) Berat, Gjirokastra und Korça.
Die orthodoxen Christen des Landes leben hauptsächlich im Süden sowie in den Großstädten Tirana und Durrës. Liturgiesprache ist das Albanische. In der Gegend von Saranda im Süden des Landes finden auch Gottesdienste in griechischer Sprache statt.
Über die Zahl der Kirchenmitglieder liegen nur sehr unsichere Angaben vor. Sie schwanken zwischen 160.000 und 420.000. Die Volkszählung vom Jahr 2011 ergab für die christlich-orthodoxe Anhängerzahl in Albanien rund 190.000, was 6,75 % der Bevölkerung sind. Vor dem Religionsverbot, das die albanischen Kommunisten 1967 erließen, waren etwa 20 Prozent der Bevölkerung orthodox. Oberhaupt der albanischen Orthodoxie ist seit 2025 der Metropolit Joan Pelushi, Erzbischof von Albanien.
Etwa 15.000 Albaner in den USA sind seit 1950 in zwei Diözesen organisiert, von denen eine direkt dem Ökumenischen Patriarchen untersteht, während die andere zur Orthodoxen Kirche in Amerika gehört.
Geschichte Antike und Mittelalter Das Christentum verbreitete sich früh im Gebiet des heutigen Albanien. Durrës (griech. Dyrrachion ) gilt als einer der ältesten Bischofssitze der Welt. Nach der kirchlichen Tradition hat der Apostel Paulus das Christentum bis nach Illyrien gebracht Der heilige Astios war an der Wende vom 1. zum 2. Jahrhundert Bischof der Gemeinde von Dyrrachion und erlitt unter Kaiser Trajan (98–117) das Martyrium. mini|links|Frühchristliche Basilika in Butrint Die albanischen Gebiete liegen an der Nahtstelle zwischen Ost- und Westrom und damit auch an der Grenze zwischen griechischer und lateinischer Kirche. Das Konzil von Nizäa unterstellte ganz Illyrien 325 dem römischen Patriarchat. 431 nahm Eucarius, der Erzbischof von Durrës, am Konzil von Ephesos teil. Durch die römische Reichsteilung kam der größere südliche Teil des Landes mehr und mehr in den Einflussbereich der byzantinischen Kirchenpolitik, wiewohl die Metropole Durrës offiziell noch bis in das 8. Jahrhundert dem römischen Patriarchat unterstand. Die Liturgie im Illyrien jener Tage war byzantinisch geprägt. Nur in der nördlich gelegenen Praevalitana war der römische Einfluss größer; dieses Gebiet war später der lateinischen Kirchenprovinz von Bar zugeordnet.
Im Jahr 731 löste der ikonoklastisch gesinnte Kaiser Leo III. die Metropole Durrës von Rom und unterstellte sie dem Patriarchen von Konstantinopel. Während der Regierung Leos VI. (886–912) werden in byzantinischen Quellen 15 Bischofssitze für den Sprengel Durrës genannt.
927 musste das Byzantinische Reich das bulgarische Patriarchat anerkennen, und die meisten Bistümer im Inneren Albaniens kamen unter dessen Kontrolle. Durrës wurde aber weiterhin vom Ökumenischen Patriarchat in Konstantinopel kontrolliert. 1018 endete diese Epoche mit der Zerschlagung des Bulgarischen Reiches durch die Byzantiner. Ein Teil der orthodoxen Bistümer im Süden des heutigen Albanien, so zum Beispiel Butrint und Berat, blieben jedoch dem autokephalen Erzbistum von Ohrid unterstellt.
Das große Schisma von 1054 wirkte sich erst nach und nach in Albanien aus. Die Einheit der Metropolie Durrës blieb vorerst erhalten. Die endgültige Trennung mit konkurrierenden Hierarchien erfolgte im Laufe des 13. Jahrhunderts.
Osmanische Zeit mini|hochkant|Christus-Ikone aus Labova e Kryqit (18. Jahrhundert)
Nach der osmanischen Eroberung Albaniens kam im 15. Jahrhundert der Islam als dritte Religion der Albaner hinzu. Die Muslime waren bald die Mehrheit unter den Albanern. Die Osmanen unterstellten alle orthodoxen Diözesen Albaniens dem autokephalen Erzbistum von Ohrid, das von ihnen lange Zeit protegiert wurde. Wegen des türkischen Drucks wanderten im 15. und 16. Jahrhundert viele Christen aus Südalbanien nach Süditalien aus und gründeten dort eigene Kirchgemeinden. Im Land selbst machte sich aber im 17. Jahrhundert eine Renaissance der orthodoxen Kirche bemerkbar, die anders als die katholische Kirche nicht von den Türken verfolgt wurde. Viele verfallene Kirchen wurden wiederhergestellt. Zuletzt wurde 1797 die Kathedrale von Berat neu aufgebaut.
Anfang des 17. Jahrhunderts wurde die Metropolie von Korça begründet, der die Bischöfe von Kolonia, Deabolis (Devoll) und Selasphoro (Sevdas) unterstanden. Damit wurde wohl dem Erstarken der orthodoxen Kirche in der Region um Korça und Voskopoja Rechnung getragen. Mit der Aufhebung der Autokephalie Ohrids durch den Sultan kehrten die orthodoxen Albaner 1766 unter die Jurisdiktion des ökumenischen Patriarchats zurück.
Die orthodoxen Christen auf dem Gebiet des heutigen albanischen Staats waren noch im 19. Jahrhundert eng mit der griechischen Kirche verbunden. Der Klerus war zum großen Teil griechischer Nationalität und im Gegensatz zu den Muslimen und Katholiken gab es unter den Orthodoxen viele Angehörige nationaler Minderheiten, in erster Linie Griechen, aber auch Aromunen und Mazedonier. Während die muslimischen und katholischen Albaner zeitweise in der albanischen Nationalbewegung Rilindja (dt.: Wiedergeburt) zusammenarbeiteten, die 1912 die Unabhängigkeit Albaniens erreichte, wollte die Mehrheit des orthodoxen Klerus eine Vereinigung Südalbaniens mit Griechenland herbeiführen. Gleichwohl war es ein orthodoxer Christ, Kostandin Kristoforidhi (1827–1895), der als Erster große Teile der Bibel ins Albanische übersetzte. Von ihm stammt die erste vollständige Übertragung des Neuen Testaments und der Psalmen.
Ende des 19. Jahrhunderts gab es auf dem Gebiet des heutigen Albanien sechs orthodoxe Bischofssitze (Durrës, Elbasan, Berat, Korça, Gjirokastra und Kolonja), die alle dem Ökumenischen Patriarchen in Konstantinopel unterstanden und sämtlich mit griechischen Amtsträgern besetzt waren.
20. Jahrhundert mini|Albanische orthodoxe Kirche in Worcester (Massachusetts), USA mini|hochkant|Kloster Ardenica Erste Anfänge einer unabhängigen albanischen Kirchenorganisation in den USA entstanden unter dortigen albanischen Einwanderern. Sie fühlten sich in den orthodoxen Gemeinden Amerikas von den dominierenden Griechen unterdrückt. Im Jahr 1908 wurde der spätere Bischof von Korça, Fan Noli, von Platon, dem russisch-orthodoxen Erzbischof von New York City, zum Priester geweiht. Im selben Jahr feierte Fan Noli in Boston erstmals die Liturgie in albanischer Sprache. 1919 wurde Noli zum Bischof der Albanisch-Orthodoxen Kirche in Amerika, die eine eigenständige Diözese unter dem Ökumenischen Patriarchen bildete, ernannt. Mit den Balkankriegen 1912/13 begann die griechisch-albanische Auseinandersetzung um die Region Epirus. Die griechischen Bischöfe der Region ergriffen Partei für ihre Nation, wodurch sie sich dem albanischsprachigen Teil ihres Kirchenvolks entfremdeten.
Nach dem Ersten Weltkrieg bekamen nationalalbanische Ansichten innerhalb der orthodoxen Kirche eine größere Bedeutung und es entstand eine Bewegung, die sich um die Lösung der albanischen Eparchien von der griechischen Kirche bemühten. Vorläufig verhinderten aber die Ökumenischen Patriarchen Gregorios VII. und Konstantin VI. die Entstehung einer autokephalen albanisch-orthodoxen Kirche, die auch der albanische Staat anstrebte. 1921 wurden die vier griechischstämmigen Bischöfe des Landes verwiesen. Die Gründe dafür waren politisch, aber auch das Festhalten an der griechischen Liturgiesprache wurde ihnen zur Last gelegt. Eine Versammlung von Klerikern und Laien in Berat führte im September 1922 Albanisch als Liturgiesprache ein. 1929 erklärte sich die albanisch-orthodoxe Kirche einseitig für autokephal und ernannte den Archimandriten Bessarion Juvani zu ihrem Metropoliten. Weitere griechische Priester und der Vertreter des Ökumenischen Patriarchen wurden ausgewiesen, nachdem Konstantinopel alle albanischen Bischöfe für abgesetzt erklärt hatte. Erst 1937 kam es zur offiziellen Anerkennung der albanischen Autokephalie durch Patriarch Benjamin. Im selben Jahr wurde ein Priesterseminar in Korça eingerichtet.
Die italienische Besatzungsmacht versuchte, die albanische Orthodoxie während des Zweiten Weltkriegs zum Anschluss an die katholische Kirche zu bewegen. Sie sollte sich mit den unierten Italo-Albanischen Bistümern vereinigen. Die Orthodoxen widerstanden dem politischen Druck, bis die italienische Herrschaft in Albanien 1943 zusammenbrach. Zu dieser Zeit umfasste der albanische Klerus etwa 440 Gemeinde- und Ordenspriester.
Mit der Machtübernahme der Kommunisten unter Enver Hoxha 1944 wurde die Kirche erneut unterdrückt. Die Orthodoxen glaubten zu dieser Zeit noch, sich auf irgendeine Weise mit dem neuen Regime arrangieren zu können. Spätestens als die Kommunisten im Jahr 1949 Erzbischof Kristofor Kisi absetzten, erwies sich diese Annahme als Illusion. Die albanische Regierung ließ dann Paisios Vodica zum neuen Oberhaupt der Kirche wählen. Das Patriarchat von Konstantinopel erkannte diesen Eingriff in die kirchliche Autonomie erst nach dem Tod Kisis 1958 an. Schon in den 1950er Jahren nahm der Druck des Regimes auf die orthodoxe Kirche immer mehr zu. Eine Kirche nach der anderen wurde durch die Behörden geschlossen, Gottesdienste und die Spendung der Sakramente immer häufiger verhindert, Priester inhaftiert. Der 1966 gewählte Erzbischof Damian Kokonesi wurde schon ein Jahr nach seinem Amtsantritt verhaftet und starb im November 1973 achtzigjährig im Gefängnis.
Als Albanien 1967 zum atheistischen Staat erklärt wurde, waren die kirchliche Hierarchie und die Institutionen der Orthodoxie praktisch schon zerschlagen. Nun wurden die verbliebenen Kirchen geschlossen, und die letzten noch in Freiheit lebenden Priester kamen ins Gefängnis. Viele saßen im Lager Borsh an der Küste des Ionischen Meeres ein.
Nach dem Sturz des kommunistischen Regimes können seit dem Herbst 1990 wieder öffentliche orthodoxe Gottesdienste zelebriert werden.
Gegenwart Wiedererrichtung der Hierarchie
Der institutionelle Neuanfang begann im Juli 1991 durch die Ankunft von Anastasios Yannoulatos, damals Bischof von Nairobi. Als Abgesandter des ökumenischen Patriarchats erkundete er, was von der albanischen Kirche übrig geblieben war. Von den 440 Priestern, die es 60 Jahre zuvor gegeben hatte, lebten noch 22. Alle waren alt und gebrechlich.
Bischof Anastasios berief im August 1991 eine Kirchenversammlung ein, auf der Priester und Laien aus allen albanischen Diözesen über den Wiederaufbau der Kirche berieten. Noch im gleichen Jahr wurde Yannoulatos vom ökumenischen Patriarchen und mit dem Einverständnis der Synode im Phanar sowie des Klerus und der orthodoxen Bevölkerung Albaniens zum Erzbischof von ganz Albanien ernannt. Auch die Regierung akzeptierte die Ernennung. Im Juli 1992 trat der neue Metropolit sein Amt an. Die Wahl eines Griechen zum Metropoliten war eine Übergangslösung, da es nach den Verfolgungsjahren unter den Kommunisten keinen qualifizierten Albaner für das Amt gab.
Die geistliche Leitung der Kirche obliegt dem Erzbischof gemeinsam mit der Bischofssynode. Daneben gibt es den gemischten Kirchenrat, der aus Geistlichen und Laien besteht und für ökonomische und administrative Fragen zuständig ist. Rechtliche Grundlage für die kirchlichen Gremien ist das Statut von 1950, das 1993 von der zweiten allgemeinen Kirchenversammlung ergänzt und den modernen Erfordernissen angepasst wurde.